SPD-Linke: Müller vergleicht Kirchhof mit Neocons
(Von Paul13)
Unions-Finanzfachmann Kirchhof gerät verstärkt ins Visier der SPD-Linken. Für Fraktionsvize Michael Müller ist Kirchhofs Konzept "erzreaktionär" - der Ex-Verfassungsrichter sei vergleichbar mit den US-Neokonservativen Cheney und Wolfowitz.
Berlin - Der Sprecher der Parlamentarischen Linken, Michael Müller, will Kirchhof auf dem SPD-Bundesparteitag am Mittwoch in Berlin scharf angreifen. "Unser Hauptgegner ist die CDU und die Ideologie von Herrn Kirchhof. Sie wollen eine andere Republik. Denn Kirchhof ist der deutsche Vertreter der amerikanischen Neokonservativen um Dick Cheney und Paul Wolfowitz, die auch für den Irak-Krieg verantwortlich sind", sagte SPD-Fraktionsvize Müller der "Welt".
Tja, Loony Mike, so sehr ich Dein Verlangen nachvollziehen kann, daß auch in Deutschland endlich mal richtige NeoCons was zu sagen haben, aber nur, weil Du gerade einen Popanz brauchst, auf den Du wahlkampfwirksam einschlagen kannst, damit Du Deinen Ar...beitsplatz retten kannst (Parlamentarier sind vermutlich schwer vermittelbar, und die Tatsache, daß Ihr es im heldenhaften Kampf gegen die Flat Tax auf inzwischen 5 Millionen Arbeitslose gebracht haben, ist da wenig hilfreich), wird mein Wunsch leider kaum in Erfüllung gehen.
Klar, ist natürlich verlockend, den Wählern, die man ganz offenkundig für noch dümmer hält als man selber ist, Begriffe um die Ohren zu hauen, deren Bedeutung man zwar selber nicht mal ansatzweise kennt, die aber gerade deswegen so einen schönen Gruselfaktor haben. Aber bei aller Bewunderung für den Mut von Paul Kirchhof, eine wirtschaftliche Revolution in einem Land anzetteln zu wollen, wo selbst die Linke strukturkonservativ ist, als Befürworter des globalen Befreiungskriegs ist er bisher jedenfalls nicht aufgefallen. Und auch Paul Wolfowitz, der anders als Euer werter Bundeskanzler den Friedensnobelpreis sogar wirklich verdient hätte, ist mir vor allem als Befreier des Irak ein Begriff und nicht gerade als Wirtschaftsreformer der USA.
Umso mehr erstaunt die Leichtigkeit, mit der Du von einer Steuervereinfachung über erzreaktionär und neokonservativ zum Irakkrieg hüpfst. Das dürfte Dir sicherlich die Goldmedaille im Gedankensprung verschaffen (ob weit oder tief lassen wir jetzt mal dahingestellt). Nun könnte man es sich natürlich genauso leicht machen und auch mal wild herumassoziieren, indem man sich vom Betonsozialisten und Irakkriegsgegner über den Amerikahasser und Terroristenversteher zum Diktatorenbeschwichtiger und Völkermordbeschöniger hangelt. Aber das wäre nicht nett, da laß ich's lieber (auf eine Medaille hätte ich eh keine Chance, solange Günter Grass und Konstantin Wecker noch im Spiel sind).
Zwar hätte jemand wie Du, der so gerne austeilt, sicher vollstes Verständnis dafür, auch mal kräftig einstecken zu dürfen, aber ich habe heute gerade meinen großzügigen Tag, da will ich nicht jede geistige Inkontinenz des politischen Gegners auf die Goldwaage träufeln. Ihr habt's ja gerade auch nicht leicht, so von wegen 18. September und so. Also lassen wir ausnahmsweise mal Gnade vor Recht ergehen. Darfst also wieder weitermachen. Nur laß uns bitte nicht zu häufig einer Meinung sein. Das würde mich dann doch ein wenig irritieren.