Von widerständigen Terroristen
(Von Greg B. Grabinski)
Dass die Medien so offen zeigen, wie realitätsfremd sie berichten, hätte ich wirklich kaum erwartet. Als N24 über die entführte französische Journalistin Florence Aubenas berichtete, nannte der Sender die Terroristen, welche sie entführt haben wieder einmal Widerstandskämpfer. Stefen Herre - der an unserer Seite stand, als wir in Mainz unter verbalen Beschuss von den Gucci-Neo-Kommunisten kamen - fragte die Zuschauerredaktion, warum man diese inhumanen Wesen nicht Terroristen nennt. Die Antwort ist beängstigend und hört sich folgendermassen an:
N24 ist ein unabhängiger Nachrichtensender, der sich redaktionell allen Weltanschauungen und politischen Meinungen gegenüber in gleicher Weise zur neutralen und objektiven Berichterstattung verpflichtet sieht. Gerade auf die Wortwahl wird bei N24 sehr genau geachtet. Der Begriff des “Terrorist” wird so gut wie nicht verwendet.
Das ist schön, das alte Klischee der »neutralen und objektiven Berichterstattung«. Wenn ich etwas positives von dem telepolis-Journalisten in Mainz in Erinnerung behalten werde (über welchen ich noch ausführlicher berichten werde), dann dass er erst gar nicht versuchte objektiv und neutral zu sein und dazu auch stand. ...
Neutralität wäre vielleicht Entführer oder Geiselnehmer, aber »Widerstandskämpfer« ist ein klarer Positionsbezug und von Objektivität so weit entfernt wie Dolly Buster von natürlichen Titten. Wikipedia definiert Widerstandskämpfer folgendermassen:
Der Ausdruck Widerstandskämpfer bezeichnet einen oder mehrere Menschen, welche sich meist kollektiv in Widerstandsbewegungen gegen eine bestimmte, meist politische Macht engagieren. Dies können Regierungen, Kolonialmächte, Aggressoren, Besatzungsmächte oder aber auch ganz allgemein fremdes Militär, Sicherheits- und Polizeikräfte und andere bewaffnete Gruppierungen wie Nationalgarde, Heimatschutz, Landwehr oder Bürgerwehr sein.
Ich glaube nun kaum, dass eine französische Journalistin in irgendeine dieser Kategorien fällt. Zumal das Adjektiv ‘französisch’ suggeriert, dass sie mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit gegen die Befreiung des Irakes war und auch so berichtete.
Aber selbst wenn man annimmt, dass diese Terroristen versuchen einen Widerstand zu formieren, nicht einfach mit Freiheit und Sachen wie freien Wahlen umgehen können - weil sie wissen, dass sie so gut wie keiner wählen wird (siehe die 3 Sitze für al-Sadr) - und einfach ziemlich schnell zu den 72 Jungfrauen wollen, dann wäre dieser Widerstand illegitim und auf keinen Fall unterstützenswert. Die erste Sorte der »Widerstandskämpfer« wären die Ausländischen. Diese wollten aber den Irak damals nicht von Saddam befreien und interessieren sich für das Land erst seitdem es sich langsam herauskristalisierte, dass mit den Amerikaner auch die Freiheit Einzug erhielt. Die zweite Sorte sind grösstenteils ehemalige Baathisten, die 90 Prozent des Volkes über Jahrzehnte hinweg unterdrückten und nun von einem Tag auf den anderen alles verloren haben. Wer diese Leute Widerstandskämpfer nennt, wünscht sich also entweder ein Taliban-Regime im Irak oder Saddam Hussein zurück. Auf alle Fälle tut er damit erstens nichts ehrenwertes und zweitens, bezieht er ganz klar Stellung.
Einige Intellektuelle (und Michael Moore, denn er ist keiner, er ist nur fett) gehen ja noch einen Schritt weiter und vergleichen diese Kämpfer mit der französischen Resistance im zweiten Weltkrieg oder den amerikanischen Freiheitskämpfer. Das ist natürlich eine richtig harte Beleidigung für Letztere, aber es dient denen die sie so bezeichnen als perfektes Mittel zum Zwecke: Die Amerikaner werden als imperialistische Macht dargestellt, teilweise zu einem neuen Nazi-Staat und die Intellektuellen feuern die Terroristen im Kampf gegen den gemeinsamen amerikanischen Feind an.
Zudem müsst ihr, liebes N24, folgendes beachten: Die Iraker haben sich entschieden, sie haben gewählt und sie haben Demokratie gewählt und nicht die Terroristen, die sie beim Wählen angriffen, die sie beim Einkaufen angreifen, die sie beim Arbeiten angreifen, die sie zu einem Leben mit der Angst im Hinterkopf zwingen. Diese Schlächter Widerstandskämpfer zu nennen, ist nicht nur eine Beleidigung der wirklichen Widerstandskämpfer der Geschichte, sondern eine Entwürdigung des irakischen Volkes, welches sich jahrzehnte nach der Befreiung von Saddam sehnte und sicherlich nicht wider in einer Knechtschaft leben möchte, noch sich all zu gerne von den Terroristen abschlchten lässt. An dieser Stelle sei noch einmal an die Umfrage erinnert, die zeigte, dass 90 Prozent der Iraker militärisches Vorgehen gegen diese Mörder unterstützte.
Wenn diese Kopfabschneider also Widerstandskämpfer sind, dann waren es die Helden von der RAF auch. Oder waren diese Terroristen, weil ihre Opfer Deutsche waren und nicht gegen Demokratie und die Amerikaner gekämpft wurde?
Inwiefern sind sie besser als die Koalition der notgeilen Gottesfürchtigen die die Flugzeuge ins WTC und ins Pentagon steuerten, die ja selbst in den deutschen Medien Terroristen genannt werden? Inwiefern ist das Abschlachten von mehr als hundert Leuten auf einem Marktplatz legitimer Widerstand gegen den »Besatzer«, wenn man damit nicht einem einzigen »Besatzer« auch nur ein Häarchen krümmt? Inwiefern ist das terrorisieren einer Geisel, die zudem aus keiner »Besatzungsmacht« stammt, Widerstand gegen eben diese? Liebes N24, wenn ihr darauf eine objektive und neutrale Antwort habt, dann dürft ihr sie weiter Widerstandskämpfer nennen.
Greg in Höchstform. Daumen hoch!
Kommentiert von: Wired | 02/03/2005 um 21:27
"Der Ausdruck Widerstandskämpfer bezeichnet einen oder mehrere Menschen, welche sich meist kollektiv in Widerstandsbewegungen gegen eine bestimmte, meist politische Macht engagieren. Dies können Regierungen, Kolonialmächte, Aggressoren, Besatzungsmächte oder aber auch ganz allgemein fremdes Militär, Sicherheits- und Polizeikräfte und andere bewaffnete Gruppierungen wie Nationalgarde, Heimatschutz, Landwehr oder Bürgerwehr sein."
Und wo genau liegt da jetzt der Widerspruch zu den Geiselnehmern im Irak? Dies steht nur im Widerspruch, wenn man annimmt, dass die Geiselnehmer etwas persönlich gegen die französische Journalistin haben, was Sie ja auch gleich im nächsten Satz impliziert haben.
Schon mal daran gedacht, dass die Geiselnehmer vielleicht in beide Kategorien fallen könnten? Mit dem winzigen Unterschied, dass der Terrorist immer der böse Gegner ist. Für die Iraker sind vielleicht diese Geiselnehmer die Terroristen, für die Geiselnehmer die Amerikaner, in China wären warscheinlich auch Sie ein Terrorist. Im Dritten Reich waren halt Stauffenberg usw. Terroristen.
Sie haben letztlich zwei Optionen:
1. Dieser und der vorangegangene Beitrag sind ein kleinkariertes Herumgereite auf Begriffsstreitigkeiten.
2. Der Sender N24 will bewusst mit den Geiselnehmern sympathisieren.
Kommentiert von: Meister Lampe | 02/03/2005 um 22:05
Ist die französische Journalistin
a) eine politische Macht oder Teil davon?
b) eine Regierung oder ein Mitglied davon?
c) eine Kolonialmacht oder Teil davon?
d) eine Aggressorin oder Teil davon?
e) eine Besatzungsmacht oder Teil davon?
f) fremdes Militär oder ein Teil davon?
g) gar nichts davon?
Na?
Wo habe ich eigentlich suggeriert, dass die Geiselnehmer etwas persönlich gegen französische Journalisten haben? Geht's noch?
Und wenn die Terroristen für die Iraker Terroristen sind, warum wäre das für N24 anders?
Kommentiert von: greg | 02/03/2005 um 22:20
@Meister Lampe
Nach Ihrer Definition könnte man auch sagen, dass die Nazis Auständische waren, die sich gegen den Terror des Weltjudentum gewehrt haben, alles nur eine Frage der Sichtweise.
Oder Sie fragen sich einmal, ob es nicht doch so etwas wie richtig und falsch gibt, und dass Islamisten "die den Tod lieben" und möglichst viele dahin mitnehmen wollen Verbrecher sind, keine Aufständischen die im Interesse von Unterdrückten handeln.
Wenn sich N24 im falschen Schein der angeblichen Objektivität sonnt ist es keine Haarspalterei, darauf aufmerksam zu machen dass N24 so Terroristen eine gewisse Legitimität zuspricht.
Kommentiert von: chinaski | 02/03/2005 um 22:28
"der Sie fragen sich einmal, ob es nicht doch so etwas wie richtig und falsch gibt,[...]"
Das ist genau der Punkt. Leute wie "Meister Lampe" sind allesamt erbärmliche Feiglinge, die Dikussionen nur um der Diskussion Willen führen, und sich dadurch als Gutmenschen fühlen können. Ja, wenn man keine Stellung bezieht, keine Entscheidungen trifft, keine Überzeugung hat, dann kann man auch keine Fehler machen. Man mag sich dann als überlegener Beobachter fühlen, aber in Wirklichkeit ist man nur eine erbärmliche Kreatur, gar nicht existieren könnte, wenn es nicht Menschen mit Überzeugungen gäbe, die mit ihrem Blut eine derart miserable Existenz, eingebetet in die brutal errungene Freiheit, überhaupt ermöglicht haben und jeden Tag aufs neue ermöglichen.
"Good people sleep peaceably in their beds at night only because rough men stand ready to do violence on their behalf." - George Orwell
Im Anschluss daran:
Rough men
"There’s a character trait that’s decided by fate
Comes (sadly) to many, far too faint, far too late.
They won’t face the aggressor, stand up to his ire
They have not the will to fight his fire with fire.
So they bend over backwards to see all sides as fair,
Till they’re faced with dragon breath fire in their hair.
Like our brethren in France, who’d know better than we,
Yet seem never to learn, seem doomed never to see.
Yes, it seems there are some who’re determined by fate,
To possess not the courage to step up to the plate,
Who shrink from all threat because nothing’s worth war.
But how can they know lest they’ve been there before?
Thank God some have courage, the will, yes, the grace,
To stand for the shirkers, stand strong in their place.
Thank God we have stalwarts who’ll stand for us all,
Who will rise to the challenge at their nation’s call.
The faint-hearted, who fear, whose reaction is flight,
Have no comprehension of those who will fight.
To hide their own trepidation they attempt to demean
The rough men, who defend them, as barbaric, obscene.
Yet these rough men stand ready, hard weapons to hand,
To put placaters behind them, draw a line in the sand,
To preserve for the peaceniks what they won’t defend,
So their own unearned freedom won’t perish, won’t end.
To appeasers, rough men are coarse government tools.
To rough men, appeasers are dumb delusional fools."
Russ Vaughn
2d Bn, 327th Parachute Infantry Regiment
101st Airborne Division
Vietnam 65-66
"For those who have fought for it, freedom has a taste the protected will never know." - Unkown
Letzteres mag der Grund dafür sein, warum die meisten Deutschen die beiden vorhergehenden Überlegungen nicht begreifen können.
Gruß
Alex N.
Kommentiert von: Alex N. | 02/03/2005 um 22:53
@Meister Lampe
Vielleicht waren ja auch die Juden im Warschauer Ghetto, die den Nazis Widerstand geleistet haben, Terroristen?
Oder vielleicht könnte man diese tatsächlich als Widerstandskämpfer bezeichnen, weil sie sich nicht irgendwelche wehrlosen Zivilisten als Ziele ausgesucht haben, um den Feind zu demoralisieren/zu TERRORISIEREN, sondern der Wehrmacht WIDERSTAND geleistet haben.
Und was ist mit den Irakern, die mit der Besetzung des Iraks durch die Amerikaner nicht einverstanden sind und dann losgehen, um andere Iraker in die Luft zu sprengen, die evtl. wählen gehen wollen?
Oder ausländische Journalisten kidnappen, um Geld oder Handlungen zu erpressen?
Die selbst werden sich vermutlich als Freiheitskämpfer sehen. Viele andere sehen sie als Terroristen.
Die Frage ist, wofür hälst Du sie? Terroristen oder Widerstandskämpfer?
Kommentiert von: Christian K. | 03/03/2005 um 08:57
seit mehr als 20 jahren hat der westen und speziell die amerikanische nation die region naher osten destabilisiert, iran-irak krieg wurde hauptsächlich von den amerikanern gesponsert, von 1991 ab wurde der irak von amerika und groß britannien bambardiert, während dieser zeit haben im irak 1,5 millionen menschen ihr leben verloren, 500.000 davon waren unschuldige kinder und jetzt hat die amerekanische nation den virus der demokratrie entfacht??? lernt mal ein bischen geschichte und seht die dinge wie sie sind, stellt euch mal vor in euer land kommt eine andere nation die euch irgendwas beibomben will (eine nation die demokratrie bomben will), wenn einer mein land besetzen will, aus wirtschaftlichen gründen oder so dann wäre ich auch aufständischer/terroist, da spielt sich diese dann noch diese amerikanische nation als heilsbringer auf, wann marschieren wir denn nach amerka ein und beenden in amerika rassissmus und dekadenz und nehmen diesen heinis die macht
Kommentiert von: strawer | 03/03/2005 um 16:28
@strawer
>> wenn einer mein land besetzen will, aus wirtschaftlichen gründen oder so dann wäre ich auch aufständischer/terroist, da spielt sich diese dann noch diese amerikanische nation als heilsbringer auf,
Komisch, die vielen Millionen Irakis, die wählen gegangen sind, obwohl sie dabei vielleicht in die Luft gesprengt werden scheinen es ja gar nicht schlecht zu finden, dass sie jetzt wählen dürfen.
Kommentiert von: Christian K. | 03/03/2005 um 17:21
Lieber Strawer,
könnte es vielleicht auch sein, daß an den toten Irakern nach 1991 ein Mann namens Saddam Hussein nicht ganz unschuldig ist? Der sein Volk hat verhungern lassen?
Und könnte es sein, daß Du etwas verpaßt hast, was die "Aufständischen" betriift? Würdest Du als "Widerstand", der nur die bösen Amis wegbomben will, vorrangig irakische Polizisten, Frauen, Kinder, Bäckereikunden, Wähler töten? Dich inmitten von Gläubigen in die Luft jagen? Den Irakern ihre Lebensgrundlage zu nehmen versuchen, in dem Du Ölleitungen, Kraftwerke etc. angreifst?
Und wer erklärst Du Dir, daß die führenden Köpfe des "Widerstands" aus dem Ausland kommen oder Schergen des Diktators sind, der Hunderttausende Opfer auf dem Gewissen hat. Wären die "Werwolf"-Aktionen der Nazis auch "Widerstand" gewesen?
Kommentiert von: Wuldorblogger | 03/03/2005 um 17:49
Lieber Strawer,
ich kenne da einige Beispiele, wo Demokratie herbeigebombt wurde:
Deutschland
Japan
Italien schon 1943
Auch in Deutschland gab es nach 1945 noch Werwölfe (Widerstandskämpfer?)
Und noch eins: IRAKWAFFENLIEFERUNGEN
Laut dem Stockholmer Institut SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute, www.sipri.org , rangieren die Vereinigten Staaten abgeschlagen auf Rang 12 (0,4%) und lieferten ausschließlich Helikopter.
Tatsächlich führen dabei die UdSSR (rund 56%) und Kriegsgegner Frankreich (12%) und VR China (11%) diese Liste an.
Kommentiert von: Geschichtslehrer | 03/03/2005 um 19:35
Zum Glück seit ihr ja nur 20. Jetzt haben wir auch eure Bilder und Adressen. Demnächst werdet ihr immer weniger. Wie bei Agatha Christie.
Jemand der amigeile Hackfresssen wie euch hasst wie die Pest.
Kommentiert von: BushFucker | 04/03/2005 um 00:20
@März 4, 2005 12:20 vorm.
Sieh da, ein echter Widerstandskämpfer.
Wie heißt es doch so schön im GG Art. 20.2: "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Rechtssprechung ausgeübt." Und in 20.4: Gegen jeden der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand..."
Es scheint eine Menge Deutscher zu geben die der Meinung sind, ihr Recht auf Widerstand bezieht sich gegen die in die in Artikel 20.2 genannten Grundsätze. Ihr "Widerstand" richtet sich eindeutig gegen die Grundsätze freier Wahlen und freier Meinungsäußerung und es ist schon erstaunlich in welche Gesellschaft von Verbalterroristen und verspäteten Werwölfen sich N24 und auch andere öffentlich - rechtlichen Anstalten sich hier begeben.
Kommentiert von: d. W. oskar | 04/03/2005 um 10:58
Strawer - Der Iran-Irak Krieg wurde überhaupt nicht "gesponsort", schon gar nicht von den USA. Wenn überhaupt, dann war Saddam zu diesem Zeitpunkt ein Klient der Sovietunion, die ihm auch die meisten Waffen lieferte. Lern lieber selber Geschichte, oder vielleicht vorher noch richtig schreiben. Was heißt überhaupt Geschichte - im Gegensatz zu Dir war ich damals schon aus den Windeln raus und kann mich gut erinnern. Aber ich glaube ohnehin nicht so recht, dass Dir die Iraker wirklich am Herzen liegen. Sonst würdest Du Dich nicht mit Terroristen identifizieren, die vorwiegend die eigenen Landsleute ermorden - Kinder in Schulbussen inbegriffen.
Kommentiert von: werner | 05/03/2005 um 23:23