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15/03/2005

SPIEGEL ONLINE: "Bushs perfekte Propaganda-Maschine"

(Von Davids Medienkritik; Übersetzt von David Harnasch)

Aufgepasst! SPON hat wieder mal Beweise dafür aufgetrieben, daß die US-Medien sich fest in der Hand der Bush-Regierung und ihrer gut geschmierten Propagandamaschine befinden!

Jawohl! Die Amerikaner werden beeinflußt von TV-Nachrichten, die die Bush-Administration auf unglaublich perfide Weise manipuliert. Unter der Überschrift "Bushs perfekte Propaganda-Maschine" bezieht sich SPON auf einen Artikel der New York Times, in der die über die zunehmende Verwendung vorgefertigter TV-Nachrichten durch die US-Regierung berichtet. SPON schreibt:

"Die US-Regierung bietet einen Service für amerikanische Lokal-Sender, den diese immer häufiger nutzen: Komplette Beiträge für die Nachrichten. Der Urheber wird gern verschwiegen. Auf diese Weise bringt die Administration elegant ihre Sicht der Dinge unters Volk.

Hamburg - Die Bush-Regierung macht sich eine Methode zunutze, die PR-Agenturen seit langen Jahren erfolgreich nutzen. Vorgefertigte Fernseh-Beiträge werden an TV-Stationen geschickt, die das Material dankbar annehmen, weil sie häufig finanziell nicht grade üppig ausgestattet sind. Einem Bericht der "New York Times" zufolge hat diese Art der Propaganda in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen."

SPON versäumt es natürlich praktischerweise, auch diese Zitate aus exakt demselben Bericht der New York Times zu erwähnen:

"Dieses Vorgehen, das unter Clinton ebenfalls vorkam, setzt sich fort trotz der Forderung Präsident Bushs nach einer klareren Trennung zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit der Regierung.

Bundesbehörden beauftragten spätestens seit der ersten Clinton-Regierung die Vorproduktion von Fernseh-Nachrichtenbeiträgen. (...)

Unter der Bush-Administration scheinen Bundesbehörden mehr Nachrichtenbeiträge zu veröffentlichen, die außerdem ein größeres Themenspektrum abdecken.

Eine genaue Abrechnung ist nahezu unmöglich."

Anders gesagt: Dieses Vorgehen ist wohl kaum einzig bei der Bush-Regierung üblich. Es war bereits unter der Clinton-Regierung verbreitet und ist in der Privatwirtschaft sowieso üblich. Die Behauptung der NYT, daß diese Praxis unter Bush zugenommen hätte, mag durchaus zutreffen. Dennoch gibt die Zeitung offen zu: "Eine genaue Abrechnung ist nahezu unmöglich."

A propos Abrechnung: Sogar SPON kann die offensichtliche Tatsache nicht völlig ignorieren, daß die Verantwortung für Inhalt und Art der Nachrichten den jeweiligen Fernsehsendern zugerechnet werden muß. Der letzte Absatz des Artikel lautet (wer hätte das gedacht):

"Die Regierung weist den Propaganda-Vorwurf der Zeitung gegenüber zurück. Es stehe schließlich in der Verantwortung der Sender, darüber zu informieren, dass Beiträge über die Regierungspolitik von der Regierung kämen."

Gleichgeschaltet

Unglücklicherweise ist der SPON-Artikel "Bush's perfekte Propagandamaschine" selbst ein Beispiel für die propagandaartige Kampagne der Deutschen Massenmedien. Ziel ist es, die deutsche Öffentlichkeit zu überzeugen, daß die Mehrheit der US-Medien von der Bush-Regierung beherrscht oder mindestens stark beeinflusst werden.

Viele Deutsche wurden sogar zu der Überzeugung geführt, daß die meisten US-Medien "gleichgeschaltet" sind. Anders formuliert: Viele Deutsche glauben, daß die Mehrheit der US-Medien eine auf mangelnder Information beruhende Meinung propagieren, die den Präsidenten und seine Politik, speziell den Irak-Krieg unausgewogen positiv darstellt. Um den SPON-Artikel als Außenstehender völlig zu verstehen, muß man ihn in diesem Zusammenhang lesen.

"Bushs perfekte Propaganda-Maschine"...ist offenbar nicht so perfekt

Das Problem der Idee von den "gleichgeschalteten" Medien ist, daß sie schlicht unhaltbar ist. Oder anders: Daß sie lächerlicher Unsinn ist.

Eine aktuelle Studie des "Project for Excellence in Journalism" der Columbia University liefert genug Beweise, um die Behauptung auseinanderzunehmen, die amerikanischen Fernsehsender seien von der sogenannten "perfekten Propagandamaschine" der Bush-Regierung beherrscht oder auch nur deutlich beeinflusst. (Man nehme zur Kenntnis, daß die Columbia University im Herzen der Stadt New York kaum eine Hochburg konservativen, rechtslastigen, republikanischen Gedankenguts ist.)

Die Studie ergab, daß während des untersuchten Zeitraumes unmittelbar vor der Wahl 2004 die Nachrichtenberichterstattung der Fernsehsender überwältigend voreingenommen GEGEN Präsident Bush war:

"In den entscheidenden Wochen vor der Präsidentenwahl 2004, der Zeit, die behherrscht wurde von den Fernsehduellen litt Präsident George W. Bush gemäß einer neuen Studie, die das "Project for Excellence in Journalism" heute veröffentlichte unter aufallend schlechterer Berichterstattung als der Herausforderer John Kerry.

Mehr als die Hälfte der Berichte über Bush wahren entschieden negativ im Tonfall (1). Im Kontrast hierzu waren nur ein Viertel der Berichte über Kerry offensichtlich negativ. (...)

Berichte, in denen es hauptsächlich um den Präsidenten ging, waren mehr als dreimal so oft negativ, wie solche, die hauptsächlich von Kerry handelten (52% Bush gegenüber 17% Kerry).

Die negativen Berichte über Bush überwogen auch die positiven. Nur 15% der Fernsehberichte über Bush zeigen ihn in einem eindutig positiven Licht. Die größte Gruppe, 33%, war neutral.

Kerry kam weit besser weg. Tatsächlich war die Berichterstattung über ihn während des untersuchten Zeitraums mit mehr als so oft positiv wie negativ. Volle 57% der Berichte, die hauptsächlich Kerry thematisierten waren positiv, weitere 26% waren neutral.

Die meisten Fernsehberichte befassten sich nicht nur mit Bush ODER Kerry, sondern behandelten beide Kandidaten. Auch wenn diese Berichte eher neutral ausfielen als solche, die sich nur um einen der beiden Kandidaten drehten, gab es auch hier ein Muster, nach dem Kerry besser abschnitt. Im Ganzen waren 11% dieser Berichte eindeutig negativ in Bezug auf Bush, 4% in Bezug auf Kerry. Gleichzeitig waren 16% positiv für Kerry, 7% für Bush."

Nicht vergessen: Es geht hier um genau die Fernsehnachrichten, die laut SPON so clever und subtil beeinflußt werden durch "Bushs perfekte Propagandamaschine". Im Licht der Fakten betrachtet, ist "Bushs perfekte Propagandamaschine" also nicht annähernd so perfekt oder einflußreich, wie SPON seinen Lesern glauben machen möchte.

Das Hauptproblem ist, daß Studien wie die des "Project for Excellence in Journalism" der Columbia University trotz ihrer Bekanntheit und Verfügbarkeit in journalistischen Kreisen niemals von SPON erwähnt werden. Warum? Weil die Tatsachen, die sie aufzeigen, nicht ins Bild passen wollen, das von den USA gezeichnet wird: Eine Nation, die von den Neo-Cons unterjocht wurde und in der die Medien von den finsteren Machenschaften der doppelzüngigen Bush-Regierung still und heimlich unterwandert und kontrolliert werden.

Um diese Wirklichkeitsverweigerung zu verstehen, muß man die Ursachen kennen. Leider ist die SPON-Leserschaft inzwischen von anti-amerikanischen Tiraden so abhängig wie ein Junkie vom Heroin. Und die Redaktion fühlt sich als Dealer verpflichtet, diese Sucht zu befriedigen. Tatsachen zu kolportieren, die dieser Sicht widersprechen, hieße, die Junkiekundschaft massiv zu verprellen - und damit den Umsatz zu torpedieren. Wundert es also, daß amerikafreundliche Artikel von Fremdautoren wie Henryk M. Broder nur noch so selten und oft spät veröffentlicht werden?

Einfach gesagt: SPONs Artikel "Bushs perfekte Propagandamaschine" ist ein weiteres klassisches Beispiel für den Sieg der Sensationsgier und der Voreingenommenheit über Substanz und Ausgewogenheit in den deutschen Medien. Oder anders: Wenn Du die Tatsachen nicht magst - ignoriere sie einfach! Wir wollen doch die Junkies nicht verärgern, oder?!

Widerstand ist legitim

(Von Paul13)

Junge Welt

Eigentlich ist die Junge Welt wie ihre Schwesterzeitschrift von der anderen Feldpostnummer, die Junge Freiheit, nichts, worauf ich normalerweise freiwillig verweise, aber ein kleiner, unscheinbarer Satz dieses Konglomerats aus altbackenen linksradikalen Phrasen und aktuellen Verschwörungstheorien ist dennoch erwähnenswert:

Bis auf anfängliche Störversuche nationalistischer Kurden verlief die Konferenz ohne Zwischenfälle.

Es gab einmal eine Zeit, und die ist noch gar nicht so lange her, da waren Kurden - vor allem jene, die hinter finster dreinblickenden Stalindarstellern herliefen - in der linken Szene hoch angesehen. Sofern gerade keine Palästinenser zu Hand waren, waren Kurden die Projektionsfläche der Wahl, wenn es darum ging, romantische Revolutionsphantasien mit edlen Wilden auszuleben. Kurdistan, das war die Hoffnung auf die Verwirklichung eines sympathischen nationalen Sozialismus ohne großdeutschen Beigeschmack.

Kein alternatives Straßenfest fand ohne den Hinweis auf den gerechten Kampf der Kurden statt, und selbst Menschen, die religiöse Feste wie Ostern und Weihnachten ansonsten als archaisch-reaktionären Brauch zur Unterdrückung des revolutionären Bewußtseins ablehnten und im Sylvesterfeuerwerk nur die Raketen des Konsumterrors sahen, konnten sich wie kleine Kinder für das kurdische Neujahrsfest Nevroz begeistern. Selten standen Rückständigkeit und Armut bei angeblich fortschrittlichen Zeitgenossen so hoch im Kurs wie damals.

Doch nach dem Golfkrieg 1991 und der darauf folgenden Aufforderung der USA, sich gegen Saddam Hussein zu erheben, bekam diese Liebesbeziehung erste Risse. Ein kurzer Hoffnungsschimmer kam zwar noch mal auf, als die USA die Aufständischen dann zugunsten falsch verstandener Stabilität letztlich im Stich ließen, aber unter dem Schutz der Flugverbotszone taten die Kurden dann etwas unerhörtes: Sie fingen an, ein de-facto unabhängiges Gemeinwesen aufzubauen, welches nicht nur wagte zu funktionieren, sondern dabei auch noch die sozialistischen Ideale verriet.

Der endgültige Bruch kam dann nach dem 11. September mit dem Irakkrieg und dem Sturz Saddam Husseins. Die Kurden bedankten sich nicht nur artig für die Befreiung, sie wurden auch zur wichtigsten Hilfstruppe der alliierten Besatzung. Bildchen von George W. Bush wurden im befreiten Kurdistan populärer als die der eigenen schnurrbärtigen Guerillaführer, und selbst mit dem Erzfeind Israel begann man inoffiziell zusammenzuarbeiten. Alles, woran die Linke jahrzehntelang geglaubt hatte, wurde jetzt von den Kurden mit Füßen getreten.

Seitdem ist der kurdische Nationalismus etwas kleinbürgerliches, ein unabhängiges Kurdistan eine gefährliche Bedrohung traditioneller Grenzen und damit der Stabilität im Nahen Osten, die Rückkehr der von Saddam vertriebenen Kurden in zwangsarabisierte Städte ein Verbrechen, man warnt davor, daß die Kurden über eigene Ölquellen verfügen und damit von ihren ehemaligen Unterdrückern unabhängig werden könnten, und und und. Wer jetzt aber glaubt, die Linke wäre nach Verlöschen der kurdischen Sonne orientierungslos in ihrer Suche nach neuen Traumwelten, irrt gewaltig.

Denn zum Glück schickt sich rechtzeitig Venezuela an, zum neuen Mekka der deutschen Befreiungsromantiker zu werden. Dessen Präsident Chavez hat zwar keinen Schnurrbart. Aber dafür heißt er wenigstens Hugo.

13/03/2005

300-400 Schüsse auf Frau Sgrena?



300-400 Schüsse...Kugelhagel? Entscheiden Sie...

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11/03/2005

Zeichen und Wunder

In die Kategorie "Zeichen und Wunder" gehört wohl die Reaktion von Stern.de auf unseren "Offenen Brief".

Näheres unten.

Offener Brief an die Redaktion und die Mitarbeiter von Stern.de

(Bitte beachten: Stern.de hat inzwischen auf unseren "Offenen Brief" positiv reagiert. Das Schreiben fügen wir unten am Ende dieses Postings an. Hat tip: David Harnasch)

(Englische Version)

Sehr verehrte Damen und Herren bei Stern.de,

Ich wende mich an Sie, um meiner tiefen Besorgnis angesichts des Artikels “Feuer und Kugeln regneten auf uns nieder” Ausdruck zu verleihen. In diesem Artikel schreiben Sie, daß der Italienische Geheimdienstmitarbeiter Nicola Calipari, der auf tragische Weise im Irak ums Leben kam, "ermordet" wurde. Durch die Verwendung des Wortes "ermordet" bezeichnen Sie die in die Schießerei verwickelten US-Soldaten als Mörder. Und wenn Sie behaupten, Calipari wäre "ermordet" worden, behaupten Sie implizit, daß die amerikanischen Soldaten in der Absicht ihn zu töten auf ihn zielten - obwohl es derzeit überhaupt keine Beweise gibt, die diese Behauptung stützen würden. Tatsächlich weisen sowohl die italienische wie auch die amerikanische Regierung alle Unterstellungen, daß der Tod Caliparis irgendwie beabsichtigt gewesen sein könnte, entschieden zurück. Beide Regierungen sind sich einig, daß sein Tod die Folge eines tragischen Unfalls war und KEIN Mord.

Stern.de: Calipari von US Soldaten "ermordet"

Die Verwendung des Wortes "ermordet" zeigt, daß Sie die Vereinigten Staaten und deren Bürger erneut verurteilen. Sie erklären US-Soldaten eines Mordes schuldig, ohne daß irgendwelche Fakten Ihre Behauptungen unterfüttern. Es scheint, als wären für den Stern die in den Unfall verwickelten amerikanischen Soldaten schuldig bis zum Beweis des Gegenteils. Es drängt sich leider generell der Eindruck auf, daß Amerikaner als ein Tätervolk dargestellt werden, dem man nicht trauen kann.

Leider scheint dieser Ausdruck anti-amerikanischer Gefühle um des Profits Willen bei Ihrer Publikation eher die Regel als die Ausnahme zu sein. Das ist besonders deswegen besorgniserregend, weil die Amerikaner nicht die erste Gruppe sind, die von der deutschen Gesellschaft für alle Probleme der Welt zum Sündenbock erklärt wird. Ich möchte nur auf zwei (von vielen) Beispielen von unerhörtem Anti-Amerikanismus beim Stern aufmerksam machen:

Methode Wild-West / Wie Amerika die Welt belog

Der unglaubliche Mangel an journalistischer Integrität und Verantwortungsbewußtsein, den man in  "Feuer und Kugeln regneten auf uns nieder” und vielen anderen Stern-Artikeln über die Vereinigten Staaten beobachten muß, beunruhigt die Leserschaft von Davids Medienkritik und Medienkritik Online zutiefst. Wir fordern Sie auf, das Wort "ermordet" aus dem genannten Artikel zu entfernen. Weiterhin hoffen wir, daß Ihre Publikation künftig der Versuchung widerstehen wird, sich den Anti-Amerikanischen Gefühlen Ihrer Leserschaft aus finanziellem Interesse anzubiedern.

Mit freundlichen Grüßen

David Kaspar
Davids Medienkritik, Medienkritik Online
www.medienkritikonline.com

Nachtrag: Hier nun der Text des Schreibens von Stern.de an uns. Was immer wir an Stern.de sonst auszusetzen haben - hier wurde schnell und angemessen reagiert. Chapeau!

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben Ihre Kritik zum genannten Artikel "Feuer und Kugeln regneten auf uns nieder" soeben erhalten. Haben Sie vielen Dank für die kritische Begleitung unseres stern.de-online-Angebots.

Ihre kritischer Einwand zur Verwendung des Terminus "ermordet" im Zusammenhang mit dem bisher unaufgeklärtem Tod von Nicola Calipari ist vollends zutreffend. Für die mangelnde Sorgfalt bei der Textbearbeitung möchten wir uns im Namen der Redaktion entschuldigen.

Der Artikel wurde in der Zwischenzeit überarbeitet und die Wortwahl entsprechend korrigiert.

Diesen eindeutigen - aber hoffentlich einmaligen Fehler - möchten wir nochmals bitten zu entschuldigen und verbleiben mit freundlichen Grüßen,

Ihr stern.de-Team

Sudan: Hunderttausende Tote in Darfur

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Uno-Koordinator Egeland zieht nach einer viertägigen Reise durch die sudanesische Region Darfur eine erschreckende Bilanz. Dort seien weit mehr Menschen ums Leben gekommen als angenommen. Die bisher angegebene Zahl von 70.000 Toten werde um das drei- bis fünffache übertroffen.

So, Ihr selbsternannten "Kriegsgegner", nicht überzeugten Außenminister, Sympathisanten reaktionärer Dritte-Welt-Diktatoren, UNO-Paragraphenreiter, Apologeten "anderer Kulturkreise" sowie sonstigen Freunde des gepflegten Völkermords, und jetzt kommt Ihr!

Da jede westliche Intervention gegen die lächerliche Armee des Khartumer Terrorregimes nur einen Bruchteil der Opfer gekostet hätte, die jetzt zu beklagen sind, weil man auf Euch skrupellose Möchtegerngutmenschen gehört hat, solltet Ihr Euch ganz schnell was zu Eurer Entschuldigung einfallen lassen. Ich höre.

09/03/2005

Kritischer Dialog und amerikanische Alternativen

(Von Greg B. Grabinski)

Mit einer groß angelegten Täuschungsaktion will sich Iran nach Geheimdiensterkenntnissen den Bau einer Atombombe ermöglichen. Ein übergelaufener Diplomat habe berichtet, dass die Pläne, um Nuklearmaterial heimlich abzuzweigen, bereits ausgearbeitet sind.

Wirklich? Das konnte doch keiner ahnen (ausser den paranoiden Amis)! Die Mullahs sind doch liebe Zeitgenossen, die nie und nimmer eine Atom-Bombe bauen wollen, nicht wahr, Herr Putin? Warum auch? Schliesslich wollen sie ja nur Israel ins Meer bomben. Nicht mehr.

Die Fronten zwischen Teheran und den Europäern haben sich wieder verhärtet.

Na hoffentlich! Wird endlich Zeit, dass man die Mullahs wie menschenverachtende Diktatoren behandelt und nicht wie kleine Kinder denen man ein Spielzeug abnehmen will! Aber verehrte Europäer, passt auf, denn die an der Macht sitzenden Kinderficker drohen, dass sie die Produktion des Kernbrennstoffes wieder aufnehmen wollen (der Stopp war eine »vertrauensfördernde Massnahme« und dass der Nahe Osten »noch instabiler« (Nicht vergessen: Stabilität ist Europas Religion) wird, wenn der Fall vor dem Sicherheitsrat landet. Ja, so schaut freundlicher, kritischer und effektiver Dialog aus!

Zum Glück gibt es Hinweise, dass die Bush-Adminstration einen Plan hat, der weit ausgeklügelter ist, als es alle »Kritiker« und Seymour Hersh-Fans glauben: Besetzung der höchst umstrittenen Insel Abu Musa. Dies würde eine mögliche nationalistische Gegenreaktion der Iraner verhindern, die sie in die Arme der Mullahs treiben könnte. Es könnte ihnen zeigen, dass man sie befreien will, ohne ihr Leben und ihre Infrastruktur aufs Spiel zu setzen und dass man tatsächlich mit ihnen ist. Den Rest könnte das Volk selbst erledigen, denn die Revolutionswächter sagen, dass die Gesellschaft in einem »unstabilem Zustand« ist und dass sie einen Aufstand in Teheran, der länger als 6 Stunden dauert, nicht bändigen könnten.

Viel Glück, liebe Iraner! Lasst euch von den Europäern nicht zu weiteren Jahren Mullahhaft zwingen!

Arabienreise: Kanzler kehrt mit Milliardenaufträgen zurück

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Bundeskanzler Gerhard Schröder zieht eine positive Bilanz seiner einwöchigen Arabienreise: Die deutschen Unternehmer lobten ihn als Türöffner, die Vereinigten Arabischen Emirate kaufen 32 "Fuchs"-Spürpanzer, Siemens erhält einen Auftrag für ein Dampfturbinenwerk und vielleicht düst eines Tages auch einmal der Transrapid durch die Wüste.

Tja, das ist eben der Unterschied: Während die seit gut 3 Jahren laufende Middle East Freedom Tour der US-Streitkräfte die ortsansässigen Diktaturen als Demokratien zurückläßt oder sie dank dem Hinweis auf eine mögliche Verlängerung mit zusätzlichen Gastspielen davon überzeugt, es lieber gleich freiwillig mit etwas mehr Mitsprache für die eigenen Bürger zu probieren, versucht sich der Chef der "Friedensmacht Deutschland" im wesentlichen in seinem Nebenjob als Außendienstmitarbeiter der heimischen (Rüstungs)industrie.

Worte wie Freiheit oder Demokratie tauchen folglich im Bericht über das Wirken unseres Wüstensohnes unter der Wüstensonne überhaupt nicht erst auf. Der Transrapid läßt sich einem autokratischen Scheich, der nicht weiß wohin mit dem geraubten Geld, eben eher aufschwatzen als einer rechtmäßigen Regierung, die ob einer derartigen Verschwendung von Steuereinnahmen vielleicht um ihre Wiederwahl fürchten müßte. Da würden irritierende Hinweise auf die aktuellen politischen Entwicklungen in der Nachbarschaft nur stören.

Aber klar, die Deutschen sind natürlich den Yankees trotzdem auch weiterhin moralisch haushoch überlegen. Was ist schon das Gerede von Demokratie in fernen Ländern gegen volle Auftragsbücher kurz vor einer entscheidenden Landtagswahl? Denn wer wählt letztlich unseren Kanzler - die armen Teufel, denen vielleicht morgen schon die Hand abgehackt wird, die er gestern noch publikumswirksam geschüttelt hat, oder die deutschen Arbeitnehmer, deren Job der Genosse der Bosse gerade eben gerettet zu haben scheint? Na also. Manchmal muß man eben Prioritäten setzen.

08/03/2005

Schüsse auf befreite Geisel: Tödliche Fehler auf Iraks gefährlichster Straße

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Giuliana Sgrena ist wieder in Rom. Verletzt wurde die italienische Journalistin aus einem Ambulanzflugzeug getragen. Inzwischen gibt es mehr Details darüber, warum US-Truppen auf das Auto schossen, das Sgrena nach ihrer Geiselhaft in die Freiheit bringen sollte. Die Gründe: Dunkelheit, Unerfahrenheit und Kommunikationsprobleme.

[...] Die Freude habe sich in Trauer verwandelt, hatte zuvor Berlusconi im Fernsehen gesagt. "Wir sind wie versteinert. Wir suchen die Verantwortlichen. Für einen so schwerwiegenden Vorfall muss jemand die Verantwortung übernehmen."

Da müssen sie nicht lange suchen. Die Verantwortlichen sind Leute wie Sarkawi und ihre Helfershelfer, die ihre Selbstmordattentäter mit Autos auf amerikanische Checkpoints zufahren lassen, damit diese sich dort in die Luft sprengen. Auch die Partner des "kritischen Dialogs" in Syrien und dem Iran, die viele dieser Anschläge organisieren und finanzieren lassen, zählen zu den Hauptverdächtigen. Zumindest nicht unschuldig sind ferner jene Journalisten, die all das dann zum Widerstand verklären und den Terroristen damit zusätzliche Unterstützung bei der Rekrutierung neuer "lebender Munition" verschaffen.

Mein Vorschlag: Die Kritiker der amerikanischen Irak-Politik überzeugen die Islamofaschisten, sich nicht länger hinter Zivilisten zu verkriechen und bei ihren Anschlägen die verwendeten Fahrzeuge deutlich sichtbar zu kennzeichnen (beispielsweise mit "Vorsicht Bombe!", "Leicht entflammbar!" oder "Linie 72 - Jungfrauenplatz!"), und CENTCOM gibt Order, die Fahrer anderer heranrasender Fahrzeuge nur noch wegen Geschwindigkeitsübertretung anzuzeigen anstatt sie mit einem Kugelhagel an der Weiterfahrt zu hindern. Ich denke, damit könnten alle Seiten leben.

Der arabische Kanzler

(Von Greg B. Grabinski)

Bundeskanzler Gerhard Schröder zieht eine positive Bilanz seiner einwöchigen Arabienreise: Die deutschen Unternehmer lobten ihn als Türöffner, die Vereinigten Arabischen Emirate kaufen 32 “Fuchs”-Spürpanzer, Siemens erhält einen Auftrag für ein Dampfturbinenwerk und vielleicht düst eines Tages auch einmal der Transrapid durch die Wüste.

Ich weiss wirklich nicht was geiler ist: Dass der Kanzler sich zur Hure für Diktaturen macht um seinen persönlichen fünf Buchstaben zu retten oder dass dies die Medien und Kommentatoren nicht weiter stört.

Kann sich jemand auch nur annährend vorstellen, was los wäre, wenn nur irgend ein fast schon auf der Strasse sitzender Sekräter der Bush-Adminstration nach Ryiad gefahren wäre um die Ausbreitung von McDonald’s in Saudi Arabien im Einklang mit der Scharia zu diskutieren? Es darf angenommen werden, dass »Heuchler« die mildeste Bezeichnung wäre und »Kein Blut für Hamburger«-Demos noch die Netteren sein würden. Natürlich würden die besonders Intellektuellen nicht warten um die Diskrimination der Schweine zu denunzieren, weil nach dem islamischem Recht kein Schweinefleisch gegessen werden darf. Mal abgesehen von den Globalisierungskritikern, welche die vorletzte Bastion (vor Nordkorea) des aufrichtigen Widerstands gegen den teuflischen US-amerikanischen (Kultur-)Imperialismus einstürzen sehen müssen.

Da aber keine amerikanische oder jüdische Hand im Spiel ist werden die Vereinigten Arabischen Emirate bald mit Füchsen durch die Wüste brettern, während die Grünen lautstark gegen Lieferungen von militärischen Geräten und Fahrzeugen an Israel protestieren werden, weil diese gegen Palästinenser verwendet werden könnten. Denn merke: Frauenunterdrückung und Missachtung von Menschenrechten ist Teil einer Kultur, aber Selbstverteidigung gegen Leute die auf dem Wege zu den 72 Jungfrauen in regelmässigen Abständen die Abkürzung über israelische Diskotheken und Busse nehmen, ist moralisch verwerflich. So werden wohl die ersten Transrapids eher einigen Scheichs dienen um von Frau zu Frau zu fetzen als sie Berlin und Hamburg verbinden werden, denn zumindest die Grünen sind der arabischen Welt bisland erspart geblieben.

George W. Bush spricht von Demokratie im Nahen Osten und setzt dies so gut es geht um, wird aber für die Flecken auf der weissen Weste - für die eher seine Vorgänger als er verantwortlich sind - zerrissen. Der Bundeskanzler bekleckt sich dagegen wie ein Dreijähriger - und es stört keinen, weil er ehrlich zu totalitären Regimen steht und Austellungen zur 75-jährigen saudisch-deutschen Freundschaft eröffnet. Die Welt ist ungerecht. Die Medien auch.