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Der Verfasser dieser Seite sieht in der konstruktiven Kritik Susan Sontags einen Haß auf das eigene Land und versucht dies durch aus dem Zusammenhang ihres Gesamtwerkes gerissene Zitate zu belegen. Jeder Kundige weiß, daß Susan Sontag im Falle des Bosnienkrieges auch den bequemen europäischen Pazifismus scharf kritisiert hat, es mithin schwer möglich ist, sie in eine bestimmte ideologische Ecke zu stecken.

Freilich: es ist nicht ganz verfehlt, bei Herrn Kaspar selbst eine Art schwer erklärlicher Obsession festzustellen. Die ganze deutsche Medienlandschaft erscheint hier kontrafaktisch als eine einzige antiamerikanische und antisemitische Verschwörungsszenerie, und dies wird den englischsprachigen Besuchern dieser Seite auch entsprechend suggeriert. Merkwürdigerweise ist es diesmal nicht ein kriegerischer deutscher Imperialismus, sondern vielmehr eine friedfertige Tendenz in der heutigen deutschen Mentalität, die als verwerflich erscheint. Der deutsche Beitrag im Kampf gegen den Terror - etwa in Afghanistan- wird dementsprechend systematisch unterschlagen. Die deutsche Gesellschaft steht überdies nicht - was verständlich wäre - wegen Todeslagern und Todesstrafe am Pranger, sondern weil sie - regiert von einer eindeutig antifaschistischen Volkspartei - zu 'links' und liberal erscheint und - im Gegensatz zu den U.S.A. als einzigem Land der westlichen Welt - (und im Einklang mit mittlerweile 111 weiteren Ländern) mittlerweile seit über 50 Jahren auf den Henker, der eben auch mal Unschuldige umbringen kann, verzichtet. Wer's fassen kann, der fasse es!

Nur noch elf Prozent der Bevölkerung betrachten Amerika als besten Freund (Allensbach). Zwei Drittel assoziieren den Begriff "Amerikaner" mit "hochmütig", jeweils 54 Prozent mit "rücksichtslos" und "gewalttätig". Eigentlich schade das Erich Honecker das nicht mehr erleben darf. Sein Ostfernsehen hat die Amis schon immer richtig dargestellt, jetzt zieht der Westen nach. Die Insel der Seeligen und das Tal der Ahnungslosen wachsen zusammen. Eine unschlagbare Kombination. In einem Brief an ein irakisches Kind, den er für eine Boulevardzeitung verfasste, schrieb der Liedermacher Konstantin Wecker: "Bald schon kannst Du lernen, was der Westen unter Freiheit versteht. Du kannst schon bald die neuesten Schwarzenegger-Filme sehen, Hamburger kaufen, Videokriegsspiele spielen und CNN und MTV empfangen." Er vertritt damit keine Außenseiterposition. Dass westliche Werte außer mit Hamburgern auch etwas mit individueller Freiheit, Demokratie und "rule of law" zu tun haben könnten, dass sie womöglich verteidigenswert sind und worin der Unterschied zum Totalitarismus besteht - dies klingt zur Zeit weitaus weniger populär als Weckers Weltsicht.

Die Literaten Günter Grass (76) und Martin Walser (76) sind genauso stolz auf Deutschland und seine Regierung wie jugendliche Pace-Fahnenschwenker. Sogar in bayrischen Schulen wurden vom Lehrkörper Friedensketten verordnet. Das vorbestellte Regionalfernsehen übertrug die spontanen Demonstrationen dann abends in die Wohnzimmer der ergriffenen Eltern. Vergesst Pisa. Wissenslücken werden durch Gesinnung ersetzt. Auf dem Felde der Moral sind wir Weltspitze. Und endlich darf man den Nationalgefühl auch als linker Bildungsbürger so richtig raushängen lassen. Wer in Schwabing, Bockenheim oder am Prenzlauer Berg in den letzten Wochen die Ohren aufmachte, hörte immer wieder den gleichen Satz: "Zum ersten mal im Leben bin ich stolz ein Deutscher zu sein." An der Spitze aller Sachbuch-Bestsellerlisten rangieren ein halbes Dutzend Werke, die davon überzeugt sind, dass Amerika von gewaltsüchtigen Volltrotteln regiert wird. Darüber sind sich Todenhöfer, Scholl-Latour und Möllemann völlig einig.

Deutschland allein zuhaus: Das neue Nationalgefühl schwankt zwischen moralischer Überheblichkeit und kindlichem Trotz. Wirte streichen Coca Cola von der Karte und ein Darmstädter Fahrradhersteller boykottiert seine amerikanischen Zulieferer. Kauft nicht beim Amerikaner, meint auch Berlins Erzbischof Sterzinsky. Und der Leiter der Oberhausener Kurzfilmtage warf die amerikanischen, britischen, spanischen und italienischen Vertreter, also jene der "kriegsführenden Staaten" aus seiner Anfang Mai stattfindenden Veranstaltung hinaus. Was den Publizisten Burkhard Müller-Ulrich zu der Einschätzung veranlasste: "Jetzt macht man die Türen zu und zeigt der Welt, worin die deutsche Strategie auf dem Weg zum Frieden besteht: Nichts hören, nichts sehen, aber viel sagen." Und zwar in Klartext und auf Deutsch. Vorbei die Zeit als Businesspeople und Teens Inhaltslosigkeit mit nervigen Anglizismen aufblähten. Nun heißt es wieder: "Stoppt die Amerikanisierung unsere Sprache und Kultur." In Weimar klebt diese Parole an vielen Laternenmasten.

Aus: Deutschland allein zu Haus von Maxeiner & Miersch. Herr Füllmann, ich finde es enorm unterhaltsam, wie sehr Sie die Augen verschließen. Nennen Sie bitte eine - EINE - Medienquelle, die den Irakkrieg unterstützt hätte.

Viel Spaß beim Suchen

HZB

Nun denn, zunächst einmal die Medienquelle: natürlich war die 'Welt', wie es auch in ihren Statuten steht, grundsätzlich auf der Seite der U.S.A.. Die FAZ und die 'Süddeutsche' hatten einen differenzierten Standpunkt, einige Redakteure wie Platthaus und Mangold unterstützten den Irak-Krieg explizit, selbst im Stern wurde er von einigen Redakteuren in ausführlichen Plädoyers unterstützt. Dies war zweifellos eine große intellektuelle Herausforderung. Und überhaupt: die eine große Volkspartei war dagegen, die andere dafür. Daraus ergibt sich doch ein viel breiteres Meinungsspektrum wie etwa in Frankreich, diesem zweiten Hort des 'Bösen'. Wo ist eigentlich Ihr Problem?

Vielleicht erstaunt es sie überdies, daß sie bei mir in vielen Fragen offene Türen einrennen. Auch ich sehe die Demokratiedefizite in der arabischen Welt, sehe den wachsenden Antisemitismus dort, sehe, daß Israel machen kann, was es will, und stets Terror erntet. Gerade deswegen bin ich aber auch gegenüber einem Demokratie-Export in den Irak skeptisch. Wo sind die Willy Brandts, die Ernst Reuters, die Kurt Schumachers, die Konrad Adenauers und vor allen Dingen ihr 'Fußvolk' in diesem Land? Ich sehe sie bislang nicht (ebensowenig wie die Israel bedrohenden Massenvernichtungswaffen, die für mich natürlich ein Kriegsgrund gewesen wären).

In zwei Aspekten sind wir freilich über Kreuz: ich denke, daß die Französische Revolution und die französische Aufklärung ebenso zu den veteidigenswerten westlichen Werten beigetragen haben wie die 'Bill, of Rights', ja das in der heutigen Welt die U. S. A. mit ihrem höchst problematischen Festhalten an der Todesstrafe im Justizalltag und ihrem veralteten Wahlrecht gerade in der westlichen Welt ziemlich isoliert sind. Auch die sogenannten 'Sodomy Laws' wurden z. B. erst vor kurzem unter Berufung auf europäisches Recht vom 'Supreme Court' aufgehoben. Kein amerikanischer Präsident hatte angesichts des starken religiösen Fundmentalismus den Mut, dies zu tun. Die freiheitliche Verfaßtheit einer Gesellschaft fängt m. E. in der Privatsphäre an.

Überdies halte ich zweitens deutschen Patriotismus nicht eo ipso für verwerflich. Je liberaler dieses Land wird, desto wohler fühle ich mich halt hier. Ich bin nun einmal wie weiland Hans Mayer 'ein Deutscher auf Widerruf'!

Zuletzt möchte ich aber einräumen, daß ich die in diesem Umfeld geäußerte Variante eines 'deutschen Selbsthasses von rechts' durchaus innovativ und faszinierend finde. Welchem tatsächlichen oder potentiellen Faschismusopfer ist eigentlich damit gedient?

P. S. Die vielen Pace-Fahnen- etwa in Rom - zeigten mir - ebenso wie der bekanntlich notorisch linkslastige Papst - desweiteren, daß das unbelehrbare Deutschland seinerzeit keineswegs 'allein zu Haus war'.

Nun denn, zunächst einmal die Medienquelle: natürlich war die 'Welt', wie es auch in ihren Statuten steht, grundsätzlich auf der Seite der U.S.A.. Die FAZ und die 'Süddeutsche' hatten einen differenzierten Standpunkt, einige Redakteure wie Platthaus und Mangold unterstützten den Irak-Krieg explizit, selbst im Stern wurde er von einigen Redakteuren in ausführlichen Plädoyers unterstützt.

Lieber Herr Füllmann,

ich redete nicht von einzelnen Einwürfen, sondern von einer konsistenten Berichterstattung. Der breite Konsens der deutschen Medienlandschaft, mit einigen exotischen Ausnahmen wie Maxeiner & Miersch in der Welt, ändert an dieser Gleichschaltung historischen ausmaßes nichts.

Dies war zweifellos eine große intellektuelle Herausforderung.

Korrekt, und hier beginnt das Problem. Dumpfer Antiamerikanismus, vermengt mit antisemitischen elementen, ist wesentlich leichter zu vermitteln (und findet einen breiteren Markt). Ich habe nicht einen einzigen Bericht in der deutschen Medienlandschaft gelesen, der eine differenzierte Analyse der Strategie im Irakkrieg geboten hätte. Für eine solche ist ein gewisses Hintergrundwissen notwendig, doch deutschland einig Rentnerland möchte "keinen staub aufwirbeln", wie din den Zeiten, als sich Kolonien selbständig machten, oder als eine Solidarnosc in polen als "feindliche konkurrenzorganisation" bezeichnet wurde. Stabilität und Souveränität über alles! Die Staatsform und damit das Wohl der Bevölkerung ist ja zweitrangig.

Und überhaupt: die eine große Volkspartei war dagegen, die andere dafür.

Unfug. Bloss weil Merkel, Kohl und Pflüger das Vorgehen der gegenwärtigen Regierung anprangerten, stand nicht die Union geschlossen dahinter. ein Großteil der Union war dagegen, "Unruhe" in die Region zu tragen.

Auch ich sehe die Demokratiedefizite in der arabischen Welt, sehe den wachsenden Antisemitismus dort, sehe, daß Israel machen kann, was es will, und stets Terror erntet. Gerade deswegen bin ich aber auch gegenüber einem Demokratie-Export in den Irak skeptisch.

Ein herrliches Paradoxon! Herr Füllhorn, Sie glauben doch nicht ernsthaft, die faschistoide Ideologie von staaten wie Saudi-Arabien mit den kühlen, rationalen Denkern des Kreml gleichsetzen zu können? Wissen Sie etwas über den Wahhabismus? Lesen Sie einmal ein wenig darüber, und erkennen sie die frappierende Ähnlichkeit mit dem nationalsozialismzus. Bezogen auf die anderen arabischen Staaten, diese würden zwar - wie Ägypten in den 1960ern - Deutsche mit offenen Armen willkommen heissen, aber nicht einmal ein Ägyptischer General names Hitler Tanawi (so heisst er)würde von seiner linie abrücken. Herr Füllhorn, haben sie sich einmal über die Ursprünge des Islamisms und seine historische Verflechtung mit dem Nationalsozialismus informiert? Sehen Sie, "Mein Kampf" wurde von nach Ägypten geflohenen Nazis übersetzt und in der armee verteilt, und einer schaffte es, als Berater des Präsidenten zu dienen. Gute Arbeit, nicht? Und Ägypten ist ein moderates muslimisches Land.

ch denke, daß die Französische Revolution und die französische Aufklärung ebenso zu den veteidigenswerten westlichen Werten beigetragen haben wie die 'Bill, of Rights'

Wieso sind wir hier über kreuz? Dies war trotzdem eine der weingen positiventaten der franz. nation, die ansonsten eine Vorliebe für Diktaturen und Totalitarismus hat. Chirac deutete bereits an, wer in der EU das sagen hat; ironischerweise den Ländern, die gerade den eisernen Vorhang überlebt hatten.

Überdies halte ich zweitens deutschen Patriotismus nicht eo ipso für verwerflich. Je liberaler dieses Land wird, desto wohler fühle ich mich halt hier. Ich bin nun einmal wie weiland Hans Mayer 'ein Deutscher auf Widerruf'!

Ein wackerer deutscher Christenmensch, das lob ich mir. Patriotismus ist dann verwerflich, Herr Füllhorn, wenn er sich negativ definiert, was der deutsche tut, d.h. wenn relfexartig Amerika verurteilt wird, als schuldig angesehen wird etc.. Überdies bin ich nicht ganz so uneingeschränkt vom deutschen Patriotismus begeistert wie Sie. Wissen Sie, ab und an gab es damit mal Probleme, und das geht weiter; z.B. mit deutschem revisionismus (Zentrum für Vertriebene) oder, wie eben gesagt, die unfähigkeit der Deutschen, faschistische Diktatoren als solche zu erkennen.

Zuletzt möchte ich aber einräumen, daß ich die in diesem Umfeld geäußerte Variante eines 'deutschen Selbsthasses von rechts' durchaus innovativ und faszinierend finde. Welchem tatsächlichen oder potentiellen Faschismusopfer ist eigentlich damit gedient?

Eine interessante Idee! Selbsthass von rechts, also flagellierende Nazis? Von wem reden Sie genau? Von Horst Mahler, dem Jugendfreund Ströbeles, der sich auf gut besuchten Verschwörungstheoretiker-Treffen an der HU Berlin endlich sicher sein kann, dass seine thesen im Mainstream angekommen sind? Ihre Ideen sind wirklich spannend.

Die vielen Pace-Fahnen- etwa in Rom - zeigten mir - ebenso wie der bekanntlich notorisch linkslastige Papst - desweiteren, daß das unbelehrbare Deutschland seinerzeit keineswegs 'allein zu Haus war'.

Die Tatsache, dass Deutschland - kaum dass die mit den USA gemeinsame Bedrohung in Gestalt der UdSSR, verschwunden ist - einen dezidiert Anti-amerikanischen Kurs einschlägt, ist schon erstaunlich. darauf bezog sich die Überschrift wohl eher. Deutschland erwacht zwar noch nicht, aber es fängt an, im schlaf zu sprechen...

HZB

P.S.: Noch ein wenig Maxeiner & Miersch zur Genesung: http://www.maxeiner-miersch.de/standpunkte.htm

Gegenüber der Medien-Berichterstattung misstrauisch geworden haben wir uns angewöhnt, die Originaltexte der Ansprachen von Bush, Rice und Powel aus dem Internet zu beschaffen. Beim Aufschlagen der Zeitungen oder Verfolgen der Fernsehnachrichten, kommen wir oft aus dem Staunen nicht raus. Welche Passagen zitiert und in welchen Zusammenhang gestellt werden, zielt ganz offensichtlich darauf ab, eine einseitige Erwartungshaltung zu bedienen. Neu entdeckte Massengräber im Irak sind nirgends ein großes Thema. Die Demokratisierung und der zügige Aufbau der Infrastruktur, die schneller vorankommen als in Deutschland nach 1945, findet in den Medien ebenfalls kaum statt. Statt dessen wird jede schlechte Nachricht, die ins vorgefasste Bild passt, munter gesendet, gedruckt und ausgewalzt.

Nun denn, ein letzter Diskusssionsversuch, obwohl ich über den Erfolg recht skeptisch bin. Das liegt auch daran, daß ich Ihre Verballhornung meines Namens (ich verstecke ihn hier wenigstens nicht!) als grobe Unhöflichkeit empfinde. Über die tieferen Gründe für Ihre Aggressivität kann ich nur rätseln.

Wieder rennen Sie mit ihrem merkwürdigen missionarischen Eifer bei mir offene Türen ein. Ich entspreche nicht Ihrem ressentimentgeladenen Feindbild und kenne die Analysen Bassam Tibis, ich kenne den völkischen Faschismus in der arabischen Welt (Nasser und auch Saddam) auf der einen und den islamistischen Faschismus (Saudi-Arabien) auf der anderen Seite und ich kann Ihnen versichern, ich empinde ihn als existenzielle Bedrohung meiner Freiheitsrechte. M. E. kann jedoch nur eine vom Volkssouverän ausgehende Reform von Innen, wie etwa der nationale Befreiungskampf Atatürks nach 1919 und die nunmehr sich abzeichnende Erhebung im Iran in der islamischen Welt für nachhaltige positive Veränderungen sorgen. Demokratische Traditionen, wie sie in Deutschland spätestens seit 1848 existierten, müssen sich dort ja erst noch entwickeln. Die selbst erkämpfte Freiheit wird am ehesten akzeptiert. Das saudische ÖL-Geld und der mit ihm verbundene Einfluß ist m. E. demgegenüber eine große Gefahr für das geistige Klima in vielen islamischen Ländern. Sollte Ihnen jedoch evtl. entgangen sein, daß saudi-arabische Prinzen von George W. Bush auf seiner Ranch empfangen werden, und demokratische deutsche Politiker nicht? War diese brutale mittelalterliche Diktatur desweiteren nicht lange Zeit einer der engsten Vebündeten der U. S. A. in der arabischen Welt, ohne daß auf eine Demokratisierung gedrängt wurde? Die Resultate dieser Ignoranz gegenüber religiösem Fanatismus sind uns leider allen geläufig.

Das Phämomen des Klerikalfaschismus ist ja auch unserem Kulturkreis bekannt, und auch in Chile und Spanien werden noch Massengräber, für die Diktatoren, die zumindest zeitweise mit den U. S. A. verbündet waren, verantwortlich sind, ausgehoben. Die Begeisterung für Ihr demokratisches Musterland hält sich dementsprechend in der Bevölkerung beider Staaten in Grenzen. Soviel zur Moral von machtorientierter Außenpolitik, um die es bei den U. S. A. nicht besser, aber auch nicht schlechter steht als bei Frankreich (und Deutschland). Wer hegt hier also Illusionen? Wer übersieht die Konzeptionslosigkeit der derzeitigen amerikanischen Führung, die - bevor der islamistische Terrorismus von Osama bin Laden u. Co. auch nur in Ansätzen zerschlagen ist (auch deutsche Soldaten sind bereits bei diesem Versuch gefallen!) - im Irak ein neues Konfliktfeld eröffnet? Wer übersieht den Unterschied zwischen einer verrotteten kriminellen Diktatur a la Saddam und der dynamischen Gefahr islamistischen Terrors auch und gerade für Israel, wie er sich bei manchen arabischen Sunniten und Schiiten z. Zt. im Irak zusammenbraut?

Puh, und nun zum 'deutschen Selbsthaß von rechts'. Ich habe - wie Ihnen nicht entgangen sein dürfte - in Ihrem Fall nicht von Rechtsextremismus gesprochen. Aber 'rechts' ist das schon, wenn man sich so gläubig mit dem amerikanischen Konservativismus identifiziert. Wenn die U. S. A. Ihrer Ansicht nach so über andere westliche Länder wie etwa Frankreich oder Kanada (kanadische Tuppen haben übrigens 1945 Amsterdam befreit!) - von Deutschland natürlich ganz zu schweigen - erhaben sind, wie stehen Sie dann konkret zur Todesstrafe? Wie stehen Sie zur ungehinderten Hetze der einflußreichen religiösen Rechten gegen so unterschiedliche Gruppen wie Homosexuelle und Muslime? Wie stehen Sie zu einem Wahlsystem aus der Postkutschenzeit, das den Kandidaten der Minderheit zum Präsidenten kürt? Verstehen Sie mich bitte recht, ich will dieser alten Demokratie keine faschistoiden Tendenzen unterstellen, aber ICH kann das alles nicht sehr vorbildlich finden, gebe jedoch die Hoffnung nicht auf, daß dieser Spuk durch einen Politiker wie Howard Dean irgendwann einmal eingedämmt wird. Sie stehen jedenfalls weit rechts von diesem durchaus populären amerikanischen Politiker, oder nicht?

Umso erstaunlicher ist demgegenüber dann Ihre 'Deutschland erwache'-Paranoia! Ich kann Ihnen jedenfalls keinen Anlaß dazu geben, sehe die rückwärtsgewandten Aktionen von Frau Steinbach genauso skeptisch wie Sie und auch gegen Möllemann war ich nicht inaktiv. Aber es dürfte Ihnen doch auch nicht entgangen sein, daß Deutschland eines der wenigen westeuropäischen Länder ist, in dem rechtsextreme Parteien sich nie langfristig etablieren konnten (Lassen Sie uns für die Zukunft das beste hoffen!). Es dürfte Ihnen desweiteren nicht entgangen sein, daß das - zumindest nominell - kriegführende Italien von sogen. Postfaschisten mitregiert wird und der wackere Herr Berlusconi sich unlängst 'als Patriot' einen Vergleich zwischen Mussolini, der u. a. 1938 die Nürnberger Gesetze adaptierte´, und Saddam verbeten hat. Faschismus ist nicht für eine Ethnie - etwa die deutsche - reserviert, sondern leider international. Mit einem reinen Schwarz-Weiß-Denken wird man diesem Phänomen nicht Herr!

P. S. Noch ein kleiner Nachtrag zum Thema 'Bildungslücken'. Hans Mayer ist nicht wie ich ein 'wackerer deutscher Christenmensch' (was ist daran eigentlich so verwerflich?), sondern als deutsch-jüdischer Emmigrant ein Repräsentant jenes progressiven deutschen Erbes von 'Büchner bis Thomas Mann', das ich gerne rechten Fanatikern (Jeder Couleur und Herkunft!) entgegenhalte. Aus seinem Buch 'Außenseiter' könnten Sie dann auch entnehmen, warum gerade Mitglieder von Minderheiten so sensibel auf reaktionäre Intoleranz reagieren. Hoffentlich sehen Sie dann ein, daß man einer Allianz mit der 'Moral Majority' oder italienischen Politikern, die den Erzrevisionisten Ernst Nolte vor ihrem Parlament antizionistische Reden abhalten lassen, keine westlichen Werte verbreiten kann; schon gar nicht mit Waffengewalt. So, und nu is Schluß mit dem Sermon!

Rolf, lesen Sie mal Nachstehendes. Wir haben sehr gelacht. Wir sind im übrigen auch "rechts".

http://www.maxeiner-miersch.de/miersch_rechts_oder.htm


Ja, bin ich denn rechts?


Jedenfalls nicht mehr links. Oder doch?
Eine ziemlich fortschrittsoptimistische Lebensbeichte von Michael Miersch

Können Sie sich an "Joe Hill" erinnern, die Arbeiterheldenhymne von Joan Baez auf dem Woodstock-Album? Oder an "Reds", die Hollywoodfassung der Oktoberrevolution? Diane Keaton küsst Warren Beatty und im Hintergrund erklingt die "Internationale". So was trifft direkt in meine emotionalen Innereien. Und haltlos kullern meine Tränen, sobald die Sängerin in Ricks Café die "Marseillaise" schmettert, um den fiesen Major Strasser zu ärgern. Ich fühle links. Da kann man einfach nichts machen.
Von meinen Freunden werde ich mittlerweile jedoch als neokonservative Hyäne verortet. Sie sagen es mir nicht ins Gesicht. Dazu sind sie zu fein fühlend. Aber ich spüre es. Man behandelt mich betont freundlich, meidet bestimmte Themen, schweigt, wenn ich eine politische Bemerkung mache. Und ich spiele meistens mit. Wer hat schon Lust sich dauernd zu streiten. Eigentlich würde ich ihnen gern zurufen: "Hört mal, ich bin nicht so wie ihr denkt. Ich finde Krieg grauenhaft, Armut unerträglich, Umweltzerstörung zu Kotzen. Genauso wie ihr." Aber das wäre peinlich, wie ein Irrer der hysterisch kreischt, dass er völlig normal sei und alle anderen verrückt.
Wie konnte es soweit kommen? Bin ich einer, der seine Ideale verraten hat, weil sie ihn in seiner gediegenen Gutbürgerlichkeit stören? Ein Alterskonservativer dessen Seele Fett ansetzt? Führe ich ein falsches Leben im Falschen? Manche meiner Freunde sehen das vermutlich so, aber ich glaube es nicht. Korrumpiert kann ich jedenfalls kaum sein: Um das auszuschließen genügt schon ein Blick auf unsere Wohnung und die Kontoauszüge.

Es begann wohl schon an dem Tag, als der ältere Bruder meines besten Schulfreundes mich in zirka dreißig Minuten von der Notwendigkeit des Sozialismus überzeugte (ich brauchte dann dreißig Jahre, um diese Überzeugung wieder los zu werden). Noch am selben Abend sah ich im Fernsehen chinesische Rotgardisten unter einem riesenhaften Stalinporträt paradieren. Von Stalin hatte ich schon so manches gehört. Ich fragte also am nächsten Tag noch mal nach. Die Erklärung des älteren Schülers enthielt im Prinzip schon alles, was ich in den folgenden Jahrzehnten so von linken Freunden zu Ohren bekam. Ich hätte ja recht mit Stalin, aber die chinesischen Genossen sähen das nun mal anders und man müsse bedenken, was gerade in Vietnam los ist, wie solidarisch China dort den Kampf des Volkes unterstützt. Überzeugend war das nicht. Aber es gab im Westen ja noch genügend andere Möglichkeiten links zu sein. Man konnte Trotzkist werden oder am besten gleich Anarchist, da musste man wenigstens keine hässlichen Regime rechtfertigen. Ich verabschiedete mich also von den realen Sozialismen las linke Renegatenliteratur und schwelgte im wehmütigen Blues der wahren und gescheiterten Revolutionäre. Diese Lösung war gewissensmäßig recht angenehm und hielt fürs erste stand.

So ging es eine Weile gut, bis das Geld aus den Ferienjobs für Reisen reichte. Die kommunistischen Länder Europas, die ich besuchte, waren eigentlich keine besondere Enttäuschung. Was mich dort erwartete, hatte ich ja schon vorher gelesen. Bei den Hoffnungsträgern der Dritten Welt kam die Verunsicherung schon heftiger, in Tansania zum Beispiel. Da regierte Julius Nyerere. Das Volk nannte ihn liebevoll "Mwalimu", Lehrer, das hatte ich jedenfalls in deutschen Dritte-Welt-Broschüren gelesen. Nyerere galt als eine Art sanfter Mao. Er schickte die Bauern mehr oder minder freiwillig in sozialistische "Ujamaa-Dörfer" in denen es kein Privateigentum mehr gab. Die Folgen waren verheerend. Alle Lebensmittel wurden knapp und teuer; Seife, Benzin oder Zigaretten unbezahlbar. Nur der Schwarzmarkt funktionierte. Doch den Funktionären der Chama Cha Mapinduzi (Partei der Revolution) ging es weiterhin gut. In speziellen Schuppen am Flughafen lagerten ausreichend Kühlschränke und Klimaanlagen für sie. Nyerere war kein blutrünstiger Diktator, nicht korrupt und voller gutem Willen. Sein Glaube an kollektives Eigentum und die Planbarkeit der Wirtschaft genügte jedoch völlig, um Tansania nachhaltig zu ruinieren. Macht nichts: Nyerere gilt heute noch als Held und Che Guevara, der Kubas Wirtschaft zerstörte, erst recht. Nicht Taten zählen sondern Worte.

Was ist mit mir geschehen? Bis heute haben sich meine politischen Träume nicht verändert. Ich wünsche mir nach wie vor eine Welt ohne Armut, ohne Unterdrückung, ohne Privilegien für wenige und mit gleichen Chancen für alle. Ich habe nur nach und nach aufgehört daran zu glauben, dass diese Ziele durch staatliche Lenkung, gut gemeinte Verbote und das Verteilen von Steuergeld erreicht werden können. Aus mir ist also eine Art Wertelinker geworden, der etatistische Patentrezepte mit zunehmender Skepsis betrachtet. Ist das schon rechts? Schauen wir erstmal, wie es weiterging.

Ein paar Jahre später führten mich meine Reisen dann auch mal nach Südostasien. Dort war mancherorts unübersehbar, wie die Massenarmut rapide abnahm. Doch meine Freunden interessierte es nicht, dass es Südkorea, Taiwan und Thailand offensichtlich immer besser ging. Und zwar nicht nur den dortigen Oberschichten, sondern auch den Arbeitern und Bauern. Mitte der Siebziger hatte der Club of Rome noch gewaltigen Hungersnöten mit Millionen von Toten für diese Weltgegend prophezeit. Nun nahmen Malaysia, Hongkong und Co. ihren alten Kolonialherren die Märkte ab. Dabei hatten auch sie einmal so arm wie Tansania angefangen. Es ging also doch: Die Verdammten dieser Erde holten gewaltig auf. Leider jedoch mit kapitalistischen Methoden. Und das war es wohl auch, was den Aufstieg Asiens unter deutschen Linken zum Null-Thema machte.

Die Zweifel wurden nagender. Waren wirklich nur stalinistische Despoten an der Armut im Sozialismus schuld? Steckte hinter den Auffälligen Wohlstandsgefälle zwischen Nordkorea und Südkorea, BRD und DDR nicht doch ein prinzipiellerer ökonomischer Irrtum des Sozialismus? Noch in den neunziger Jahren las ich dem Bestseller "Die Globalisierungsfalle" das Gegenteil: Nicht staatliche Planung und Bürokratie mache die Menschen arm, sondern Markt und Wettbewerb. Unter anderem sagten die Autoren dieses damals hoch gepriesenen Werkes voraus, dass die Entstaatlichung der Telekommunikation viele tausend Arbeitsplätze kosten werde. Kurz darauf trat - wie bei so vielen linken Prophezeiungen - das glatte Gegenteil ein: Tausende Jobs entstanden bei den neuen Telefongesellschaften und telefonieren wurde für alle billiger. Wie schrieb Tucholsky so schön: "Es ist die Aufgabe des historischen Materialismus zu zeigen, wie alles kommen muss - und wenn es nicht so kommt, zu zeigen, warum es nicht so kommen konnte."

Nun fing ich an Bücher zu lesen, die früher bei mir und meinen Freunden auf dem Index der guten Gesinnung standen: Unter anderem solche von Popper und Hayek. Die Freiheitsliebe und Staatsskepsis der beiden alten Erzliberalen wirkte irgendwie ansteckend. Und darüber hinaus lag ihre intellektuelle und sprachliche Klarheit weit über dem, was ich aus linker Theorie so gewohnt war. Was ich von meiner Lektüre zu berichten hatte, focht die meisten meiner Gesprächspartner nicht weiter an. Sie kannten Popper und Hayek schon lange, auch ohne sie gelesen zu haben. Dieser Reflex begegnete mir unter Linken nun immer häufiger: Auch wenn man fast nichts weiß, weiß man es dennoch besser. Allein die Tatsache, dass man eine bestimmte Haltung dabei einnimmt, adelt alles was man sagt oder tut. Angenehmerweise kostet diese Haltung nichts und ist für jeden Opportunisten billig zu erwerben. Die Linke, meinte der Politologe Ekkehart Krippendorff einmal, habe immer das Element der historischen Wahrheit für sich, die Rechte dagegen "das Element der Unwahrheit und des Unrechts." So einfach kann die Welt sein.

Solcher Hochmut tritt heute viel deutlicher zutage, als zu den Hochzeiten linker Theorie. Waren die Sechziger-Jahre-Intellektuellen noch wandelnde Bibliotheken, so unterwerfen sich ihre Epigonen einer freiwilligen Zensur, die fast alles außerhalb der eigenen Wohlfühlliteratur ausblendet. Der ideelle Gesamtlinke von einst war ein kettenrauchender Bücherwurm, der eine Aura geistiger Übermacht um sich verbreitete. Ehrfurcht gebietend strahlte ein Regenbogen aus Suhrkamp-Taschenbücher über seinen frisurlosen, vom vielen Denken zerrauften Haaren. Wer es wagte, sich mit ihm anzulegen, wurde mit Gramsci, Mandel oder Adorno erschlagen. Heute trifft man in den sich links dünkenden Kreisen zwar auf kulturell überaus rührige Theaterbesucher, Feinschmecker, Wein- und Kunstkenner. Genauere Kenntnisse aus Politik und Ökonomie werden dort jedoch für unnötig gehalten. Man fühlt sich über solche profanen Dinge erhaben. Es geht heute unter allgemeinem Kopfnicken durch, wenn ein mehrfach Grimme-Preis-gekrönter Drehbuchautor alle Maßstäbe verlierend erklärt: "Wir leben in einer Zeit, in der der Faschismus der Profits überhand nimmt." Arroganz ersetzt Analyse.

Besonders deutlich wird dieses seltsame Nichtwissenwollen, wenn es um Wissenschaft und Technik geht - Felder, mit denen man sich als Linker nicht beschäftigt. Schon in meiner ersten Kapital-Schulung bekam ich beigebracht, dass keinesfalls James Watts Dampfmaschine die Industrielle Revolution beflügelt habe, sondern die gesellschaftlichen Verhältnisse hätten die Dampfmaschine hervorgebracht. Schafft die Computerrevolution Arbeitsplätze, reinigt der Katalysator die Luft, steigert Gentechnik die Ernten, dann sitzt die Linke auf dem Sofa, verschränkt die Arme und ist beleidigt. Fortschritt darf nur durch gesellschaftliche Umwälzungen entstehen und keinesfalls durch Technik. Aber der linke Mainstream hat sich ja ohnehin vom Gedanken des Fortschritts verabschiedet. Stattdessen pflegt man eine Art negativen Adventismus, der sich aus Versatzstücken der Marxschen Verelendungstheorie und ökologistischen Untergangsszenarien speist. Egal was passiert, es führt uns näher an den unvermeidlichen Abgrund. Begründungen dafür werden ungeniert gewechselt: Die Arbeiter kommen zu Wohlstand. Aaaber die Dritte Welt wird immer ärmer! Dritte-Welt-Länder holen auf. Aaaber die Umwelt! Die Umwelt wird sauberer. Aaaber die Klimakatastrophe kommt! Irgendwie wird schon alles den Bach runter gehen. "In der Linken sammelten sich vor allem Leute, die verdreht denken," sagte der Historiker (und Ex-Aktivist des "Sozialistischen Büros") Dan Diner einmal. "Sie malten stets Worst-Case-Szenarien an die Wand und wurden dann aus Panik immer radikaler, weil sie an ihre eigenen Unheilsprophezeiungen zu glauben begonnen hatten."

Als ich mich mit Ende Zwanzig für den Journalismus entschied, heuerte ich selbstverständlich in ökosozial mustergültigen Redaktionen an. Doch eigentlich war ich schon damals fürs Linkssein verloren. Ich wusste es nur noch nicht. Doch dann lernte ich den Typus des deutschen Karrierelinken im Arbeitsalltag kennen. Das gab mir den Rest. Nach und nach fing ich an, manche konservativen Kollegen sympathischer zu finden. Da gab es welche, die achteten auf fair play, zeigten soziale Verantwortung und leisteten praktische Hilfe. Vielleicht lag es an einer christlichen Grundhaltung, vielleicht wollten sie mir demonstrieren, dass sie "doch gar nicht so sind". Wie dem auch sei, bei meinen Gesinnungsgenossen suchte ich solche einfachen menschlichen Qualitäten meistens vergeblich. Es reichte ihnen, für das globale Gesamtgute zuständig zu sein, was zählten da schon die Alltagsprobleme einer Sekretärin. Ja, ich weiß: Natürlich gibt es statistisch vermutlich ebenso viele rücksichtlose Konservative wie soziale Linke. Nur ist mir dummerweise die umgekehrte Kombination viel häufiger begegnet.

Während sich also auf menschlicher Ebene Irritation breit machte, stand ich mit meinem verbliebenem linken Fortschrittsoptimismus immer häufiger alleine da. "Das Ende ist nah!", schallte es aus den ehemals fortschrittlichen Leitmedien. Und das Ende hieß nun nicht mehr "Revolution" oder "Befreite Gesellschaft" sondern Weltuntergang (wahlweise als ökologisches Desaster, oder von den Amis angezettelter Weltkrieg). Der linke Mainstream nahm eine konservative Bewahrungshaltung ein. "Progressiv" wurde zum schmutzigen Wort. Hatte man früher nach Veränderung gelechzt, warnte man jetzt mit sorgenvollem Stirnrunzeln vor zuviel Veränderung und wies auf die Risiken hin. Technischer Fortschritt? Nein, danke. Globaler Freihandel? Vorsicht. Mehr Freiheit für den Einzelnen? Lieber nicht. Kampf gegen Diktaturen? Ohne uns. Nun, das Leben in Deutschland ist recht angenehm, wenn man einen warmen Posten im Kulturbetrieb hat, Regierungspolitik in der Verwaltung exekutiert oder als subventionierter Ökoaktivist das Gute repräsentiert. Da vergisst man eben gern, was draußen in der Welt so los ist.

Dummerweise geben aber die Amis keine Ruhe. Diese Störenfriede sind seit dem 11. September 2001 der Meinung, das die Unterdrückung des Menschen auch in islamischen Ländern beseitigt werden sollte. "Hybris!", schimpfen die, die ihre eigenen Freiheitsrechte für eine Selbstverständlichkeit halten. Aber war nicht einst der Kampf gegen Unterdrücker und Menschenschinder links? Hieß links sein nicht fortschrittsoptimistisch sein, Lust auf Veränderung haben und an ein besseres morgen glauben? Kann sich noch einer daran erinnern? Ach was soll's, dann bin ich eben rechts - wenn die neue linke Definitionsmacht es so will. Neue politische Freunde habe ich auch schon. Die wohnen in Washington, sind fortschrittsoptimistisch und wollen die Welt verändern. Sie sind der Alptraum aller Despoten - ganz wie einst die Linke.

Erschienen in LITERARISCHE WELT am 23.08.2003



Herr Füllmann,

eventuell hat HZB gar nicht absichtlich Ihren Nachnamen verballhornt, schliesslich hat er ihn in der Anrede richtig geschrieben.

Solche "Verschreiber" passieren auch mir häufig.

Ihre Kommentare lese ich mit Interesse.

Nun denn, ein letzter Diskusssionsversuch, obwohl ich über den Erfolg recht skeptisch bin. Das liegt auch daran, daß ich Ihre Verballhornung meines Namens (ich verstecke ihn hier wenigstens nicht!) als grobe Unhöflichkeit empfinde. Über die tieferen Gründe für Ihre Aggressivität kann ich nur rätseln.

Lieber Herr Füllmann,

entschuldigen Sie bitte die Verfüllhornung Ihres Namens, das ist mir im Eifer des Gefechts passiert. Eine wahre Freudsche Fehlleistung, sind doch ihre Postings ein Füllhorn von teilweise interessanten Ideen.

M. E. kann jedoch nur eine vom Volkssouverän ausgehende Reform von Innen, wie etwa der nationale Befreiungskampf Atatürks nach 1919 und die nunmehr sich abzeichnende Erhebung im Iran in der islamischen Welt für nachhaltige positive Veränderungen sorgen. Demokratische Traditionen, wie sie in Deutschland spätestens seit 1848 existierten, müssen sich dort ja erst noch entwickeln.

Ja, Sie verweisen hier zurecht auf Deutschlands großartige demokratische tradition, die sich ja auch "vom Souverän", d.h. friedlich und ohne "Unruhen", Kriege etc. entwickelt hat. Zur Erinnerung: Deutschland musste erst komplett besiegt werden, bevor sich hier demokratische Strukturen entwickeln konnten, genau wie Japan.

Sollte Ihnen jedoch evtl. entgangen sein, daß saudi-arabische Prinzen von George W. Bush auf seiner Ranch empfangen werden, und demokratische deutsche Politiker nicht? War diese brutale mittelalterliche Diktatur desweiteren nicht lange Zeit einer der engsten Vebündeten der U. S. A. in der arabischen Welt, ohne daß auf eine Demokratisierung gedrängt wurde?

Zum ersten Mal stimme ich Ihnen mit "uneingeschränkter Solidarität" zu. Das saudi-Geld istein Problem, und unser Kanzler war ja erst kürzlich da, um sich für seine Dienste als Beschützer saddams mit besseren Geschäftsbeziehungen belohnen zu lassen; er sagte ja selbst, seine Haltung "in welchen Fragen auch immer" habe ihm doch einige Türen geöffnet. Aber zurück zu Bush: ja, ich empfinde die Behandlung der Saudis als verlogen und falsch. Ich bin mir aber sicher, auch die Saudis wissen, dass der Krieg im Irak nur ein Puzzle-Stück zur Bekämpfung des "heart of darkness" Wahhabismus ist.

Wer übersieht den Unterschied zwischen einer verrotteten kriminellen Diktatur a la Saddam und der dynamischen Gefahr islamistischen Terrors auch und gerade für Israel, wie er sich bei manchen arabischen Sunniten und Schiiten z. Zt. im Irak zusammenbraut?

Ach, Herr Füllmann, kneifen Sie doch nicht so den Schwanz ein. Sie erwarten ebenso wie die meisten anderen, dass die USA mit den Fingern schnippen und Schwupps! - erscheint die Demokratische republik Irak. Wissen Sie, Jahrzente der Diktatur wischt man nicht so vom Tisch. Darüber hinaus ist es logisch, dass die umliegenden faschistischen Staaten wie z.B. Iran alles daran setzen, die Lage zu destabilisieren. Ein demokratischer Erfolg in der Region wäre für Saudi Arabien und den Iran ein Alptraum; sie wissen dass ein solches Land neidvoll von der eigenen Bevölkerung betrachtet würde und Wünsche nach reformen explosionsartig verstärken würde. Warum aber zahlreiche deutsche ebenfalls hoffen, die USA erleiden dort ein "Vietnam", ist mir völlig schleierhaft.

Wie stehen Sie zu einem Wahlsystem aus der Postkutschenzeit, das den Kandidaten der Minderheit zum Präsidenten kürt? Verstehen Sie mich bitte recht, ich will dieser alten Demokratie keine faschistoiden Tendenzen unterstellen, aber ICH kann das alles nicht sehr vorbildlich finden, gebe jedoch die Hoffnung nicht auf, daß dieser Spuk durch einen Politiker wie Howard Dean irgendwann einmal eingedämmt wird. Sie stehen jedenfalls weit rechts von diesem durchaus populären amerikanischen Politiker, oder nicht?

Achh, Herr Füllmann, wissen Sie, Sie verwenden politische Klassifizierungen aus der Postkutschenzeit. Rechts und Links - wie finden Sie es, dass Attac und Neonazis mit denselben Parolen gegen die Globalisierung marschieren, dass Horst Mahler für seine Verschwörungstheorien von "Linken" beklatscht wird? Ich bin weder links noch rechts, sondern solidarisiere mich entschieden mit den Kräften, die gegen Faschismus und Antisemitismus kämpfen. Es geht nicht mehr um links und rechts; es geht heute um Totalitarismus und Rückwärtsdenken - wie es Neonazis, Attac, etc. wollen - oder um Freiheit und Fortschrittsdenken, wie es Menschen unterschiedlichster politischer Couleur wollen. Etatismus oder Freiheit.

Bezüglich der USA - ich bin nicht "gläubig", sondern kritisiere die USA auch oft in anderen Zusammenhängen als diesen. Und da gibt es einiges zu kritisieren. Trotzdem ist eine starke, demokratische Grundströmung dort wesentlich tiefer verwurzelt als in Deutschland, dass seine Demokratie eingebombt bekommen musste. Es ist so interessant, dass junge Deutsche mit Plakaten von Arafat in der Hand die USA als faschistisch bezeichnen. Eine groteskere ironie gibt es nicht.

Es dürfte Ihnen desweiteren nicht entgangen sein, daß das - zumindest nominell - kriegführende Italien von sogen. Postfaschisten mitregiert wird und der wackere Herr Berlusconi sich unlängst 'als Patriot' einen Vergleich zwischen Mussolini, der u. a. 1938 die Nürnberger Gesetze adaptierte´, und Saddam verbeten hat.

Ja, Sie haben recht. Andererseits setzte Berlusconi durch, dass Hamas von der EU als Terrororganisation eingestuft wird, gegen großen deutschen und französischen Widerstand (hatte nicht auch die SS schulen gebaut?). Ich finde die Lega Nord ziemlich widerwärtig, sehe aber, dass Berlusconi aus einer eher unternehmerischen Position agiert. Ich kritisiere sein Zusammengehen mit dieser Partei, auch seine häufigen verbalen Aussetzer, aber er ist ein erklärter Freund Israels und der USA, was in diesen Zeiten ja Günter Grass mit "prä-demokratisch" bezeichnet (er bezog es auf spanien, er sollte sich mal die EU-Verfassung durchlesen). Sich mit Israel z.B. auf Demonstrationen zu solidarisieren, führt ironischerweise dazu, dass einem von brutalstmöglichen Gutmenschen die Flagge geklaut und verbrannt wird und man misshandelt wird. Auch so eine ironie, daher sagte ich, Deutschland redet im Schlaf.

Mit besten Grüßen

HZB

Demokratische Strukturen in Deutschland gibt es natürlich nicht erst seit dem Sieg der Alliierten im 2. Weltkrieg.

Die Weimarer Republik hatte viele Probleme, aber nach damaligen Maßstäben war sie fortschrittlich, demokratisch und rechtsstaatlich (nur leider nicht "wehrhaft" genug).

Auch zuvor, unter der Monarchie (ich mag gar nicht den Namen des letzten deutschen Kaisers schreiben -- antisemitischer Drecksack der er war, die "Protokolle der Weisen von Zion" nachdruckend und reihum verteilend) gab es ein Parlament. Das Bürgerliche Gesetzbuch stammt aus dem 19. Jahrhundert; vor dieses Riesenleistung hat man in den USA noch heute Respekt. Die Aufzählung könnte ich noch sehr, sehr lange fortsetzen.

Herr Füllmann, Sie machen es sich ein bisschen einfach, was die Todesstrafe in einigen US-Bundesstaaten angeht. Darf ich Ihnen zu diesem Thema folgenden Eintrag aus dem Logbuch des Kapitäns der USS Clueless empfehlen?
http://denbeste.nu/cd_log_entries/2003/10/Fruitfuldialogue.shtml

tictoc,

Entschuldigung für die unpräzise Formulierung - natürlich hast Du recht. Ich bezog mich auf eine genuin demokratische Gesinnung, das hätte ich klarer ausdrücken müssen. Der Mangel derselben, sowohl während des Kaiserreiches als auch in der Weimarer Republik, führte zu entsprechenden Zuständen. Was das Parlament der Kaiserzeit angeht, so genoss dies weniger die Billigung des Kaisers, noch waren die Wahlstrukturen wirklich demokratisch (Wahlmänner etc.).

Viele Grüße

HZB

So, zunächst einmal vielen Dank für den obigen Lebenslauf aus der 'Welt'. Das war wirklich sehr amüsant und auch irgendwie sehr sympathisch. Der Typ besitzt etwas, was unsere sonstigen ex-kommunistischen Renegaten-Akrobaten a la Walser und Biermann nicht besitzen: Selbstironie (die sog. 'liberalen Falken' sind mir ohnehin nicht gundsätzlich unsympathisch, sie haben in gewissen Hallelujah-Jakobinern, die einerseits wie die Graham-Familie den Islam unqualifiziert herabwürdigen und andererseits von Laiszismus keine Ahnung haben, nur die falschen Verbündeten!)

Es freut mich, daß HZB bei obigen 'Freiheitskämpfern' (die italienische 'Alleanza Nazionale' geht übrigens unmittelbar auf den Faschismus zurück) mulmig wird, und ich räume gerne ein: mir sind und waren einige deutsche 'Friedenskämpfer' auch nicht gerade sympathisch. Aber ich denke, in unserer Diskussion geht es vielmehr um den richtigen Weg zur Durchsetzung 'westlicher Werte'. Pazifistelnde Antisemiten kann man da außen vorlassen, aber auch nicht jeder Krieg jedes amerikanischen Präsidenten ist unabdingbar.

Na, und dann hat tictoc mir zum Thema Todesstrafe ja ein Ei ins Nest gelegt, das ich für ein Musterbeispiel eines blinden 'Amerikanismus' halte. Dies ist für mich eine - eigentlich 'unamerikanische' - Mischung aus Kritikverbot und Begeisterungszwang, die - wie ich Ihnen versichern kann - bei einigen Zeitgenossen durchaus mit Antisemitismus einher gehen kann, also auch keine Rückversicherung gegen das Übel darstellt. Bei der Todesstrafe geht es nicht um Kleinigkeiten wie 'politische Korrektheit', sondern um Menschenleben. 111 Staaten dieser Erde haben die Todesstrafe im Justizalltag abgeschafft (auch in der oft angeprangerten Türkei wurde sie seit 1984 nicht mehr angewandt, in den U.S.A. gehört sie jedoch in vielen Staaten zum Justizalltag und kein Präsidentschaftskandidat kann es bislang wagen, sie rundweg abzulehnen!). Für jemand, der gegenüber der deutschen Öffentlichkeit 'westliche Werte' hochhält, müßte die elementare Menschenrechtsverletztung dieser endgültigen Strafe ebenso klar sein wie den Vätern des Grundgesetzes 1948/49: Gerade wenn sie durch Jurys mit ihren allzumenschlichen Vorurteilen gefällt wird, sind Irrtümer nicht ausgeschlossen, und die sind nun mal irreversibel!

Das in dem mir empfpohlenen amerikanischen Artikel aufgeführte Argument, die Todesstrafe entspreche nun einmal dem Bevölkerungswillen, ist demgegenüber gerade für einen Verteidiger westlicher Werte atemberaubend. Stellen Sie sich einmal vor, man würde die Scharia, die in vielen arabischen Staaten ihr Unwesen treibt, mit einem ähnlichen Argument verteidigen. Gerade bei den auf diesem webblog versammelten 'Aufklärern' wäre die Empörung groß - mich eingeschlossen!

Ich frage nun in die Runde: warum räumen Sie den U. S. A. diesen moralischen Kredit ein, den sie etwa einem islamischen Land nicht gewähren würden? Zur historischen Moral, die hier immer im Raume schwebt, ist anzumerken: Ist Ihnen unbekannt, daß es neben der amerikanischen nach 1945 auch eine britische und eine französiche Zone gab, in der hervorragende demokratische Aufbauarbeit geleistet wurde? Ist Ihnen unbekannt, daß auch in der Sowjetzone in den ersten Nachkriegsjahren ein demokratischer Neuaufbau versucht wurde, und deshalb tausende deutsche Sozialdemokraten, aber auch bürgerliche Politiker, verfolgt und getötet wurden? Was macht die U. S. A. für Sie in Sachen westliche Werte und Demokratie so überaus einmalig, daß Sie so extrem empfindlich auf jewede Kritik reagieren, selbst wenn sie - was kein Einzelfall ist - von amerikanischen Intellektuellen jüdischer Herkunft stammt?

Den Beste fragt, warum sich die USA -- oder die US-Bundesstaaten mit Todesstrafe -- auf eine Diskussion mit den Europäern über die Abschaffung derselben einlassen sollen. Eine Antwort darauf geben Sie nicht.

Der Einwand gegen die Todesstrafe, dass so Justizirrtümer irreversibel werden, ist gültig. Es gibt aber ebenso gewichtige Argumente FÜR die Todesstrafe in einem Rechtsstaat, bei Vorliegen ganz eng umrissener Voraussetzungen.

Ich bin übrigens genauso wenig wie Den Beste an einer Debatte über das Für und Wider der Todesstrafe interessiert. Die Pro-Argumente überwiegen für mich inzwischen (früher habe ich T. kategorisch abgelehnt), wenn auch nur marginal. In vielen Bundesstaaten gibt es sie bekanntlich nicht.

Aber die Frage ist, warum sollen die Amerikaner das zu einem offiziellen zwischenstaatlichen Gesprächsstoff machen? Weder Den Beste noch ich noch irgendjemand, den ich respektiere, will Kritikern der USA-Todesstrafe verbieten, darüber zu sprechen.

Wie sieht es umgekehrt aus? Als neulich in Hamburg ein al-Qaida Mitglied wegen Beteiligung an der Planung zum 11. September zur Höchsstrafe verurteilt wurde (ich habe jetzt nicht im Kopf, ob es 10 oder 15 Jahre waren), war die Empörung in einigen US-Medien groß.

Es ist mir jedoch nicht bekannt, dass staatliche Stellen aus den USA bei der Bundesregierung vorgesprochen und darauf gedrängt haben, das Strafmaß für diese Straftat zu verschärfen.

Das obige Posting von "10^6aire" ist von mir, "10^6aire" ist ein Screen Name, den ich woanders benutze. Keine Ahnung, wie das in die Kommentarsoftware von Davids Medienkritik geraten ist.

Danke für diese Klarstellung. Es wird mir langsam klar, mit wem ich es zu tun habe. Ich denke, Sie wissen genauso gut, wie ich, daß die Todesstrafe keinerlei Einfluß auf die Mordrate in einem Staate hat. Nach meinem Wissen kommt in Deutschland 1 Mörder auf 100.000 männliche Einwohner, in den U. S. A. sind es 25 Täter. Es ist somit kein Wunder, daß selbst in den U.S.A. viele Staatsbürger skeptisch werden. Wer sich dagegen wie Sie gegen die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik Deutschland stellt, hat m. E. keine guten Lehren aus unserer Vergangenheit gezogen. Ob Euthanasie, ob späte Abtreibung, ob staatliche Tötung Unschuldiger oder halb Schuldiger: nie wieder darf in Deutschland oder anderswo der Staat über das Lebensrecht eines Menschen bestimmen. Da Demokratie m. E. keine 'Diktatur der Zahl' ist, wie Ernst Jünger dies einmal annahm, sondern auch humanistischen Grundprinzipien aufbaut, ist es selbstverständlich legitim, andere demokratische Staaten an eben jene Prinzipien zu erinnern. In den U. S. A. gibt es schließlich auch einen Parlamentsausschuß, der an Alliierte wie Israel, Deutschland oder andere westliche Staaten mahnende Worte in Sachen Menschenrechte richtet.

Allein der Krieg ist in Sachen Lebensschutz ein tragischer Ausnahmefall, und deswegen sollte man ihn eben auch nicht leichtfertig und unter falschen Vorwänden beginnen. Ich bin froh, daß mein Land den zivilisatorischen Stand erreicht hat, daß ca. 75% meiner Landsleute diese Auffassung teilen. Hoffentlich bleibt es auch so.

Herr Füllmann, ich habe folgsam alle fünf Wiederholungen gelesen, aber möchte dennoch fragen, inwiefern ich mich gegen die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik Deutschland stelle?

Also, die fünffache Wiederholung dient nicht der Untermauerung obiger Leitsätze, sondern ist Folge eines Computerfehlers! Einmal lesen hätte doch vollkommen genügt! Aber jetzt zur Sache: Seit 1949 ist die Todesstrafe nach Art. 102 Grundgesetz abgeschafft. Wußten Sie das nicht? Die Abschaffung der Todesstrafe ist desweiteren grundlegendes EU-Recht. Recht und Rache haben vielleicht eine gemeinsame Sprachwurzel, sind aber nicht nur meines Erachtens nicht identisch; auch wenn dies gewisse 'islamische' und auch 'evangelikale' Fundamentalisten (wo haben die wohl - noch- großen politischen Einfluß?) anders sehen mögen. Aber wer die absolute Wahrheit besitzt, bedarf eben auch keiner Diskussionen, nehme ich zumindest an. Die Extreme berühren sich...

Schönen Abend vom teutonischen Gutmensch!

Ich frage noch einmal: inwiefern stelle ich mich gegen die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik Deutschland?

Zur Erinnerung, wir sprechen hier über das Recht der US-Amerikaner, Einflussnahmen aus dem Ausland auf das Institut der Todesstrafe zu ignorieren.

Ach, da habe ich wohl in ein Wespennest gestoßen. Wenn Sie sich als Befürworter der Todesstrafe outen, dann müssen Sie eben auch in unsere Verfassung schauen und zusehen, welche Parteien diese Unmenschlichkeit vertreten. Und da landen sie denn, bei Leuten, für die sich auch der Verfassungsschutz interessiert. Mehr wollte ich gar nicht sagen ...

Und den US-Amerikanern (es werden immer weniger!), die Diskussionen über diese elementare Menschenrechtsverletzung verweigern, muß man leider sagen, daß sie sich irgendwie unamerikanisch verhalten. Man denke nur an die uralte Tradition des 'town hall meetings'! Auch europäische Politiker sind m. E. würdige Gesprächspartner in Sachen Grundwerte, oder?

P.S. Unsere Diskussion wiederum erinnert mich langsam trotz des ernsten Themas an Dr. Klöbner und Herrn Müller-Lüdenscheidt von Loriot. Lassen Sie uns die Sache doch lassen!

Rolf, ich finde, daß dieses Thema sehr abschweift vom eigentlichen Sinn dieses webloges. Aber das eine möchte ich dazu beitragen. Ich verstehe die deutsche Aufregung über die Todesstrafe in den USA überhaupt nicht. Deutsche fahren jeden Tag unzählige Kinder im Straßenverkehr tot. Ändern sie etwas? Fahren Sie langsamer, rücksichtsvoller? Geht die Zahl der Verkehrstoten zurück? Nein, Rolf, für diese Toten interessieren sich Ihre 75 % absolut nicht. Die nehmen das in Kauf, gehört zum allgemeinen Lebensrisiko, das sind die "Kollateralschäden der deutschen Gutmenschen", die meinen, Experten für "Frieden" zu sein und bezeichnen den Zustand im Irak vor März 2003 als Frieden, den sie dann in Opposition zu dem "Krieg" der Allierten setzen. Aber weiter mit der Heuchelei: Hunderttausende sterben vom Rauchen und Saufen in Deutschland. Sorry, aber mich ekeln die Batterien von Alkoholflaschen in deutschen Supermärkten an. Und ein großer Teil dieses Volk maßt sich an, sich moralisch über andere zu erheben? Wie blind muß man sein, um diese Heuchelei nicht zu durchschauen?

So, zum letzten Mal und bevor es endgültig ulkig wird: Die Zahl der Verkehrtoten in unserem schrecklichen Land ist auf dem niedrigsten Stand seit 1953. Wieviele Autos es damals gab, können Sie sich vorstellen! Die 75% bezogen sich auf die Todesstrafe im eigenen Land, nicht in den U. S. A., und das finde ich für Land, das einst für Todeslager verantwortlich war, ganz beachtlich. Und gesoffen wird auch jenseits des Atlantik!

Gute Nacht!

P.S. Sorry David, aber es mußte sein!

So einfach geht das aber nicht. Das, was Sie da machen, ist keine faire Methode. Zuerst führen Sie das Thema "US-Todesstrafe" in eine Diskussion um den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ein. Ich habe Sie daraufhin beiläufig auf einen Artikel von Steven Den Beste hingewiesen. Es ging weder um Todesstrafe an sich noch um Todesstrafe in Deutschland, sondern um Todesstrafe in den USA und das Recht der Amerikaner, Vorhaltungen der Europäer zu ignorieren.

Kurz darauf haben Sie angefangen, mich als Verfassungsfeind zu bezeichnen. Auf meine Bitten, dies zu begründen, bekam ich bis jetzt keine schlüssige Antwort.

Ich frage ein letztes Mal, ob Sie in der Lage sind, diesen Vorwurf zu begründen, oder ob Sie ihn zurückziehen.

Ich würde es nicht als ulkig bezeichnen, wenn sich Deutsche über die Todesstrafe in den USA bis zum Haß erregen und im eigenen Land jeden Tag mit Toten durch andere Ursachen konfrontiert werden und sie sich dafür nicht im Geringsten interessieren. Sie haben sich doch hier moralisch erhoben und auf das Lebensrecht auch der Schwerverbrecher hingewiesen. Nun, Todesstrafe für einen Mörder - das erregt die Deutschen, aber daß schon Kinder anfangen zu rauchen und abhängig werden, daß an jeder Ecke ein Zigarettenautomat hängt, daß man mit unbegrenztem Tempo auf Autobahnen rasen kann, das ist deutsche Realität, die viel mehr Menschenleben kostet. Das nennen Sie ulkig? Rolf, warum interessiert Sie das Leben eines Mörders so sehr und die vielen Kinder, die durch Autos sterben, da sagen Sie lieber Gute Nacht, das ist Ihnen dann doch zu blöd. Genau das bezeichne ich als Scheinheiligkeit.

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