11/09/2005

Freiheit & Frieden

(Von Greg B. Grabinski)

An den 11. September 2001 erinnere ich mich wie an gestern. Kurz nachdem auch das zweite Flugzeug ins den zweiten WTC-Turm donnerte, sass ich in einer Französisch-Stunde, in welcher ich auf Grund meiner damals sehr erbärmlichen Französischkentnisse keinem so richtig vermitteln konnte, was passiert war. Bis ich wirklich realisierte, was geschehen war - nämlich eine Attacke auf die Vereinigten Staaten von Amerika und somit den gesamten Westen - dauerte es aber noch ein paar Stunden. Oder Wochen. Die Idee, dass jemand Flugzeuge in Gebäude fliegen könnte, nur um diese zu zerstören war einfach surreal. Die Verwirrung dominierte alles, keiner wusste so richtig was geschehen war, noch was passieren würde. Eine solche betrübte Weltuntergangsstimmung würde ich gerne nie wieder erleben.

Der Tag danach war auf eine Art noch absurder: Jeder hatte seine Version der Geschichte, jeder hatte seine Erklärung für jedes der Flugzeuge, jeder wusste, wo das Vierte hätte reinkrachen sollen, jeder wusste, wie George W. Bush reagieren würde, jeder wusste, wie man reagieren sollte. (Der Genfer Konsensus war: Nichtstun, da Spirale der Gewalt.) Im krassen Gegensatz stand der Unterricht dazu. So rührte kein Lehrer die Ereignisse vom Vortag an und spulte das übliche Programm ab als wäre nicht gerade Geschichte geschrieben worden. Unter Freunden regierte ein komische Leere: Nachdem man alles über die Ereignisse vom Dienstag ausgetauscht hatte, versuchte man über Normales, Alltägliches zu reden, aber Sinn machte dies nicht.

Diese Atmosphäre hielt aber nicht lange an. Zum Glück, denn sehr tragbar war sie nicht, aber dies machte auch den Weg frei für die intellektuellen Primaten. So regte man sich darüber auf, dass drei Schweigeminuten - welche selbst von den öffentlichen Verkehrsmitteln eingehalten wurden - für die Opfer einberufen worden waren und nicht für die Opfer von Hiroshima. Einige hielten die Anschläge sogar für gerechtfertigt, ausser dass ihnen doch lieber gewesen wäre, wenn keine Zivilisten getroffen worden wären - jene in den Flugzeugen waren aber Kollateralschäden, über welche sie sonst so genüsslich lamentieren. Am Freitag meinte ein Philosophie-Lehrer - nachdem Bush erklärt hatte, er werde nicht still sitzen - mit einem süffisantem Grinsen, »pas tout ce qui est bien, est Américain« (nicht alles was gut ist, ist amerikanisch). Ein Physik-Lehrer tischte Verschwörunsgtheorien auf, bei welchen selbst Bröckers blass geworden wäre. Einig waren sie sich bloss in einem einig: Was auch immer die amerikanische Regierung tun würde, es würde alles nur noch schlimmer machen.

Zu dieser Erkenntnis kam der Spiegel Online schon am selben Abend. Im Artikel »Der Gigant ist verletzbar« - man muss nicht sonderlich böse sein, um schon im Titel eine gewisse Genugtung herauszuhören - erklärte Harald Schumann, dass was auch immer Bush unternehmen würde, friedlicher würde die Welt nicht werden. Dies dürfte wohl die Mär begraben, dass Amerika durch die Art und Weise der Antwort auf den Angriff all den Hass auf sich zog: Man gab ihr keine Chance. Hätten die Amerikaner keine Reaktion gezeigt und gesagt »Ja, wir haben’s verdient«, vielleicht dann wäre man in Europa glücklich gewesen.

Die gefeierte Le Monde-Kollumne von Colombani, welche erklärte, dass wir alle Amerikaner seien und als der Beweis des europäischen Pro-Amerikanismus gelten soll, war in der Realität nicht so wahnsinnig positiv gestimmt: Schon dort wurde den Amerikaner vorgehalten, selbst Schuld zu sein. Amerika hätte seine Reize verloren, niemand würde mehr von den USA träumen und sowieso, die Amis haben bin Laden eigenhändig gezüchtet, stand dort. Zumindest das letzte Argument ist schlicht und ergreifend falsch, dies ist eine Urban Legend: Zwei Gruppierungen kämpften nämlich in Afghanistan gegen die Soviets und die Amerikaner unterstützten finanziell - wie Saudi Arabien, Pakistan, China, Ägypten, und Grossbritanien - die afghanischen Kämpfer, während die »Afghanischen Araber«, welchen bin Laden angehörte, ihre eigenen Finanzierungswege hatten. Mal davon abgesehen, dass sich Experten einig sind, dass bin Laden schon damals die Amerikaner nicht ausstehen konnte. Colombani, im September noch Amerikaner, stellte die USA ein paar Monate später in einem Brief an seine amerikanischen Freunde, auf eine Stufe mit Saudi Arabien, da in einigen US-Schulen, auch Kreationismus unterrichtet wird. Le Mondes Schwesterzeitung, Le Monde diplomatique, hatte dann aber für das »Nous sommes tous Américains« nur noch Spott übrig: »Alles Amerikaner, alle leben wir in New York und sprechen Englisch!«

Spätestens als sich herauskristallisierte, dass George W. Bush Afghanistan angreifen würde, gab es selbst für die breite Masse kein Halten mehr. Zehntausende gingen in allen europäischen Städten auf die Strassen und vermuteten die üblichen, finsteren Motive hinter der Operation »Enduring Freedom«. Die sogenannte Elite bewegte sich schon damals jenseits von Gut und Böse: Karlheinz Stockhausen war beeindruckt von der Präzision der Anschläge und war voller Bewunderung für das »Kunstwerk«, welches die Terroristen kreiert haben. Jean Baudrilliard, seines Zeichen französischer Philosoph und deshalb wohl wichtig als auch repräsentativ, sprach für uns alle, als er sagte, wir hätten von einem solchen Ereignis geträumt, weil niemand anders kann, als von der Zerstörung einer Hegemonialmacht zu träumen. Günther Grass erspähte in Bush’ Rethorik die Kristallsnacht.

Man muss glücklich sein, dass nicht die Public Opinion oder die »Elite« handelte, sondern das Bush-Team. Trotz aller Fehler und Missgeschicke hätte wohl kaum ein Anderer die Führung der »Free World« so gemeistert. Auf jeden Fall keiner von denen, die meinten zu wissen wie es geht. George W. Bush wurde fast über Nacht von einem schwächelndem, isolationistischem Präsidenten aus Texas zu einem Verfechter der globalen Freiheit und Demokratie.

Die Washingtoner NeoCons waren insgesamt gesehen, die Einzigen, mit einem Plan für den Sieg über den Terror. Der zentrale Punkt war und ist ein Glaube, dass alle Menschen nach Freiheit und Demokratie streben sowie dass diese Konzepte dafür sorgen, dass Leute nicht in Extremismus fallen. Einige Bush-Verfechter - in den USA wie auch hier - verfielen leider in eine gewisse Islamophobie, welche diese Kernidee der amerikanischen Aussenpolitik ad absurdum führt. Jedoch scheinen die NeoCons Recht behalten zu haben: Umfragen aus dem islamischem Raum zeigen einen Rückgang von Unterstützung für Islamisten und einen relativ neuen Glauben an Demokratie. Einer der Hauptfaktoren dabei dürfte Al-Jazeera gewesen sein, denn unterdrückte Muslime in anderen Ländern sahen Iraker und Afghanen auf dem von uns so verhasstem Sender wählen gehen und fragten sich, warum nicht bei uns, warum können wir nicht entscheiden, wer über uns das Sagen hat?

In der ganzen islamischen Welt sind feine Fortschritte erkennbar: Ägypten und Saudi Arabien strecken ihre Fühler zaghaft in Richtung Demokratie. In Palästina gab es auch Wahlen, welche zwar ihren Namen nicht so ganz verdient hatten, aber immerhin. In Kuweit erhielten Frauen plötzlich politische Rechte und durften wählen und gewählt werden. Der Libanon befreite sich von Syrien. Irak und Afghanistan sind die ersten, wenn auch fragilen, islamischen Demokratien.

Der Demokratisierungsprozess dürfte noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, aber genau deshalb dürfen wir nicht jetzt aufhören. Die Bush-Adminstration muss in Ägypten die sehr langsam anrollende demokratische Revolution unterstützen und überwachen, dass sie weiterrollt. Sie muss zusehen, dass die ersten lokalen Wahlen in Saudi Arabien bald national werden, Frauen daran teilnehmen werden und dass sie eine Bedeutung haben werden. In Palästina muss man zusehen, dass man nicht unendlich Geld in Propaganda pumpt, welche die Palästinenser die Juden hassen lässt. Die Amerikaner dürfen - militärische Notwendigkeit hin oder her - nicht mit Regimes wie jenen in Pakistan kuschen; Es ist eines der wenigen Ländern, in welchem der Extremismus zugenommen hat. Syrien ist einer der grössten Terror-Exporteure, aber auch fragil. Vor wenigen Jahren hatte man dort die Wahl zwischen der Baath-Partei und der muslimischen Brüderschaft gehabt, aber mittlerweile scheinen sich die Moderaten im In- und Ausland zu formieren. Sie sind zu unterstützen. Eine klare Linie in der Iran-Frage ist immer noch nicht erkennbar, obwohl es die grösste Macht der Region ist. Es ist von allerhöchster Wichtigkeit, Dissidenten zu unterstützen, so wie dies in den 80er-Jahren mit jenen im kommunistischem Osten geschah, denn auch wenn militärische Eingriffe manchmal notwendig sind, wäre es wünschenswert, die Demokratiesierung der islamischen Welt möglichst ohne solche zu vollenden. Dissidenten und Widerstandsbewegungen sind der Schlüssel dazu.

Osama bin Laden sagte einmal, dass der grösste Unterschied zwischen seinen Anhängern und den USA ist, dass diese das Leben lieben, sie den Tod. Ich würde vorschlagen, wir stellen uns auf Amerikas Seite und helfen Osamas Anhänger auf der Suche nach ihrer Liebe. Wir haben die historische Verpflichtung der islamischen Welt zu helfen, sich von ihren Unterdrückern zu befreien. Dies wird nicht nur hunderten Millionen von Menschen ein besseres Leben ermöglichen, sondern auch uns. Freiheit ist auf längere Sicht der einzige realistische Weg Terrorismus und Extremismus zu bekämpfen. Sie ist auch das Rezept für Frieden.

17/03/2005

Bush kämpft für Ideale der Linken

(Von Paul13)

Die Welt

Die Förderung von Demokratie im Nahen Osten erfordert von uns in Großbritannien und in Europa eine enge Zusammenarbeit mit den USA. Doch angesichts einer auf dem rechten Flügel stehenden amerikanischen Regierung, die ihre eigene Vision hat, wie man die Welt zum Guten verändern kann, sind viele Anhänger der Linken zu den unnachgiebigsten Verfechtern des Status quo geworden. Realisten und Idealisten scheinen ihre traditionellen Positionen getauscht zu haben. Der Hintergrund ist natürlich der Irak. Es wäre aber gefährlich für die Linken, sich als Gegner und Kritiker amerikanischer Macht und Ziele in eine bequeme Ecke zurückzuziehen.

[...] Präsident Bushs Erklärung, daß die Ausbreitung der Freiheit die beste Hoffnung auf Frieden in unserer Welt ist, steht in der großen Tradition von Wilson, Roosevelt, Kennedy und vielen anderen. Diese Tradition bietet uns die enorme Chance, an einer amerikanischen Außenpolitik teilzuhaben und diese mitzugestalten, die sich für Ziele engagiert, von denen wir uns seit langem inspirieren lassen. Das ist eine Chance, die die Linke nutzen sollte - und eine Chance für Europa, mit den USA zusammenzuarbeiten, nicht als stiller Partner, sondern indem die Europäer ihre eigenen starken Beziehungen zum Nahen Osten und ihre einmaligen Erfahrungen in der Verbreitung von Demokratie auf unserem Kontinent und an seinen Grenzen mit einbringen.

Man muß nicht jedes von Straws Worten aus diesem Artikel unterschreiben, aber damit, daß die Demokratisierung eigentlich ein linkes Projekt ist, welches von seinen Erfindern nur aus - m.E. oft unverhohlen antiamerikanisch motivierten - Abwehrreflexen gegenüber der US-Regierung verraten wird, hat Straw absolut recht. Das kann gar nicht oft genug betont werden.

Es ist eben kein Zufall, daß auffällig viele der fälschlicherweise so genannten NeoCons, die hinter diesem Projekt stehen, ursprünglich linke (oder sogar extrem linke!) Wurzeln haben. Und auch bei den wenigen offenen Unterstützern der US-Politik in Europa scheinen mir (ex-)Linke eher überrepräsentiert zu sein, während die traditionell amerikafreundlichen Konservativen aus Angst vor weiteren Wahldebakeln sicherheitshalber abgetaucht sind.

Daß aber die europäische Linke die Seiten gewechselt hat und zunehmend offener reaktionäre Diktaturen der übelsten Sorte stützen statt stürzen will, nur um den USA zu schaden oder ihrer Regierung wenigstens nicht recht geben zu müssen, wird eines Tages als ähnlich großes Versagen gewertet werden wie heutzutage die frühere kritiklose Unterstützung Stalins, Maos oder Pol Pots, zu denen sich heute auch niemand mehr bekennen mag.

So bitter und überraschend das für so manchen sein mag, der sich in seiner Ablehnung der Globalisierung der freien Märkte wie der freien Wahlen für progressiv hält, aber die Revolution kommt, wie Jean-Francois Revel bereits vor über 30 Jahren schrieb, tatsächlich aus Amerika. Und - die Ohren gespitzt! - Dubya ist der Oberrevoluzzer. So grausam kann Geschichte sein...

15/03/2005

SPIEGEL ONLINE: "Bushs perfekte Propaganda-Maschine"

(Von Davids Medienkritik; Übersetzt von David Harnasch)

Aufgepasst! SPON hat wieder mal Beweise dafür aufgetrieben, daß die US-Medien sich fest in der Hand der Bush-Regierung und ihrer gut geschmierten Propagandamaschine befinden!

Jawohl! Die Amerikaner werden beeinflußt von TV-Nachrichten, die die Bush-Administration auf unglaublich perfide Weise manipuliert. Unter der Überschrift "Bushs perfekte Propaganda-Maschine" bezieht sich SPON auf einen Artikel der New York Times, in der die über die zunehmende Verwendung vorgefertigter TV-Nachrichten durch die US-Regierung berichtet. SPON schreibt:

"Die US-Regierung bietet einen Service für amerikanische Lokal-Sender, den diese immer häufiger nutzen: Komplette Beiträge für die Nachrichten. Der Urheber wird gern verschwiegen. Auf diese Weise bringt die Administration elegant ihre Sicht der Dinge unters Volk.

Hamburg - Die Bush-Regierung macht sich eine Methode zunutze, die PR-Agenturen seit langen Jahren erfolgreich nutzen. Vorgefertigte Fernseh-Beiträge werden an TV-Stationen geschickt, die das Material dankbar annehmen, weil sie häufig finanziell nicht grade üppig ausgestattet sind. Einem Bericht der "New York Times" zufolge hat diese Art der Propaganda in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen."

SPON versäumt es natürlich praktischerweise, auch diese Zitate aus exakt demselben Bericht der New York Times zu erwähnen:

"Dieses Vorgehen, das unter Clinton ebenfalls vorkam, setzt sich fort trotz der Forderung Präsident Bushs nach einer klareren Trennung zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit der Regierung.

Bundesbehörden beauftragten spätestens seit der ersten Clinton-Regierung die Vorproduktion von Fernseh-Nachrichtenbeiträgen. (...)

Unter der Bush-Administration scheinen Bundesbehörden mehr Nachrichtenbeiträge zu veröffentlichen, die außerdem ein größeres Themenspektrum abdecken.

Eine genaue Abrechnung ist nahezu unmöglich."

Anders gesagt: Dieses Vorgehen ist wohl kaum einzig bei der Bush-Regierung üblich. Es war bereits unter der Clinton-Regierung verbreitet und ist in der Privatwirtschaft sowieso üblich. Die Behauptung der NYT, daß diese Praxis unter Bush zugenommen hätte, mag durchaus zutreffen. Dennoch gibt die Zeitung offen zu: "Eine genaue Abrechnung ist nahezu unmöglich."

A propos Abrechnung: Sogar SPON kann die offensichtliche Tatsache nicht völlig ignorieren, daß die Verantwortung für Inhalt und Art der Nachrichten den jeweiligen Fernsehsendern zugerechnet werden muß. Der letzte Absatz des Artikel lautet (wer hätte das gedacht):

"Die Regierung weist den Propaganda-Vorwurf der Zeitung gegenüber zurück. Es stehe schließlich in der Verantwortung der Sender, darüber zu informieren, dass Beiträge über die Regierungspolitik von der Regierung kämen."

Gleichgeschaltet

Unglücklicherweise ist der SPON-Artikel "Bush's perfekte Propagandamaschine" selbst ein Beispiel für die propagandaartige Kampagne der Deutschen Massenmedien. Ziel ist es, die deutsche Öffentlichkeit zu überzeugen, daß die Mehrheit der US-Medien von der Bush-Regierung beherrscht oder mindestens stark beeinflusst werden.

Viele Deutsche wurden sogar zu der Überzeugung geführt, daß die meisten US-Medien "gleichgeschaltet" sind. Anders formuliert: Viele Deutsche glauben, daß die Mehrheit der US-Medien eine auf mangelnder Information beruhende Meinung propagieren, die den Präsidenten und seine Politik, speziell den Irak-Krieg unausgewogen positiv darstellt. Um den SPON-Artikel als Außenstehender völlig zu verstehen, muß man ihn in diesem Zusammenhang lesen.

"Bushs perfekte Propaganda-Maschine"...ist offenbar nicht so perfekt

Das Problem der Idee von den "gleichgeschalteten" Medien ist, daß sie schlicht unhaltbar ist. Oder anders: Daß sie lächerlicher Unsinn ist.

Eine aktuelle Studie des "Project for Excellence in Journalism" der Columbia University liefert genug Beweise, um die Behauptung auseinanderzunehmen, die amerikanischen Fernsehsender seien von der sogenannten "perfekten Propagandamaschine" der Bush-Regierung beherrscht oder auch nur deutlich beeinflusst. (Man nehme zur Kenntnis, daß die Columbia University im Herzen der Stadt New York kaum eine Hochburg konservativen, rechtslastigen, republikanischen Gedankenguts ist.)

Die Studie ergab, daß während des untersuchten Zeitraumes unmittelbar vor der Wahl 2004 die Nachrichtenberichterstattung der Fernsehsender überwältigend voreingenommen GEGEN Präsident Bush war:

"In den entscheidenden Wochen vor der Präsidentenwahl 2004, der Zeit, die behherrscht wurde von den Fernsehduellen litt Präsident George W. Bush gemäß einer neuen Studie, die das "Project for Excellence in Journalism" heute veröffentlichte unter aufallend schlechterer Berichterstattung als der Herausforderer John Kerry.

Mehr als die Hälfte der Berichte über Bush wahren entschieden negativ im Tonfall (1). Im Kontrast hierzu waren nur ein Viertel der Berichte über Kerry offensichtlich negativ. (...)

Berichte, in denen es hauptsächlich um den Präsidenten ging, waren mehr als dreimal so oft negativ, wie solche, die hauptsächlich von Kerry handelten (52% Bush gegenüber 17% Kerry).

Die negativen Berichte über Bush überwogen auch die positiven. Nur 15% der Fernsehberichte über Bush zeigen ihn in einem eindutig positiven Licht. Die größte Gruppe, 33%, war neutral.

Kerry kam weit besser weg. Tatsächlich war die Berichterstattung über ihn während des untersuchten Zeitraums mit mehr als so oft positiv wie negativ. Volle 57% der Berichte, die hauptsächlich Kerry thematisierten waren positiv, weitere 26% waren neutral.

Die meisten Fernsehberichte befassten sich nicht nur mit Bush ODER Kerry, sondern behandelten beide Kandidaten. Auch wenn diese Berichte eher neutral ausfielen als solche, die sich nur um einen der beiden Kandidaten drehten, gab es auch hier ein Muster, nach dem Kerry besser abschnitt. Im Ganzen waren 11% dieser Berichte eindeutig negativ in Bezug auf Bush, 4% in Bezug auf Kerry. Gleichzeitig waren 16% positiv für Kerry, 7% für Bush."

Nicht vergessen: Es geht hier um genau die Fernsehnachrichten, die laut SPON so clever und subtil beeinflußt werden durch "Bushs perfekte Propagandamaschine". Im Licht der Fakten betrachtet, ist "Bushs perfekte Propagandamaschine" also nicht annähernd so perfekt oder einflußreich, wie SPON seinen Lesern glauben machen möchte.

Das Hauptproblem ist, daß Studien wie die des "Project for Excellence in Journalism" der Columbia University trotz ihrer Bekanntheit und Verfügbarkeit in journalistischen Kreisen niemals von SPON erwähnt werden. Warum? Weil die Tatsachen, die sie aufzeigen, nicht ins Bild passen wollen, das von den USA gezeichnet wird: Eine Nation, die von den Neo-Cons unterjocht wurde und in der die Medien von den finsteren Machenschaften der doppelzüngigen Bush-Regierung still und heimlich unterwandert und kontrolliert werden.

Um diese Wirklichkeitsverweigerung zu verstehen, muß man die Ursachen kennen. Leider ist die SPON-Leserschaft inzwischen von anti-amerikanischen Tiraden so abhängig wie ein Junkie vom Heroin. Und die Redaktion fühlt sich als Dealer verpflichtet, diese Sucht zu befriedigen. Tatsachen zu kolportieren, die dieser Sicht widersprechen, hieße, die Junkiekundschaft massiv zu verprellen - und damit den Umsatz zu torpedieren. Wundert es also, daß amerikafreundliche Artikel von Fremdautoren wie Henryk M. Broder nur noch so selten und oft spät veröffentlicht werden?

Einfach gesagt: SPONs Artikel "Bushs perfekte Propagandamaschine" ist ein weiteres klassisches Beispiel für den Sieg der Sensationsgier und der Voreingenommenheit über Substanz und Ausgewogenheit in den deutschen Medien. Oder anders: Wenn Du die Tatsachen nicht magst - ignoriere sie einfach! Wir wollen doch die Junkies nicht verärgern, oder?!

03/03/2005

Der Tod ist ein Meister aus Texas

(Von Wuldorblogger)

Wie zu erwarten war: Marc Pitzke von "Spiegel Online" nutzt das Supreme-Court-Urteil zur Aufhebung der Todesstrafe gegen ehemals minderjährige Straftäter, um wieder einmal eine massive Attacke gegen George W. Bush zu reiten.

Als Gegner der Todesstrafe fällt es mir schwerer als sonst, Pitzke aufs Korn zu nehmen. Aber dennoch denke ich, dass ein paar Dinge Erwähnung finden sollten, auch, um das beliebte Thema „Bush und die Todesstrafe“ einmal näher ins Licht zu rücken.

"So ist das gestrige Urteil auch eine Ohrfeige für den US-Präsidenten: Vier dieser texanischen Teenager-Hinrichtungen zeichnete George W. Bush damals persönlich ab, als Gouverneur des Bundesstaates - und exekutionsfreudigster Statthalter der Nation. "Gouverneur Tod" wurde Bush damals genannt."

Zunächst einmal wertet in den USA meines Wissens kaum ein seriöser Journalist oder Beobachter das Urteil vorrangig als „Ohrfeige für Bush“, weil man dort nämlich realisiert hat, dass der schon seit ein paar Jahren nicht mehr Gouverneur ist – und seitdem übrigens auch schon wieder vier ehemals 17jährige Straftäter in Texas hingerichtet wurden. (Auch darauf sollte man hinweisen: die „Teenager“ waren in Texas ausschließlich 17jährige – niemand wurde dort in den letzten drei Jahrzehnten jünger zum Tode verurteilt.) ...

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22/02/2005

Bush und die Verwundeten

(Von Wuldorblogger)

Selten habe ich eine so platte Lüge gelesen wie jene, die "Spiegel Online" zunächst in seinem Artikel "Laura Bush besucht verwundete Soldaten" verbreitet hat. Da hieß es nämlich:

"Echte Aufgabenteilung: George W. Bush würde sich nie neben amerikanischen Kriegsopfern zeigen."

Und:

"Der Besuch am Krankenbett verletzter Soldaten ist ein Termin, den der Präsident selber nie absolvieren würde. Seit Beginn der Kriege in Afghanistan und dem Irak hat er es peinlichst vermieden, neben Särgen oder Krankenbetten abgelichtet zu werden. Zu Beerdigungen gefallener Amerikaner geht er nicht. Wenigstens in seinem engsten Umkreis will er das Bild vom "sauberen Krieg" aufrecht erhalten."

Version 1, Quelle: SPIEGEL ONLINE

Version 2, Quelle: SPIEGEL ONLINE

Bush, der Feigling. Jagt die Kinder in den Krieg, und wenn sie sterben oder verletzt werden, dann ignoriert er sie, um das Bild des "sauberen Krieges" nicht zu stören.

Zum Glück gibt es Google. Da findet man in kürzester Zeit folgendes:

Von der Seite des Weißen Hauses (!): "President Bush Meets With Wounded Soldiers at Walter Reed"

Oder wie wäre es hiermit: "President Visits Soldiers at Army and Navy Medical Centers"

Weitere Berichte über andere Besuche z. B. hier:

"Bush Visits Wounded Soldiers"
"Bush visits wounded soldiers"

Und dann wäre da noch Mike McNaughton. Dieser wurde in Afghanistan durch eine Landmine verstümmelt und verlor ein Bein. Bei seinem Besuch versprach Bush an dessen Krankenbett, mit McNaughton zu joggen, sobald dieser wieder dazu in der Lage sei. Was er im April 2004 auch getan hat:

Ich war so frei, die Leute bei "Spiegel Online" auf diese Bilder aufmerksam zu machen (nachdem ich glücklicherweise die ursprüngliche Fassung abgespeichert hatte). Daraufhin wurde aus den oben zitierten Passagen folgendes:

"Echte Aufgabenteilung: George W. Bush zeigt sich nur äußerst ungern neben amerikanischen Kriegsopfern."

"Der Besuch am Krankenbett verletzter Soldaten ist ein Termin, den der Präsident selbst nicht besonders gern absolviert. Seit Beginn der Kriege in Afghanistan und dem Irak vermied er es zumindest peinlichst, neben Särgen abgelichtet zu werden. Zu Beerdigungen gefallener Amerikaner geht er nicht. Wenigstens in seinem engsten Umkreis will er das Bild vom "sauberen Krieg" aufrecht erhalten."

Nun ist das Interpretationssache, aber ich würde vermuten, daß jemand, der sich nicht auf Bildern mit Verwundeten sehen möchte und diese Termine ungern wahrnimmt, nicht unbedingt eben solche Bilder auf der Homepage des Weißen Hauses veröffentlichen lassen würde. Und ob er mit einem Beinamputierten öffentlich joggen würde?

Was die Beerdigungen anbelangt - hier scheint SPON tatsächlich einen Punkt zu haben. Allerdings nur, wenn man nicht diese Zusammenstellung amerikanischer Historiker vom "History News Network" kennt: "Have Presidents in the Past Attended the Funerals of Dead Soldiers?"

Die Antwort lautet: Clinton wohl nicht, George H. W. Bush vielleicht, Reagan nicht, Carter nicht, Nixon (trotz Vietnam) nicht, Johnson ja. Dagegen besuchen US-Präsidenten häufiger Gedenkfeiern und erinnern vor allem im Rahmen des "Memorial Day" in Arlington an die Gefallenen. Das hat allerdings auch Bush getan:, z. B. hier: "President Bush Honors the Brave and Fallen Defenders of Freedom " .

Von den unzähligen Malen, die Bush die Gefallenen und Verletzten in Reden geehrt oder deren Angehörige besucht hat, wollen wir in diesem Zusammenhang mal gar nicht reden...

Aber wenn man all das erwähnen würde, erschiene Bush nicht mehr ganz so sehr als der kaltblütige, blutrünstige Kriegstreiber, der junge Amerikaner für Öl in Tod oder Verstümmelung treibt und sich dann nicht einmal dazu herabfindet, sie zu würdigen...

14/02/2005

Tagesschau: "Nordkorea-Politik der USA gescheitert!"

(Von Politically Incorrect)

Tagesschau gibt Bush Schuld an Nordkoreas Atomwaffenbesitz

Wenn die Tagesschau zu analysieren beginnt, wirds bekanntlich tendenziell. Auch bei der Top-Meldung der Woche implizierte die ARD-Nachrichtensendung den Deutschen: Schuld an Nordkoreas Atomwaffenbesitz ist eigentlich nicht deren tyrannischer Führer Kim Jong, sondern, wie könnte es auch anders sein, - George W. Bush!

Auszüge:

Die Welt erlebt einen Taktikwechsel Nordkoreas im Atompoker mit den USA. Statt wie bisher seine atomaren Trumpfkarten auf der Hand zu behalten und sie am Verhandlungstisch möglichst teuer zu verschachern, hat das nordkoreanische Regime einen seiner atomaren Trümpfe jetzt ausgespielt und sich de facto zum Atomwaffenstaat erklärt. Zugleich ist Nordkorea aus den Sechser-Gesprächen mit China, Japan, Südkorea, Russland und den USA ausgestiegen. Die bisherige Nordkorea-Politik der USA ist damit gescheitert, denn deren erklärtes Ziel war es zu verhindern, dass Nordkorea Atommacht wird. (...) Präsident Bush hat heute die Quittung für seine allzu kurzsichtige Nordkorea-Politik bekommen. Eine Außenpolitik braucht eben nicht nur moralische Klarheit, sondern auch strategische Eindeutigkeit. (Quelle)

08/02/2005

Umfragenhoch

(Von Wuldorblogger)

Die neueste CNN / USA Today / Gallup-Umfrage ist da. Eine schöne Gelegenheit, in den nächsten Stunden die Berichterstattung darüber zu verfolgen. Denn: wie aufgrund der irakischen Wahl und der weitgehend positiv bewerteten "State of the Union"-Rede zu erwarten, haben sich Bushs Werte deutlich verbessert.

Bushs Zustimmungswerte sind von 51:46 Prozent auf 57:40 Prozent gestiegen - der beste Wert seit Januar 2004. Die Lage der Wirtschaft wird mit 50:47 positiv beurteilt, ebenso die Außenpolitik mit 51:44 (vor einem Monat noch 47:49). Auch die Lage im Irak wird erstmals seit März 2004 wieder positiv bewertet: 50:48 (statt 42:56 in der Januar-Umfrage). 64 % halten die Errichtung einer Demokratie im Irak für sehr oder relativ wahrscheinlich (vor einem Monat 47 %).

Und eine Zahl schreit gerade zu nach einer Schlagzeile. Denn eine deutliche Mehrheit der Amerikaner hält es nun nicht mehr für einen Fehler, den Krieg begonnen zu haben. Sahen im Januar noch 52 % den Krieg als Fehler und 47 % nicht, sind nun nur noch 45 % davon überzeugt, daß er falsch war, 55 % dagegen denken, er war richtig. Und als Sahnehäubchen noch ein pikantes Detail obendrauf (Sahne - pikant? OK, ein schlechtes Bild): Bushs Sympathiewerte übertreffen mit 59:39 die des in Deutschland ex post so beliebten Bill Clinton (56:41).

Bevor nun die obligatorischen Einwände kommen: Natürlich, es ist eine Momentaufnahme. Die aktuellen Umstände haben Bush genutzt. Das Pendel kann schon bald wieder andersherum ausschwingen. Darum geht es mir auch gar nicht.

Ich bin nur vielmehr gespannt, ob die deutschen Medien, allen voran die Leutchen bei Spiegel Online, die sich stets befleißigen in großen Lettern zu verkünden, wenn Bushs Werte sinken oder die Mehrheit der Amerikaner den Irak-Krieg als Fehler bezeichnet, über diese positiven Werte ähnlich berichten werden. Im Verlauf des letztjährigen Wahlkampfs war das nicht der Fall. Lassen wir uns also mal überraschen...

Zahlenspiele

(Von Wuldorblogger)

Die Berichterstattung der deutschen Medien über den von Präsident Bush vorgelegten Haushaltsentwurf bietet gleich mal wieder eine Handvoll schöner Möglichkeiten, die Qualität deutschen Journalismus' hautnah zu begutachten.

Zunächst einmal haben wir da die "tagesschau", in der sich die Washington-Korrespondentin der ARD, Christiane Meier, mit betroffenem Blick befleißigte zu betonen, der Entwurf träfe fast ausschließlich "die Ärmsten", während das Militär - horribile dictu ! - mehr Geld erhalte. Abgesehen davon, daß dies in dieser Form in einer Nachrichtensendung nicht gerade angebracht ist und einem Kommentar bereits arg nahe kommt, deuten allerdings die amerikanischen Presseberichte - sogar die der Bush-kritischen Zeitungen wie "New York Times" oder "Washington Post" - vielmehr auf umfassende Kürzungen in verschiedensten Bereichen hin, die keineswegs ausschließlich oder in besonders hartem Maße "die Ärmsten" treffen. (Drudge - immer mit Vorsicht zu genießen - berichtet sogar, daß laut "White House Budget Director" Josh Bolten die Steuerlast der Reichsten deutlich steigen wird.)
 
Spiegel Online titelt: "Nur das Militär kriegt mehr". Reimt sich schön, ist aber leider nicht richtig. Hier wiederum hätte man bei den Kollegen von tagesschau.de nachschauen können, die richtigerweise erwähnen, daß - neben dem Heimatschutz, den SPON auch noch selbst erwähnt und somit dem eigenen griffigen Titel widerspricht - auch das Entwicklungshilfebudget (ja, Entwicklungshilfebudget!) um satte 17 % steigen soll.

Besonders schlau auch folgender Satz bei SPON:

"Die Militärausgaben steigen um knapp fünf Prozent auf 18,2 Milliarden Dollar."

Ja, was wollen denn dann alle von wegen zu hoher US-Militärhaushalt? Die Bundesrepublik hat schließlich 2004 ca. 30 Mrd. Dollar für Rüstung ausgegeben!

Vielleicht liegt es aber auch nur wieder einmal daran, daß irgendjemand bei SPON mal wieder nicht auf Ballhöhe war. Bei den 18,2 Milliarden handelt es sich nicht um das Militärbudget, sondern die Erhöhung desselben. Das Budget selbst liegt nämlich laut Planung bei knapp 419 Milliarden, wie man bei tagesschau.de nachlesen kann. Und das sind wiederum übrigens über drei Milliarden Dollar weniger als zuvor für 2006 eingeplant worden waren, was aber weder von SPON noch "tagesschau" erwähnt wird.

"Professioneller Journalismus" halt...

07/02/2005

Amerika-Hass erreicht Mainzer Fastnacht

Skandalöses Wagenmotiv zwei Wochen vor Bush-Besuch

(Von Politically Incorrect)

Der Anti-Amerikanismus in Deutschland hat ausgerechnet in der Stadt, die US-Präsident George Bush am 23. Februar während seiner Deutschland-Visite besuchen wird, einen neuen Höhepunkt erreicht. Ein Motivwagen des Mainzer Rosenmontagszuges zeigt den US-Präsidenten, der sein nacktes Hinterteil Angela Merkel entgegenstreckt.

Die obszöne Aussage des Mainzer Wagenschöpfers und Attac-Aktivisten Klaus Wilinski im Auftrag des Mainzer Karnevals-Verein ist eindeutig: Über Bushs nacktem Hintern prangt ein Schild mit der Aufschrift 'Wiedereröffnung' und Frau Merkel eilt freudig auf die Leiter zu, die in den Allerwertesten von Bush führt. Mit dem dazugehörigen Narrenspruch "Da strahlt die Angela am End, George Bush bleibt weiter Präsident. Sie fühlt sich wie im Honeymoon, wir wünschen ihr Good After-Noon". Dass das Wagenmotiv trotz vieler Bürger-Proteste (die Mainzer "Allgemeine Zeitung" wurde im Vorfeld von Leserbriefen aufgebrachter Bürger zugeschüttet) für den Rosenmontagszug zugelassen wurde, lag vor allem am Mainzer SPD-Oberbürgermeister Jens Beutel. Er beschwichtigte bei der Vorstellung der Wagenmotive für den Rosenmontagszug, der amerikanische Präsident werde es sicher mit Humor nehmen. (Quelle)

Das Wagenmotiv ist - auch unter dem Deckmantel der Satire - in keinster Weise humorvoll, sondern geschmacklos, obszön und widerlich. Man muss sich wirklich langsam schämen, Deutscher zu sein!

06/02/2005

"Irak ist ein Land, das Träume hat"

<p><p><p><p><p><p>"Irak ist ein Land, das Träume hat"</p></p></p></p></p></p>

(Von Politically Incorrect)

US-Präsident ist sehr optimistisch was die Zukunft des Irak angeht

Bush optimistisch

Der amerikanische Kolumnist Cal Thomas hat am Dienstag US-Präsident George W. Bush im Oval Office getroffen. Die Welt veröffentlicht das Interview in ihrer heutigen Ausgabe.

Auszüge:

Carl Thomas: Der irakische Übergangspräsident hat gesagt, er sehe die US-Truppen erst abziehen, wenn Sicherheitskräfte des Irak aufgebaut und Widerstandsnester zerstört sind. Zum Jahresende würde die Zahl der ausländischen Truppen sichtbar sinken. Sie aber scheinen ein festes Ziel zu haben. Und wenn dies erreicht ist, werden die Truppen heimkehren und nicht umgekehrt.

George W. Bush: Ich denke, es ist falsch, Zeitpläne aufzustellen. Unsere Feinde können diese Zeitpläne aussitzen. Sie ahnen so einen Zeitpunkt, ein Datum voraus. Bis zu diesem Tag werden sie stillhalten, aber dann schlagen sie los. Ich habe einen anderen Ansatz. Ich glaube, wir sollten ein Ziel erreichen, und dieses Ziel besteht darin, diesem Land bei der Verwirklichung seiner Träume zu helfen. Und was das amerikanische Volk bei den Wahlen im Irak am vergangenen Wochenende gesehen hat, ist, dass dies ein Land ist, das Träume hat. Die Iraker haben den Terroristen getrotzt und sind in überraschend großer Zahl wählen gegangen. Ein erregender Moment.

Carl Thomas: Hatten Sie in der Nacht vor der Wahl Zweifel oder Ängste, dass die Situation anders ausgehen könnte?

Bush: Es gibt immer Unsicherheiten. Man denkt natürlich über alle möglichen Alternativen nach. Schließlich beherrschte mich große Zuversicht. Und ich glaube wirklich daran, dass Menschen, wenn sie die Chance erhalten, wählen zu gehen, frei sein wollen. Schon Afghanistan hat mich in dieser Überzeugung, den Menschen einfach eine Chance zu geben, ihre eigenen Wünsche auszudrücken, wie es die Bürger in den USA auch tun, bestätigt. Das Wahlergebnis dort war überwältigend. Und das gilt auch für den Irak.

Carl Thomas: Kümmert Sie die geringe Wahlbeteiligung der Sunniten?

Bush: Ich habe darüber mit König Abdullah von Jordanien gesprochen. Er sagte mir, in seinem Land hätten sehr viele Exiliraker, die meisten von ihnen Sunniten, gewählt. Das sagt mir, dass die Menschen wählen gehen, wenn die Lage sicher ist. Und das ist es, was diese Wahl gezeigt hat. Es ist verständlich, dass in einer Provinz wie Anbar, deren Zentrum die Stadt Falludscha ist, wo Menschen vertrieben wurden und in Lagern leben, die Wahlbeteiligung niedriger sein mag als anderswo. Wir wollten, dass alle Iraker wählen. Jetzt ist es wichtig, den Menschen zu zeigen, dass die neue Regierung alle Gruppen vertreten will, dass Minderheiten geschützt werden, dass Bagdad ihre Hoffnungen und Träume ernst nimmt. Und deshalb war ich überaus ermutigt, als Allawi, der selbst Schiit ist, zu den Sunniten sagte: Wir wollen mit euch zusammenarbeiten.

Carl Thomas: Senator John Kerry hat versucht, Ihren Wahlsieg zu schmälern, indem er ihn knapp nannte und davor warnte, den Wahlen im Irak zu große Bedeutung beizumessen. Wie denken Sie darüber?

Bush: Tatsache ist doch, dass die Iraker, obwohl alles gegen sie stand, diese Auffassung, dass manche Völker irgendwie nicht frei leben wollen würden, Lügen gestraft haben. Sie haben ihre Stimme laut und deutlich erhoben, im Angesicht von Terroranschlägen, Enthauptungen, Morden und Bombenattacken: "Wir wollen frei sein." Und das ist das einzige, was meiner Meinung nach zählt. Mehr...