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Frau Doering freut sich berichten zu können, daß die Terroristen smarter als die US-Administration zu sein scheinen. Welche Lösung hat denn Frau Doering gegen Selbstmordattentate und Raketenangriffe aus dem Hinterhalt? Wie machtlos man dagegen ist, sieht man doch an Israel. Aber die "arrogante" Supermacht, so wie sie die USA sieht, macht alles falsch. Arbeitslose Iraker werden also zu Terroristen. Wollen wir nur hoffen, daß die Deutschen sich nicht auch in diese Richtung entwickeln. Wieviele Millionen Terroristen hätten wir dann?


http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/meinung/288124.html

Analyse

Eine unheilvolle Allianz
Die Strategie der Terroristen in Irak geht auf: Das Chaos wächst. Internationale Hilfswerke ziehen ab
Martina Doering

Unter Feinden
Amerikanische Militärpolizisten patrouillieren nach einer Serie von Bombenanschlägen durch die Straßen Bagdads. Mindestens 34 Menschen kamen am Montag bei fünf Selbstmordattentaten in der irakischen Hauptstadt ums Leben. Ein Ziel war das Hauptquartier des Roten Kreuzes. (Foto: Reuters/Chris Helgren)

Die Abgesandten zur Geberkonferenz in Madrid waren nach Hause gefahren, ihre Hilfszusagen in Milliardenhöhe gewürdigt worden - da begann in Irak eine neue Attentatserie. Am Montagmorgen wurde Bagdad von mehreren Explosionen erschüttert. Zu den Zielen gehörten die Büros internationaler Hilfsorganisationen sowie der irakischen Polizei. Jede Person und jede Institution, die zur Normalisierung der Verhältnisse in Irak beiträgt und damit indirekt der US-Besatzungsmacht hilft, kann zum Ziel werden. So lautete die Botschaft der Attentate.
Besonders dreist und kaltblütig aber machten die Terroristen Jagd auf den amerikanischen Vize-Verteidigungsminister während seines Irak-Besuches. Paul Wolfowitz hatte am Sonnabend gerade die Gegend um Tikrit mit einem Hubschrauber verlassen - als dort ein anderer US-Hubschrauber mit Granaten abgeschossen wurde. Am Sonntagmorgen trafen mehrere Raketen das Bagdader Hotel Al-Rascheed, in dem Wolfowitz einquartiert war. Er kam sichtlich verstört, aber unverletzt davon. Der Anschlag, so Wolfowitz, werde die USA nicht davon abhalten, ihre Mission zu Ende zu führen. Jedes andere Statement wäre einer Sensation gleichgekommen: Schließlich ist Wolfowitz einer der geistigen Väter des Irak-Krieges, der zum Auslöser einer Demokratisierungswelle in Nahost werden sollte.

Bei allem Abscheu: Die Terroristen scheinen über klügere Köpfe zu verfügen als die US-Administration. Denn ihre Strategie hat derzeit mehr Erfolg. Die Uno hat ihr Personal reduziert. Die Hilfswerke sind schon abgezogen oder denken darüber nach. Und über die missionarischen Durchhalteparolen von Wolfowitz & Co können sich die Gegner der US-Besatzung nur freuen. Das Chaos wird sich vergrößern, solange die US-Besatzungsmacht ihre Fehleinschätzungen sowie -entscheidungen in Irak nicht berichtigt.

Dazu gehört die falsche Annahme, dass hinter den Attentaten lediglich ein kleiner Haufen unverbesserlicher Saddam-Anhänger sowie eingeschleuster El-Kaida-Terroristen steckt. Irak ist zwar tatsächlich zum Tummelplatz für die internationale Terroristen-Allianz geworden. Dort ist die Supermacht verwundbar. Dort kann man ihr Niederlagen zufügen, deren Auswirkungen bis nach Washington reichen und damit sogar über Ab- und Aufstieg von US-Präsidenten befinden. Aber auch Saddam-Anhänger und El-Kaida-Terroristen brauchen ein freundliches oder sich passiv verhaltendes Umfeld. Durch die Auflösung der irakischen Armee, der Polizei und Ministerien aber hat die US-Besatzungsmacht ein Heer von Arbeitslosen und sich damit viele Feinde geschaffen.

Ebenso fatal wirkt sich der Alleinherrschaftsanspruch der Besatzungsmacht aus. Die Uno und die EU mögen schwach und schwerfällig sein. Deren Beteiligung in einer zeitlich begrenzten Übergangsphase ist aber psychologisch immens wichtig: Denn mit einer multinationalen Behörde können die Iraker zusammenarbeiten. Dienen sie der US-Administration, gelten sie als Kollaborateure und müssen um ihr Leben fürchten.

Ganz erfolglos sind die Amerikaner beim Wiederaufbau in Irak nicht. Aber sie sind unfähig, diese Fortschritte medial zu verkaufen. Das von den USA finanzierte Fernsehen sei lausig, sagen Iraker. Es gäbe zwar 120 Zeitungen im Land, aber politische Informationen erhalte man nur von ausländischen, arabischen Sendern. Die aber vermelden nur Misserfolge. Denn je höher der Preis, den die USA in Irak zahlen müssten, um so geringer ihre Lust, weitere Konflikte in der Region zu provozieren.

Opfer dieser unfreiwilligen Allianz zwischen der arroganten Supermacht und ihren Gegnern aber sind die Soldaten der Besatzungstruppen, die Mitarbeiter von Hilfswerken und die Mehrheit der Iraker.

Noch ein nettes Beispiel:
Wenn man den Irakern die Würde und ihren Stolz nimmt, dann werden sie also zu Terroristen. Haben die USA nicht gerade den Irakern ihre Würde wiedergegeben? Wie realitätsfern muß Herr Grobe sein, um wirklich zu glauben, daß die von Saddam Hussein entwürdigten Menschen nun ihr Leben in die Luft sprengen, weil die USA im Lande sind?


URL: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/die_seite_3/?cnt=328706


KOMMENTAR: ANSCHLAG AUF WOLFOWITZ

Gesichter des Kriegs

VON KARL GROBE

Paul Wolfowitz hat in Bagdad dem fortdauernden Krieg ins Gesicht gesehen. Vielmehr: Er konnte viele Gesichter des Kriegs wahrnehmen. Der Raketenangriff auf das Hochsicherheits-Hotel, in dem er sich aufhielt, war präzise organisiert, eine Kampfhandlung von Guerilleros. Tags zuvor hatte ein Armee-Sprecher berichtet, dass die Angriffe auf die Besatzungsarmeen zunehmen; vorige Woche wurden 35 Gefechte täglich verzeichnet, dreimal mehr als bisher. Als in Tikrit kurz nach dem Besuch des Vize-Verteidigungsministers ein Black-Hawk-Hubschrauber in Flammen aufging, kamen gar Erinnerungen an das US-Fiasko in Somalia auf.

Die USA stehen in Irak nicht kurz vor dem Endsieg über die restlichen Saddamisten und terroristische Verschwörer, wie die offizielle Version lautet. Der Widerstand andererseits ist nicht so stark, dass er die Besatzungsmächte rasch aus Mesopotamien vertreiben könnte. Zum bewaffneten Aufstand sind bisher erst Minderheiten bereit, und sie agieren noch unabhängig voneinander.

Über Raketen und Mörser, wie sie beim Angriff auf das Al-Raschid-Hotel am Sonntagmorgen verwendet wurden, verfügen anscheinend die Übriggebliebenen der einstigen so genannten Elitetruppen des Baath-Regimes. Bei den Plünderungen von Armee-Depots, deren Bewachung in den Tagen des vermeintlichen Blitzsiegs gar nicht vorhanden war und noch lückenhaft ist, können sich freilich auch andere zum Kampf entschlossene Gruppen bedient haben. Dass sie von zugereisten Extremisten Zuzug bekommen haben könnten, ist nicht entscheidend.

Die Selbstmord-Anschläge auf die jordanische Botschaft oder das UN-Hauptquartier in Bagdad haben offenbar einen anderen Hintergrund. Die "Handschrift" ist gerade nicht die einer wohl organisierten Partisanenarmee. Bei den fortdauernden Scharmützeln im "sunnitischen Dreieck" mischt sich anhaltende Abwehr gegen die Okkupation mit spontanen Reaktionen auf unüberlegte, manchmal von momentaner Panik bestimmte Handlungen der Fremden und mit der Frustration mancher Clans, aus denen sich die Machteliten aller früheren Regimes rekrutiert haben. Das Gemisch ist entzündlich. In jedem der erwähnten Komplexe sind die Hintergründe nicht in erster Linie religiös, sondern sozial - in Kombination mit einem in der irakischen Gesellschaft nicht zu unterschätzenden Selbstverständnis von Würde, Stolz und Bewusstsein eigener Fähigkeiten.

Die Mobilisierung der verelendenden Mittelschichten und des Unterproletariats in Medinet as-Sadr, dem Armuts-Stadtteil von Bagdad mit gut zwei Millionen Zuwanderern aus den Agrargebieten im schiitischen Süden, ist ebenfalls eher eine Reaktion auch der anhaltenden Zukunftsangst als eine schiitisch-extremistische Radikalisierung. Muktada as-Sadr, dessen Zuschläger den Aufbau einer eigenen Armee propagieren, nutzen einfachste Glaubenssätze vielmehr zur ideologischen Rechtfertigung eigener Machtpolitik; da andere politische Orientierungen offensichtlich nicht überzeugungskräftig genug sind, tun sie das nicht ohne Erfolg. Der Islamismus ist aber aufgesetzt, er ist nicht die Triebkraft der Aktionen.

Diese Strömungen erfassen noch bei weitem nicht das gesamte irakische Volk und auch nicht die Arabisch sprechende Mehrheit. Sie stehen noch unverbunden nebeneinander. Die Gefahr besteht aber, dass sie zusammenfinden. Im beginnenden Ramadan kann da einiges geschehen.

Verloren zwischen und neben alledem steht der handverlesene Rat der Würdenträger. Er wirkt nicht aus dem Volk und nicht ins Volk hinein. Er ist nicht die Selbstregierung, die unter Mithilfe und vielleicht Aufsicht durch die UN eine friedliche Perspektive bieten könnte. Das nicht sehen zu wollen und das Falsche zu fördern ist eine amerikanische Tragödie.

Dossier: Irak nach dem Krieg

International: Wolfowitz entgeht Anschlag in Irak unverletzt

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Copyright © Frankfurter Rundschau online 2003
Dokument erstellt am 26.10.2003 um 20:25:03 Uhr
Erscheinungsdatum 27.10.2003


Auch im Tagesspiegel nur Schlechtes: Hoher Blutzoll der Amerikaner im Irak, Bush ist gescheitert und wieder Großdemonstrationen (Da die Zahl so gering ist, wird sie lieber verschwiegen). Wollen die deutschen Medien, daß Bush scheitert? Ich frage mich, was Sinn dieser Analyse ist.

http://www.tagesspiegel.de/meinung/index.asp?gotos=http://archiv.tagesspiegel.de/toolbox-suche.php?ran=on&url=http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/27.10.2003/809516.asp#art

Verfehlt und getroffen
Die symbolische Sprengkraft des Anschlags von Bagdad

Von Hans Monath

Der Blutzoll der Amerikaner im Irak ist hoch. So erwartbar ist die Gewalt gegen die Besatzer geworden, dass die täglichen Nachrichten über verletzte oder getötete US-Soldaten hierzulande nur noch wenige erschrecken. Mit dem Raketenangriff auf das Hotel von Paul Wolfowitz in Bagdad aber verhält sich das anders. Der Versuch, mit dem Vize-Verteidigungsminister einen der höchsten Repräsentanten der Supermacht zu treffen, ist von gefährlicher Symbolkraft. Die Raketen auf das Raschid-Hotel entfalten politische Sprengwirkung, auch wenn sie ihr eigentliches Ziel am Sonntagmorgen glücklicherweise verfehlt haben.

Ihren Anhängern und der Welt konnten die Terroristen von Bagdad die Verwundbarkeit der amerikanischen Besatzer demonstrieren. Die Prominenz des Gefährdeten garantiert, dass die Medien die Botschaft auf allen Kanälen verbreiten: Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen ist ein Angriff nahe des amerikanischen Hauptquartiers in Bagdad möglich. Die US-Sicherheitskräfte können nicht einmal dort das Zuschlagen der anonymen Gewalt verhindern und die Sicherheit eines Spitzenpolitikers garantieren. Wie aber sollen sie es dann im mühsamen Alltag der Nachkriegsära schaffen, das Land zu befrieden und die eigenen Leute zu schützen? Das ist eine Botschaft, die auch in Amerika Wirkung haben soll. Sie wird gehört werden in einem Land, das Bushs Irak-Abenteuer für gescheitert hält und am Wochenende zum ersten Mal wieder eine Großdemonstration gegen dessen Irak-Politik erlebte. Da warten bohrende Fragen auf die Verantwortlichen.

Es ist keine Überraschung, dass Paul Wolfowitz selbst erklärt hat, der Angriff könne sein Land nicht an der Erfüllung seiner Aufgaben hindern. Dabei scheint in Washington die Zeit längst vorbei, in der der neokonservative Programmatiker und sein Chef Donald Rumsfeld die Irak-Politik der Regierung Bush dominierten. Dass Rumsfeld mittlerweile den Kampf gegen den Terrorismus als nicht sehr erfolgreich bezeichnet und ihn künftig nicht mehr nur mit Waffen, sondern auch mit Gedanken führen will, ändert nichts daran, dass der Präsident ihn als Chefplaner für den Irak zugunsten von Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice entmachtet hat. Für das Signal, das die Terroristen von Bagdad setzen wollten, ist es aber ganz egal, wie mächtig Paul Wolfowitz oder Donald Rumsfeld heute noch sind.


Gabi,

schön was Sie alles ausgraben - der Übersicht halber würde ich jedoch vorschlagen, nicht die gesamtrn Artikel zu posten, sondern den link und aussagekräftige ausschnitte.

Viele Grüße

HZB

Im übrigen: Die Situation im Irak ist doch vergleichbar mit der Intifada der Palästinenser, mit der Israel leben muß. Da können unsere deutschen Medien nach über 100 (oder 200?) Selbstmordattentaten gar nicht verstehen, daß Israel diesen Terror bekämpfen und sogar noch einen Zaun bauen will (5,71 % als Mauer) und fordern ein, daß sie die Spirale der Gewalt endlich stoppen, also nicht reagieren, sondern weiter Friedensverhandlungen führen. Hier im Irak versetzen bereits einige wenige Attentate die Journalisten in den Ausnahmezustand, so daß sie im Chor das Scheitern im Irak trällern.

Ja, das habe ich auch schon gedacht: Wer hat Lust, den Mist in aller Länge zu lesen?! Aber mehr mute ich den Lesern heute nicht zu.

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