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Ein deutscher Soldat foltert nicht." (Peter Struck)

Hmm. Wirklich nicht? Bis jetzt ist es nur ein unbestätigtes Gerücht und es könnte sich um die Wichtigtuerei von Trittbrettfahren handeln, aber immerhin gibt es inzwischen eine Untersuchung zu Folterfotos aus dem Kosovo.

"Ministeriumssprecher Norbert Bicher sagte der "Bild"-Zeitung: "Wir gehen diesem ungeheuerlichen Verdacht mit dem gebotenen Ernst nach. Wir bemühen uns auf allen Wegen, diese angeblichen Fotos zu bekommen." Bicher stellte jedoch klar: "Wir gehen davon aus, dass da nichts dran ist." [...]
Nach mehrfachen Befragungen gebe es weiterhin keinerlei Hinweise, dass es Folterungen oder Fotos davon gebe, sagte Bicher."

Ich weiß nicht, aber klingt so jemand, der sich absolut sicher ist, daß "ein deutscher Soldat nicht foltert"? Und wenn man es doch nicht völlig ausschließen kann - ist dann das überhebliche Moralisieren gegenüber den Amerikanern, die ihre Werte verloren hätten, nicht ein wenig scheinheilig?
Ach ja, und wieso waren bei den US-Soldaten schon die ersten unbestätigten Gerüchte Top-Nachrichten und wurden umgehend als Quasi-Fakten präsentiert, während der Verdacht gegen deutsche Soldaten so weit hinten in den Nachrichten auftaucht und dabei noch verharmlost wird?


3. Abu Ghraib an Deutschlands Schulen

In den letzten Tagen konnten wir lesen, daß in Hildesheim nun elf Schüler vor Gericht stehen, die über Monate hinweg einen Mitschüler geschlagen, erniedrigt, sexuell gedemütigt und dabei gefilmt haben (die Videos gab es im Internet) - das volle "Abu-Ghraib-Programm" also.
Strafjustiz: "Erst den Schutt wegräumen"

Spiegel Online gibt sorgsam acht, den Begriff Folter hier allenfalls in Anführungszeichen zu verwenden. Denn: "Was er erlitt, hat zwar nichts mit "Folter" zu tun, gegenwärtig ist undifferenziert alles gleich Folter, was Menschen einander antun."

Ich frage mich: Wenn Spiegel Online - m. E. zurecht - für Abu Ghraib den Begriff Folter verwendet, ohne zu wissen, ob die Mißhandlungen im Zusammenhang von Befragungen der Gefangenen standen (was strenggenommen erst erlauben würde, von Folter zu sprechen), warum gilt dann nicht dasselbe für diesen Fall? Nach derzeitigem Kenntnisstand war beides scheinbar keine Folter im engeren Sinne, aber Folter nach allgemeinem Verständnis. Dann nennen wir es aber bitte auch so.

"Doch es geht schon weit über altersübliche Rangeleien oder derbe Scherze hinaus, was sich in den Räumen der Hildesheimer Schule abspielte." schreibt Spiegel Online und nennt Details:
"Vor Gericht geht es um 26 Taten. Tatsächlich waren es wohl weitaus mehr. Er hat sich nicht gewehrt. Er hat sich die Hose öffnen und seine Genitalien fotografieren lassen. Er hat auf Geheiß zweier Angeklagter Kreide essen und Patrick die Schuhe küssen müssen. Dafür trat Patrick ihm dann ins Gesicht, mit einem Arbeitsschuh, der eine Stahlkappe hatte. Er hat sich laut Anklage schlagen, treten, verhöhnen und quälen lassen, hat sein Handy hergegeben, als Alexander dies von ihm verlangte. Und als Patrick wollte, dass er vor der Klasse masturbiert, hat er 10 bis 15 Minuten lang so getan als ob. Es wurde immer schlimmer. Zum Schluss ließen sie ihn überhaupt nicht mehr in Ruhe."

In der Tat geht das weit über "altersübliche Rangeleien" hinaus. Mir bleibt allerdings unverständlich, wieso ähnliche Verbrechen amerikanischer Soldaten bei Spiegel Online dazu führen, einem ganzen Land den moralischen Bankrott zu attestieren, während in diesem Fall ein Vergleich zu "Rangeleien" wenn auch verworfen, so doch zumindest angedeutet wird.
(Un-)Taten à la Abu Ghraib werden nicht harmloser dadurch, daß sie von deutschen Schülern statt US-Soldaten begangen werden. In Zukunft wäre also etwas weniger moralische Selbstgewißheit ebenso angezeigt wie das Anwenden ähnlicher Maßstäbe bei - trotz allen Unterschieden in Kontext und Detail - durchaus vergleichbaren Taten.

Spiegel Online gibt sorgsam acht, den Begriff Folter hier allenfalls in Anführungszeichen zu verwenden.

IMO weil es noch Schüler/Jugendliche sind und keine Soldaten mit Amtseid in Uniform. Bei den Vorwürfen gegen Bundeswehr-Soldaten in Kosovo wurden keine Anführungszeichen verwendet IMO - obwohl es da bisher noch nichtmal Fotos gibt.

n-)Taten à la Abu Ghraib werden nicht harmloser dadurch, daß sie von deutschen Schülern statt US-Soldaten begangen werden. ....durchaus vergleichbaren Taten.

Auch die Massaker von Columbine High oder Erfurt machen andere Taten nicht um ein Deut besser.

Und vergleichbar ist da nichts - lokale Verbrechen vs. Soldaten in Uniform im Ausland, seien es US-Soldaten im Irak oder Deutsche in Kosovo (die letzten beiden kann man durchaus untereinander vergleichen, falls es sich bestätigen sollte).

Diese permanente Gleichstellung/Vergleich von Äpfeln und Birnen finde ich eigenartig.

@ Klink

Es sind nun einmal fast identische Taten. Natürlich in einem jeweils unterschiedlichen Kontext. Aber wenn man schon einmal die genaue Definition von "Folter" über den Haufen geworfen hat (sprich: die Instrumentalsierung von Gewalt oder Gewaltandrohung zur "Informationsgewinnung"), dann sehe ich nicht, warum man das bei so ähnlichen Taten nicht auch in beiden Fällen tun soll!? Wieso sind sexuelle Mißhandlungen, Erniedrungen, Schläge etc. in einem Fall "Folter" und im anderen nicht, obwohl sie es, wenn man schon penibel ist, nach derzeitigem Kenntnisstand wohl in keinem von beiden Fällen waren? Ein Amtseid hat wenig damit zu tun. Sprechen wir denn nicht auch häufig bei Leuten wie Dutroux von Folterkellern, mit oder ohne Anführungszeichen? Hat der einen Amtseid abgelegt? Also bitte: Verwenden wir das Wort Folter ohne Anführungszeichen einheitlich oder verwenden wir es gar nicht. Aber verwenden wir es nicht nur dann, wenn es uns gerade in den Kram paßt. Daß macht die Verbrechen im Irak keinen Deut besser, dazu habe ich mich auch, denke ich, wiederholt mehr als eindeutig geäußert. Aber es ist mir nicht klar zu machen, warum die selben Taten einmal Folter sind und ein anderes Mal nur "mehr als altersübliche Rangeleien".

Also bitte: Verwenden wir das Wort Folter ohne Anführungszeichen einheitlich oder verwenden wir es gar nicht.

Ich denke schon, die Anführungszeichen haben mit der Jugendlichkeit der Beteiligten zu tun. Ich erinner mich z.B. noch mit Gruseln an die mediale Hinrichtung im Fall Sebnitz (mit der BILD als Vorreiter), die sich letztlich als Luftnummer erwies. Folter wurde es ja hier durchaus genannt.

Und es nun im Vergleich mit Irak zu nennen, ist halt der eigentliche Unsinn - völlige andere Bedeutung für die Welt-Politik.

Die Weltpolitik ist da kein Maßstab. Wenn heute in Papua-Neuguinea jemand so mißhandelt wird, ist es nach meinem Verständnis ebenso Folter wie das, was in Abu Ghraib passiert ist und ebenso schlimm, hat aber eine weltpolitische Relevanz, die ganz massiv gegen Null tendiert. Mir geht es darum, daß ich denke, so etwas liegt - leider - in der Natur des Menschen und passiert täglich an hunderten Orten. Das macht es nicht harmloser, sondern im Gegenteil nur um so notwendiger, da massiv gegeben vorzugehen. Und es macht es umso verwerflicher, wenn jemand das angeordnet hat. Aber es erlaubt uns eben NICHT, die Nase zu rümpfen und Amerika den Verlust seiner Werte zu attestieren. So etwas passiert in deutschen Gefängnissen, an deutschen Schulen und mit ziemlicher Sicherheit auch in der Bundeswehr. (Ich könnte jedenfalls aus eigener Wehrdienst-Erfahrung von seelischen Grausamkeiten durch Vorgesetzte oder unter Kameraden berichten, die Spiegel Online, wenn sie im Irak begangen worden wären, definitiv als psychische Folter bezeichnen würde.) Wir sollen und müssen kritisieren, was da im Irak passiert ist. Aber wir sollen doch bitte nicht so tun, als wären wir davor gefeit oder als würden "deutsche Soldaten" per definitionem nicht foltern. Das ist doch Quatsch mit Soße, und noch dazu mit einer ziemlich muffig schmeckenden.

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