(Von Wuldorblogger)
Ein Hobby der deutschen Medien ist bekanntlich das "Republican-bashing". Alles und jedes, was aus den USA an Nachrichten kommt, wird so gewendet, daß man die bösen US-Konservativen in ein negatives Licht rücken kann. Natürlich auch der Fall Terri Schiavo.
Und in der ersten Reihe dabei ist ausgerechnet die "tagesschau", angeblich Ausbund an Objektivität und der Gradmesser für seriöse Berichterstattung.
Ich zitiere den Beitrag aus der 20-Uhr-Sendung vom 28. 3. (Mitschrift des Textes von mir, der Filmbeitrag hier):
"In Washington wurde unterdessen bekannt, daß ausgerechnet der Mehrheitsführer im Abgeordnetenhaus, Tom DeLay, vor 18 Jahren selbst mit entschieden hatte, bei seinem hirntoten Vater lebenserhaltende Maßnahmen abzubrechen.
Dabei hatte DeLay im Fall von Terri Schiavo von Barbarei gesprochen und mit drastischen Worten das Eingreifen des Kongresses gefordert. Kritiker sehen darin einen Beleg für die Doppelmoral und Heuchelei der Konservativen."
[...]
"Es war auch Tom DeLay, der gesagt hat, der Fall Schiavo sei ein Gottesgeschenk für die religiöse Rechte in Amerika. Der Versuch des konservativ dominierten Kongresses, aus der persönlichen Tragödie einer kranken Frau politisches Kapital zu schlagen, erweist sich zunehmend als ein Bumerang."
Zunächst einmal sollte man denken, daß wenigstens in der "tagesschau" das Prinzip der Trennung von Bericht und Kommentar noch eine Bedeutung hat. Der letzte Satz des Beitrages belehrt uns eines Besseren.
Aber zum Inhaltlichen:
Ich frage mich zunächst einmal: Was ist aus deutscher Sicht das wichtigste am Fall Schiavo? Die dahinter stehende ethische Diskussion, die sich auch bei uns stellt, der Zustand von Frau Schiavo oder die persönliche Lebensgeschichte von Herrn DeLay? Ich denke, es ist sind die ersten beiden Punkte. Warum steht dann aber Herr DeLay fast mehr im Mittelpunkt des Beitrages als Frau Schiavo - um die es doch eigentlich geht? Und das in einem Beitrag, der vorgeblich die Politisierung des Themas und die Ablenkung vom traurigen Schicksal Terri Schiavos kritisiert?
Kein Wort fällt ferner darüber, daß der Fall von DeLays Vater völlig anders gelagert war als der von Frau Schiavo. DeLays Vater war, so steht es im Bericht der "Los Angeles Times", nicht nur gehirntot, er litt auch unter Organversagen, hing an Maschinen und hatte keine Überlebenschance. Anders als im Fall Schiavo waren sich die Ärzte ferner in ihrer Diagnose ebenso einig wie die betroffene Familie darüber, welche Entscheidung man treffen werde. Texanisches Recht erlaubte laut "Just One Minute" seinerzeit nur dann ein Abschalten der Maschinen, wenn der Tod nach Urteil eines Arztes kurz bevorstand. Was immer man über den Fall Schiavo denkt - daß hier keine sinnvollen Vergleiche möglich sind, sollte eigentlich offenkundig sein. (Am Rande bemerkt: DeLays Vater starb laut "Los Angeles Times" Ende 1988. Bei der "tagesschau" ist es also offenbar schon Ende 2006, denn dort spricht man ja von "18 Jahren". Dann könnten sie mir doch bitte wenigstens auch mitteilen, ob es mit der Abwahl von Gerhard Schröder geklappt hat und wer Fußball-Weltmeister geworden ist...)
Weiter geht's. "Kritiker sehen darin einen Beleg für die Doppelmoral und Heuchelei der Konservativen." heißt es da. "Doppelmoral" und "Heuchelei" sind starke Begriffe. So stark, daß sie in der Regel in der "tagesschau" selbst als Zitat selten vorkommen. Es geht aber, das wird aus der sonstigen Schiavo-Berichterstattung der ARD klar, wohl sowieso nur darum, hier die "Kritiker" das aussprechen zu lassen, was man selbst denkt. Kein Wunder also auch, daß eine Gegenstimme dieser "Kritiker" nicht zu Wort kommt. So hat man die Worte "Doppelmoral" und "Heuchelei", die der durchschnittliche deutsche Medienkonsument sowieso schon mit den Republikanern in Verbindung bringt, gewinnbringend untergebracht.
Als nächster Schritt dann ein verzerrt wiedergegebenes Zitat: "Es war auch Tom DeLay, der gesagt hat, der Fall Schiavo sei ein Gottesgeschenk für die religiöse Rechte in Amerika." Hat er das tatsächlich gesagt? Hat er nicht. Was DeLay gesagt hat ist laut "Time"-Transkript Folgendes:
"It is more than just Terri Schiavo. This is a critical issue for people in this position, and it is also a critical issue to fight that fight for life, whether it be euthanasia or abortion. I tell you, ladies and gentlemen, one thing God has brought to us is Terri Schiavo to elevate the visibility of what's going on in America. That Americans would be so barbaric as to pull a feeding tube out of a person that is lucid and starve them to death for two weeks. I mean, in America that's going to happen if we don't win this fight."
Kein Wort von der "religiösen Rechten". Kein Wort von einem "Gottesgeschenk". Und schon gar nicht ist, wie der "tagesschau"-Beitrag nahelegt, die Rede davon, daß DeLay den Fall Schiavo als "Gottesgeschenk" für den Wählerfang betrachtet. Es ist richtig, daß DeLay am Ende seiner Rede auch davon sprach, daß es um einen Angriff der Liberalen auf die konservative Bewegung gehe, den man abwehren müsse. Aber es ist offenbar, daß es in dem Teil, wo DeLay über Frau Schiavo spricht, ihm um den "fight for life" geht, also um ethischen Fragen. Von politischem Nutzen ist keine Rede.
DeLays Aussagen wurden von manchen auf der politischen Linken in den USA so wie von der "tagesschau" zitiert wiedergegeben. Gerade das ist aber bezeichnend. Statt den tatsächlichen Wortlaut zu zitieren, um den man sich vermutlich erst gar nicht bemüht hat, zitiert man die Version einiger Liberaler. Auch hier kommen Konservative natürlich nicht zu Wort.
Zu guter Letzt die bereits erwähnte Abrundung mit dem Sahnehäubchen: "Der Versuch des konservativ dominierten Kongresses, aus der
persönlichen Tragödie einer kranken Frau politisches Kapital zu schlagen, erweist sich zunehmend als ein Bumerang."
Wie
gesagt: Ein eindeutiger Meinungsbeitrag und somit in der "tagesschau"
schon einmal fehl am Platze. Dann die geschickte Gegenüberstellung: Die
US-Konservativen, die den meisten Deutschen sowieso suspekt sind, auf
der einen Seite. Die kranke Frau auf der anderen. Gut und böse. Und die
Bösen sind so böse, daß sie das Leid der Guten auch noch für sich
auszuschlachten versuchen, um daraus "politisches Kapital zu schlagen".
Belege für diese schwer wiegende Anschuldigung, daß es den
Konservativen nicht um die Sache geht, werden nicht geboten.
Ebensowenig wird hinterfragt, ob es nicht vielleicht auch auf der
anderen Seite Leute gibt, die auch aus politischen Motiven so handeln
könnten, wie sie es tun. (Was laut Umfragen näher liegen würde, denn
die von den meisten Demokraten vertretene Position, Frau Schiavo
sterben zu lassen, findet in den meisten Umfragen seit Beginn der
Kontroverse eine Mehrheit, sprich: die Republikaner vertreten hier eine
eher unpopuläre Haltung, die sogar dazu beigetragen haben dürfte, daß
Präsident Bushs Umfragewerte so gering sind wie nie zuvor.)
Die Dämonisierung der amerikanischen Konservativen ist also sogar in der vermeintlichen Musterstube des deutschen Journalismus angekommen. Erschreckend.
Was in den deutschen Medien ebenfalls nicht berichtet wird, ist, dass in den USA einige prominente Linke wie Jesse Jackson und Ralph Nader gegen die "Sterbehilfe" für Terri Schiavo Stellung bezogen haben:
http://frontpagemag.org/Articles/ReadArticle.asp?ID=17548
Außerdem berichten in den USA auch Medien, die nicht dem konservativen Spektrum zuzurechnen sind, in einer Weise über die Familienkonstellation, welche die Rolle von Herrn Schiavo sehr dubios erscheinen lässt:
http://www.nytimes.com/2005/03/26/national/26families.html?pagewanted=1&ei=5070&en=6adea7aba99ac3d8&ex=1112504400
Kommentiert von: marriex | 01/04/2005 at 09:11
Ist der "Kommentar" von Gabi ausversehen aus einem Chat für Schwachsinnnige übernommen worden? Ich verstehe leider nicht in welchen jeden Zusammenhang diese Vulgarismen zu diesem Artikel stehen. Außerdem kann ich drei statt einem Fragezeichen sowie die Satzstellung und Grammatik nicht nachvollziehen.
Kommentiert von: Alexander | 01/04/2005 at 10:15
Die Tageschau macht meiner Meinung nach einen Fehler in dem sie annimmt, dass politisches Kapital verloren wurde. Der 'Economist' von heute sieht das anders:
"What matters far more for Republican members of Congress is that religious voters are disproportionately influential in their local parties. A study in 2002 by a magazine, Campaigns and Elections, found that, of the 31 states Mr Bush won in 2004, the Christian right was strong in 15 and weak in none. In all, its influence had grown in 15 states and fallen in only eight. It has probably grown further since then.
For Republicans in the House of Representatives, gerrymandering has made this even more important. Their seats are safe from Democrats, so they have no wish to offend people with the power to deselect them in primary contests."
( https://www.economist.com/printedition/displayStory.cfm?Story_ID=3817115 )
Des weiteren gab es soweit ich mich erinnern kann nur ein internes Memo der Republikaner das auf die politische Attraktivität des Themas hingewiesen hat. Hat Tom DeLay das mit dem 'Gottgeschenk' wirklich gesagt?
Ziemlich schwacher Beitrag von der Tageschau.
Kommentiert von: Phil | 01/04/2005 at 10:34
@ Phil
Siehe meinen Beitrag: DeLay hat es so definitiv nicht gesagt. Es kommt aber noch besser: Das von Dir angesprochene Memorandum ist ebenfalls weitgehend diskreditiert. Niemand weiß, wer es geschrieben oder in Umlauf gebracht hat. Powerline und andere Blogs sind an der Story dran und das Memo ist weitestgehend kollabiert. (Was man bei uns natürlich auch nicht erfährt.)
Kommentiert von: Wuldorblogger | 01/04/2005 at 12:30
@ wuldorblogger
Ich kenne nur den Artikel der WaPo betreffend des Memos. War die letzte Woche im Internet. Dennoch erscheint es mir nicht abwegig das einige Senatoren oder Kongressabgeordnete auch politische Motive hatten. Ich denke der 'Economist' trifft den Nagel da schon auf dem Kopf. Das ist jedoch normal für die Politik. Was mich am ganzen Fall gestört hat ist die Tatsache das die Legislative einschreitet wenn ihr gewisse Gerichtsurteile nicht gefallen.
Das ändert natürlich nichts an der Qualität des Berichtes der Tageschau.
Kommentiert von: Phil | 01/04/2005 at 13:12
marriex : das sich Jesse J und Ralph N sich für das Leben von Terri eingesetzt haben würde hier in den TV Medien auch erwähnt. Weiss jetzt nicht mehr welche Sender es waren, aber ich habe es die Tage mehrmals mitbekommen.
Die Hauptdiskussion geht doch garnicht darum ob Terri Sonde-ernährt wird oder nicht, sondern wie weit darf sich eine Regierung im laufende Prozesse einmischen und sogar Gesetzte ändern. Wohlgemerkt in einen laufenden Verfahren.
Kommentiert von: martin | 01/04/2005 at 13:53
@ Namensvetter
>das sich Jesse J und Ralph N sich für das Leben von Terri eingesetzt haben würde hier in den TV Medien auch erwähnt. Weiss jetzt nicht mehr welche Sender es waren, aber ich habe es die Tage mehrmals mitbekommen.
Ich weiß das nur aus amerikansichen Medien, obwohl ich sicher nicht zuwenig fernsehe. War es vielleicht doch CNN?
>Die Hauptdiskussion geht doch garnicht darum ob Terri Sonde-ernährt wird oder nicht, ...
dann leben wir in verschiedenen Welten.
@Gabi
Seien Sie froh, dass Neokonservative es ablehnen, Menschen ohne aktive Großhirnrinde die Nahrung zu entziehen.
Kommentiert von: marriex | 01/04/2005 at 15:02
Meiner Meinung nach haben die deutschen Medien sich mit der Kritik an dieser Entscheidung des Michael Schiavo, seine Ehefrau die Magensonde entfernen und sie dann verdursten zu lassen, sehr zurückgehalten.
Befragt dazu, äußerte Herr Huber von der ev. Kirche Kritik an Bush, daß er sich eingemischt habe. Martin (obiges Posting) meint, daß es darum ginge. Nein! Ganz im Gegenteil! Da ist martin wieder nur unseren Medien aufgesessen, die das suggerieren.
Die eigentliche Frage ist doch, ob man über Terris Willen spekulieren darf, wenn dieser nicht festgehalten ist. Der Richter hat sich für den Mann und gegen die Eltern entschieden, für den Tod und gegen das Weiterleben. DAS IST DAS THEMA.
Ein Mensch muß sterben, weil der Ehemann sich nicht scheiden lassen will, sondern sie zum Tode führen will, wie Terri SChiavo es angeblich wollte. Das ist doch das Problem in diesem Fall. Was sagt ein 26 Jahre alter Mensch, wenn er einen Koma-Patienten sieht? So will ich nie enden. Dann schalte lieber die Geräte ab. Aber wollte Terri auch verhungern und verdursten? Wie ernsthaft sind solche Äußerungen, wenn man jung und schön ist? Wer mit Sterbenden zu tun hat, mit alten Menschen, mit Todkranken, der weiß, daß da immer noch ein ganz großer Lebenswille sein kann, auch wenn man voller Metastasen ist, nicht mehr schön ist, halb gelähmt. Da sieht das Leben auf einmal anders aus. Wann ist ein Leben lebenswert?
Hat uns Christopher Reeve nicht tief beeindruckt? Dieser unbändige verzweifelte Lebenswille? Hat man seine arme Frau nicht bemitleidet? Hat jemand überhaupt diese tiefe Liebe begriffen, die man einer anderen Seele gegenüber empfinden kann, gleich wie der Körper ist? Kennt das unsere deutsche Kultur überhaupt noch?
Krüppel? Weg damit.
Kein Bewußtsein? Abfall. Weg damit. Kosten zu hoch.
Dahin geht doch eine Gesellschaft, wenn sie Leben als solches nicht mehr für lebenswert hält, wenn sie Leben einer Wertung unterzieht, wenn das Leben als solches nicht mehr geschützt ist.
Frühgeborene? Unendliche Kosten. Haben die schon ein Bewußtsein? 1000 g Häuflein Mensch. Ist es wert, es zu erhalten?
Terri Schiavo, kein Bewußtsein, weg damit.
Da regen sich Deutsche einschließlich Huber, der Kirchliche, über Bushs Einmischung auf. Ist es nicht am obersten Kirchenmann, über Moral und Ethik zu reden. Hätte er nicht die Amerikaner anmahnen müssen, energisch, anklagend, daß sie hier einen falschen Weg beschreiten? Nur Bushkritik kam und einige Allgemeinaussagen. Hätte er nicht ALLES sagen müssen, um Terri zu retten? Hätte er nicht aktiv werden müssen, Kontakt zu seinen Glaubensbrüdern aufnehmen müssen, Terri zu helfen.
Es kam unglaublich wenig an Kritik. Hat man sich zurückgehalten, weil Bush die Tötung verhindern wollte?
Wollte Huber nicht mit Bush auf einer Seite stehen?
Hat Terri Schiavo deshalb so wenig Unterstützung erhalten, weil Bush sie unterstützt hat?
Nach dt. Recht hätte die Magensonde NICHT entfernt werden dürfen. Dies nur zur Erinnerung. Warum kam so wenig Unterstützung aus Deutschland?
Kommentiert von: Gabi | 01/04/2005 at 15:31
Der Tagesschau-Beitrag ist natürlich ein Paradebeispiel für die (bewusste) Vermischung von Meinung und Beitrag in den deutschen Medien - gerade wenn es um die USA geht. Aufgefallen ist mir aber noch eine andere Nachrichtensendung im Ersten: Die Tagesthemen vom 22.3:
In einem Beitrag über den Fall Schiavo heisst es:
"...Während das Land an ihrem Beispiel über Patientenverfügungen und über das Recht auf einen würdigen Tod diskutiert, versucht man anderswo [im Bild das Weisse Haus] politisch Kapital zu schlagen. Im Kongress sieht ein Republikaner aus Texas seine Chance"
Es folgt eine Äußerung von deLay. Dann:
"Was so vielleicht vernünftig klingt, ist doch bloss skrupellose Ausbeutung eines tragischen persönlichen Schicksals - findet Robert Boston"
Auffällig vor allem ist hier der fehlende Gebrauch des Konjunktivs, der suggeriert, es handele sich nicht um eine Meinung, sondern um ein Faktum. Erst am Ende des Satzes, etwas kleinlaut, erfährt man, dass es sich um ein Zitat handeln soll.
Der Hammer kommt aber zum Schluss, als Ulrich Wickert den Vorsitzenden der Ethik-Enquete-Kommission Rene Röpsel befragt.
Wickert: "Wäre auch in Deutschland eine solche Ausernandersetzung möglich, wie in den USA?"
Röpsel: "Glücklicherweise hoffe ich, dass dies nicht der Fall ist. Ich schau mit einigem Entsetzen auf den medialen Umgang, aber auch das Verhalten von Justiz und Politik in den USA und ich bin froh, dass wir da eine andere Diskussionsart pflegen in Deutschland."
Ja wir kulturell überlegenen Europäer pflegen da noch eine andere Diskussionsart. Welche eigentlich? Keine, denn unsere religiöse Rechte -Linke und unsere Religionswächter in Parlament und Ethikrat untersagen einen Abbruch der künstlichen Ernährung in einem solchen Fall. Selbst wenn die Angehörigen sich einig sind und eine schriftliche Patientenverfügung vorliegt. Wie schön, dass unser Staat uns unsere Freiheit
nimmt, so dass wir gar nicht mehr diskutiueren brauchen.
Zwar können die Tagesthemen nicht sehr viel für Äußerungen ihrer Interviewpartner, aber die Auswahl und Fokussierung der Berichterstattung lässt deutlich erkennen, dass Neutralität und Sachlichkeit nicht zu den Zielen dieser Nachrichtensendung gehören. Obige Zitate sind ein Abbild der "Diskussionsart" wie sie in Deutschland gepfegt wird.
Kommentiert von: dipa19 | 01/04/2005 at 16:03
Jesse Jackson war auf Euronews zu sehen. Der Skandal ist, daß alle und jeder darüber spekulieren, welche finsteren Motive die Republikaner haben könnten, sich für Terris lebenserhaltung einzusetzen und geflissentlich übersehen wird, dass sich auch liberale Amerikaner gegen das Sterbenlassen ausgesprochen haben. Mögliche Motive des Ehemannes werden dagegen überhaupt nicht erörtert. Der NYT-Artikel deckt da einiges auf. Hat eigentlich jemand mal was über die Gewalt- und Vergewaltigungsvorwürfe gelesen?
@Gabi: So sehr ich auch im Prinzip mit Deiner Kritik an deutschen Medien, Huber usw. (z.B. Westerwelle bei Friedmann) übereinstimme, habe ich manchmal Sorge, dass Deine Ereiferungen in German-Bashing umschlagen. Wie Du ja selber geschrieben hast, wäre das Entfernen der Magensonde bei uns nicht möglich gewesen. Aber dass Du vorher versuchst, mit Deinen wiederholten Andeutungen in Richtung unwertes Leben einen Nazigeneralverdacht zu erzeugen, finde ich unpassend.
Kommentiert von: Alex | 01/04/2005 at 17:31
Die Tagesthemen brachten einen WDR-Kommentar, der an Anti-Bush-Hetze kaum zu überbieten war; Kostprobe: Die Konservativen seien schon allein deshalb als Heuchler in Sachen Schiavo überführt, weil sie für die Todesstrafe eintreten würden. Dass der WDR-Redaktion irgendwie gar nicht aufgefallen ist, dass eine Schwerkranke eben kein Schwerverbrecher ist, spricht schon Bände: Oder ist es neuerdings wieder ein Verbrechen am gesunden Volkskörper, die Unverschämtheit zu haben, doch tatsächlich mit einer schrecklichen Behinderung geschlagen zu sein?
Kommentiert von: ralph | 01/04/2005 at 18:48
Ich dachte Anti-Amerikanismus gibt es gar nicht in D, nur Anti-Bushismus, und nur im Stern und manchmal auch im Spiegel.
Diese ganze Geschichte geht in den USA über Parteilinien hinweg. Manche, in beiden Parteien, politisieren vielleicht das Erreignis, die meisten tun es nicht. Wenn die tagesschau so tief in den Sumpf der verblendeten ideologischen Kritik gesunken ist kann man von anderen Meinungsmacher nichts erwarten.
Die Brücken zwischen USA und D werden auf der deutschen Seite weiterhin abgebaut. Sehr viele Medienverbraucher habe aufgehört selbständig zu denken und hinterfragen die US-Berichterstattung der Medien schon lange nicht mehr(wie man sehen kann mit martin/unwichtig/laurenz etc etc). Die deutschen Medien führen, nach sechzig Jahren, wieder einen Propagandakrieg und sehr viele Medienverbraucher sind ihm, wieder, verfallen.
Kommentiert von: WhatDoIKnow | 01/04/2005 at 20:09
@ Wuldorblogger: Du bist der Beste. Ich verneige mein Haupt. Der letzte Artikel war schon gut, aber der hier ist noch ein bisschen besser.
Kommentiert von: Markus Oliver | 01/04/2005 at 20:24
Alex, du verstehst mich falsch.
Ich rede über die Amerikaner. Ich rege mich über die Amerikanische Entscheidung auf, bin unendlich wütend, daß es möglich war, Terri Schiavo zu töten, und niemand hat es verhindert. Das finde ich ganz unglaublich.
Ich kritisiere die Tat begangen durch Amerikaner. Außerdem kritisiere ich die schawche Kritik hier in Deutschland. Aber das eigentlich Empörende ist die amerikansiche Haltung. Dort wurde gesagt, ihr Leben sei unwürdig, eine Qual usw.
Kommentiert von: Gabi | 01/04/2005 at 22:02
Über den Tod hinaus
Das Sterben der Koma-Patientin Terri Schiavo stiftet keinen Frieden - Familie, Politik und Gesellschaft streiten weiter
VON ST. HEBESTREIT (FRANKFURT A. M.)
Der Fall der katholischen Koma-Patientin ist längst ein Politikum für die Konservativen in Washington. Unverhohlen drohte der Republikaner Tom DeLay noch am Todestag von Terri Schiavo jenen Richtern, die sich "dem Willen" von Kongress und Präsident widersetzt hätten: "Es wird die Zeit kommen für jene, die verantwortlich sind, sich für Verhalten zu rechtfertigen", sagte der Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus. Damit haben die Republikaner knapp fünf Monate nach ihrem Wahlsieg endlich ein Thema gefunden, um ihre Anhänger der christlichen Rechten zu befriedigen, indem sie, wie Präsident Bush am Donnerstag bereits in seinem Trauertelegramm schrieb, "eine Kultur des Lebens" in den USA propagieren wollen.
Zum zweiten erhalten jene Kreise in der Partei auftrieb, die darauf dringen, endlich die zahlreichen Nominierungen von konservativen Bundesrichtern im Senat durchzusetzen, die bislang von den Demokraten blockiert werden. Dadurch erhoffen sich die Republikaner eine ihnen gewogenere Justiz und entsprechende Gerichtsentscheidungen. Bereits vor wenigen Tagen hatte DeLay in kleiner Runde deswegen den Fall Schiavo als ein "großartiges politisches Thema" für die Republikaner bezeichnet, um sich zu profilieren. ...
Copyright © Frankfurter Rundschau online 2005
Dokument erstellt am 01.04.2005 um 16:52:19 Uhr
Erscheinungsdatum 02.04.2005
Auch die FR macht aus diesem Thema ein "christliches", das natürlich nur die Republikaner ausschlachten.
Kommentiert von: Gabi | 01/04/2005 at 22:21
Bedauerlicherweise wurde das Schicksal von Frau Schiavo in der ARD, durch die ideologische Brille verzerrt, zum Bush-Bashing benutzt.
Der Kongress und der Präsident räumten der Familie der Patientin lediglich das Recht ein, ihren Fall bis vor den Obersten Gerichtshof zu bringen. Eine Einflussnahme auf die Gerichte wurde nicht ausgeübt.
Das gern gehörte Argument, die Politik solle solche Entscheidungen über Leben und Tod eines Angehörigen den Verwandten überlassen, geht leider ins Leere.
Die Entscheidung, Frau Schiavos Ernährungssonde zu entfernen, wurde nicht von einem Verwandten, sondern von einem Richter getroffen.
Leider wird in unseren Medien auch Einiges durcheinandergeworfen, so zum Beispiel der Umgang mit Apallikern und das Thema Sterbehilfe.
Sterbehilfe setzt voraus, daß der/die Betroffene, bei klarem Bewußtsein, die Entscheidung trifft, ihr/sein Leben, freiwillig zu beenden.
Bei einem Patienten, der sich dazu nicht mehr selbst äußern kann, wie dies bei Frau Schiavo der Fall ist, kann also von Sterbehilfe keine Rede sein.
Es wird auch immer auf sogenannte Patientenverfügungen verwiesen. In diesen steht aber üblicherweise drin, daß man bei einem kritischen Krankheitszustand auf lebenserhaltende medizinische Maßnahmen verzichtet.
Klingt gut, kann in der Praxis aber anders aussehen. Spätestens wenn die Chancen Halbe/Halbe für ein unbeschadetes Überleben bzw. Tod oder Überleben mit schwerem gesundheitlichen Schaden stehen. Soll man dann bei jeder krisenhaften Situation gleich die Maschinen abschalten?
Noch schwieriger wird es bei komatösen Patienten oder Apallikern.
Diese sind nicht hirntot. Die Chancen dafür, daß ein Apalliker wieder erwacht sind zwar schlecht, liegen aber nicht bei Null.
Die erste Frage, die sich stellt ist: Soll man bei einer Erkrankung eines solchen Patienten, z.B., einer Lungenentzündung noch mit Medikamenten behandeln. Dies kann man vielleicht noch von der Dauer des "Wachkomas" abhängig machen. Je länger dies dauert, umso schlechter sind die Chancen für eine Rekonvaleszenz. Aber: Wo setzt man die zeitliche Grenze? Bei 1 Jahr? Bei 5 Jahren? Bei 10 Jahren? Oder macht man seine Entscheidung vom Engagement der Angehörigen abhängig?
Und wenn man so radikal ist, einem Menschen Wasser und Nahrung zu verweigern, wo setzt man hier die Grenze? Tut man dies nach 1 Jahr, nach 3 Jahren? Ist es nach 5 Jahren statthaft?
Nur so nebenbei: Ob man jemand per Magensonde ernährt, die durch den Nasen-Rachenraum eingeführt wird oder über eine Sonde, die durch die Bauchdecken in den Magen eingelegt wurde, spielt dabei keine Rolle, selbst wenn Letzteres "medizinischer" aussieht.
Es gibt auch jede Menge ältere Leute mit Demenz, die zwar ebenfalls nicht hirntot sind, von ihrer Umgebung nichts mehr wahrnehmen und, wie jetzt gerne gehört, "keine Lebensqualität mehr haben".
Und per Ernährungssonde am Leben gehalten werden...
Sollte man diese dann auch, sozusagen aus "humanitären Gründen", verdursten lassen?
Verdursten ist sicherlich eine der quälendsten Todesarten.
Lassen Sie Ihren Hund verdursten und Sie landen im Gefängnis (auch in den USA).
Das Nachfolgende mag zwar grausam klingen, bietet aber eine Lösungsmöglichkeit:
Bei bettlägerigen Patienten treten relativ häufig Infekte auf. In diesem Fall kann man dann, in Absprache mit den Verwandten, auf eine möglicherweise lebenserhaltende medizinische Intervention verzichten.
Was ich konkret bei Mrs. Schiavos Fall merkwürdig finde, sind mehrere Dinge:
Ihr Ehemann ist mittlerweile wieder verheiratet und hat Kinder von seiner jetzigen Ehefrau. Dieser hat er doch sicherlich auch gesagt, daß er sie über alles liebt, etc., etc.. Wie fügt sich seine EX-Ehefrau Terry in dieses Bild? Liebt er sie auch noch über alles oder ist sie für ihn mittlerweile eine Last geworden?
Warum überlässt er dann die weitere Versorgung seiner EX-Ehefrau nicht deren Familie?
Schlechtes Gewissen? Schlechtes Image? Echte Sorge?
Zum zweiten fällt bei den Aufnahmen von Frau Schiavo auf, daß sie Kontrakturen (durch Sehnenschrumpfung bedingte Zwangshaltung) an den Armen hat.
Diese sind nicht gerade ein Zeichen für optimale Pflege.
Summa summarum:
Ich, als Mediziner, hätte ihr nicht die Ernährungssonde entfernt.
Die Berichterstattung in der ARD könnte ich als spätpubertären vorurteilsbelasteten Quatsch abtun, wenn
-die öffentlich rechtlichen Anstalten nicht auch von meiner Zwangsabgabe gefördert würden,
-die öffentlich rechtlichen Anstalten nicht in besonderem Maße (im Gegensatz zu den kommerziellen Sendern) einer objektiven Berichterstattung verpflichtet sein sollten.
Kommentiert von: Franz Hoffmann | 01/04/2005 at 22:43
gabi,
Ich finde es außerordetlich gut (!), dass die Entscheidung getroffen wurde, die Politik solle sich hier nicht einmischen. In keinster Weise kann ich verstehen oder nachvollziehen, wie man die Forderung nach einer staatlichen Einmischung befürworten kann. Euthanasie ist eine ganz individuelle Beteiligung, und wird durch politische oder gesellschaftliche Einflußnahme
pervertiert. Ich für meine Person würde die Politik auffordern, sich keinesfalls in eine solche intime Entscheidung einzumischen! DIe zuständigen Gerichte haben die Pflicht, die Rechtssprechung vorzunehmen, ein Einmischen der Politik würde das Prinzip von check and balances untergraben.
MfG
Ch. Arm
http://brushfiresoffreedom.blogspot.com/
Kommentiert von: Ch. Arm | 01/04/2005 at 23:41
Keiner bestreitet, dass der Fall Schiavo in die Grenzbereiche moralischen Handelns vordringt... auf beiden Seiten.
Aber hier gerät doch vieles durcheinander. Ist die Entziehung der Magensonde und die nachfolgende Verdurstung barbarisch? Ansichtssache, wenn der Patient davon nichts mitbekommt. Ist die Herzoperation an einem narkotisierten Patienten barbarisch. Das muss doch weh tun, oder?
Also, wenn man den Ärzten nicht glaubt, dass die Patientin all das nicht mehr spürt, weil die entsprechenden Hirnpartien nicht mehr da sind, dann bitte ohne Scheinheiligkeit und das Entfernen der Magensonde gesetzlich verbieten. Ach, das will man nicht? Aus gutem Grund, denn es findet, jedenfalls in den USA, jeden Tag statt, im Einvernehmen zwischen Mediziner und Angehörigen, und keiner regt sich darüber auf. Das Wort "quälend" putscht nur Emotionen auf. Glaubt denn wirklich jemand, dass Mediziner einen Patienten verdursten lassen würden, der dies spürt? Für was für Barbaren haltet ihr den US-Ärzte (und Gesetzgeber, die das erlauben)? Sicher, es wäre mutiger, bei Entfernung einer Magensonde, die den sicheren Tod bedeutet, den Patienten gleich "sanft entschlafen" zu lassen, aber das traut man sich wohl wieder nicht, obwohl es de facto in der Aktion keinen Unterschied macht.
Presse und Politik haben hier Schindluder mit einer Familientragödie getrieben, wobei beide Seiten keine ganz blütenweiße Weste haben. Wollen wir das anhand einiger Medienberichte beurteilen? Es mag schon sein, dass das Gericht die Interessenskonflikte des Ehemanns als zu gering bewertet hat. Aber der Fall wurde von vielen Gerichten beurteilt, und das Berufungsgericht von Atlanta ist nicht gerade ein Hort linksliberaler Richter. Der Supreme Court auch nicht.
Ich habe auch nicht gerade Respekt vor Mediziner, die sich Videoschnipsel ansehen, und daraufhin Ferndiagnosen stellen, aufgrund derer ein Gouverneur das Recht ein wenig beugt (wie ihm der Florida Supreme Court unmißverständlich klargemacht hat).
Nun ja, den Republikanern ging es um die Sache, im Zweifel für das Leben, was auch immer sie darunter verstehen. Könnte spannend werden, wenn Scott Petersen, den man in Kalifornien augrund reiner Indizienbeweise zum Tode verurteilt hat, irgendwann den Kongress anfleht, seinen Fall doch noch einmal "de novo", also völlig neu, vor Bundesgerichten verhandeln zu lassen, weil wir doch im Zweifel "have to err on the side of life". Dann werden wir ja sehen, wie ernst es den Abgeordneten dann mit der "culture of life" ist oder ob man nicht wieder plötzlich die verfasungsgemäße "Separation of Powers" entdeckt.
Und bestimmt muss jetzt auch kein unversicherter krebskranker Obdachloser mehr sterben, weil keiner das Geld für die teure Chemotherapie oder Operation aufbringt, und ihn, wenns schief geht, die nächsten 30 Jahre auf Staatskosten künstlich ernährt.
Ich bin da ganz optimistisch!
Kommentiert von: Realitycheck | 02/04/2005 at 00:20
@ Realitycheck
Dein Punkt bezüglich Scott Petersen ist ein sehr guter: Dort wurde jemand 'im Zweifel' zum Tode verurteilt doch die Politiker halten sich zurück, zu Recht wie ich finde (obwohl ich gegen die Todesstrafe bin). Denn sobald man Extragesetze einführt die nur dazu dienen Gerichtsurteile abzuwenden die einem nicht passen dann befindet man sich auf einem schlechten Weg.
Letztendlich haben hier die Presse und die Politiker eine Tragödie noch verschlimmert. Wenn ich das Video von Bill Frist sehe der Anhand von ein paar Videoschnipseln behauptet dass Frau Schiavo nicht dahinvegetiert, dann läuft es mir kalt den Rücken herunter.
Kommentiert von: Phil | 02/04/2005 at 01:05
Linke Moral ist es, ungeborene Kinder zu töten (=Befreiung der Frau) und Behinderte verhungern und verdursten zu lassen, während das Leben von Mördern um jeden Preis zu schonen ist (siehe Diskussion um die Todesstrafe).
Konservative Moral ist es, das Leben von Wehrlosen (ungeborenen Kindern) und Behinderten um jeden Preis zu schützen, während Mörder mit der Todesstrafe rechnen müssen.
Welche der beiden Positionen ist wohl logisch konsistenter? Ich verstehe jene Linken einfach nicht, welche die Tötung von Behinderten und ungeborenen Kindern als politischen Fortschritt feiern.
Kommentiert von: Simon | 02/04/2005 at 01:14
Moment, moment Simon.
Ich bin ganz sicher weit weg von jeglichem linken Gedankengut, doch ist meiner Meinung nach Abtreibung legitim falls sich die Mutter dafür entscheidet. Das jeweilige Individuum sollte hier die Entscheidungsgewalt haben, keineswegs eine staatliche Institution. Und von Mord kann hier sicher keine rede sein.
Und Schiavo wurde doch wirklich nicht "getötet", Euthanasie als "Mord" oder sonstiges zu bezeichnen geht m.E. nach am Inhalt dieses Wortes vorbei. Ich würde es eher als Leidesminderung ansehen, nicht als Tötungshilfe, und auf gar keinen Fall als bewusste Tötung, sprich Mord.
MfG
Ch. Arm
http://brushfiresoffreedom.blogspot.com/
Kommentiert von: Ch. Arm | 02/04/2005 at 01:20
1. Es ist ein sehr schwaches Argument zu sagen, daß die Politik sich nicht in diesen Fall einzumischen hätte. Die Politik hat sich schon in dem Moment eingemischt, als sie Gesetze geschaffen hat, die es zuließen, daß diese Frau verhungern und verdursten mußte.
2. Patientenverfügungen, wie sie in D 2006 Gesetz werden sollen, sind eine Einmischung in persönlichste Angelegenheiten und stärken nicht die angebliche Autonomie des Patienten, sondern dienen lediglich dazu die Positionen der Ärzte und Angehörigen zu stärken.
3. Daß dies in D nicht hätte passieren können, ist nur insoweit richtig, daß das Gesetz über Patientenverfügungen noch nicht durch das Parlament ist. Zwar würde in D niemand verdursten müssen, verhungern hingegen schon, weil eine aktive Sterbehilfe (noch) ausgeschlossen ist.
4. Im Zuge der Diskussion ist es ratsam einmal nachzusehen, woher diese "Bioethik" schöpft und wozu sie eigentlich installiert wurde und wohin diese Reise in Frankensteins Welt gehen soll (Transplantationen/Organentnahme).
4. Die überzeugtesten Anhänger auf Seiten des Ehemannes Michael Schiavo kommen aus der Eugenik-und Euthanasiebewegung. Das scheint aber deutsche Kommentatoren wenig bis gar nicht zu stören. Schon gar nicht die skurrilen und abartigen Ergüsse dieses Anwaltes Felos.
5. Bei dem angeblichen Memo, auf das sich die Medien beziehen (auch wenn sie es hier zulande meist nicht einmal erwähnen, sondern als Tatsche hinstellen), wenn sie davon schreiben, daß "dies ein Glücksfall für die Religiösen in den USA sei", scheint es sich um eine Fälschung zu handeln (Rathergate läßt grüßen).
6. Wer hierzulande so begeistert die Einführung des Patientenverfügung begrüßt, sollte sich einmal die Remmelink-Reports 1990, 1990, 1995 und 2001 im Vergleich ansehen.
7. Kaum jemand scheint sich zu fragen, warum nicht Terri Schiavos Eltern das Sorgerecht bekommen haben. Ein Anwalt hat dazu Stellung genommen und kommt zu interessanten Ergebnissen. Ist es eigentlich Zufall, daß Richter Greer ausgerechnet von einer Scientology nahen Organisation geehrt wurde? Scientology gehört zu den vehementesten Verfechtern von Euthansie.
8. Ebensowenig stößt es den Kommentatoren unangenehm auf, daß der Anwalt Felos noch vor dem Tod Terri Schiavos mit seinem Buch über diesen Fall durch die Talk-Shows zigeunerte. Es stört diese Journalisten auch nicht, daß Felos bis 2001 (da wurde es denn doch für ihn zu brenzlig) einer der Direktoren des Pflegeheimes war, in dem Terri untergebracht war.
9. Aber am makabersten finde ich, daß Terri Schiavo noch mit dem Pflegegeld, das für ihre häusliche Pflege erstritten wurde, für ihre unmenschliche Hinrichtung selbst bezahlen mußte. Richter Greer sprach den Anwälten von Michael Schiavo über US$ 400k aus dem Pflegefonds Terris zu, wobei auch weitere Rechnungen noch davon bezahlt wurden/werden.
Den Rest sackte der Ehemann ein, US$ 828k in den ersten 18 Monaten nach Erhalt der Geldes.
Aug 1992 - Terri awarded $250,000 in malpractice 'OUT-OF-COURT' settlement.
Nov 1992 - Terri awarded $1.4 million in malpractice trial.
Nov 1992-Michael Schiavo awarded $600,000 in malpractice trial.
Heute sind davon angeblich nur noch $ 50k übrig, obwohl die Pflege von Terri der Staat bezahlt(e).
10. Die Gutachter, die Michael Schiavo aufbot und denen Richter Greer ausschließlich Glauben schenkte, ziehen wie ein Wanderzirkus durch die USA, sind ausgemachte Verfechter der Euthanasie und haben sich schon nachweislich mehrmals geirrt, kennen aber kein Pardon, wenn es in ihren Augen um "unwertes Leben" geht.
11. Jene Kommentatoren, die sich über die religiöse Rechte in den USA und ihre Unterstützung für Terri Schiavo aufregen, sollten sich einmal ansehen, aus welchen Tiefen diese "Bioethik", die mittlerweile die Gesamtethik als Geisel genommen hat, schöpft.
12. Wer immer noch glaubt, daß diese "Bioethik" nichts mit Rassismus zu tun hat, sollte sich bei Alexander Bogner informieren, dessen Buch "Bioethik und Rassismus" leider nicht mehr erhältlich ist.
Der Tod Terri Schiavos war ein kaltblütiger, brutaler Mord.
Kommentiert von: Guggi | 02/04/2005 at 02:17
@Realitycheck
>>Und bestimmt muss jetzt auch kein unversicherter krebskranker Obdachloser mehr sterben, weil keiner das Geld für die teure Chemotherapie oder Operation aufbringt, und ihn, wenns schief geht, die nächsten 30 Jahre auf Staatskosten künstlich ernährt.
Ich bin da ganz optimistisch!<<
Das Argument "Armut" vs. "kostenintensive Pflege von "Gemüse"" wurde mir auch vo einem bekannten "Bioethiker" der State University of California und ehemaligen Medizinprofessor, den ich seit Jahren kenne, entgegengehalten.
Ich habe ihm darauf dies geantwortet:
Für ganz gefährlich halte ich in diesem Zusammenhang eine Vermischung der Diskussion mit der „Armut“ in einer Gesellschaft, weil sie zu einer unzulässigen Relativierung führt, wie sie leider in der Postmoderne üblich geworden ist. Denn: da die beiden Themen nicht ursächlich miteinander zusammen hängen, führen sie, zu Ende gedacht, nur dazu, daß man die „Armen“ für den Tod der Schwerstbehinderten und die Schwerstbehinderten für die Armut verantwortlich macht und so die (zukünftigen) Schwerstbehinderten unter einen moralischen Druck setzt sich gefälligst selbst aus der Gesellschaft auszuschließen, sprich einer Patientenverfügung und somit ihrem eigenen Tod zuzustimmen. Dann jedoch kann man von dieser angeblichen Autonomie des Menschen, die in der Diskussion immer wieder ins Feld geführt wird, ganz sicher nicht mehr sprechen.
Wie üblich bei "linken 'scholars'" bekam ich darauf keine Antwort und der Kontakt ist beendet.
Ganz ähnlich erging es mir kürzlich als ich einen Prof. der Rutgers, NJ, einen Politologen, der ständig den Begriff "Neocons" im Mund führt, scheinheilig (ich gebe es zu) fragte, was denn nun ein "Neocon" eigentlich sei, wie er diesen Begriff definiert. Ähhh, er erklärte mir dann den Begriff "konservativ". Da ich den aber nicht wissen wollte, bohrte ich weiter und schlug in so in die Flucht. Ich warte immer noch auf eine Antwort.
Kommentiert von: Guggi | 02/04/2005 at 02:52
@realitycheck
Der Patient im Wachkoma bekommt nichts mehr mit?
Falsch! Ist hier beschrieben:
Neue Forschungsergebnisse und Überlegungen im Umgang mit Wachkoma-Patienten.
http://info.uibk.ac.at/c/c6/bidok/texte/forschungsergebnisse.html
Zur Schmerzempfindung:
Bei einer Narkose (Deine Herz-OP) werden mehrere Dinge ausgeschaltet. Die Schmerzempfindung durch Opiate, das Bewußtsein durch Sedativa, die Muskelaktivität durch Muskelrelaxantien. Theoretisch wäre es möglich durch eine hochdosierte Gabe von Fentanyl (starkes Opiat) Dir bei vollem Bewußtsein irgendwo reinzuschneiden, ohne daß Du Schmerzen empfindest. (Da Fentanyl bei hohen Dosen aber eine Atemlähmung verursacht, würde man Dich beatmen müssen und dazu zwangsläufig auch das Bewußtsein ausschalten müssen.)
Etwas Anderes ist es wieder, wenn Beschwerden durch das vegetative Nervensystem ausgelöst werden. Der Schmerz, den Du empfindest,wenn Du Dich schneidest, ist ein anderer wie, z.B., bei einer Gallenkolik oder bei argem Bauchweh. Letztere nennt man viscerale Schmerzen. Diese SIND quälend und treten auch beim Verdursten auf.
Zufuhr von Wasser und Nahrung gehören, nicht nur nach meiner Ansicht, zu den Grundbedürfnissen eines Menschen wie auch Atmen und sind keine medizinische Behandlung. Man hat ja auch nicht geplant Frau Schiavo zu ersticken.
Warum hat man denn nicht gleich Opiate infundiert? Man tat dies erst nach einigen Tagen ohne Flüssigkeitszufuhr, nachdem man davon ausging, daß die Patientin wohl DOCH litt!
Dann Dein Satz " Nun ja, den Republikanern ging es um die Sache, im Zweifel für das Leben, was auch immer sie darunter verstehen".
Das klingt doch sehr nach "lebensunwertem Leben". Damit haben wir Deutschen ja Erfahrung.
Davon abgesehen: Wenn Deine Oma Demenz oder Alzheimer hat und nichts mehr mitkriegt, würdest Du sie auch verdursten lassen?
Aber auch hierzu ein Link, was Wachkoma-Patienten empfinden bzw. nach Erwachen gesagt haben:
http://bidok.uibk.ac.at/library/beh6-98-grenze.html
Unbedingt unter Kapitel 3 "Beispiele aus dem klinischen Alltag" und ganz am Schluss "Interview mit Anke" (Ex-Wachkomapatientin) lesen.
Und noch ein kurzer Auszug aus einem Kommentar:
wien (cr). Weltweit wird unterdessen weiter über Sterbehilfe bzw. Sterbenlassen diskutiert. "Die Amerikaner lassen Mörder milder und sanfter sterben als ihre Wachkoma-Patienten", kritisiert Leopold Saltuari, Vorstand der Abteilung für Neurologische Akutnachbehandlung am LKH Hochzirl. Komplett unverständlich ist für ihn, "wie man nur so unprofessionell agieren kann". Saltuari meint damit, dass Schiavo erst eine Woche nach - und nicht schon vor - Entzug der künstlichen Nahrung Morphium gegeben wurde. "Hätte die Frau friedlich ausgesehen, hätte man diese Peinlichkeit sicher nicht begangen, erst jetzt Morphium einzusetzen. Ich bin sicher, dass Schiavo einen gequälten Gesichtsausdruck gehabt hat."
Denn Durst bedeutet Qual, bedeutet Schmerz. "Und man kann davon ausgehen, dass die Patientin das wahrgenommen, darunter gelitten hat", sind sich Saltuari und Heinrich Binder, Vorstand des Neurologischen Zentrums am Otto Wagner-Spital in Wien, sicher. Binder: "Denn sie war ja gar nicht mehr im Wachkoma, sondern schon in einem besseren Stadium, das beweisen nicht nur die Videos, das hat auch der Befund eines amerikanischen Neurologen festgehalten."
Link dazu:http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=c&ressort=c&id=473772
Und noch ein Kommentar von Andreas Zieger,ärztlicher Leiter einer Station für Schwerst-Hirngeschädigte, aus "Die Presse":
Kein Sterben in Würde
Link: http://www.diepresse.com/textversion_article.aspx?id=473885
in dem er nochmal den ganzen Vorgang zusammenfasst.
Unbedingt lesenswert, nur 2 Seiten!
Der Vergleich mit der Todesstrafe von Herrn Petersen ist bissel abwegig. Andere Baustelle, sozusagen.
Kommentiert von: Franz Hoffmann | 02/04/2005 at 03:24
Auch Joe Liebermann (D) (Al Gores running mate und kaum einer der als Konservativ gilt) war dafür, Terri weiter am Leben zu halten.
---Ray D.
Kommentiert von: Ray D. | 02/04/2005 at 03:28