(Von Niko)
Politisch korrekte Journalisten lieben Codes. "Amerikanische Verhältnisse" ist so ein Code. Oder "Bildungsferne Schichten". Manchmal aber sind selbst Codes zu heikel, etwa wenn es um unbequeme Wahrheiten geht. Dann vergräbt der gewissenhafte Journalist das Beweisstück ganz weit hinten unter allerlei Wortmüll.
Ein schönes Beispiel haben wir in der FAZ gefunden.
(...) Fehlende Arbeitsmöglichkeiten allein erklären den Wahlerfolg der Rechtsextremen demnach nicht. Wie verhält es sich mit den anderen klassischen Kategorien der Parteien- und Wahlsoziologie? Für westdeutsche Verhältnisse vertraut ist der Befund, daß in Sachsen in allen Altersgruppen deutlich mehr Männer als Frauen rechtsextrem wählten. Eigentümlich ist das Zustimmungsgefälle in den verschiedenen Altersgruppen. Nach übereinstimmenden Berechnungen von infratest-dimap und der Forschungsgruppe Wahlen fand die NPD unter den jüngeren Wählern deutlich mehr Zustimmung als unter den Älteren: Nur drei Prozent der über 60 Jahre alten Bürger wählten am 19. September 2004 rechtsextrem, aber 18 Prozent der 18 bis 29 Jahre alten und immerhin noch 12 Prozent der 30 bis 44 Jahre alten Bürger. (...)
Nach Berufsgruppen differenziert, stellt sich die NPD-Wählerschaft schließlich so dar: Auf einen überdurchschnittlich hohen Stimmenanteil kamen die Rechtsextremen unter den Arbeitslosen (18 Prozent), aber auch unter den Berufstätigen (10 Prozent). Besser als im Durchschnitt kam die NPD schließlich auch bei den Arbeitern (14 Prozent) an.
Demnach hatte und hat die NPD vielen etwas zu bieten: Überall in Sachsen dient sie sich mit antikapitalistischen Parolen und Protestrhetorik Arbeitslosen und Arbeitern an, und vorwiegend auf dem Land scheinen die gutorganisierten Rechtsextremen mit Musikaktionen an Schulen, dem Appell an heimatliche Instinkte und offensiver Gruppenbildung vielen Bedürfnissen einer formal nicht überdurchschnittlich gebildeten Bevölkerung entgegenzukommen. (...)
Sieh an. Das überrascht uns aber. Nicht im geringsten. Nur zu gerne würden wir den Fragebogen sehen. Wie wohl der deutsche Durchschnittsbürger zustimmen würde, wenn er nicht wüsste, welche Partei hinter den Parolen steht?
Eine Theorie: Die Wähler der NPD haben angesichts "antikapitalistischer Parolen" nicht anders entschieden, als es Sympathisanten und Mitglieder von attac, PDS, und gewisser Kreise der Grünen getan hätten. Sie unterscheidet aber, dass sie so skrupellos waren, das Kreuzchen tatsächlich bei der NPD zu setzen.
Eine weitere Theorie: Nicht die NPD hat sich wieder mit Programmen in die Mitte der Gesellschaft gedrängt, sondern obenstehende Strömungen haben die Parolen der NPD wieder salonfähig gemacht.
Die Ausländerfeinde von gestern sind die Globalisierungskritiker von morgen.