11/09/2005

Freiheit & Frieden

(Von Greg B. Grabinski)

An den 11. September 2001 erinnere ich mich wie an gestern. Kurz nachdem auch das zweite Flugzeug ins den zweiten WTC-Turm donnerte, sass ich in einer Französisch-Stunde, in welcher ich auf Grund meiner damals sehr erbärmlichen Französischkentnisse keinem so richtig vermitteln konnte, was passiert war. Bis ich wirklich realisierte, was geschehen war - nämlich eine Attacke auf die Vereinigten Staaten von Amerika und somit den gesamten Westen - dauerte es aber noch ein paar Stunden. Oder Wochen. Die Idee, dass jemand Flugzeuge in Gebäude fliegen könnte, nur um diese zu zerstören war einfach surreal. Die Verwirrung dominierte alles, keiner wusste so richtig was geschehen war, noch was passieren würde. Eine solche betrübte Weltuntergangsstimmung würde ich gerne nie wieder erleben.

Der Tag danach war auf eine Art noch absurder: Jeder hatte seine Version der Geschichte, jeder hatte seine Erklärung für jedes der Flugzeuge, jeder wusste, wo das Vierte hätte reinkrachen sollen, jeder wusste, wie George W. Bush reagieren würde, jeder wusste, wie man reagieren sollte. (Der Genfer Konsensus war: Nichtstun, da Spirale der Gewalt.) Im krassen Gegensatz stand der Unterricht dazu. So rührte kein Lehrer die Ereignisse vom Vortag an und spulte das übliche Programm ab als wäre nicht gerade Geschichte geschrieben worden. Unter Freunden regierte ein komische Leere: Nachdem man alles über die Ereignisse vom Dienstag ausgetauscht hatte, versuchte man über Normales, Alltägliches zu reden, aber Sinn machte dies nicht.

Diese Atmosphäre hielt aber nicht lange an. Zum Glück, denn sehr tragbar war sie nicht, aber dies machte auch den Weg frei für die intellektuellen Primaten. So regte man sich darüber auf, dass drei Schweigeminuten - welche selbst von den öffentlichen Verkehrsmitteln eingehalten wurden - für die Opfer einberufen worden waren und nicht für die Opfer von Hiroshima. Einige hielten die Anschläge sogar für gerechtfertigt, ausser dass ihnen doch lieber gewesen wäre, wenn keine Zivilisten getroffen worden wären - jene in den Flugzeugen waren aber Kollateralschäden, über welche sie sonst so genüsslich lamentieren. Am Freitag meinte ein Philosophie-Lehrer - nachdem Bush erklärt hatte, er werde nicht still sitzen - mit einem süffisantem Grinsen, »pas tout ce qui est bien, est Américain« (nicht alles was gut ist, ist amerikanisch). Ein Physik-Lehrer tischte Verschwörunsgtheorien auf, bei welchen selbst Bröckers blass geworden wäre. Einig waren sie sich bloss in einem einig: Was auch immer die amerikanische Regierung tun würde, es würde alles nur noch schlimmer machen.

Zu dieser Erkenntnis kam der Spiegel Online schon am selben Abend. Im Artikel »Der Gigant ist verletzbar« - man muss nicht sonderlich böse sein, um schon im Titel eine gewisse Genugtung herauszuhören - erklärte Harald Schumann, dass was auch immer Bush unternehmen würde, friedlicher würde die Welt nicht werden. Dies dürfte wohl die Mär begraben, dass Amerika durch die Art und Weise der Antwort auf den Angriff all den Hass auf sich zog: Man gab ihr keine Chance. Hätten die Amerikaner keine Reaktion gezeigt und gesagt »Ja, wir haben’s verdient«, vielleicht dann wäre man in Europa glücklich gewesen.

Die gefeierte Le Monde-Kollumne von Colombani, welche erklärte, dass wir alle Amerikaner seien und als der Beweis des europäischen Pro-Amerikanismus gelten soll, war in der Realität nicht so wahnsinnig positiv gestimmt: Schon dort wurde den Amerikaner vorgehalten, selbst Schuld zu sein. Amerika hätte seine Reize verloren, niemand würde mehr von den USA träumen und sowieso, die Amis haben bin Laden eigenhändig gezüchtet, stand dort. Zumindest das letzte Argument ist schlicht und ergreifend falsch, dies ist eine Urban Legend: Zwei Gruppierungen kämpften nämlich in Afghanistan gegen die Soviets und die Amerikaner unterstützten finanziell - wie Saudi Arabien, Pakistan, China, Ägypten, und Grossbritanien - die afghanischen Kämpfer, während die »Afghanischen Araber«, welchen bin Laden angehörte, ihre eigenen Finanzierungswege hatten. Mal davon abgesehen, dass sich Experten einig sind, dass bin Laden schon damals die Amerikaner nicht ausstehen konnte. Colombani, im September noch Amerikaner, stellte die USA ein paar Monate später in einem Brief an seine amerikanischen Freunde, auf eine Stufe mit Saudi Arabien, da in einigen US-Schulen, auch Kreationismus unterrichtet wird. Le Mondes Schwesterzeitung, Le Monde diplomatique, hatte dann aber für das »Nous sommes tous Américains« nur noch Spott übrig: »Alles Amerikaner, alle leben wir in New York und sprechen Englisch!«

Spätestens als sich herauskristallisierte, dass George W. Bush Afghanistan angreifen würde, gab es selbst für die breite Masse kein Halten mehr. Zehntausende gingen in allen europäischen Städten auf die Strassen und vermuteten die üblichen, finsteren Motive hinter der Operation »Enduring Freedom«. Die sogenannte Elite bewegte sich schon damals jenseits von Gut und Böse: Karlheinz Stockhausen war beeindruckt von der Präzision der Anschläge und war voller Bewunderung für das »Kunstwerk«, welches die Terroristen kreiert haben. Jean Baudrilliard, seines Zeichen französischer Philosoph und deshalb wohl wichtig als auch repräsentativ, sprach für uns alle, als er sagte, wir hätten von einem solchen Ereignis geträumt, weil niemand anders kann, als von der Zerstörung einer Hegemonialmacht zu träumen. Günther Grass erspähte in Bush’ Rethorik die Kristallsnacht.

Man muss glücklich sein, dass nicht die Public Opinion oder die »Elite« handelte, sondern das Bush-Team. Trotz aller Fehler und Missgeschicke hätte wohl kaum ein Anderer die Führung der »Free World« so gemeistert. Auf jeden Fall keiner von denen, die meinten zu wissen wie es geht. George W. Bush wurde fast über Nacht von einem schwächelndem, isolationistischem Präsidenten aus Texas zu einem Verfechter der globalen Freiheit und Demokratie.

Die Washingtoner NeoCons waren insgesamt gesehen, die Einzigen, mit einem Plan für den Sieg über den Terror. Der zentrale Punkt war und ist ein Glaube, dass alle Menschen nach Freiheit und Demokratie streben sowie dass diese Konzepte dafür sorgen, dass Leute nicht in Extremismus fallen. Einige Bush-Verfechter - in den USA wie auch hier - verfielen leider in eine gewisse Islamophobie, welche diese Kernidee der amerikanischen Aussenpolitik ad absurdum führt. Jedoch scheinen die NeoCons Recht behalten zu haben: Umfragen aus dem islamischem Raum zeigen einen Rückgang von Unterstützung für Islamisten und einen relativ neuen Glauben an Demokratie. Einer der Hauptfaktoren dabei dürfte Al-Jazeera gewesen sein, denn unterdrückte Muslime in anderen Ländern sahen Iraker und Afghanen auf dem von uns so verhasstem Sender wählen gehen und fragten sich, warum nicht bei uns, warum können wir nicht entscheiden, wer über uns das Sagen hat?

In der ganzen islamischen Welt sind feine Fortschritte erkennbar: Ägypten und Saudi Arabien strecken ihre Fühler zaghaft in Richtung Demokratie. In Palästina gab es auch Wahlen, welche zwar ihren Namen nicht so ganz verdient hatten, aber immerhin. In Kuweit erhielten Frauen plötzlich politische Rechte und durften wählen und gewählt werden. Der Libanon befreite sich von Syrien. Irak und Afghanistan sind die ersten, wenn auch fragilen, islamischen Demokratien.

Der Demokratisierungsprozess dürfte noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, aber genau deshalb dürfen wir nicht jetzt aufhören. Die Bush-Adminstration muss in Ägypten die sehr langsam anrollende demokratische Revolution unterstützen und überwachen, dass sie weiterrollt. Sie muss zusehen, dass die ersten lokalen Wahlen in Saudi Arabien bald national werden, Frauen daran teilnehmen werden und dass sie eine Bedeutung haben werden. In Palästina muss man zusehen, dass man nicht unendlich Geld in Propaganda pumpt, welche die Palästinenser die Juden hassen lässt. Die Amerikaner dürfen - militärische Notwendigkeit hin oder her - nicht mit Regimes wie jenen in Pakistan kuschen; Es ist eines der wenigen Ländern, in welchem der Extremismus zugenommen hat. Syrien ist einer der grössten Terror-Exporteure, aber auch fragil. Vor wenigen Jahren hatte man dort die Wahl zwischen der Baath-Partei und der muslimischen Brüderschaft gehabt, aber mittlerweile scheinen sich die Moderaten im In- und Ausland zu formieren. Sie sind zu unterstützen. Eine klare Linie in der Iran-Frage ist immer noch nicht erkennbar, obwohl es die grösste Macht der Region ist. Es ist von allerhöchster Wichtigkeit, Dissidenten zu unterstützen, so wie dies in den 80er-Jahren mit jenen im kommunistischem Osten geschah, denn auch wenn militärische Eingriffe manchmal notwendig sind, wäre es wünschenswert, die Demokratiesierung der islamischen Welt möglichst ohne solche zu vollenden. Dissidenten und Widerstandsbewegungen sind der Schlüssel dazu.

Osama bin Laden sagte einmal, dass der grösste Unterschied zwischen seinen Anhängern und den USA ist, dass diese das Leben lieben, sie den Tod. Ich würde vorschlagen, wir stellen uns auf Amerikas Seite und helfen Osamas Anhänger auf der Suche nach ihrer Liebe. Wir haben die historische Verpflichtung der islamischen Welt zu helfen, sich von ihren Unterdrückern zu befreien. Dies wird nicht nur hunderten Millionen von Menschen ein besseres Leben ermöglichen, sondern auch uns. Freiheit ist auf längere Sicht der einzige realistische Weg Terrorismus und Extremismus zu bekämpfen. Sie ist auch das Rezept für Frieden.

09/09/2005

New Orleans: Jetzt wird mit Waffengewalt geräumt

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Mit aller Härte greifen US-Soldaten in New Orleans durch: Mit gezogenen Waffen durchsuchen sie die Häuser. Einwohner, die sich weigern, die untergegangene Stadt zu verlassen, werden in Handschellen abgeführt.

Schon erschreckend, wie rabiat dieser ansonsten doch immer viel zu wenig zentralisierte Nachtwächterstaat da plötzlich vorgeht. Da lob ich mir die mit Wattebäuschchen prall gefüllte so starke wie ruhige Hand, die laut Gerhard Schröder bei uns Katastrophen wie den Hurrikan Katrina sicher viel besser im Griff hätte.

Ok, mit Schußwaffen würde bei uns in einer vergleichbaren Situation natürlich niemand von Haus und Hof gezerrt. Aber das wäre auch nicht nötig, denn Deutsche sind eh viel klüger als diese hohlköpfigen Amerikaner. Die gehen selbstverständlich überall hin, wenn der, der sie dazu auffordert, eine Uniform trägt (zur Not auch mal morgens um viertel vor sechs ins Ausland).

Aber selbst wenn nicht, falls dann ein paar hundert Leute elend ersaufen würden, hätte die Bundesregierung trotzdem immer noch eine viel bessere Presse als die Kollegen aus den USA. Und ganz zur Not kann man ja immer noch den Umweltminister fragen, ob er nicht eine Theorie erfinden könnte, nach der auch daran George W. Bush schuld war.

Spätestens dann sind die Schafe wieder im trockenen.

06/09/2005

Studien-Ergebnis: Iranische Atombombe erst in Jahren

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Iran braucht einer Studie zufolge noch mindestens fünf Jahre für den Bau von Atomwaffen. Das Land hat laut dem Londoner Institut für Strategische Studien noch mit einer Reihe von technischen Hindernissen zu kämpfen, um genug waffenfähiges Material herzustellen.

Soso, eine Studie. Na, da bin ich ja beruhigt. Dann können wir jetzt offenbar Entwarnung geben. Alles wird gut. Schade, daß Joschka das wahrscheinlich nicht mehr selber auskosten darf, sofern er es nicht doch noch schafft, bis zum ersten iranischen Atomtest UNO-Generalsekretär zu werden. Immerhin, so lautet die zweite gute Nachricht des Tages, will Chirac 2007 erneut antreten. Und der wäre da genau der richtige Mann zur rechten Zeit. Denn wer schon vor Saddam so gut kuschen konnte, wird auch mit den Mullahs keine Probleme kriegen, wenn es darum geht, die eigene Kapitulation auszuhandeln.

Am besten bis zum St. Nimmerleinstag (oder Doomsday, je nachdem, was zuerst eintritt), mit säckeweise Zuckerbrot und ohne alles, was auch nur im entferntesten an eine Peitsche erinnern könnte. Die iranischen Mädchen, die heute mit 10 Jahren zur gesetzlich legalen Vergewaltigung freigegeben werden, sind bis dahin eh schon volljährig und dann sicher über das gröbste weg. Und auch die iranischen Oppositionellen werden dann akzeptiert haben, daß der europäische "moral high ground" nun einmal ein Fundament aus menschlichen Knochen braucht, auf dem er errichtet werden kann.

Nur das mit dem IISS, das enttäuscht mich schon ein wenig. Bisher war das eigentlich eine recht zuverlässige Quelle. Aber jetzt würde mich doch mal interessieren, ob sie nicht vor Jahren bereits so eine tolle Studie veröffentlicht haben, die nachweist, daß der Iran auf mindestens 15 Jahre hinaus nicht in der Lage sein würde, nuklearwaffenfähige Trägersysteme mit 3000km Reichweite herzustellen. Womit sie zweifellos recht behalten hätten. Deswegen hat der Iran die Dinger ja auch einfach im Ausland gekauft. Und dafür, daß die Kerle mogeln, kann schließlich das IISS nichts.

Vor allem aber erschreckt, daß selbst bei den professionelleren Institutionen Europas wie dem IISS inzwischen offenbar vergessen wird, daß es beim Thema "Atombomben in der Hand von israelhassenden paradiesgeilen Terroristenfreunden" nicht darum geht, ob das jetzt eher wahrscheinlich oder eher unwahrscheinlich ist, sondern ausschließlich darum, ob sie es mit absoluter Sicherheit ausschließen können. Also im Sinne von "Ich kaufe Immobilien in der Golfregion und schicke meine Kinder nach Tel Aviv"-sicher. Wer da seine Aktien hat, kommt jedenfalls etwas glaubwürdiger rüber.

Weswegen ich nicht mehr länger dem IISS vertraue. Sondern der IAF.

01/09/2005

Bashing statt Spenden

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Hurrikan Katrina forderte Hunderte Menschenleben, richtete Milliardenschäden an. Doch statt Anteilnahme und Spendenaufrufen hören die Amerikaner aus Deutschland vor allem Häme und Belehrungen. Das transatlantische Verhältnis steuert auf seinen beschämenden Tiefpunkt zu - schuld daran ist die amtierende Regierung.

Ach ja, der geliebte, verhaßte SPIEGEL... Immer wenn man ihn gerade mal wieder dicke hat, kommt er plötzlich daher und versöhnt einen mit ein paar überraschenden Leckereien, damit einem die Zeit bis zur nächsten Enttäuschung nicht so lang wird. Und diesmal hat er wirklich tief in die Trickkiste gegriffen.

Nicht nur finden wir heute einen sehr treffenden Artikel (beim Autor Claus Christian Malzahn natürlich auch kaum anders zu erwarten) zum Thema "Dr. Trittin oder Wie ich lernte den Wirbelsturm zu lieben", der SPIEGEL legt auch gleich noch eine Sammlung von eMails bei, die einen ganz hervorragenden Eindruck von der Freude geben, die unser verehrter Umweltminister den Menschen machen konnte, die ihr Hab und Gut und teilweise sogar ihre Angehörigen verloren haben, und die erst durch seine weisen Worte den Sinn in dieser gerechten Strafe für das Leid zu erkennen vermögen, welches Amerika im allgemeinen und George W. Bush im besonderen über die Menschheit gebracht haben.

Daß die Logik, mit der der "Herr der Windmühlen" Katrina zur Exekutorin des grünen Weltgeists hochstilisiert, sich in ihrer Wissenschaftlichkeit kaum von der alten, so wahren wie sinnlosen 80er-Jahre-Weisheit "Seit die Frauen sich emanzipieren, sterben die Bäume" unterscheidet, kann jemand mit seiner einzigartigen Kombination aus moralischer Indifferenz, arroganter Selbstgerechtigkeit und ideologiegetränkter Beratungsresistenz vermutlich kaum erfassen. Sonst hätte er sich sicher schon früher Gedanken über den kausalen Zusammenhang zwischen den Verwüstungen, die der Wirbelsturm Joan 1988 in Nicaragua anrichtete, und der dortigen Schreckensherrschaft der Sandinisten gemacht.

Doch wäre es müßig, jetzt angesichts dieser neuerlichen Entgleisungen gleich Trittins Rücktritt zu fordern, denn bis ein Minister alle hierzu benötigten Stufen vom ersten "Hab doch gar nichts gemacht!" bis zum finalen "Es tut mir ja so leid!" durchschritten hat, gehen schnell ein paar Wochen ins Land (allein das Entfernen des Klebstoffs zwischen Sitzbezug und Designerhose dauert bekanntlich mehrere Tage), und am 18. ist für unseren Jürgen ohnehin der 1. Wenn er dann aber eines fernen Tages mal an einem langen Winterabend vor dem Kamin zurückblickt und sich fragt, was von seiner Amtszeit geblieben ist, wird er von sich sagen können: "Ich war eine Dose."

30/08/2005

SPD-Linke: Müller vergleicht Kirchhof mit Neocons

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Unions-Finanzfachmann Kirchhof gerät verstärkt ins Visier der SPD-Linken. Für Fraktionsvize Michael Müller ist Kirchhofs Konzept "erzreaktionär" - der Ex-Verfassungsrichter sei vergleichbar mit den US-Neokonservativen Cheney und Wolfowitz.

Berlin - Der Sprecher der Parlamentarischen Linken, Michael Müller, will Kirchhof auf dem SPD-Bundesparteitag am Mittwoch in Berlin scharf angreifen. "Unser Hauptgegner ist die CDU und die Ideologie von Herrn Kirchhof. Sie wollen eine andere Republik. Denn Kirchhof ist der deutsche Vertreter der amerikanischen Neokonservativen um Dick Cheney und Paul Wolfowitz, die auch für den Irak-Krieg verantwortlich sind", sagte SPD-Fraktionsvize Müller der "Welt".

Tja, Loony Mike, so sehr ich Dein Verlangen nachvollziehen kann, daß auch in Deutschland endlich mal richtige NeoCons was zu sagen haben, aber nur, weil Du gerade einen Popanz brauchst, auf den Du wahlkampfwirksam einschlagen kannst, damit Du Deinen Ar...beitsplatz retten kannst (Parlamentarier sind vermutlich schwer vermittelbar, und die Tatsache, daß Ihr es im heldenhaften Kampf gegen die Flat Tax auf inzwischen 5 Millionen Arbeitslose gebracht haben, ist da wenig hilfreich), wird mein Wunsch leider kaum in Erfüllung gehen.

Klar, ist natürlich verlockend, den Wählern, die man ganz offenkundig für noch dümmer hält als man selber ist, Begriffe um die Ohren zu hauen, deren Bedeutung man zwar selber nicht mal ansatzweise kennt, die aber gerade deswegen so einen schönen Gruselfaktor haben. Aber bei aller Bewunderung für den Mut von Paul Kirchhof, eine wirtschaftliche Revolution in einem Land anzetteln zu wollen, wo selbst die Linke strukturkonservativ ist, als Befürworter des globalen Befreiungskriegs ist er bisher jedenfalls nicht aufgefallen. Und auch Paul Wolfowitz, der anders als Euer werter Bundeskanzler den Friedensnobelpreis sogar wirklich verdient hätte, ist mir vor allem als Befreier des Irak ein Begriff und nicht gerade als Wirtschaftsreformer der USA.

Umso mehr erstaunt die Leichtigkeit, mit der Du von einer Steuervereinfachung über erzreaktionär und neokonservativ zum Irakkrieg hüpfst. Das dürfte Dir sicherlich die Goldmedaille im Gedankensprung verschaffen (ob weit oder tief lassen wir jetzt mal dahingestellt). Nun könnte man es sich natürlich genauso leicht machen und auch mal wild herumassoziieren, indem man sich vom Betonsozialisten und Irakkriegsgegner über den Amerikahasser und Terroristenversteher zum Diktatorenbeschwichtiger und Völkermordbeschöniger hangelt. Aber das wäre nicht nett, da laß ich's lieber (auf eine Medaille hätte ich eh keine Chance, solange Günter Grass und Konstantin Wecker noch im Spiel sind).

Zwar hätte jemand wie Du, der so gerne austeilt, sicher vollstes Verständnis dafür, auch mal kräftig einstecken zu dürfen, aber ich habe heute gerade meinen großzügigen Tag, da will ich nicht jede geistige Inkontinenz des politischen Gegners auf die Goldwaage träufeln. Ihr habt's ja gerade auch nicht leicht, so von wegen 18. September und so. Also lassen wir ausnahmsweise mal Gnade vor Recht ergehen. Darfst also wieder weitermachen. Nur laß uns bitte nicht zu häufig einer Meinung sein. Das würde mich dann doch ein wenig irritieren.

24/08/2005

Internierung: USA halten 15 Chinesen weiter in Guantanamo fest

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Schon vor zwei Jahren hatte das Pentagon ihre Freilassung gebilligt - trotzdem werden 15 Muslime aus China weiter auf dem US-Stützpunkt Guantanamo festgehalten, so ein amerikanischer Zeitungsbericht.

Washington - Wie die "Washington Post" am Abend auf ihrer Website berichtete, lehnt die Regierung die Entlassung der Männer nach China ab - sie könnten dort aus politischen Gründen verfolgt werden. Bislang hat sich noch kein anderes Land bereit erklärt, die Muslime aufzunehmen.

Moment mal, daß ich das richtig verstehe: Da sitzen 15 Muslime gegen den Willen der USA im Club Gitmo, weil es zu gefährlich für sie wäre, nach China zurückgeschickt zu werden? Wieso war dann dauernd Guantanamo in den Schlagzeilen, und nicht der Terror des chinesischen Regimes gegen die eigene muslimische Minderheit?

Auch verstehe ich nicht so ganz, wieso die Bush-Administration so viel Rücksicht auf islamistische Bombenleger nimmt. Wenn die US-Regierung auch nur halb so skrupellos wäre, wie ihr das ihre Gegner immer nachsagen, dann wäre das doch DIE Gelegenheit, das Terroristenpack kostengünstig ein für allemal loszuwerden.

Und was mir auch nicht so ganz einsichtig ist, wieso findet sich nach der internationalen Kritik an den schrecklichen Zuständen im größten GULag unserer Zeit unter den Guantanamo-Gegnern nicht ein einziges verdammtes Land, daß diese armen Teufel jetzt aus den Fängen des US-Imperialismus befreien möchte?

Für schnelle Aufklärung wäre ich dankbar.

19/08/2005

Atomstreit: Iran räumt Hinhaltetaktik ein

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Iran hat die Europäer bei den Verhandlungen um sein Atomprogramm absichtlich hingehalten. Das Regime habe mit der EU nur gesprochen, um Zeit für die Fertigstellung der Atomanlage in Isfahan zu gewinnen, erklärte Irans Chef-Unterhändler Hosein Musavian.

Irgendwie tragisch. Da hat der gute Joschka vor sieben Jahren die Kritiker durchaus positiv überrascht und verglichen mit seinen Vorgängern seinen neuen Job als Außenminister sehr vielversprechend angefangen. Hätte er die Verbreitung der Demokratie, den Schutz der Menschenrechte und das Verständnis für Israel konsequent in konkrete Politik umgesetzt, hätte er vermutlich seinen Platz in der Geschichte bekommen können.

Aber aufgrund eines bei grünen Politikern in der linken Gehirnhälfte offenbar fest verdrahteten Hangs zum Appeasement, der umso stärker hervortritt, je scheußlicher das jeweils zu schützende Terrorregime ist, wird man seiner Amtszeit am Ende nicht wegen der globalen Umsetzung der eigenen humanistische Ideale gedenken. Selbst negative Schlagzeilen wie die wegen der Visa-Affäre werden im Rückblick schnell als historische Fußnote vergessen sein.

Was aber sicherlich mit seinem Namen verbunden bleiben wird, ist ein häßlicher, dampfender, radioaktiv strahlender, schwarzer Fleck irgendwo im Nahen Osten, der eine bedauernswerte Stadt in ein Massengrab verwandelt hat, nur weil Joschka I. der Welt um jeden Preis beweisen wollte, daß man auch irren antisemitischen Fundamentalisten den Wunsch nach der Atombombe mit guten Worten und ein paar Glasperlen ausreden kann.

Die einzigen, die ihn jetzt noch vor sich selbst retten und davor bewahren können, daß statt einem Denkmal dereinst nur der Fischer-Krater an ihn erinnern wird, sind ironischerweise George W. Bush und Donald Rumsfeld, und zwar gerade weil sie anders, als es sein eigener Kanzler gerade mal wieder lauthals fordert, eben alle Optionen auf dem Tisch liegen lassen. Wollen wir hoffen, daß sie sie notfalls auch rechtzeitig einlösen werden.

18/08/2005

Gaza-Abzug: Israeli erschießt aus Protest vier Palästinenser

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Die Zwangsräumung der jüdischen Siedler im Gaza-Streifen ist durch die Attacke eines Israelis im Westjordanland überschattet worden. Er tötete vier Palästinenser. Die radikale Hamas-Organisation kündigte unterdessen weiter Widerstand gegen Israel an.

Jerusalem - Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon verurteilte den Angriff im Westjordanland vor der Siedlung Schilo als "jüdischen Terror".

Tja, das ist eben der Unterschied: Während arabische Friedensnobelpreisträger und andere gemäßigte Palästinenserführer den vorsätzlichen Mord an unschuldigen Zivilisten günstigstensfalls als legitimen Widerstand, der nur momentan aus taktischen Gründen der eigenen Sache nicht dienlich ist, mit leicht gerunzelten Augenbrauen väterlich mißbilligen, bezeichnet der gefürchtete Blutsäufer und Kriegsverbrecher Sharon ähnliche, wenn auch in unvergleichlich geringerem Ausmaß stattfindende Anschläge seiner eigenen Landsleute auf die Zivilisten der anderen Seite als das, was sie sind - nämlich Terror.

Es wäre wirklich schön, wenn Abbas und seine Bande sich mal zu ähnlich klaren Worten gegenüber den Verbrechern in den eigenen Reihen hinreißen lassen würden, und wenigstens so zart gegen die Bombenleger und Massenmörder vorgehen würden, wie Sharon das konsequent gegenüber Sitzblockierern und Hausbesetzern vorexerziert. Nicht daß die in Ehren ergrauten Veteranen von Wackersdorf und Mutlangen angesichts dieser unfairen Ungleichbehandlung des passiven Widerstands gegenüber dem bewaffneten Kampf auf ihre alten Tage am Ende noch solidarische Gefühle für die israelischen Siedler entwickeln.

18/07/2005

Taiwan-Konflikt: Chinesischer General droht USA mit Atomkrieg

(Von Paul13)

SPIEGEL online

"Falls die Amerikaner China mit ihren Raketen und ihrer Lenkmunition ins Visier nehmen, werden wir mit Atomwaffen reagieren müssen", sagte Generalmajor Zhu Chenghu vor ausländischen Journalisten in Peking. Falls die USA angreifen sollten, hätte China keine andere Wahl, als mit Atomwaffen zurückzuschlagen. Denn China sei nicht in der Lage, einen konventionellen Krieg mit den USA zu führen.

Die Drohung, einen Konflikt eskalieren zu lassen, könnte möglicherweise der einzige Weg sein, ihn zu stoppen, sagte Zhu. "Falls die Amerikaner entschlossen sind einzuschreiten, werden wir entschlossen antworten", sagte der General. "Wir Chinesen werden uns auf die Zerstörung aller Städte östlich von Xian einstellen. Im Gegenzug müssen sich die USA darauf einstellen, dass Hunderte Städte von den Chinesen zerstört werden."

Dies zur Warnung an alle die glauben, daß es sich bei China um ein friedliches und berechenbares Land handelt, welches bloß um das wirtschaftliche Wohlergehen seiner Bürger besorgt ist. Zumindest bei den armen Teufeln, die östlich des Xian wohnen, darf man das ab heute getrost anzweifeln. Jedenfalls lassen sich diese Äußerungen auch mit einem etwas unorthodoxen Programm zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit nur unzureichend erklären.

Andererseits erscheint jetzt Gerds Kampagne zur Aufhebung des Waffenembargos gegen China in einem ganz neuen Licht. Er wollte vermutlich nur dem grünen Koalitionspartner einen Gefallen tun und die Gefahr eines Atomkriegs reduzieren, indem er das technologisch unterlegene China mit konventionellen Waffen so weit aufrüsten läßt, daß es die USA in Ostasien militärisch besiegen kann, ohne dafür zu Atomwaffen greifen zu müssen.

Friedensbewegung anno 2005: Statt "Frieden schaffen ohne Waffen" und "Schwertern zu Pflugscharen" heißt es jetzt offenbar "Keine neuen Atomraketen bevor nicht die alten verbraucht sind". Na dann...

15/07/2005

Anschlag in Bagdad: Selbstmordattentäter riss über 30 Kinder mit in den Tod

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Bei einem Selbstmordanschlag in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind mehr als 30 Kinder getötet worden. Der Attentäter zündete den Sprengsatz, als die Kinder US-Soldaten um Süßigkeiten anbettelten.

[…] Hussein Radi trauerte um seinen elfjährigen Sohn. "Die, die das gemacht haben, sind keine Widerstandskämpfer, sondern Kriminelle", sagte er. "Warum greifen sie unsere Kinder, Zivilisten, Iraker an?", schrie Hassan Mohammed, der seinen 13-jährigen Sohn Alaa verlor. Radi Hamuds 13-jähriger Sohn überlebte den Anschlag, verlor aber beide Beine.

Ich hab's jetzt mehrmals gelesen. Hab auch die Suchfunktion drüberlaufen lassen. Und dann hab ich's noch mal gelesen. Alles ohne Erfolg. Obwohl hier vorsätzlich über 30 Kinder ermordet wurden und auch die irakischen Angehörigen der Opfer sagen, daß es sich bei den Tätern keinesfalls um Widerstandskämpfer handelt, kommt dem SPIEGEL das T-Wort einfach nicht über die Lippen.

Ich frage mich wirklich, was die Terroristen eigentlich noch alles tun müßten, damit hier das Märchen von Rebellen und Widerstandskämpfern, Aktivisten und Militanten endlich ad acta gelegt wird. Und egal was mir da als Antwort einfällt, sie haben das ja alles bereits getan. Ist meine Phantasie jetzt nur nicht pervers genug oder sind die SPIEGEL-Redakteure nur so abgestumpft?

Man muß das einfach nur mal gegenüberstellen: Amerikaner riskieren tausende Kilometer von zuhause entfernt ihr Leben, um Araber vor einem Anschlag ihrer eigenen "Brüder" zu warnen. US-Soldaten schenken arabischen Kindern Süßigkeiten, während die eigenen "Widerständler" diese Kinder in die Luft sprengen. Aber die Bösen sind die USA, günstigstenfalls bleibt der SPIEGEL neutral.

Müssen denn erst SPIEGEL-Mitarbeiter in einer Hamburger U-Bahn in die Luft fliegen, damit man in der Brandstwiete eindeutig und vorbehaltlos Stellung gegen den islamischen Fundamentalismus bezieht und begreift, daß die Terroristen uns nicht für das hassen, was wir angeblich tun oder getan haben, sondern bloß für das, was wir sind? Obwohl - wer weiß, ob das was nützen würde.

Wahrscheinlich würden sich selbst dann noch Stimmen finden, die sogar den Mord an den eigenen Mitbürgern als Akt des Widerstands gegen die Demütigung durch die westliche Welt rechtfertigen und als Folge der Untaten des US-Imperialismus (wie beispielsweise das Zerstören der Zähne irakischer Kinder durch Verführung mit stark zuckerhaltigen Nahrungsmitteln) betrachten würden.

Wenn sie sich das dann wider Erwarten aber doch nicht trauen sollten, ist ja immer noch Günter Grass da...