Zahlenspiele
(Von Wuldorblogger)
Die Berichterstattung der deutschen Medien über den von Präsident Bush vorgelegten Haushaltsentwurf bietet gleich mal wieder eine Handvoll schöner Möglichkeiten, die Qualität deutschen Journalismus' hautnah zu begutachten.
Zunächst einmal haben wir da die "tagesschau", in der sich die Washington-Korrespondentin der ARD, Christiane Meier, mit betroffenem Blick befleißigte zu betonen, der Entwurf träfe fast ausschließlich "die Ärmsten", während das Militär - horribile dictu ! - mehr Geld erhalte. Abgesehen davon, daß dies in dieser Form in einer Nachrichtensendung nicht gerade angebracht ist und einem Kommentar bereits arg nahe kommt, deuten allerdings die amerikanischen Presseberichte - sogar die der Bush-kritischen Zeitungen wie "New York Times" oder "Washington Post" - vielmehr auf umfassende Kürzungen in verschiedensten Bereichen hin, die keineswegs ausschließlich oder in besonders hartem Maße "die Ärmsten" treffen. (Drudge - immer mit Vorsicht zu genießen - berichtet sogar, daß laut "White House Budget Director" Josh Bolten die Steuerlast der Reichsten deutlich steigen wird.)
Spiegel Online titelt: "Nur das Militär kriegt mehr". Reimt sich schön, ist aber leider nicht richtig. Hier wiederum hätte man bei den Kollegen von tagesschau.de nachschauen können, die richtigerweise erwähnen, daß - neben dem Heimatschutz, den SPON auch noch selbst erwähnt und somit dem eigenen griffigen Titel widerspricht - auch das Entwicklungshilfebudget (ja, Entwicklungshilfebudget!) um satte 17 % steigen soll.
Besonders schlau auch folgender Satz bei SPON:
"Die Militärausgaben steigen um knapp fünf Prozent auf 18,2 Milliarden Dollar."
Ja, was wollen denn dann alle von wegen zu hoher US-Militärhaushalt? Die Bundesrepublik hat schließlich 2004 ca. 30 Mrd. Dollar für Rüstung ausgegeben!
Vielleicht liegt es aber auch nur wieder einmal daran, daß irgendjemand bei SPON mal wieder nicht auf Ballhöhe war. Bei den 18,2 Milliarden handelt es sich nicht um das Militärbudget, sondern die Erhöhung desselben. Das Budget selbst liegt nämlich laut Planung bei knapp 419 Milliarden, wie man bei tagesschau.de nachlesen kann. Und das sind wiederum übrigens über drei Milliarden Dollar weniger als zuvor für 2006 eingeplant worden waren, was aber weder von SPON noch "tagesschau" erwähnt wird.
"Professioneller Journalismus" halt...
UPDATE:
SPON hat die Angabe über den Militäretat korrigiert.
Dort heißt es jetzt: "Die Militärausgaben steigen um knapp fünf Prozent auf 419,3 Milliarden Dollar."
Gestern abend stand es aber noch so wie von mir zitiert da. Entweder hat also jemand diesen Artikel gegengeprüft, obwohl er bereits von der Titelseite verschwunden war. Oder bei SPON liest man Medienkritik Online...
Kommentiert von: Wuldorblogger | 08/02/2005 um 15:45
@ wuldorblogger
Zu deinem Update: ich möchte denken, daß SPON vom CBS-Skandal gehört hat und es jetzt etwas genauer nimmt bzw. die New Media vorsichtshalber beobachtet.
Kommentiert von: Schakal | 08/02/2005 um 16:23
@ niko
Der hohen und hehren Kunst der korrekten Buchführung verpflichtet, muß ich anmerken, daß es für mich als Lokheed-Martin-Aktionär schon einen Unterschied bedeutet, ob ein paar Milliarden US-$ aus dem Staatshaushalt in die Bilanz von LM fließen. ;-)
Kommentiert von: | 08/02/2005 um 16:34
Das sind ja nur wieder die Großen Themen. Wie isses denn damit, noch etwas tiefer zu schauen? Wie in jedem Haushalt in jedem Land der Welt wird an der einen Stelle wirklich was getan (Entwicklungshilfe) und an anderen nur geblufft:
"You know those 2,000 Border Patrol agents President Bush promised to fund--and which Tom Ridge recently derided as "fool's gold?" Well, the President's proposed budget only funds 210 of them."
http://michellemalkin.com/archives/001457.htm
So ist das eben.
Kommentiert von: Markus | 08/02/2005 um 20:43