(Von Greg B. Grabinski)
Bundeskanzler Gerhard Schröder zieht eine positive Bilanz seiner einwöchigen Arabienreise: Die deutschen Unternehmer lobten ihn als Türöffner, die Vereinigten Arabischen Emirate kaufen 32 “Fuchs”-Spürpanzer, Siemens erhält einen Auftrag für ein Dampfturbinenwerk und vielleicht düst eines Tages auch einmal der Transrapid durch die Wüste.
Ich weiss wirklich nicht was geiler ist: Dass der Kanzler sich zur Hure für Diktaturen macht um seinen persönlichen fünf Buchstaben zu retten oder dass dies die Medien und Kommentatoren nicht weiter stört.
Kann sich jemand auch nur annährend vorstellen, was los wäre, wenn nur irgend ein fast schon auf der Strasse sitzender Sekräter der Bush-Adminstration nach Ryiad gefahren wäre um die Ausbreitung von McDonald’s in Saudi Arabien im Einklang mit der Scharia zu diskutieren? Es darf angenommen werden, dass »Heuchler« die mildeste Bezeichnung wäre und »Kein Blut für Hamburger«-Demos noch die Netteren sein würden. Natürlich würden die besonders Intellektuellen nicht warten um die Diskrimination der Schweine zu denunzieren, weil nach dem islamischem Recht kein Schweinefleisch gegessen werden darf. Mal abgesehen von den Globalisierungskritikern, welche die vorletzte Bastion (vor Nordkorea) des aufrichtigen Widerstands gegen den teuflischen US-amerikanischen (Kultur-)Imperialismus einstürzen sehen müssen.
Da aber keine amerikanische oder jüdische Hand im Spiel ist werden die Vereinigten Arabischen Emirate bald mit Füchsen durch die Wüste brettern, während die Grünen lautstark gegen Lieferungen von militärischen Geräten und Fahrzeugen an Israel protestieren werden, weil diese gegen Palästinenser verwendet werden könnten. Denn merke: Frauenunterdrückung und Missachtung von Menschenrechten ist Teil einer Kultur, aber Selbstverteidigung gegen Leute die auf dem Wege zu den 72 Jungfrauen in regelmässigen Abständen die Abkürzung über israelische Diskotheken und Busse nehmen, ist moralisch verwerflich. So werden wohl die ersten Transrapids eher einigen Scheichs dienen um von Frau zu Frau zu fetzen als sie Berlin und Hamburg verbinden werden, denn zumindest die Grünen sind der arabischen Welt bisland erspart geblieben.
George W. Bush spricht von Demokratie im Nahen Osten und setzt dies so gut es geht um, wird aber für die Flecken auf der weissen Weste - für die eher seine Vorgänger als er verantwortlich sind - zerrissen. Der Bundeskanzler bekleckt sich dagegen wie ein Dreijähriger - und es stört keinen, weil er ehrlich zu totalitären Regimen steht und Austellungen zur 75-jährigen saudisch-deutschen Freundschaft eröffnet. Die Welt ist ungerecht. Die Medien auch.