Sächsische Verhältnisse
(Von Niko)
Politisch korrekte Journalisten lieben Codes. "Amerikanische Verhältnisse" ist so ein Code. Oder "Bildungsferne Schichten". Manchmal aber sind selbst Codes zu heikel, etwa wenn es um unbequeme Wahrheiten geht. Dann vergräbt der gewissenhafte Journalist das Beweisstück ganz weit hinten unter allerlei Wortmüll.
Ein schönes Beispiel haben wir in der FAZ gefunden.
(...) Fehlende Arbeitsmöglichkeiten allein erklären den Wahlerfolg der Rechtsextremen demnach nicht. Wie verhält es sich mit den anderen klassischen Kategorien der Parteien- und Wahlsoziologie? Für westdeutsche Verhältnisse vertraut ist der Befund, daß in Sachsen in allen Altersgruppen deutlich mehr Männer als Frauen rechtsextrem wählten. Eigentümlich ist das Zustimmungsgefälle in den verschiedenen Altersgruppen. Nach übereinstimmenden Berechnungen von infratest-dimap und der Forschungsgruppe Wahlen fand die NPD unter den jüngeren Wählern deutlich mehr Zustimmung als unter den Älteren: Nur drei Prozent der über 60 Jahre alten Bürger wählten am 19. September 2004 rechtsextrem, aber 18 Prozent der 18 bis 29 Jahre alten und immerhin noch 12 Prozent der 30 bis 44 Jahre alten Bürger. (...)
Nach Berufsgruppen differenziert, stellt sich die NPD-Wählerschaft schließlich so dar: Auf einen überdurchschnittlich hohen Stimmenanteil kamen die Rechtsextremen unter den Arbeitslosen (18 Prozent), aber auch unter den Berufstätigen (10 Prozent). Besser als im Durchschnitt kam die NPD schließlich auch bei den Arbeitern (14 Prozent) an.
Demnach hatte und hat die NPD vielen etwas zu bieten: Überall in Sachsen dient sie sich mit antikapitalistischen Parolen und Protestrhetorik Arbeitslosen und Arbeitern an, und vorwiegend auf dem Land scheinen die gutorganisierten Rechtsextremen mit Musikaktionen an Schulen, dem Appell an heimatliche Instinkte und offensiver Gruppenbildung vielen Bedürfnissen einer formal nicht überdurchschnittlich gebildeten Bevölkerung entgegenzukommen. (...)
Sieh an. Das überrascht uns aber. Nicht im geringsten. Nur zu gerne würden wir den Fragebogen sehen. Wie wohl der deutsche Durchschnittsbürger zustimmen würde, wenn er nicht wüsste, welche Partei hinter den Parolen steht?
Eine Theorie: Die Wähler der NPD haben angesichts "antikapitalistischer Parolen" nicht anders entschieden, als es Sympathisanten und Mitglieder von attac, PDS, und gewisser Kreise der Grünen getan hätten. Sie unterscheidet aber, dass sie so skrupellos waren, das Kreuzchen tatsächlich bei der NPD zu setzen.
Eine weitere Theorie: Nicht die NPD hat sich wieder mit Programmen in die Mitte der Gesellschaft gedrängt, sondern obenstehende Strömungen haben die Parolen der NPD wieder salonfähig gemacht.
Die Ausländerfeinde von gestern sind die Globalisierungskritiker von morgen.
Absolut richtig.
Das Maß an anti-kapitalistischer Ideologie in diesem Land ist kaum noch zu ertragen und bildet sowohl die Grundlage für die Wahlerfolge der Rechten, als auch der Linksextremisten. Skandalös sind doch nicht nur die Erfolge der NPD, sondern etwa auch, dass ca. 22% der Bürger im Osten der Republik die PDS wählen würden.
(http://www.wahlrecht.de/umfragen/allensbach/ost.htm)
Man tut geradezu so, als habe der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland nach dem Krieg nicht wegen der freien Martwirtschaft, sondern eher trotz ihr stattgefunden. Eine totale Verzerrung historischer Tatsachen.
Kommentiert von: ulanbator | 08/02/2005 at 11:45
Einige Anmerkungen:
Beim Vergleich der Weimarer Republik-Wahlergebnisse von 1928 und 1933 wird deutlich, dass nicht nur bisherige Nichtwähler, Jungwähler und Wähler von mittelständischen Kleinparteien zur NSDAP übergingen, sondern auch ein Drittel der SPD-Wähler. Die christdemokratischen Parteien Zentrum und BVP blieben stabil.
Klare Aussage: Die SPD ist daran unschuldig, sie hatte einen Zweifrontenkampf gegen Nazis und KPD zu bestehen.
Partei 1928 1933
NSDAP 2,63% 43,91%
SPD 29,76% 18,25%
KPD 10,62% 12,32%
Also: Die KPD konnt nur gering SPD-Wähler für sich gewinnen!
Die NPD-Wahlerfolge sind außerdem eher an der Grenze zu Tschechien. Dort sind viele Sudetendeutsche sind nach 1945 angesiedelt worden und die Grenzsitaution war nie ohne Probleme. Heute fahren die reichen Sachsen nach Tschechien und kaufen bei Vietnamesen (DDR-Jargon: "Fidschis") Raubkopien, Zigaretten und Benzin. In der DDR-Zeit ist sehr stark gegen Großbritannien (Dresden!!!)und die USA gehetzt worden.
Kommentiert von: Roland | 08/02/2005 at 13:11
@Roland
Deine Berechnungen sind extrem seltsam.
Du übersiehst anscheinend komplett die unterschiedliche Wahlbeteiligung und die Auswirkungen von dieser auf die absoluten Zahlen. 1928 lag die Wahlbeteiligung bei 75,60%, 1933 bei 88,74%. Die SPD gewann 1928 9.152.979 Stimmen, 1933 waren es immerhin noch 7.516.243 Stimmen. Die KPD erhielt 1928 3.264.793 Stimmen, 1933 waren es 4.848.058. Wenn man jetzt davon ausgeht, wie du ja oben, dass die Gewinne der KPD auf 'Überläufer' der SPD zurückzuführen wären, dann könnten genau 255.935 Stimmen der SPD an die NSDAP gegangen sein. Selbst ohne irgendwelche Wechselwähler zur KPD käme die SPD auf höchstens 1.636.736. Eine unglaubliche Menge, doch. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die NSDAP über 17 Mio. Stimmen hatte.
Kommentiert von: Christian | 08/02/2005 at 13:35
"Die Ausländerfeinde von gestern sind die Globalisierungskritiker von morgen."
Und die Imperialisten von gestern sind die Globalisierer von heute.
Kommentiert von: Maksim | 08/02/2005 at 14:09
@ christian
Ich habe gesagt: Hauptzuwachs der Nazis: Bisherige Nichtwähler, Jungwähler,
Mittelstandsparteien.
Nur dazu SPD. Klar, in absoluten Werten sind KPD+SPD stabil geblieben.
Das würde gelten unter der Bedingung, dass kein Neuwähler zu KPD oder SPD gegangen ist!
Mein vergleich wäre wie heute: Der SPD gehen die jungen Leute "flöten"
und die Nazis/NPD sind überproportional bei jungen Männern mit niedrigem Bildungsabschluss, eigentlich mal der Hauptwählergruppe der SPD.
Noch einmal: Kein Vorwurf gegen die SPD!
Nur die Feststellung, dass die Nazis genau in dem Lager:
junge Arbeiter, männlich, schon mal gewildert haben.
Und noch eine Parallele: Bündnis Kommunsiten-Nazis gegen die Demokratie, den Westen, den Kapitalismus, heute auch die Juden, Israel.
Die kommunistische Junge Welt und die NPD-Postillen sind doch nicht mehr zu unterscheiden.
Auch im freitag erscheinen übelste antiisraelische Hetzartikel!
Kommentiert von: Roland | 08/02/2005 at 15:15
"Die Ausländerfeinde von gestern sind die Globalisierungskritiker von morgen."
Wenn ich diesen Satz schon höre, kommt mir die Galle hoch.
Kommentiert von: Jan | 08/02/2005 at 15:18
@ Roland,
Ist schon witzig, wie sehr sich linksradicale und rechtsradikale Rhetorik oft ähnelt. Gibt es diese satirische Web-site noch in der Attac und NPD ihre Kooperation ankündigen? Wenn ja, hat jemand den Link?
Kommentiert von: Phil | 08/02/2005 at 15:28
Hab den Link schon selber gefunden:
http://npd-attac.arcadepages.com/npdattac.htm
Kommentiert von: Phil | 08/02/2005 at 15:29
@ Phil
Satire beiseite.
Nazi = NationalSOZIALIST
Gemeinsamkeiten?
Kommentiert von: Schakal | 08/02/2005 at 15:41
@ schakal,
Stimmt schon. Allerdings sollte man vorsichtig sein. Sozialisten die sich klar zur Demokratie und Verfassung bekennen kann man nicht in die gleiche Schublade mit KPD, NPD oder was immer es sonst noch gibt.
Kommentiert von: Phil | 08/02/2005 at 16:03
Klar. Die Rede war von Extremisten - Links oder Rechts.
Kommentiert von: Schakal | 08/02/2005 at 16:16
@Niko:
Ich wundere mich, warum hier ein Artikel aus der ach so bösen FAZ gepostet wurde. Ob man die Globalisierung kritisiert oder befürwortet, letztenendes
werden sich solche Parteien wie ihr sie nehmt, doch über die Situation in Deutschland freuen.
"Fehlende Arbeitsmöglichkeiten allein erklären den Wahlerfolg der Rechtsextremen demnach nicht". Vielleicht nicht ganz, aber wohl doch zum grössten Teil. Tut sich nix in Deutschland (seitens Bundesregierung und Wirtschaft), wird das Problem NPD bleiben. Da könnt ihr nun schimpfen und auf andere die Finger zeigen, wie ihr wollt. Welchen Arbeitslosen interessiert euer Geschwätz von Globalisierung und Kapitalismus ? Habt ihr konkrete Vorschläge oder nur sinnbefreite Phrasen wie: "Die Ausländerfeinde von gestern sind die Globalisierungskritiker von morgen."
Ich bin übrigens weder extrem links noch rechts. Ich bin nur allergisch gegen allzu dumme Sprüche.
Kommentiert von: Jan | 08/02/2005 at 17:47
Wer wählt rechts?
Männlich, jung, Arbeiterschaft, vorher SPD-Wähler oder Splitterparteien
Baden-Württ.
1964
CDU 46,2% SPD 37,3% FDP 13,1% PLO (sorry, der BHE) 1,8%
1968
CDU 44,2% SPD 29,0% FDP 14,4% NPD 9,8%
die Wahlbeteiligung lag bei 67% bzw. 70%....
Meine Interpretation: 1964 war die SPD im Bund Oppositionspartei, 1968 Regierungspartei
Die Protestwähler wechselten insofern von der SPD zur NPD
Kommentiert von: Roland | 08/02/2005 at 18:26
@ Roland,
Protestwähler gibt es nur dann, wenn die Opposition keine Alternativen bietet. Schau dir den jämmerlichen Zustand von CDU/CSU an und es wird klar, warum so viele der Propaganda der NPD glauben schenken.
Kommentiert von: Phil | 08/02/2005 at 19:17
Als schon den achtziger Jahren und später wieder in den neunziger Jahren gut bezahlte Sozialromantiker und Gewerkschaftsfunktionäre sich bei Bekanntgabe der jeweiligen Arbeitslosenzahlen an Weimarer Verhältnisse erinnerten und die Regierung Kohl bezichtigten sowohl Arbeitslose, wie eben jene Verhältnisse zu zu schaffen, war das völlig normal. Wenn heute der Herr Stoiber versucht den Spieß umzudrehen und dabei scheinbar die Sozialromantiker in und außerhalb der SPD links überholen möchte, jaulen diese laut auf. Dabei sind die ideologische Positionen beider Seiten nicht allzu weit voneinder entfernt. Beide Seiten gehen offensichtlich davon aus, dass der Arbeitsmarkt nicht von den Tarifparteien, sondern vom Staat zu regulieren (aber nicht zu deregulieren) und zu verantworten sei. Jede Seite stützt das populäre Vorurteil, im Grundgesetz sei die Vollbeschäftigung oder soziale Marktwirtschaft als Staatsziel verankert, oder gäbe es einen Artikel, der dem Kollektiv deutsches Volk Isolation, aber ein Recht auf Arbeit zusichert. Wen wundert es da noch, wenn sich Jugendliche oder arbeitslose SPD-Wähler an die wundersame Wirkung nationalsozialistischer Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder an die DDR-Beschäftigungspolitik erinnern? Für Ersteres haben SPD und Gewerkschaften bei früherer Gelegenheit sogar das Urheberrecht beansprucht, für die zweite steht immer noch die PDS.
Kommentiert von: oskar | 08/02/2005 at 20:25
@Niko,
oh vielen Dank für deine Übersetzung.
Kommentiert von: | 08/02/2005 at 22:07
Sachsen ist geprägt durch die DDR-These:
DDR-Deutsche Opfer, BRD und Westallierte Täter!!!
http://jungle-world.com/seiten/2005/06/4846.php
»Feinde der Nation«-Gedenken in der DDR
von ivo bozic
»Die Frauenkirche in Dresden, im Februar 1945 zerstört durch angloamerikanische Bomber – Ihre Ruine erinnert an Zehntausende Tote und mahnt die Lebenden zum Kampf gegen imperialistische Barbarei, für Glück und Frieden der Menschheit.« Dieses Schild prangte zu DDR-Zeiten an der Ruine der Frauenkirche. Die »Barbarei«, an die damit erinnert wurde, war nicht die Shoah und nicht der von Deutschland begonnene Weltkrieg, sondern die Befreiung Deutschlands vom Faschismus, zu der die wie auch immer im Einzelnen zu bewertende Bombardierung von Städten wie Hamburg und Dresden gehörte. Sicherlich gedachte man in der DDR immer auch der Opfer des Nationalsozialismus bzw. Faschismus, wie es hieß, und funktionalisierte die Gedenkfeiern gerne zu Manifestationen gegen den Krieg an sich oder gegen die Nato-Nachrüstung um, vor allem aber stand der 13. Februar – wie heute auch – für die Erinnerung an die Zerstörung Dresdens.
Es war normal, vom »angloamerikanischen Bombenterror« zu sprechen. Die »Angriffe« seien militärisch nicht notwendig gewesen und nicht zufällig habe es ein Gebiet getroffen, das zum Einflussbereich der Sowjetunion gehören sollte. Im Grunde griffen die »Angloamerikaner«, so die offizielle Lesart, in Dresden schon nicht mehr Nazideutschland an, sondern die Sowjetunion. DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl erklärte 1952, das »unsinnige Verbrechen« habe nur das Vordringen der Roten Armee erschweren sollen.
In der DDR war die Rote Armee Synonym für die Befreiung vom Faschismus. Den britischen, amerikanischen, französischen Alliierten zollte man dagegen kaum Anerkennung. Den Morgenthau-Plan bezeichnete Walter Ulbricht als »satanischen Irrsinn«, die »imperialistischen Westmächte« seien die »Feinde der deutschen Nation«, die »Vertreter des USA-Monopolkapitalismus« betrieben die »Spaltung Deutschlands«. Diese deftigen Worte formulierte Ulbricht bereits 1948, zu einem Zeitpunkt also, als das Reden über die deutsche Nation ein Tabu hätte sein müssen. Doch die DDR galt als Staat der Antifaschisten. Seine Geschichte wurde eher mit der Oktoberrevolution in Verbindung gebracht denn mit der NS-Vergangenheit. Im Osten war der Deutsche immer schon Opfer. Die Täter waren die BRD und die Westalliierten.
Die Erinnerung an die Bomben auf Dresden diente damals, gewollt oder ungewollt, einer Relativierung deutscher NS-Verbrechen und einem antiimperialistisch geerdeten Antiamerikanismus. Inzwischen ist die Frauenkirche wieder aufgebaut, und das Gedenken erfüllt noch immer dieselben Zwecke. Das zeigte sich während des letzten Irak-Krieges. Der parlamentarische Geschäftsführer der PDS im Dresdner Landtag, André Hahn, forderte, die Landesregierung solle sich gegen britische und amerikanische Überflüge aussprechen, denn es sei »angesichts der Bombenangriffe auf Dresden im Zweiten Weltkrieg eine historische Geschmacklosigkeit sondergleichen, dass der Luftraum nun erneut für Kriegszwecke missbraucht wird«. So wird flugs einerseits ein »Missbrauch des Luftraums« zu einem angloamerikanischen Verbrechen erklärt und zweitens der Krieg gegen den Irak mit dem Zweiten Weltkrieg verglichen, was sowohl aus amerikanischer Sicht sträflich ist, weil es die deutschen Verbrechen verharmlost, erst recht aber aus traditionell antiimperialistischer Sicht, denn die Konsequenz daraus lautet: So wie es Unrecht war, den Irak anzugreifen, so waren auch die »Angriffe« auf Deutschland Unrecht. Eine Sichtweise, die wir nicht nur dem konservativen Stahlhelmflügel und der rot-grünen Neuen Mitte verdanken, sondern ausgerechnet auch der »antifaschistischen« DDR.
Kommentiert von: Roland | 09/02/2005 at 22:50
Danke für diesen Artikel, Roland.
Friedman fragt gerade Beckstein, ob die Bombardierung Dresdens ein Kriegsverbrechen war, und es erstaunte mich, daß Beckstein bei seiner Antwort zögerte. Sein Nein war zögerlich.
Kann es nicht sein, daß Politiker, Schulen, Medien sich hier in einem Prozeß befinden weg von dem eindeutigen NEIN hin zu einem Nein, aber ... und immer mehr sagen hier schon JA, aber ... bis es eines Tages nur noch eindeutig JA heißt?
Ich habe sogar schon in einer staatsanwaltlichen Einstellungsverfügung gelesen, daß die Bombardierung Dresdens ein Kriegsverbrechen war.
60 Jahre Auschwitzbefreiung, 60 Jahre Dresden Bombardierung, 60 Jahre Kriegsende als Befreiung oder Niederlage - ich wünsche mir viele Stellungnahmen in den Medien.
Wäre es nicht sinnvoll, zu diesen Themen eigene Threads zu haben, so daß zu diesen so wichtigen Themen Diskussionen geführt werden können?
Kommentiert von: Gabi | 13/02/2005 at 10:28
Mach doch einen eigenen Blog zum Thema Antisemitismus, Gabi.
Kommentiert von: | 13/02/2005 at 11:36
Ich bin der Meinung, dass die Bombardierung Dresdens ein Kriegsverbrechen war.
Ich sehe Bombardierungen von Industrie und militärischen Anlagen im Krieg als gerechtfertigt an und sehe darin keinerlei Kriegsverbrechen. Dresden hatte aber militärisch keine Bedeutung und auch keine kriegswichtige Industrie. Die Bombardierung hatte keine für die Alliierten positiven Auswirkungen auf den Kriegsverlauf, sie war also komplett unnötig und hatte nur die Zerschlagung der Moral der Zivilbevölkerung zum Ziel.
Kommentiert von: Christian | 13/02/2005 at 11:41
Warum bleibst du anonym bei deinem Hinweis an mich? Kannst du das nicht offen hier sagen, was du zu sagen hast?
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Ich teile Taylors Meinung.
Im Spiegel fand ich dieses lesenswerte Interview mit Taylor:
SPIEGEL ONLINE - 13. Februar 2005, 09:18
URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,341527,00.html
Interview mit Historiker Taylor
SPIEGEL ONLINE: Einige beschuldigen Sie, mit ihrem Buch "Dresden, Dienstag, 13. Februar 1945" eine Rechtfertigung der Bombardierung von Dresden geschrieben zu haben. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?
Frederick Taylor: Mein Buch versucht, distanziert und rational zu sein, und wo immer möglich, versuche ich die Mythen und Legenden von den Realitäten zu trennen. Ich persönlich finde den Angriff auf Dresden entsetzlich. Er war übertrieben, er war exzessiv und ist enorm zu bedauern. Aber es gibt keinen Grund zur Annahme, der Angriff der Alliierten sei vollkommen irrational gewesen.
SPIEGEL ONLINE: War es ein Kriegsverbrechen?
Taylor: Ich weiß es wirklich nicht. Praktisch gesehen haben Kriegsregeln etwas von einer Grauzone. Es war eine ziemlich grenzwertige Angelegenheit, was das Ausmaß des Angriffs und die Anzahl der eingesetzten Kräfte angeht. Er ist vergleichbar mit anderen Luftangriffen in diesem Krieg, wie der deutschen Attacke auf Belgrad oder sogar Stalingrad, bevor es belagert wurde. Und natürlich auch mit anderen britischen und amerikanischen Angriffen, darunter die in Japan (Hiroshima und Nagasaki). Das sind Beispiele, wo man nahe daran ist zu sagen: "Man kann so etwas nicht tun". Luftkrieg an sich ist moralisch sehr dubios. Es ist die dubioseste Form der Kriegsführung. Aber ein Kriegsverbrechen ist eine sehr spezielle Sache, über die internationale Anwälte lange streiten. Ich bin nicht darauf vorbereitet, mich festzulegen; ich wüsste auch nicht, warum ich das tun sollte. Ich bin Historiker.
SPIEGEL ONLINE: Seit dem Krieg hat sich die Diskussion der Verbrechen des Zweiten Weltkriegs fast ausschließlich auf die von den Nazis begangenen Taten konzentriert. Aber auch Hunderttausende deutscher Zivilisten wurden geopfert, in Feuerstürmen, die englische und amerikanische Bomben verursacht hatten. Sollten nicht auch die Exzesse der Alliierten zur Sprache gebracht werden?
Taylor: Wir müssen das offen diskutieren. Luftkriege haben immer etwas Faschistoides - man sieht die Person nicht, die man bombardiert, tötet oder verletzt. Außerdem hat man von oben so einen psychopathischen Blick. Der Luftkrieg war wahrscheinlich der einzige Teil des Krieges, in dem die Alliierten, abgesehen von den Russen, mit den Achsenmächten mithalten konnten, was die Unbarmherzigkeit der Kriegsführung angeht. Aber das ist jetzt 60 Jahre her, und die meisten Beteiligten sind tot. Wir sollten jetzt nicht anfangen, mit den Fingern aufeinander zu zeigen.
Taylor: Ich habe den Eindruck, dass eine beachtliche Anzahl an Menschen in Dresden eine ausgewogene Sichtweise haben - Überlebende eingeschlossen. Natürlich gibt es einige, die der Ansicht sind, dass die Bombardierung vollkommen sinnlos war. Man kann jedoch auch behaupten, dass die Angriffe der Alliierten rational, aber gleichzeitig eine Gräueltat waren. Die eine Sichtweise schließt die andere keinesfalls aus. Und für die Überlebenden, die sich noch immer ausschließlich auf die Gewalt der Attacke konzentrieren, ist es ihr Dresden - und das muss respektiert werden.
SPIEGEL ONLINE: Die NPD bezeichnete die Bombardierung kürzlich als "Bomben-Holocaust". Diese Ansicht teilen nicht nur die Rechten in Dresden und anderswo in Deutschland. Was ist falsch an dieser Sichtweise?
Taylor: Diese ganze Sache mit dem "Bomben-Holocaust" kursiert bereits seit Jahren auf rechten Webseiten. Jetzt ist das eben ins Blickfeld der Öffentlichkeit gelangt und auch bis zur NPD durchgedrungen - das spiegelt sich in der Art und Weise, wie sich die NPD im sächsischen Landtag aufführt. Ich verstehe offen gesagt nicht, was sie sagen. Alle Seiten bombardierten im Krieg die Städte des anderen. Eine halbe Million Sowjetbürger starben in den Bombenangriffen der Deutschen, während der Invasion und der Besetzung Russlands. Das entspricht ungefähr der Anzahl der Deutschen, die bei den Angriffen der Alliierten umkamen. Aber die Bombardierungen hingen mit militärischen Operationen zusammen und endeten, sobald diese Operationen endeten. Der Holocaust und die Ermordung all dieser Millionen von Menschen, die die Nazis so sehr hassten, dass sie sie umbringen wollten, hätten jedoch nicht geendet, wenn die Deutschen den Krieg gewonnen hätten. Bombenangriffe sind eine rücksichtslose Form der Kriegsführung, aber das Wort Holocaust zu benutzen, um einen Krieg als unbarmherzig zu beschreiben, heißt zwei vollkommen verschiedene Dinge zu verwechseln.
SPIEGEL ONLINE: Der sechzigjährigen Gedenkfeier von Auschwitz wurde hier in Deutschland und überall auf der Welt enorme Aufmerksamkeit gezollt. Nun tendiert das Land jedoch dazu, sich selber in der Opferrolle zu sehen. Dresden ist ein Beispiel; die Geschichten, die bald über den Vormarsch der Russen und die sofortige Ausweisung von Deutschland in Polen und Tschechien nach dem Krieg erzählt werden dürften, sind ein anderes Beispiel. Rutschen die Deutschen zurück in die Opferrolle, die sie bereits in den 1950er Jahren eingenommen haben?
Taylor: Ich hoffe nicht. Ich sympathisiere mit dem Wunsch zu trauern und das Leiden anzuerkennen. Ich glaube, dass ist eine psychologische Notwendigkeit für eine Nation ebenso wie für ein Individuum. Aber nur auf die eigene Opferrolle zu schauen und Deutschlands unprovozierten aggressiven Krieg gegen den Rest Europas und die Aspekte des Völkermords dieses Kriegs auszublenden, kann überhaupt nichts Gutes bewirken. Die Deutschen müssen diese Dinge 60 Jahre nach dem Krieg in Ordnung bringen und sehen, wie sie sich dabei fühlen. Es könnte ein wenig chaotisch werden, und ich glaube, das passiert gerade. Ich kann nur sympathisieren.
SPIEGEL ONLINE: Im Januar waren Sie in Berlin auf einer Podiumsdiskussion mit dem Publizisten Jörg Friedrich, wo er Ihre Ansichten zu Dresden scharf angegriffen hat....
Taylor: Ja, das hat er...
SPIEGEL ONLINE: ...und den alliierten Bombern hatte er vorgeworfen, sie hätten keine legitimen Ziele gehabt und hatten so viele Zivilisten wie möglich töten wollen.
Taylor: Ja, aber ich bin nicht der gleichen Ansicht wie er. Im Grunde kam er mit der alten Idee, dass der Krieg damals bereits vorbereitet gewesen sei. So wie er Deutschland im Februar 1945 beschrieb, bin ich überrascht, dass die Deutschen überhaupt drei Tage ausgehalten haben, ganz zu schweigen von drei Monaten. Ich bin da anderer Meinung.
SPIEGEL ONLINE: Halten Sie Jörg Friedrich für einen seriösen Historiker?
Taylor: Ich weiß nicht. Er scheint sich in allen Dingen sehr sicher zu sein, aber in einer Art und Weise, wie es die meisten Historiker nicht sind. Er ist ein sehr cleverer Mann, er schreibt gut, und sein Buch ("Der Brand") fand ich sehr interessant. Es wird aber professionellen Historikern im Allgemeinen nicht geschätzt, außer für seinen literarischen Stil.
SPIEGEL ONLINE: Die Bombardierung Dresdens hatte zwischen 25.000 und 35.000 Tote zur Folge. Im Juli 1943 wurden während des Feuersturms in Hamburg noch mehr Menschen getötet. Die Einwohner Hamburgs scheinen von der Bombardierung jedoch nicht so traumatisiert worden zu sein. Warum ist das so?
Taylor: Es gibt zwei Gründe für diesen Unterschied. Zum einen war Hamburg anerkannt als wichtige Stadt in militärischer und industrieller Hinsicht. Die Einwohner wussten immer, dass sie bombardier werden würden, daher gab es nicht diese Überraschung oder diesen Sinn für Ungerechtigkeit wie in Dresden. Viele Menschen in Dresden hatten das Gefühl, dass die Stadt wegen ihrer Schönheit wegen irgendwie geschützt sei und nicht bombardiert werden würde. Das hat das Trauma enorm vergrößert. Zum anderen war die Stadt nach dem Krieg 45 Jahre lang Teil einer totalitären Diktatur. Dieses System nutzt Dresden im Kalten Krieg als Instrument, indem sie die Anglo-Amerikaner als Kriegsverbrecher beschuldigten, die gezielt diejenigen Teile Deutschlands zerstörten, die von der Sowjetunion besetzt werden würden. Dresden wurde während des Kalten Krieges als Knüppel benutzt, um den Westen zu schlagen.
SPIEGEL ONLINE: Welche Bedeutung hat Dresden heute?
Taylor: Die Zerstörung Dresdens hat eine geradezu epische, tragische Dimension. Es war eine wunderschöne Stadt und ein Symbol des barocken Humanismus... Aber während der Nazi-Zeit enthielt sie auch die schlimmsten Seiten Deutschlands. In diesem Sinn ist es eine absolut beispielhafte Tragödie für die Gräuel der Kriegsführung im 20. Jahrhundert und ein Symbol der Zerstörung. Es hat in Deutschland einige Aufrufe gegeben, der Zerstörung Dresdens zu gedenken. Wenn das nur benutzt würde, um deutsches Leiden zu verdeutlichen, wäre das falsch.
Die Fragen stellte Charles Hawley.
Übersetzung: Florian Peil
Kommentiert von: Gabi | 13/02/2005 at 12:12
Christian, ich frage mich, ob diese deine Meinung bereits während deiner Schulzeit gelehrt worden ist. Wobei ich jetzt mal unterstelle, daß du älter als 18/19 bist. :-)
Da stimme ich mal mit Schröder überein, wobei ich mir nicht sicher bin, daß er damit die Mehrheitsmeinung in Deutschland darstellt.
Schröder in Welt am Sonntag:
Frage: Haben die Deutschen zu lange die eigenen Opfer vergessen?
Schröder: Nein, ich glaube nicht. Ich bin ein entschiedener Gegner jeder Aufrechnung. Wir werden am Sonntag des Bombenangriffs auf Dresden gedenken, und ich hoffe sehr, daß wir die Rechtsextremen da heraushalten können. Aber mein Gedenken ist auch immer eines, das sich erinnert, wieviel Leid der von den Deutschen begonnene Krieg über andere gebracht hat. Gleichzeitig haben wir keinen Grund, nicht auch über die eigenen Toten zu trauern. Natürlich sind das auch Opfer. Der entscheidende Punkt ist nur: Man darf die Verantwortlichkeiten nicht verwischen. Wir werden allen Versuchen, die Geschichte umzudeuten, mit allen Mitteln entgegentreten. Wir werden auch nicht zulassen, daß Ursache und Wirkung vertauscht werden. Verantwortung vor der Geschichte bedeutet eben auch, Untat und Leid nicht gegeneinander aufzuwiegen. Das sind wir allen Opfern des Krieges und des Nazi-Terrors schuldig, besonders aber auch den Opfern von Dresden.
Häufig wird die Forderung laut, einen Schlußstrich unter die Vergangenheitsbewältigung zu ziehen. Glauben Sie, daß die Mehrheit der Deutschen so denkt?
Schröder: Das glaube ich ganz und gar nicht. Die Mehrheit der Bevölkerung denkt, daß man Verantwortung für die eigene Geschichte hat, daß man aber meiner und den nachfolgenden Generationen keinen Schuldvorwurf mehr machen kann. Wer die Erinnerung nutzen will, der muß den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung klarmachen."
http://www.wams.de/data/2005/02/13/462974.html
Kommentiert von: Gabi | 13/02/2005 at 12:24
Christian,
Wie kommt es, daß du hier die Meinung der NPD teilst? Ist dir das bewußt und bekannt?
Newsticker von Welt am Sonntag:
"Von den späteren Gedenkfeiern in Dresden ging schon immer eine Botschaft für Frieden und Versöhnung aus. Trotz der Schrecken haben viele Dresdner die Vorgeschichte des Angriffs nicht vergessen. Schließlich hatte Hitler-Deutschland bereits britische Städte wie London, Birmingham und Coventry aus der Luft angegriffen. Obwohl beide Seiten militärische Ziele anführten, gab es im gnadenlosen Bombenkrieg keine Schonung für Zivilisten und kulturhistorisch einmalige Bauten.
In Dresden hat der Schmerz über den Verlust wie in kaum einer anderen deutschen Stadt als «Erinnerungskultur» überlebt, auch wenn viele der damals zerstörten Bauwerke wiedererstand. «Die Stadt war damals auf den Angriff nicht vorbereitet. Im Unterschied zu Köln, Hamburg und Berlin fehlte Dresden die tägliche Erfahrung von Bombenangriffen», sagt der Historiker Reiner Pommerin. Die tödliche Effizienz der Bomber und der Blick auf die hohen Opferzahlen hat bei einem Teil der Betroffenen aber auch den Blick auf Ursachen getrübt.
«60 Jahre Gedenken an die Zerstörung Dresdens heißt auch sechs Jahrzehnte Missbrauch dieses Ereignisses für eigene politische Zwecke», sagt Matthias Neutzner von der Interessengemeinschaft 13. Februar 1945. In deren Regie laufen viele Gedenkveranstaltungen. Gerade zum 60. Jahrestag ist das Bemühen um Vereinnahmung deutlich. Rechtsextreme benutzen die Bombardements gern als Paradebeispiel für alliierte Kriegsverbrechen, rechnen Opferzahlen hoch und stellen die Schuldfrage losgelöst vom Kriegsgeschehen. Mit dem Einzug der NPD in den Landtag bekamen solche Theorien inzwischen eine offizielle Bühne.
Historiker wie Pommerin oder sein britischer Kollege Frederick Taylor werden nicht müde, die Luftangriffe in einen größeren Kontext zu stellen und damit ein Begreifen des scheinbar Unbegreiflichen zu ermöglichen. «Die Briten wollten das Vordringen der russischen Front erleichtern», sagt Pommerin. Dresden habe als Eisenbahnknotenpunkt für Truppentransporte gen Osten in Zielplanungen der Militärs eine Rolle gespielt. Die Ausweitung der Flächenbombardements betraf in Sachsen auch Chemnitz, Leipzig, Plauen und Zwickau.
Insgesamt waren 39 deutsche Großstädte ins Fadenkreuz der Bomber geraten, die den Widerstand der Zivilbevölkerung brechen und sie zum Aufstand gegen die Nazi-Diktatur bewegen sollte. Der Feuersturm kehrte an seinen eigentlichen Herd zurück. Allerdings nahm das Zerstörungswerk ebenso wenig Einfluss auf den Kriegsverlauf wie die blindwütigen «Vergeltungsschläge» deutscher Bomben auf Antwerpen oder London. Im Bombenkrieg wurde der Mensch zum Verlierer. Im Fall von Dresden kam eine kulturelle Dimension hinzu. «Die Zerstörung Dresdens war nicht nur ein Verlust für Deutschland, sondern für die ganze Menschheit», sagte der Brite Taylor.
erschienen am 13.02.2005 um 12:20 Uhr
© WELT am Sonntag
Kommentiert von: Gabi | 13/02/2005 at 12:36
Christian,
ich will dich nicht der NPD zuordnen, sondern nur darauf aufmerksam machen, daß die NPD diese Meinung aufgegriffen hat und nun vehement vertritt. Eine ähnliche Position hat ja auch Friedrich, der mit der NPD genauso wenig zu tun hat. Deshalb poste ich das noch einmal hier zur Klarstellung.
Emotionen und Missbrauch
Von Jörg Schurig, dpa
Dresden (dpa) - Die verheerende Bombardierung Dresdens kurz vor Kriegsende weckt auch nach 60 Jahren noch Emotionen - und wird zudem von Rechts- und Linksradikalen politisch missbraucht.
Historiker sind uneins, ob die alliierten Luftangriffe auf das barocke Elbflorenz am 13. und 14. Februar 1945, knapp drei Monate vor Kriegsende, angesichts der sich abzeichnenden Niederlage von Hitler-Deutschland militärisch noch nötig waren. Etwa 35 000 Menschen starben im Feuersturm. Rechtsextreme bezeichnen die Bombardements als «alliierte Kriegsverbrechen» und schüren damit Emotionen. Linksextreme feiern die Tat hingegen unter dem Motto "Keine Träne den Deutschen".
NPD-Abgeordnete sorgten im sächsischem Landtag kürzlich für einen politischen Eklat. Sie sprachen vom «Bomben-Holocaust» und dem «kaltblütig geplanten industriellen Massenmord» der Alliierten, Äußerungen, die Kommentatoren als Versuch werteten, NS-Verbrechen zu relativieren. Dabei hatten Rechtsextreme schon in den Vorjahren mit gleichen oder ähnlichen Sprüchen das Gedenken an die Opfer der Bombardements erfolgreich für sich ausgenutzt. Wann immer die Junge Landsmannschaft Ostpreussen zum Trauermarsch antrat, standen auch alte Dresdner Spalier und nickten beifällig.
Der Streit um die Bomben auf Dresden macht sich an Stichwörtern wie Zeitpunkt, Tieffliegerangriffen, Phosphorbomben und Opferzahlen fest. Außerdem dreht sich die Debatte um die Frage, ob Dresden wegen der Rüstungsindustrie damals als militärisches Ziel gelten konnte. «Wer das verneint, dem muss ich nur Zünder aus hiesiger Produktion zeigen», sagt Wolfgang Fleischer vom Militärhistorischen Museum der Bundeswehr. Nach Recherchen seines Kollegen Heinz Schulz arbeiteten damals noch 240 Firmen in der Region für die Rüstung.
Für den Einsatz von Tieffliegern und Phosphor gibt es in Archiven keine Belege. Allerdings liegen zahlreiche Augenzeugenberichte vor. Heinz-Helmut Regensburger, Überlebender des Angriffs und damals elf Jahre alt, kann sich gut vorstellen, dass im allgemeinen Bombenhagel und Feuersturm keine Unterscheidung zwischen Bombensplittern und Geschossen aus Bordwaffen mehr möglich war. Dennoch hält sich die Legende von den Tieffliegern über Dresden eisern. «Manche wollen sogar Gesichter der Piloten gesehen haben, was bei 800 Stundenkilometern gar nicht möglich ist», sagt der Historiker Reiner Pommerin von der TU Dresden.
Sein Kollege Arnulf Baring (Berlin) bezeichnet den Angriff als «militärisch unnötig», weil die Industriezentren nicht getroffen wurden und «das Dritte Reich Anfang 1945 ohnehin am Ende» gewesen sei. Pommerin hält dagegen. Die Alliierten hätten angesichts der Parole des NS-Regimes vom «Kampf bis zum letzten Mann» auch im Februar 1945 noch mit einem längeren und verlustreichen Kampf gerechnet. Andere stützen diese These mit den hohen Opferzahlen in den letzten Kriegstagen: Wäre Deutschland wirklich am Ende gewesen, ließe sich kaum erklären, warum allein beim Kampf um die Seelower Höhen im Oderbruch im April 1945 noch mehr als 100 000 Soldaten starben.
Im Gegensatz zum Historiker und Buchautor Jörg Friedrich («Der Brand»), der den Luftangriff vor allem als Attacke gegen die Zivilbevölkerung beschreibt, sehen Pommerin und sein britischer Kollege Frederick Taylor auch militärische Gründe. «Die Angriffe auf ostdeutsche Städte waren vor allem dazu gedacht, die Ostfront zu entlasten», sagt Taylor. Dresden habe als Eisenbahnknotenpunkt für Truppentransporte gen Osten durchaus in Zielplanungen der Militärs eine Rolle gespielt.
Unlängst hat sich Taylor in Dresden der Diskussion gestellt. Die Stimmung war emotionsgeladen. Taylor erklärte die Entwicklung bis zu den britischen Flächenbombardements und nannte den Angriff auf Dresden «unbarmherzig und kaltblütig». Eine «düster-romantische Sichtweise», die Dresdens Zerstörung als bloßen Racheakt begreife, wies er jedoch zurück. In einem sind sich freilich alle Historiker einig: Am 13. Februar 1945 kehrte der von Deutschland verschuldete Krieg - wie schon zuvor in andere deutsche Städte - nach Dresden in besonders grausamer Form zurück.
erschienen am 13.02.2005 um 12:20 Uhr
Kommentiert von: Gabi | 13/02/2005 at 12:45
Wenn die NPD behauptet, dass die Erde rund ist, muss ich dann NPD-Anhänger sein, wenn ich der gleichen Meinung bin?
Ich vertrete nicht die Meinungen der NPD, ich halte auch nichts von diesem Geschwafel über 200 000 oder noch mehr Tote. Genauso wenig halte ich von irgendeiner Aufrechnerei.
Wie schon gesagt, ich sehe Bombenangriff auf militärisch oder wirtschaftlich wichtige Ziele als gerechtfertigt an. Das dabei nicht alle Opfer vermieden werden können, ist verständlich und diese werfe ich auch niemandem vor. Einen Angriff auf eine Stadt, in der sich aber jede Menge Flüchtlinge aufhalten und die überhaupt nicht kriegswichtig ist, empfinde ich als Verbrechen.
Kommentiert von: Christian | 13/02/2005 at 12:52