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16/02/2005

Die Dekadenz des Scott Ritter

(Von Greg B. Grabinski)

Wenn jemand noch irgend einen Beweis brauchte, dass die führenden Köpfe der UNO schlicht und ergreifend unzurechnungfähig, realitätsfremd, mental schwer angeschlagen und im besten Falle einfach nur Aufmerksamkeit will, kriegt ihn jetzt vom ehemaligen »Waffeninspektor« Scott Ritter, welcher sich von Saddam aufs Üblste verarschen lassen hat. Wenn jemand, der halbwegs bei seinen Sinnen ist, nach den verschwundenen Milliarden des Irakes durch das Oil-for-Food-Programm, nach den vergewaltigten Mädchen im Kongo im Rahmen der »humanitären« Aktion der UNO dort, noch etwas brauchte, um sich zu überzeugen, dass ein grosser Teil der UNO in einer Irrenanstalt besser aufgehoben wäre, als an einem Ort, von welchem sie von Zeit zu Zeit einen Hauch von Macht haben, der sollte sich den »Essay« von Scott Ritter bei - Achtung, hier kommt's - Al-Jazeera durchlesen. Aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt: Er bewegt sich ungefähr auf indymedia-Niveau.

Scott Ritter hat ein einzigartiges CV: Nachrichtenoffizier bei den Marines, dann Waffeninspektor der UNO im Irak. 1998 verzweifelte er, weil Clinton angeblich zu wenig Druck auf Saddam ausübte. Als er abtrat, behauptete er, dass Saddam bloss das spaltbare Material zur Atombombe fehlen würde. Die nächsten Jahre kamen ihm nicht gut: Zweimal versuchte er angeblich minderjährige Mädchen anzulocken und

wurde dafür verhaftet. Von CNN darauf angesprochen wich er der Frage, warum er denn verhaftet wurde, während dem ganzen Interview aus. Dies hinderte ihn aber nicht daran, zu einer führenden Figuren der »Loony Left« zu werden. Er nannte den Krieg im Irak, noch bevor dieser anfing, einen »hostorischen Fehler« und rief nach einem »Regime Change« in den USA, womit er George W. Bush auf eine Stufe mit Saddam stellte. Etwas was man für gewöhnlich von den 15-jährigen Gucci-Neo-Hippies auf deutschen Friedensdemos zu hören bekommt, aber nicht auf Fox News. Selbstverständlich war er Ende 2002 im Irak, wie andere Helden der Sorte Sean Pean oder irgendwelche drittklassigen Schlagerstars, um »für den Frieden zu kämpfen«.

Mittlerweile will den Mann, der aussieht wie ein rasierter Michael Moore minus 50 Kilo, wohl keiner hören - ausser Al-Jazeera. Denn dort darf er »Kommentare« veröffentlichen, die selbst dem Spiegel zu peinlich wären. Irgendwie frage ich mich, ob ihm nicht etwas auffällt... Wahrscheinlich so viel wie Michael Moore, als Fahrenheit 9/11 in Teheran ausgestrahlt wurde.

Laut Ritter befinden sich die Amerikaner in der »Defensive«. Eine interessante Beobachtung, wenn man weiss, dass der »Widerstand« mittlerweile dazu übergegangen ist, GI Joes zu kidnappen und für Selbstmordanschläge Behinderte zu verwenden.

Fallujah wurde angeblich von den amerikanischen Streitkräften »zerstört« und die »Kämpfer« seien »stärker denn je«. Hier muss man doch ein wenig Nachsicht walten lassen, denn in Fallujah wurden ja seine besten Freunde, die »Widerstandskämpfer« ausgelöscht, während seine Feinde, das irakische Volk, den Amerikanern für die Befreieung von den Neu-Talibans dankten. Von den Kämpfern ist auch nicht viel zu sehen, dafür helfen die Marines bei der Eröffnung von Schulen in der ehemaligen Terroristenhochburg.

Von dem Mythos der »Todesschwadrons« welche angeblich die Terroristen infilitrieren und töten sollen lässt er natürlich auch nicht ab. Jegliche Fakten oder Beweise dafür fehlen, ledeglich eine Aussage eines »hochrangigen Offiziers« in Washington, aber die liegen in neun von zehn Fällen sowieso falsch. Zudem kaut er die von Noam Chomsky geborene Legende von den »Death Squads« in Salvador wieder, nur wird diese dadurch auch nicht wahrer: Die Amerikaner nämlich damals klar gemacht, dass diese »Truppen« entweder sofort ihre Aktivitäten einstellen, oder die USA ziehen ihre Unterstützung für das Land zurück. Schliesslich gewann die Demokratie. Es ist anzunehmen, dass Ritter genau davor Angst hat. Nicht Bushs Krieg wird als Fehler in die Geschichte eingehen, seine Aussagen werden dies tun (obwohl es mehr als zweifelhaft ist, dass je ein Geschichtsbuch an ihn erinnern wird, es sei denn, es wird erwähnt, dass die UNO im Irak versagt hat).

Lustigerweise - oder vielleicht bezeichnenderweise - ist dies sein einziges Argument um die These aufzustellen, dass das Pentagon verzweifelt sei. Nun, der Artikel erschien fünf Tage vor den Wahlen. Es bestand also noch Hoffnung, dass die Wahlen ein totales Chaos würden, zumindest für Ritter. Naja, nun ist er verzweifelt und das Pentagon tünkt Finger in blaue Tinte...

Dann erklärt er zwar, dass man zwar die »Taktiken« des irakischen »Widerstandes« nicht verteidigen kann, doch wurden sie »immer« von »Freiheitskämpfern« verwendet. Schön zu wissen, wie der Scottie tickt. Die Leute, die unschludige Frauen, Kinder und Männer in die Luft jagen, die die Iraker ihrer Freiheit berauben wollen, die keine Unterstützung des Volkes geniessen, sind also »Freiheitskämpfer«... Im nächsten Paragraphen vergleicht er sie dann mit den französischen Freiheitskämpfern und die Amerikaner werden mit Deutschen verglichen, die französische Dörfer abbrannten. Dies alles bringt Scott zum Schluss, dass Geschichte den irakischen Widerstand legitimieren wird. Wenn man das Beispiel des Mörders Che Guevara nimmt, kann dies sogar noch durchgehen: Auch er terrorisierte im Namen einen totalitären Systemes und heute findet er sich auf T-Shirts von Pubertiernden überall auf der Welt. Man kann nur hoffen, dass niemand auf die Idee kommt, Sarkawi-Shirts zu produzieren (welche von Saddam gibt es ja schon).

Den Krieg erklärt er schon für verloren. Das ist so absurd, dass mir einfach nichts dazu einfallen will. Um meine Kieferlade endgültig auf dem Tisch aufschlagen zu lassen, schafft er es tatsächlich zu behaupten, dass die Amerikaner Saddams Foltermethoden übernahmen. Nun, vielleicht bin es nur ich, aber wenn Saddam seinen Gefangenen tatsächlich nur schwarze Säcke auf den Kopf gestülpt hätte und sie an der Leine gehalten hätte, dann würden viele, viele Iraker noch leben und noch mehr hätten noch alle Glieder...

Zum Schluss insistiert er noch einmal darauf, dass der »Widerstand« in der Bevölkerung willkommen geheissen wird. Die Wahlen straften ihn Lügen und sogar im sunnitischen Dreieck verteidigten die Bürger sich selbst gegen den Terror. Wie kann man bloss auf die Idee kommen, dass der Terrorismus, der auf die Bevölkerung abzielt, von ebenjener unterstützt wird? Muss man dafür Paychecks von der UNO erhalten haben?

Ein Glück, dass nur noch Al-Jazeera ihn schrieben lässt.

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Folgende Weblogs beziehen sich auf Die Dekadenz des Scott Ritter:

Kommentare

Oh ja, Scott Ritter dieser "Looney Left", hat er doch tasächlich die Frechheit besessen zu behaupten der Irak besäße überhaupt keine Massenvernichtungswaffen!
Moment mal...zumindest in diesem Punkt war er der US Regierung einen Schritt voraus.

... Ja, und hätte der Irak immer noch Massenvernichtungswaffen besessen, hätte Scott Ritter ebenso behauptet, der Irak besäße überhaupt keine Massenvernichtungswaffen!

Einfach weil die einen immer im Sinne der Diktatur argumentieren und die anderen gegen sie. Die, die im Sinne der Diktatur Standpunkte vertreten, die den Machterhalt der Diktatur direkt zur Folge haben, können diesen Nachteil nur wunderbar moralisch kaschieren. Indem positiv besetzte Ziele wie Frieden und Einhaltung des Völkerrechts herhalten müssen. (Wobei ja das Völkerrecht eigentlich ein Staatenrecht über bilaterale Abkommen ist. Diktaturen vertreten wie gesagt nicht ihr Volk in Gesamtheit.)

Scott Ritter hat 1998 behauptet, der Irak sei weit fortgeschritten bei seinen Bemuehungen um die Atombombe und er sei zurueckgetreten, weil der Irak nicht ausreichend entwaffnet worden sei und sein Atom- und biologisches Programm wieder aufnehmen koennte.

"In testimony before the Senate Armed Services and Foreign Relations Committees on Sept. 3, 1998 – just eight days after resigning as chief weapons inspector – Ritter affirmed that UNSCOM had intelligence suggesting Iraq had assembled the components for three nuclear weapons. All Baghdad lacked, Ritter confirmed, was the fissile material.

Ritter said in that 1998 testimony that if Iraq were to reconstruct its old program for producing fissile material, it could have a bomb in several years.

He said he resigned because he felt "Iraq remained insufficiently disarmed and ready to restart its nuclear and biological weapons programs." "

http://www.worldnetdaily.com/news/article.asp?ARTICLE_ID=30648

Ist jetzt die Bildzeitung hier ausgebrochen? Was hat das denn jetzt mit der UNO und die Verbrechen im Kongo zutun. Sie die Weltverschwörungsprediger wieder unterwegs?

Was nicht heissen soll das das, was dieser Typ da redet, natürlich Schwachsinn ist.

Mir geht es da ganz anders. Das Niveau mancher Kommentare hier ist entsetzlich. Da wünschte ich mir, die hätten zumindest Bildzeitungsniveau. Muß es nicht "mit die UNO" heissen? :-)

"Muß es nicht "mit die UNO" heissen? :-)"

Nein. Die UNO kann als feminines Sustantiv Singular (die Organisation) aufgefasst werden, dann ist der Dativ "mit der Uno" korrekt. Die UNO koennte auch als feminines Substantiv Plural (die Vereinten Nationen) aufgefasst werden, dann muesste der Dativ lauten "mit den UNO". Die erste Option ist korrekter.

"mit die UNO" ist keine Option, da auf "mit" der Dativ folgt.

ruth,
das sollte Ironie sein, weil der ganze Satz falsch ist. Es muß heißen:

Was hat es denn mit der UNO und DEN Verbrechen ... zu tun. Wurde wohl nicht deutlich.

Auch über Scott Ritter:


Welt ohne Israel

Von Josef Joffe

In den arabischen Ländern ist sie weitverbreitet, im Westen wird sie salonfähig: die Vorstellung, der Judenstaat würde nicht existieren. Wäre die Welt tatsächlich friedlicher, wie die Tabubrecher behaupten? Denken wir das Undenkbare durch.
...

Mit anderen Worten: Der Konflikt führe zu pathologischem Verhalten und nicht umgekehrt – ganz im Sinne des Schlägers, der der Polizei erklärt: «Alles hat damit angefangen, dass der zurückgeschlagen hat.»


Das Grundursachen-Argument ist in dreierlei Hinsicht problematisch: Es verwischt – um nicht zu sagen: Es vertauscht – Ursache und Wirkung. Es lässt Myriaden von Konflikten, die mit Israel nichts zu tun haben, ausser Acht. Und es spricht die Araber von jeglicher Schuld frei, indem es diese – na wem wohl? – zuschiebt. Glaubt man dem ehemaligen Uno-Waffeninspektor Scott Ritter, dann sind das arabisch-islamische Streben nach Massenvernichtungswaffen und infolgedessen der Irak-Krieg ebenfalls «made in Israel». «Solange Israel Kernwaffen besitzt», meint Ritter, «bewegt es sich auf einem Pfad, der seinem Wesen nach auf eine Konfrontation zuläuft. [...] Die arabischen Länder, die muslimische Welt wird nicht einfach stillsitzen und zuschauen, sondern sich eigene Abschreckungsmittel zu beschaffen suchen. Das haben wir im Irak gesehen, wo die Iraker nicht nur Kernwaffen, sondern auch biologische Waffen entwickelten [...], um die atomare Übermacht der Israelis auszugleichen.»

Diese Theorie hätte einiges für sich, kol-lidierte sie nicht mit ein paar unangenehmen Fakten. Die Iraker verwendeten ihre Massenvernichtungswaffen nicht gegen den israelischen Usurpator, sondern im Iran-Irak-Krieg gegen muslimische Mitbrüder und bei den Giftgasangriffen 1988 in Halabja gegen Kurden und damit gegen Iraker – von denen niemand irgendwelche Kernwaffen in Anschlag gebracht hätte. Was das irakische Kernwaffenprogramm betrifft, so haben wir heute den Duelfer-Bericht, der auf der eingehenden Befragung treuer Anhänger des irakischen Regimes beruht und zum Schluss kommt: «Der Iran war Hauptauslöser dieser Politik. Alle hochrangigen irakischen Offiziere hielten den Iran für den grössten Feind des Iraks in der Region. Der Wunsch, Israel etwas entgegenzuhalten und in der arabischen Welt an Status und Einfluss zu gewinnen, spielte ebenfalls mit hinein, war aber sekundär.»

http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=10214&CategoryID=73

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