11/09/2005

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Freiheit & Frieden

(Von Greg B. Grabinski)

An den 11. September 2001 erinnere ich mich wie an gestern. Kurz nachdem auch das zweite Flugzeug ins den zweiten WTC-Turm donnerte, sass ich in einer Französisch-Stunde, in welcher ich auf Grund meiner damals sehr erbärmlichen Französischkentnisse keinem so richtig vermitteln konnte, was passiert war. Bis ich wirklich realisierte, was geschehen war - nämlich eine Attacke auf die Vereinigten Staaten von Amerika und somit den gesamten Westen - dauerte es aber noch ein paar Stunden. Oder Wochen. Die Idee, dass jemand Flugzeuge in Gebäude fliegen könnte, nur um diese zu zerstören war einfach surreal. Die Verwirrung dominierte alles, keiner wusste so richtig was geschehen war, noch was passieren würde. Eine solche betrübte Weltuntergangsstimmung würde ich gerne nie wieder erleben.

Der Tag danach war auf eine Art noch absurder: Jeder hatte seine Version der Geschichte, jeder hatte seine Erklärung für jedes der Flugzeuge, jeder wusste, wo das Vierte hätte reinkrachen sollen, jeder wusste, wie George W. Bush reagieren würde, jeder wusste, wie man reagieren sollte. (Der Genfer Konsensus war: Nichtstun, da Spirale der Gewalt.) Im krassen Gegensatz stand der Unterricht dazu. So rührte kein Lehrer die Ereignisse vom Vortag an und spulte das übliche Programm ab als wäre nicht gerade Geschichte geschrieben worden. Unter Freunden regierte ein komische Leere: Nachdem man alles über die Ereignisse vom Dienstag ausgetauscht hatte, versuchte man über Normales, Alltägliches zu reden, aber Sinn machte dies nicht.

Diese Atmosphäre hielt aber nicht lange an. Zum Glück, denn sehr tragbar war sie nicht, aber dies machte auch den Weg frei für die intellektuellen Primaten. So regte man sich darüber auf, dass drei Schweigeminuten - welche selbst von den öffentlichen Verkehrsmitteln eingehalten wurden - für die Opfer einberufen worden waren und nicht für die Opfer von Hiroshima. Einige hielten die Anschläge sogar für gerechtfertigt, ausser dass ihnen doch lieber gewesen wäre, wenn keine Zivilisten getroffen worden wären - jene in den Flugzeugen waren aber Kollateralschäden, über welche sie sonst so genüsslich lamentieren. Am Freitag meinte ein Philosophie-Lehrer - nachdem Bush erklärt hatte, er werde nicht still sitzen - mit einem süffisantem Grinsen, »pas tout ce qui est bien, est Américain« (nicht alles was gut ist, ist amerikanisch). Ein Physik-Lehrer tischte Verschwörunsgtheorien auf, bei welchen selbst Bröckers blass geworden wäre. Einig waren sie sich bloss in einem einig: Was auch immer die amerikanische Regierung tun würde, es würde alles nur noch schlimmer machen.

Zu dieser Erkenntnis kam der Spiegel Online schon am selben Abend. Im Artikel »Der Gigant ist verletzbar« - man muss nicht sonderlich böse sein, um schon im Titel eine gewisse Genugtung herauszuhören - erklärte Harald Schumann, dass was auch immer Bush unternehmen würde, friedlicher würde die Welt nicht werden. Dies dürfte wohl die Mär begraben, dass Amerika durch die Art und Weise der Antwort auf den Angriff all den Hass auf sich zog: Man gab ihr keine Chance. Hätten die Amerikaner keine Reaktion gezeigt und gesagt »Ja, wir haben’s verdient«, vielleicht dann wäre man in Europa glücklich gewesen.

Die gefeierte Le Monde-Kollumne von Colombani, welche erklärte, dass wir alle Amerikaner seien und als der Beweis des europäischen Pro-Amerikanismus gelten soll, war in der Realität nicht so wahnsinnig positiv gestimmt: Schon dort wurde den Amerikaner vorgehalten, selbst Schuld zu sein. Amerika hätte seine Reize verloren, niemand würde mehr von den USA träumen und sowieso, die Amis haben bin Laden eigenhändig gezüchtet, stand dort. Zumindest das letzte Argument ist schlicht und ergreifend falsch, dies ist eine Urban Legend: Zwei Gruppierungen kämpften nämlich in Afghanistan gegen die Soviets und die Amerikaner unterstützten finanziell - wie Saudi Arabien, Pakistan, China, Ägypten, und Grossbritanien - die afghanischen Kämpfer, während die »Afghanischen Araber«, welchen bin Laden angehörte, ihre eigenen Finanzierungswege hatten. Mal davon abgesehen, dass sich Experten einig sind, dass bin Laden schon damals die Amerikaner nicht ausstehen konnte. Colombani, im September noch Amerikaner, stellte die USA ein paar Monate später in einem Brief an seine amerikanischen Freunde, auf eine Stufe mit Saudi Arabien, da in einigen US-Schulen, auch Kreationismus unterrichtet wird. Le Mondes Schwesterzeitung, Le Monde diplomatique, hatte dann aber für das »Nous sommes tous Américains« nur noch Spott übrig: »Alles Amerikaner, alle leben wir in New York und sprechen Englisch!«

Spätestens als sich herauskristallisierte, dass George W. Bush Afghanistan angreifen würde, gab es selbst für die breite Masse kein Halten mehr. Zehntausende gingen in allen europäischen Städten auf die Strassen und vermuteten die üblichen, finsteren Motive hinter der Operation »Enduring Freedom«. Die sogenannte Elite bewegte sich schon damals jenseits von Gut und Böse: Karlheinz Stockhausen war beeindruckt von der Präzision der Anschläge und war voller Bewunderung für das »Kunstwerk«, welches die Terroristen kreiert haben. Jean Baudrilliard, seines Zeichen französischer Philosoph und deshalb wohl wichtig als auch repräsentativ, sprach für uns alle, als er sagte, wir hätten von einem solchen Ereignis geträumt, weil niemand anders kann, als von der Zerstörung einer Hegemonialmacht zu träumen. Günther Grass erspähte in Bush’ Rethorik die Kristallsnacht.

Man muss glücklich sein, dass nicht die Public Opinion oder die »Elite« handelte, sondern das Bush-Team. Trotz aller Fehler und Missgeschicke hätte wohl kaum ein Anderer die Führung der »Free World« so gemeistert. Auf jeden Fall keiner von denen, die meinten zu wissen wie es geht. George W. Bush wurde fast über Nacht von einem schwächelndem, isolationistischem Präsidenten aus Texas zu einem Verfechter der globalen Freiheit und Demokratie.

Die Washingtoner NeoCons waren insgesamt gesehen, die Einzigen, mit einem Plan für den Sieg über den Terror. Der zentrale Punkt war und ist ein Glaube, dass alle Menschen nach Freiheit und Demokratie streben sowie dass diese Konzepte dafür sorgen, dass Leute nicht in Extremismus fallen. Einige Bush-Verfechter - in den USA wie auch hier - verfielen leider in eine gewisse Islamophobie, welche diese Kernidee der amerikanischen Aussenpolitik ad absurdum führt. Jedoch scheinen die NeoCons Recht behalten zu haben: Umfragen aus dem islamischem Raum zeigen einen Rückgang von Unterstützung für Islamisten und einen relativ neuen Glauben an Demokratie. Einer der Hauptfaktoren dabei dürfte Al-Jazeera gewesen sein, denn unterdrückte Muslime in anderen Ländern sahen Iraker und Afghanen auf dem von uns so verhasstem Sender wählen gehen und fragten sich, warum nicht bei uns, warum können wir nicht entscheiden, wer über uns das Sagen hat?

In der ganzen islamischen Welt sind feine Fortschritte erkennbar: Ägypten und Saudi Arabien strecken ihre Fühler zaghaft in Richtung Demokratie. In Palästina gab es auch Wahlen, welche zwar ihren Namen nicht so ganz verdient hatten, aber immerhin. In Kuweit erhielten Frauen plötzlich politische Rechte und durften wählen und gewählt werden. Der Libanon befreite sich von Syrien. Irak und Afghanistan sind die ersten, wenn auch fragilen, islamischen Demokratien.

Der Demokratisierungsprozess dürfte noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, aber genau deshalb dürfen wir nicht jetzt aufhören. Die Bush-Adminstration muss in Ägypten die sehr langsam anrollende demokratische Revolution unterstützen und überwachen, dass sie weiterrollt. Sie muss zusehen, dass die ersten lokalen Wahlen in Saudi Arabien bald national werden, Frauen daran teilnehmen werden und dass sie eine Bedeutung haben werden. In Palästina muss man zusehen, dass man nicht unendlich Geld in Propaganda pumpt, welche die Palästinenser die Juden hassen lässt. Die Amerikaner dürfen - militärische Notwendigkeit hin oder her - nicht mit Regimes wie jenen in Pakistan kuschen; Es ist eines der wenigen Ländern, in welchem der Extremismus zugenommen hat. Syrien ist einer der grössten Terror-Exporteure, aber auch fragil. Vor wenigen Jahren hatte man dort die Wahl zwischen der Baath-Partei und der muslimischen Brüderschaft gehabt, aber mittlerweile scheinen sich die Moderaten im In- und Ausland zu formieren. Sie sind zu unterstützen. Eine klare Linie in der Iran-Frage ist immer noch nicht erkennbar, obwohl es die grösste Macht der Region ist. Es ist von allerhöchster Wichtigkeit, Dissidenten zu unterstützen, so wie dies in den 80er-Jahren mit jenen im kommunistischem Osten geschah, denn auch wenn militärische Eingriffe manchmal notwendig sind, wäre es wünschenswert, die Demokratiesierung der islamischen Welt möglichst ohne solche zu vollenden. Dissidenten und Widerstandsbewegungen sind der Schlüssel dazu.

Osama bin Laden sagte einmal, dass der grösste Unterschied zwischen seinen Anhängern und den USA ist, dass diese das Leben lieben, sie den Tod. Ich würde vorschlagen, wir stellen uns auf Amerikas Seite und helfen Osamas Anhänger auf der Suche nach ihrer Liebe. Wir haben die historische Verpflichtung der islamischen Welt zu helfen, sich von ihren Unterdrückern zu befreien. Dies wird nicht nur hunderten Millionen von Menschen ein besseres Leben ermöglichen, sondern auch uns. Freiheit ist auf längere Sicht der einzige realistische Weg Terrorismus und Extremismus zu bekämpfen. Sie ist auch das Rezept für Frieden.

09/09/2005

New Orleans: Jetzt wird mit Waffengewalt geräumt

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Mit aller Härte greifen US-Soldaten in New Orleans durch: Mit gezogenen Waffen durchsuchen sie die Häuser. Einwohner, die sich weigern, die untergegangene Stadt zu verlassen, werden in Handschellen abgeführt.

Schon erschreckend, wie rabiat dieser ansonsten doch immer viel zu wenig zentralisierte Nachtwächterstaat da plötzlich vorgeht. Da lob ich mir die mit Wattebäuschchen prall gefüllte so starke wie ruhige Hand, die laut Gerhard Schröder bei uns Katastrophen wie den Hurrikan Katrina sicher viel besser im Griff hätte.

Ok, mit Schußwaffen würde bei uns in einer vergleichbaren Situation natürlich niemand von Haus und Hof gezerrt. Aber das wäre auch nicht nötig, denn Deutsche sind eh viel klüger als diese hohlköpfigen Amerikaner. Die gehen selbstverständlich überall hin, wenn der, der sie dazu auffordert, eine Uniform trägt (zur Not auch mal morgens um viertel vor sechs ins Ausland).

Aber selbst wenn nicht, falls dann ein paar hundert Leute elend ersaufen würden, hätte die Bundesregierung trotzdem immer noch eine viel bessere Presse als die Kollegen aus den USA. Und ganz zur Not kann man ja immer noch den Umweltminister fragen, ob er nicht eine Theorie erfinden könnte, nach der auch daran George W. Bush schuld war.

Spätestens dann sind die Schafe wieder im trockenen.

06/09/2005

Studien-Ergebnis: Iranische Atombombe erst in Jahren

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Iran braucht einer Studie zufolge noch mindestens fünf Jahre für den Bau von Atomwaffen. Das Land hat laut dem Londoner Institut für Strategische Studien noch mit einer Reihe von technischen Hindernissen zu kämpfen, um genug waffenfähiges Material herzustellen.

Soso, eine Studie. Na, da bin ich ja beruhigt. Dann können wir jetzt offenbar Entwarnung geben. Alles wird gut. Schade, daß Joschka das wahrscheinlich nicht mehr selber auskosten darf, sofern er es nicht doch noch schafft, bis zum ersten iranischen Atomtest UNO-Generalsekretär zu werden. Immerhin, so lautet die zweite gute Nachricht des Tages, will Chirac 2007 erneut antreten. Und der wäre da genau der richtige Mann zur rechten Zeit. Denn wer schon vor Saddam so gut kuschen konnte, wird auch mit den Mullahs keine Probleme kriegen, wenn es darum geht, die eigene Kapitulation auszuhandeln.

Am besten bis zum St. Nimmerleinstag (oder Doomsday, je nachdem, was zuerst eintritt), mit säckeweise Zuckerbrot und ohne alles, was auch nur im entferntesten an eine Peitsche erinnern könnte. Die iranischen Mädchen, die heute mit 10 Jahren zur gesetzlich legalen Vergewaltigung freigegeben werden, sind bis dahin eh schon volljährig und dann sicher über das gröbste weg. Und auch die iranischen Oppositionellen werden dann akzeptiert haben, daß der europäische "moral high ground" nun einmal ein Fundament aus menschlichen Knochen braucht, auf dem er errichtet werden kann.

Nur das mit dem IISS, das enttäuscht mich schon ein wenig. Bisher war das eigentlich eine recht zuverlässige Quelle. Aber jetzt würde mich doch mal interessieren, ob sie nicht vor Jahren bereits so eine tolle Studie veröffentlicht haben, die nachweist, daß der Iran auf mindestens 15 Jahre hinaus nicht in der Lage sein würde, nuklearwaffenfähige Trägersysteme mit 3000km Reichweite herzustellen. Womit sie zweifellos recht behalten hätten. Deswegen hat der Iran die Dinger ja auch einfach im Ausland gekauft. Und dafür, daß die Kerle mogeln, kann schließlich das IISS nichts.

Vor allem aber erschreckt, daß selbst bei den professionelleren Institutionen Europas wie dem IISS inzwischen offenbar vergessen wird, daß es beim Thema "Atombomben in der Hand von israelhassenden paradiesgeilen Terroristenfreunden" nicht darum geht, ob das jetzt eher wahrscheinlich oder eher unwahrscheinlich ist, sondern ausschließlich darum, ob sie es mit absoluter Sicherheit ausschließen können. Also im Sinne von "Ich kaufe Immobilien in der Golfregion und schicke meine Kinder nach Tel Aviv"-sicher. Wer da seine Aktien hat, kommt jedenfalls etwas glaubwürdiger rüber.

Weswegen ich nicht mehr länger dem IISS vertraue. Sondern der IAF.

02/09/2005

Supermacht mit Problemen beim Krisenmanagement

( von Ch. Arm )

Jeder von uns wird wohl die erschütternden Bilder aus New Orleans und den umliegenden Gebieten in den Nachrichten verfolgt haben. Die unglaublichen Zerstörungen  sind einfach unfassbar. Nahezu eine gesamte Stadt wurde für 3 Monate, möglicherweise sogar weitaus länger unbewohnbar bleiben. Absolut widerlich die Berichterstattung zu diesem Thema. Anscheinend ist kein Ereignis ungeeignet um anti-amerikanische Hetze zu betreiben. Erstes Ziel ist selbstredend George W. Bush. Er würde sich nicht vor Ort zeigen und seine Landsleute im Stich lassen wird verkündet. Jetzt muss man sich vorstellen, der Präsident würde das betroffene Gebiet nicht überfliegen um zu einem umfassenden Eindruck zu gelangen, sondern sich direkt vor Ort innerhalb des Katastrophengebietes zeigen. Es wäre höchst fehlerhaft, würden doch so Sicherheitskräfte von der viel wichtigeren Arbeit, dem Retten von Menschenleben und dem Widerherstellen der öffentlichen Ordnung, abgezogen werden müssen.
Der zweite Vorwurf betrifft natürlich das Kyoto-Protokoll. Als ob ein Ratifizieren dieses unsinnigen Programms in irgendeiner Weise solche Katastrophen verhindern könnte. Sicherlich nicht, aber um diesen Vorwurf anzubringen ist eben nichts zu schade. Um dem ganzen noch das i-Tüpfelchen zu verpassen wird mit der Aussage Supermacht mit Problemen beim Krisenmanagement geschlossen. Angesichts einer solchen Katastrophe darf doch ein wenig Spott in den Nachrichten nicht fehlen. Man erinnere sich, Nachrichten hatten vor langer Zeit einmal die Funktion, Informationen zu liefern und sich der Objektivität zu verschreiben. Nun nicht mehr, heutzutage wird auch eine nationale Katastrophe wie in New Orleans zur Stimmungsmache benützt. Abschließend wollen wir hier auf die von den Fabrikbloggern aufgelisteten Spendenkonten hinweisen.
Eine sehr gute Idee, die absolut zu unterstützen ist!

01/09/2005

Bashing statt Spenden

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Hurrikan Katrina forderte Hunderte Menschenleben, richtete Milliardenschäden an. Doch statt Anteilnahme und Spendenaufrufen hören die Amerikaner aus Deutschland vor allem Häme und Belehrungen. Das transatlantische Verhältnis steuert auf seinen beschämenden Tiefpunkt zu - schuld daran ist die amtierende Regierung.

Ach ja, der geliebte, verhaßte SPIEGEL... Immer wenn man ihn gerade mal wieder dicke hat, kommt er plötzlich daher und versöhnt einen mit ein paar überraschenden Leckereien, damit einem die Zeit bis zur nächsten Enttäuschung nicht so lang wird. Und diesmal hat er wirklich tief in die Trickkiste gegriffen.

Nicht nur finden wir heute einen sehr treffenden Artikel (beim Autor Claus Christian Malzahn natürlich auch kaum anders zu erwarten) zum Thema "Dr. Trittin oder Wie ich lernte den Wirbelsturm zu lieben", der SPIEGEL legt auch gleich noch eine Sammlung von eMails bei, die einen ganz hervorragenden Eindruck von der Freude geben, die unser verehrter Umweltminister den Menschen machen konnte, die ihr Hab und Gut und teilweise sogar ihre Angehörigen verloren haben, und die erst durch seine weisen Worte den Sinn in dieser gerechten Strafe für das Leid zu erkennen vermögen, welches Amerika im allgemeinen und George W. Bush im besonderen über die Menschheit gebracht haben.

Daß die Logik, mit der der "Herr der Windmühlen" Katrina zur Exekutorin des grünen Weltgeists hochstilisiert, sich in ihrer Wissenschaftlichkeit kaum von der alten, so wahren wie sinnlosen 80er-Jahre-Weisheit "Seit die Frauen sich emanzipieren, sterben die Bäume" unterscheidet, kann jemand mit seiner einzigartigen Kombination aus moralischer Indifferenz, arroganter Selbstgerechtigkeit und ideologiegetränkter Beratungsresistenz vermutlich kaum erfassen. Sonst hätte er sich sicher schon früher Gedanken über den kausalen Zusammenhang zwischen den Verwüstungen, die der Wirbelsturm Joan 1988 in Nicaragua anrichtete, und der dortigen Schreckensherrschaft der Sandinisten gemacht.

Doch wäre es müßig, jetzt angesichts dieser neuerlichen Entgleisungen gleich Trittins Rücktritt zu fordern, denn bis ein Minister alle hierzu benötigten Stufen vom ersten "Hab doch gar nichts gemacht!" bis zum finalen "Es tut mir ja so leid!" durchschritten hat, gehen schnell ein paar Wochen ins Land (allein das Entfernen des Klebstoffs zwischen Sitzbezug und Designerhose dauert bekanntlich mehrere Tage), und am 18. ist für unseren Jürgen ohnehin der 1. Wenn er dann aber eines fernen Tages mal an einem langen Winterabend vor dem Kamin zurückblickt und sich fragt, was von seiner Amtszeit geblieben ist, wird er von sich sagen können: "Ich war eine Dose."

30/08/2005

SPD-Linke: Müller vergleicht Kirchhof mit Neocons

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Unions-Finanzfachmann Kirchhof gerät verstärkt ins Visier der SPD-Linken. Für Fraktionsvize Michael Müller ist Kirchhofs Konzept "erzreaktionär" - der Ex-Verfassungsrichter sei vergleichbar mit den US-Neokonservativen Cheney und Wolfowitz.

Berlin - Der Sprecher der Parlamentarischen Linken, Michael Müller, will Kirchhof auf dem SPD-Bundesparteitag am Mittwoch in Berlin scharf angreifen. "Unser Hauptgegner ist die CDU und die Ideologie von Herrn Kirchhof. Sie wollen eine andere Republik. Denn Kirchhof ist der deutsche Vertreter der amerikanischen Neokonservativen um Dick Cheney und Paul Wolfowitz, die auch für den Irak-Krieg verantwortlich sind", sagte SPD-Fraktionsvize Müller der "Welt".

Tja, Loony Mike, so sehr ich Dein Verlangen nachvollziehen kann, daß auch in Deutschland endlich mal richtige NeoCons was zu sagen haben, aber nur, weil Du gerade einen Popanz brauchst, auf den Du wahlkampfwirksam einschlagen kannst, damit Du Deinen Ar...beitsplatz retten kannst (Parlamentarier sind vermutlich schwer vermittelbar, und die Tatsache, daß Ihr es im heldenhaften Kampf gegen die Flat Tax auf inzwischen 5 Millionen Arbeitslose gebracht haben, ist da wenig hilfreich), wird mein Wunsch leider kaum in Erfüllung gehen.

Klar, ist natürlich verlockend, den Wählern, die man ganz offenkundig für noch dümmer hält als man selber ist, Begriffe um die Ohren zu hauen, deren Bedeutung man zwar selber nicht mal ansatzweise kennt, die aber gerade deswegen so einen schönen Gruselfaktor haben. Aber bei aller Bewunderung für den Mut von Paul Kirchhof, eine wirtschaftliche Revolution in einem Land anzetteln zu wollen, wo selbst die Linke strukturkonservativ ist, als Befürworter des globalen Befreiungskriegs ist er bisher jedenfalls nicht aufgefallen. Und auch Paul Wolfowitz, der anders als Euer werter Bundeskanzler den Friedensnobelpreis sogar wirklich verdient hätte, ist mir vor allem als Befreier des Irak ein Begriff und nicht gerade als Wirtschaftsreformer der USA.

Umso mehr erstaunt die Leichtigkeit, mit der Du von einer Steuervereinfachung über erzreaktionär und neokonservativ zum Irakkrieg hüpfst. Das dürfte Dir sicherlich die Goldmedaille im Gedankensprung verschaffen (ob weit oder tief lassen wir jetzt mal dahingestellt). Nun könnte man es sich natürlich genauso leicht machen und auch mal wild herumassoziieren, indem man sich vom Betonsozialisten und Irakkriegsgegner über den Amerikahasser und Terroristenversteher zum Diktatorenbeschwichtiger und Völkermordbeschöniger hangelt. Aber das wäre nicht nett, da laß ich's lieber (auf eine Medaille hätte ich eh keine Chance, solange Günter Grass und Konstantin Wecker noch im Spiel sind).

Zwar hätte jemand wie Du, der so gerne austeilt, sicher vollstes Verständnis dafür, auch mal kräftig einstecken zu dürfen, aber ich habe heute gerade meinen großzügigen Tag, da will ich nicht jede geistige Inkontinenz des politischen Gegners auf die Goldwaage träufeln. Ihr habt's ja gerade auch nicht leicht, so von wegen 18. September und so. Also lassen wir ausnahmsweise mal Gnade vor Recht ergehen. Darfst also wieder weitermachen. Nur laß uns bitte nicht zu häufig einer Meinung sein. Das würde mich dann doch ein wenig irritieren.

24/08/2005

Internierung: USA halten 15 Chinesen weiter in Guantanamo fest

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Schon vor zwei Jahren hatte das Pentagon ihre Freilassung gebilligt - trotzdem werden 15 Muslime aus China weiter auf dem US-Stützpunkt Guantanamo festgehalten, so ein amerikanischer Zeitungsbericht.

Washington - Wie die "Washington Post" am Abend auf ihrer Website berichtete, lehnt die Regierung die Entlassung der Männer nach China ab - sie könnten dort aus politischen Gründen verfolgt werden. Bislang hat sich noch kein anderes Land bereit erklärt, die Muslime aufzunehmen.

Moment mal, daß ich das richtig verstehe: Da sitzen 15 Muslime gegen den Willen der USA im Club Gitmo, weil es zu gefährlich für sie wäre, nach China zurückgeschickt zu werden? Wieso war dann dauernd Guantanamo in den Schlagzeilen, und nicht der Terror des chinesischen Regimes gegen die eigene muslimische Minderheit?

Auch verstehe ich nicht so ganz, wieso die Bush-Administration so viel Rücksicht auf islamistische Bombenleger nimmt. Wenn die US-Regierung auch nur halb so skrupellos wäre, wie ihr das ihre Gegner immer nachsagen, dann wäre das doch DIE Gelegenheit, das Terroristenpack kostengünstig ein für allemal loszuwerden.

Und was mir auch nicht so ganz einsichtig ist, wieso findet sich nach der internationalen Kritik an den schrecklichen Zuständen im größten GULag unserer Zeit unter den Guantanamo-Gegnern nicht ein einziges verdammtes Land, daß diese armen Teufel jetzt aus den Fängen des US-Imperialismus befreien möchte?

Für schnelle Aufklärung wäre ich dankbar.

19/08/2005

Atomstreit: Iran räumt Hinhaltetaktik ein

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Iran hat die Europäer bei den Verhandlungen um sein Atomprogramm absichtlich hingehalten. Das Regime habe mit der EU nur gesprochen, um Zeit für die Fertigstellung der Atomanlage in Isfahan zu gewinnen, erklärte Irans Chef-Unterhändler Hosein Musavian.

Irgendwie tragisch. Da hat der gute Joschka vor sieben Jahren die Kritiker durchaus positiv überrascht und verglichen mit seinen Vorgängern seinen neuen Job als Außenminister sehr vielversprechend angefangen. Hätte er die Verbreitung der Demokratie, den Schutz der Menschenrechte und das Verständnis für Israel konsequent in konkrete Politik umgesetzt, hätte er vermutlich seinen Platz in der Geschichte bekommen können.

Aber aufgrund eines bei grünen Politikern in der linken Gehirnhälfte offenbar fest verdrahteten Hangs zum Appeasement, der umso stärker hervortritt, je scheußlicher das jeweils zu schützende Terrorregime ist, wird man seiner Amtszeit am Ende nicht wegen der globalen Umsetzung der eigenen humanistische Ideale gedenken. Selbst negative Schlagzeilen wie die wegen der Visa-Affäre werden im Rückblick schnell als historische Fußnote vergessen sein.

Was aber sicherlich mit seinem Namen verbunden bleiben wird, ist ein häßlicher, dampfender, radioaktiv strahlender, schwarzer Fleck irgendwo im Nahen Osten, der eine bedauernswerte Stadt in ein Massengrab verwandelt hat, nur weil Joschka I. der Welt um jeden Preis beweisen wollte, daß man auch irren antisemitischen Fundamentalisten den Wunsch nach der Atombombe mit guten Worten und ein paar Glasperlen ausreden kann.

Die einzigen, die ihn jetzt noch vor sich selbst retten und davor bewahren können, daß statt einem Denkmal dereinst nur der Fischer-Krater an ihn erinnern wird, sind ironischerweise George W. Bush und Donald Rumsfeld, und zwar gerade weil sie anders, als es sein eigener Kanzler gerade mal wieder lauthals fordert, eben alle Optionen auf dem Tisch liegen lassen. Wollen wir hoffen, daß sie sie notfalls auch rechtzeitig einlösen werden.

18/08/2005

Gaza-Abzug: Israeli erschießt aus Protest vier Palästinenser

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Die Zwangsräumung der jüdischen Siedler im Gaza-Streifen ist durch die Attacke eines Israelis im Westjordanland überschattet worden. Er tötete vier Palästinenser. Die radikale Hamas-Organisation kündigte unterdessen weiter Widerstand gegen Israel an.

Jerusalem - Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon verurteilte den Angriff im Westjordanland vor der Siedlung Schilo als "jüdischen Terror".

Tja, das ist eben der Unterschied: Während arabische Friedensnobelpreisträger und andere gemäßigte Palästinenserführer den vorsätzlichen Mord an unschuldigen Zivilisten günstigstensfalls als legitimen Widerstand, der nur momentan aus taktischen Gründen der eigenen Sache nicht dienlich ist, mit leicht gerunzelten Augenbrauen väterlich mißbilligen, bezeichnet der gefürchtete Blutsäufer und Kriegsverbrecher Sharon ähnliche, wenn auch in unvergleichlich geringerem Ausmaß stattfindende Anschläge seiner eigenen Landsleute auf die Zivilisten der anderen Seite als das, was sie sind - nämlich Terror.

Es wäre wirklich schön, wenn Abbas und seine Bande sich mal zu ähnlich klaren Worten gegenüber den Verbrechern in den eigenen Reihen hinreißen lassen würden, und wenigstens so zart gegen die Bombenleger und Massenmörder vorgehen würden, wie Sharon das konsequent gegenüber Sitzblockierern und Hausbesetzern vorexerziert. Nicht daß die in Ehren ergrauten Veteranen von Wackersdorf und Mutlangen angesichts dieser unfairen Ungleichbehandlung des passiven Widerstands gegenüber dem bewaffneten Kampf auf ihre alten Tage am Ende noch solidarische Gefühle für die israelischen Siedler entwickeln.

18/07/2005

Taiwan-Konflikt: Chinesischer General droht USA mit Atomkrieg

(Von Paul13)

SPIEGEL online

"Falls die Amerikaner China mit ihren Raketen und ihrer Lenkmunition ins Visier nehmen, werden wir mit Atomwaffen reagieren müssen", sagte Generalmajor Zhu Chenghu vor ausländischen Journalisten in Peking. Falls die USA angreifen sollten, hätte China keine andere Wahl, als mit Atomwaffen zurückzuschlagen. Denn China sei nicht in der Lage, einen konventionellen Krieg mit den USA zu führen.

Die Drohung, einen Konflikt eskalieren zu lassen, könnte möglicherweise der einzige Weg sein, ihn zu stoppen, sagte Zhu. "Falls die Amerikaner entschlossen sind einzuschreiten, werden wir entschlossen antworten", sagte der General. "Wir Chinesen werden uns auf die Zerstörung aller Städte östlich von Xian einstellen. Im Gegenzug müssen sich die USA darauf einstellen, dass Hunderte Städte von den Chinesen zerstört werden."

Dies zur Warnung an alle die glauben, daß es sich bei China um ein friedliches und berechenbares Land handelt, welches bloß um das wirtschaftliche Wohlergehen seiner Bürger besorgt ist. Zumindest bei den armen Teufeln, die östlich des Xian wohnen, darf man das ab heute getrost anzweifeln. Jedenfalls lassen sich diese Äußerungen auch mit einem etwas unorthodoxen Programm zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit nur unzureichend erklären.

Andererseits erscheint jetzt Gerds Kampagne zur Aufhebung des Waffenembargos gegen China in einem ganz neuen Licht. Er wollte vermutlich nur dem grünen Koalitionspartner einen Gefallen tun und die Gefahr eines Atomkriegs reduzieren, indem er das technologisch unterlegene China mit konventionellen Waffen so weit aufrüsten läßt, daß es die USA in Ostasien militärisch besiegen kann, ohne dafür zu Atomwaffen greifen zu müssen.

Friedensbewegung anno 2005: Statt "Frieden schaffen ohne Waffen" und "Schwertern zu Pflugscharen" heißt es jetzt offenbar "Keine neuen Atomraketen bevor nicht die alten verbraucht sind". Na dann...

15/07/2005

Anschlag in Bagdad: Selbstmordattentäter riss über 30 Kinder mit in den Tod

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Bei einem Selbstmordanschlag in der irakischen Hauptstadt Bagdad sind mehr als 30 Kinder getötet worden. Der Attentäter zündete den Sprengsatz, als die Kinder US-Soldaten um Süßigkeiten anbettelten.

[…] Hussein Radi trauerte um seinen elfjährigen Sohn. "Die, die das gemacht haben, sind keine Widerstandskämpfer, sondern Kriminelle", sagte er. "Warum greifen sie unsere Kinder, Zivilisten, Iraker an?", schrie Hassan Mohammed, der seinen 13-jährigen Sohn Alaa verlor. Radi Hamuds 13-jähriger Sohn überlebte den Anschlag, verlor aber beide Beine.

Ich hab's jetzt mehrmals gelesen. Hab auch die Suchfunktion drüberlaufen lassen. Und dann hab ich's noch mal gelesen. Alles ohne Erfolg. Obwohl hier vorsätzlich über 30 Kinder ermordet wurden und auch die irakischen Angehörigen der Opfer sagen, daß es sich bei den Tätern keinesfalls um Widerstandskämpfer handelt, kommt dem SPIEGEL das T-Wort einfach nicht über die Lippen.

Ich frage mich wirklich, was die Terroristen eigentlich noch alles tun müßten, damit hier das Märchen von Rebellen und Widerstandskämpfern, Aktivisten und Militanten endlich ad acta gelegt wird. Und egal was mir da als Antwort einfällt, sie haben das ja alles bereits getan. Ist meine Phantasie jetzt nur nicht pervers genug oder sind die SPIEGEL-Redakteure nur so abgestumpft?

Man muß das einfach nur mal gegenüberstellen: Amerikaner riskieren tausende Kilometer von zuhause entfernt ihr Leben, um Araber vor einem Anschlag ihrer eigenen "Brüder" zu warnen. US-Soldaten schenken arabischen Kindern Süßigkeiten, während die eigenen "Widerständler" diese Kinder in die Luft sprengen. Aber die Bösen sind die USA, günstigstenfalls bleibt der SPIEGEL neutral.

Müssen denn erst SPIEGEL-Mitarbeiter in einer Hamburger U-Bahn in die Luft fliegen, damit man in der Brandstwiete eindeutig und vorbehaltlos Stellung gegen den islamischen Fundamentalismus bezieht und begreift, daß die Terroristen uns nicht für das hassen, was wir angeblich tun oder getan haben, sondern bloß für das, was wir sind? Obwohl - wer weiß, ob das was nützen würde.

Wahrscheinlich würden sich selbst dann noch Stimmen finden, die sogar den Mord an den eigenen Mitbürgern als Akt des Widerstands gegen die Demütigung durch die westliche Welt rechtfertigen und als Folge der Untaten des US-Imperialismus (wie beispielsweise das Zerstören der Zähne irakischer Kinder durch Verführung mit stark zuckerhaltigen Nahrungsmitteln) betrachten würden.

Wenn sie sich das dann wider Erwarten aber doch nicht trauen sollten, ist ja immer noch Günter Grass da...

12/07/2005

Bomber reagieren auf Bomben

(Von Paul13)

Tageszeitung

Gegen den islamischen Terrorismus helfen keine militärischen Maßnahmen. Mehr Sicherheit brächte nur das Ende der Besetzung Iraks, Afghanistans und Palästinas

Kaum ist man mal ein paar Tage außer Haus, schon tazzen die Mäuse auf den Tischen. Zum Glück gibt es aufmerksame Leser, die einen auf die gröbsten Schnitzer in der veröffentlichten Meinung hinweisen. Denn so etwas wie dieses Machwerk kann nicht unwidersprochen bleiben.

Tony Blairs Antwort auf die Angriffe auf London waren charakteristisch. Flankiert von George W. Bush und Jacques Chirac, stellte er zivilisatorische Grundsätze ins Zentrum: Die Barbaren würden "unsere Zivilisation" angreifen, so lautete seine Interpretation der Ereignisse. Keine andere Erklärung wurde für nötig gehalten.

Wieso auch? Wenn ein vorsätzliches Massaker an unbeteiligten Zivilisten wie das in London nicht barbarisch ist, was denn dann?

Warum zielten diese Barbaren nicht auf Paris oder Berlin? Warum auf Madrid und London? Könnte es sein, dass diese schrecklichen Akte etwas mit dem anhaltenden Krieg im Irak zu tun haben, wo "zivilisierte" Eroberer sich nicht einmal die Mühe machen, die Opfer unter den irakischen Zivilisten zu zählen?

Erstens sagt es viel über den eigenen politischen Standort aus, wenn man den Sturz einer Diktatur als Eroberung statt als Befreiung ansieht, zweitens bemühen sich die Alliierten wenigstens, zivile Opfer zu vermeiden statt wie ihre Gegner deren Zahl möglichst zu maximieren, und drittens wußte ich bisher nicht, daß die Website iraqbodycount.net von al-Qaida betrieben wird, um die unverhältnismäßig hohe Zahl an zivilen Opfern von Terroranschlägen im Irak anzuprangern. Aber man lernt ja nie aus.

Zudem ist es nicht das erste Mal, dass London von Organisationen angegriffen wurde, die in Opposition zur britischen Regierung stehen. Erinnert sich jemand heute noch an den Umgang mit Irland?

Ist das nicht da gewesen, wo die britische Regierung die bedingungslose Kapitulation erklärt hat, wie ein geprügelter Hund sämtliche Truppen aus Nordirland zurückzog und dann demütig die siegreiche IRA bat, wenigstens einen Teil der protestantischen Kollaborateure am Leben zu lassen? Daraufhin sind, wenn ich mich recht erinnere, die Leute von Sinn Fein scharenweise in die Kirche gelaufen, ließen sich die Beichte abnehmen, und beschlossen fortan bessere Menschen zu werden. Und wenn sie nicht gestorben sind, helfen sie auch heute noch alten Omas über die Straßen von Belfast.

In der letzten Phase des Konflikts zielte die IRA auf die britische Insel: Fast hätte sie damals Margaret Thatcher und ihr Kabinett in die Luft gesprengt, als die im Grand Hotel in Brighton zu einer Konferenz der Konservativen Partei weilte und eine Bombe im Tagungshotel hochging. Einige Monate später wurde eine Rakete auf die Downing Street Nr. 10 abgefeuert, den Amtssitz der Regierungschefin. Und auf Londons Finanzviertel wurde damals ebenfalls ein Anschlag verübt, was große Sachschäden verursachte.

Die Identität der Organisation, die diese Terrorakte ausführte oder ihre Forderungen auf diese Weise unterstreichen wollte, war kein Geheimnis. All dies passierte, obwohl es die Möglichkeit einer "Haft ohne Anklage" gab. Und es geschah trotz der ganzen anderen Gesetze, die vom Unterhaus zur Abwehr von ebendiesem Terrorismus verabschiedet worden waren.

Ohne diese Gesetze hingegen hätte die IRA sicherlich die Waffen abgegeben und sich auf passiven Widerstand beschränkt. Sind ja eigentlich nette Kerle, die den andersgläubigen Iren nur deswegen die Kniescheibe rausschießen müssen, weil das böse Albion so infam ist. Ich bin beeindruckt. Noch besser kann man seine eigene Argumentation eigentlich kaum ad absurdum führen als der Autor dieses TAZ-Artikels.

Die Attentäter, deren Bomben am 7. Juli in Londons öffentlichen Verkehrsmitteln explodierten, sind dagegen anonym. Zwar gibt es inzwischen Bekennerschreiben im Internet, von denen noch nicht genau zu sagen ist, ob sie echt sind. Doch es wird in jedem Fall angenommen, dass die verantwortlichen Gruppen oder Individuen mit al-Qaida in Verbindung stehen. Doch Genaues wissen wir einfach nicht. Und al-Qaida ist nicht die einzige existierende Terrororganisation. Sie hat Rivalen innerhalb der muslimischen Diaspora.

Und? Macht ein freier Wettbewerb auf dem Markt des Terrorismus irgendeinen Unterschied in der Bewertung der Tat selber?

Auf seiner Website machte der Economist gestern den Interpretationsvorschlag: "Es ist nicht unmöglich, dass eine Gruppe von Antikapitalisten oder Globalisierungsgegnern die Explosionen verursachte, zeitlich abgestimmt mit dem G-8-Treffen." Aber ich glaube, dass das auszuschließen ist.

Ganz auszuschließen wäre das bei einer Bewegung mit einem derartig hohen Gehalt an rechts- und linksradikalem Gedankengut zwar nicht, aber im konkreten Fall ist dies zugegeben eher unwahrscheinlich. Nicht zuletzt weil die Eitelkeit der erwähnten Klientel kaum unwidersprochen ließe, wenn sich andere mit den eigenen Anschlägen brüsteten.

Es gibt in der Bewegung für globale Gerechtigkeit keine Strömung, die davon ausgeht, dass es irgendeinen Sinn macht oder das Recht gibt, Zivilisten anzugreifen

Das hingegen ist schon ziemlich weit hergeholt. Diese Bewegung ist ja gerade deswegen ins Gerede gekommen, weil in ihren Kreisen auch ausdrücklich gegen Zivilisten gerichtete Terrorakte nur zu gerne als legitimer Widerstand gerechtfertigt werden. Zumindest solange sie Juden treffen. Sich so an "die Bewegung" ranzuschleimen ist im übrigen peinlich. Und zwar für beide Seiten.

Es ist deshalb sicher anzunehmen, dass die Ursache der Bombenattacken in London vor zwei Tagen in der - sowohl politisch wie auch militärisch - großzügigen Unterstützung liegt, die New Labour und ihr Premierminister für die US-Kriege in Afghanistan und Irak aufbringen.

Dem würde ich hingegen durchaus zustimmen. Nur würde ich andere Schlüsse daraus ziehen. Denn die Ursache der deutschen Bombenattacken auf London lag ebenfalls an der Unterstützung, die Großbritannien und sein Premierminister für Polen und Frankreich aufbrachten. Die hätte man natürlich auch unterlassen können. Hat man aber nicht. War das jetzt ein Fehler?

Der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone hatte stets viele Argumente gegen eine britische Kriegsbeteiligung ins Feld geführt. Er war vorausschauend, als er an Blair appellierte, den Krieg im Irak nicht zu unterstützen: "Ein Angriff auf den Irak wird die Weltöffentlichkeit spalten und die Sicherheit und den Frieden überall gefährden. London als eine der großen Städte der Welt hat bei einem Krieg viel zu verlieren. Demgegenüber hat die Stadt durch eine Unterstützung von Frieden, internationaler Zusammenarbeit und globaler Stabilität viel zu gewinnen."

Deswegen sind wir ja auch froh, daß Ken Livingstone nur heute Bürgermeister von London ist und nicht bereits vor 65 Jahren. Ist zwar immer noch schlimm genug, aber wenigstens müssen die Engländer deswegen nicht zur Strafe auch gleich noch Marschmusik hören und Sauerkraut essen.

Das Ziel der Bomber dürfte gewesen sein, London zum Erliegen zu bringen, während Bush und Blair in einem fernen schottischen Außenposten den G-8-Gipfel veranstalteten (oder war es gar als eine warnendes Signal an das Olympische Komitee gemeint?).

Was? Sollte an der Theorie mit dem französischen Geheimdienst tatsächlich was dran sein?

Doch die Mehrheit der Londoner wie auch der Bewohner des übrigen Landes waren mehrheitlich gegen den Krieg im Irak. Tragischerweise mussten solche Menschen die Anschläge über sich ergehen lassen und den Preis zahlen sowohl für die Wiederwahl Blairs als auch für die Fortsetzung des Krieges. Oder, wie der angesehene englische Schriftsteller John Lanchester kürzlich über New Labour schrieb: "Was das Verhältnis von New Labour zu Amerika angeht, so ist es nur mit dem Ineinander-verkeilt-Sein von Hunden während des Geschlechtsakts zu vergleichen, die in dieser Situation unmöglich voneinander zu trennen sind."

Es geht doch nichts über eine ausgefeilte Argumentation, die Faktoren wie Faschismus, Diktatur, Massengräber, Folterkammern, Judenhaß, Terrorismus, Massenvernichtungswaffen etc. in ein angemessenes Verhältnis zueinander zu setzen weiß. Weswegen ich jetzt auch nicht näher darauf eingehen werde, inwieweit gewisse angesehene Schriftsteller mit gewissen weniger angesehenen Diktatoren verkeilt sind.

Seit dem 11. September habe ich immer wieder gesagt, dass der "Krieg gegen den Terror" unmoralisch und kontraproduktiv ist. Denn er billigt den Gebrauch von Staatsterrorismus - Bombardierungen, Folter, unzählige getötete Zivilisten in Afghanistan und Irak - gegen Islamoanarchisten, deren Zahl klein ist, die aber dennoch eine tödliche Reichweite entwickelt haben.

Wie bitte? Ich dachte immer, das wären Soldaten gewesen, die den II. Weltkrieg gewonnen hätten. Und jetzt erfahre ich, daß es Terroristen waren, die den Adolf aus seinem Führerbunker gebombt haben? Respekt! Da sage noch mal jemand was gegen die langhaarigen Bombenleger, die damals in der Normandie gelandet sind.

Die Lösung damals wie heute muss auf politischem und nicht auf militärischem Terrain gesucht werden. Die britische Elite hat dies im Fall von Irland sehr wohl verstanden. Sicherheitsmaßnahmen, eilig durchs Parlament gebrachte Antiterrorgesetze, die Einführung von Personalausweisen sowie Einschränkungen der Freiheiten der britischen Bürger werden das Problem nicht lösen. Wenn sie überhaupt etwas bewirken, werden sie junge Muslime in Richtung sinnloser Gewalt drängen.

Ganz wichtig, Personalausweise! Angesichts solch demütigender Zumutungen bleibt jungen Muslimen gar nichts anderes übrig, als zu sinnloser Gewalt zu greifen. Deswegen haben wir ja auch diese schrecklichen Terrorwellen in Deutschland, wo sich junge Muslime zu tausenden in die Luft sprengen, weil sie es einfach nicht ertragen können, einen Personalausweis mit sich führen zu müssen. Kann man verstehen. Muß man aber nicht.

Die wirkliche Lösung liegt in der schnellen Beendigung der Besetzung des Iraks, Afghanistans und Palästinas.

Klar. Die Amis räumen Irak und Afghanistan, setzen die Taliban und Saddam Hussein wieder ein, und plötzlich meinen Bin Laden & Co. "Ey, cool, Dubya, dann können wir ja Freunde sein. Ihr laßt uns hier wieder in Ruhe unsere Frauen steinigen und Ungläubige ermorden, und dafür sprengen wir keine U-Bahnen mehr in Euren Großstädten. Darauf einen Doppel-Whopper mit Käse!" Klingt glaubwürdig, zumal die in den späten 90er-Jahren begonnenen Planungen für 9/11 bekanntlich ja nur eine Reaktion auf die Jahre später stattfindenden Interventionen im Irak und in Afghanistan waren.

Was Palästina angeht, liegt die Sache sogar noch etwas komplizierter. Denn da müßte man sich erst mal darauf einigen, was man überhaupt unter Palästina versteht. Sofern nicht Hamas und Hisbollah kürzlich überraschend und von den Medien völlig unbemerkt eine totale Kehrtwende gemacht haben und ihre Mitglieder jetzt mit "Juden? Find ich gut!"-Buttons auf dem Palituch rumlaufen, ist nach der Logik der TAZ erst dann Ruhe, wenn die zionistischen Besatzer von Tel Aviv wieder in Brooklyn oder im russischen Ghetto sitzen. Das kann aber dauern. Da werden wir mit dem Zorn der jungen Muslime wohl noch ein Weilchen leben müssen, selbst wenn Otto Schily die Personalausweise morgen wieder einsammelt.

Nur weil über diese drei Kriege nur sporadisch berichtet wird und sie den meisten Bürgern Europas nur wenig bedeuten, heißt dies nicht, dass die Wut und Bitterkeit, die die Kriege in der muslimischen Welt und ihrer Diaspora verursachen, unbedeutend sind.

Nur sporadisch? Na, da bin ich aber mal gespannt, über welche Kriege mehr berichtet wird. Etwa den Vernichtungskrieg in Darfur, der regelmäßig hunderttausende von Demonstranten auf die Straße treibt? Den Krieg Kim Jong Ils gegen das eigene Volk, der unzählige Nordkorea-Solidaritätsgruppen aus dem Boden sprießen ließ? Gar der afrikanische Weltkrieg im Kongo, der mehrere Millionen Menschenleben kostete und es anders als Abu Ghureib bekanntlich immer wieder auf die Titelseiten westlicher Nachrichtenmagazine schafft?

Politiker aus dem Establishment haben wenig Kontakt mit der Jugend, und dies trifft insbesondere auf die arabische Welt zu. Solange westliche Politiker ihre Kriege führen und ihre Kollegen in der muslimischen Welt schweigend zuschauen, werden junge Menschen von Gruppen angezogen werden, die immer wieder Racheakte durchführen.

Tja, sowas kommt eben von sowas. Hätte die CIA nicht vor über tausend Jahren den Koran gefälscht und Generationen unschuldiger Muslime so in Wissenschaftsfeindlichkeit, Frauenverachtung, Barbarei und Despotie getrieben, müßten sich heute nicht Myriaden junger Muslime mitsamt ihren Personalausweisen in israelischen Restaurants, britischen U-Bahnen und amerikanischen Wolkenkratzern in die Luft sprengen.

Zu Beginn des G-8-Gipfels wies Tony Blair darauf hin: "Armut ist die Ursache für Terrorismus." Dies war ein recht fortschrittlicher Gedanke für einen so reaktionären Politiker wie ihn.

Wenn Tony Blair bereits reaktionär ist, was sind dann erst die üblichen arabischen Despoten, ganz zu schweigen von deren islamistischen Gegnern? Und als was könnte man dann den Autor dieses TAZ-Artikels bezeichnen?

Aber so ist es in der Realität nicht. Die Hauptursache für diese Gewalt ist die Gewalt, die den Menschen in der muslimischen Welt angetan wird. Die Bombardierung unschuldiger Menschen in Bagdad, Dschenin und Kabul ist genauso barbarisch wie die in New York, Madrid oder London.

Schon bei Baghdad und Kabul wird das ganze lächerlich, denn niemand hat dort so viele Menschen ermordet wie die Diktaturen, die die USA dort glücklicherweise zum Teufel gejagt haben. Daß aber in der TAZ jemand im Zusammenhang mit den Terroranschlägen von London allen Ernstes das Wort "Dschenin" in den Mund nehmen darf, ohne daß sofort die Zusammenarbeit mit dem verantwortlichen Autor aufgekündigt wird, ist ein Armutszeugnis.

Und solange das nicht anerkannt wird, wird der Horror weitergehen.

Hm, wenn wir uns damit in Zukunft einen Horror wie diesen TAZ-Artikel ersparen könnten, sollten wir vielleicht tatsächlich in Erwägung ziehen das anzuerkennen.

TARIQ ALI

Tariq Ali? Tariq Ali… Ist das nicht der Tariq Ali, der sich seit Jahren für die Demokratie in den arabischen Ländern einsetzt? Der in Talkshows so engagiert für die Anpassung des Islam an die liberale Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts streitet? Der so energisch für die Menschenrechte unterdrückter Muslime kämpft? Den nichts so sehr aufregt wie der Massenmord durch Gewaltherrscher, die mit ihren Untaten den Namen des Islam in den Dreck ziehen? Dessen Unterschrift deshalb auf keiner Liste fehlt, die den Sturz arabischer Tyrannen fordert? Nein, da muß ich ihn wohl verwechselt haben, der ist's wohl eher nicht...

11/07/2005

Irak: USA und Briten erwägen massiven Truppenabzug

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Ein von der amerikanischen und britischen Armee avisierter Truppenabzug aus dem Irak fällt möglicherweise weit umfangreicher aus als bisher angenommen. Bereits 2006 hoffen die USA, die Zahl der stationierten Soldaten von 170.000 auf 66.000 Mann zu reduzieren.

Hey, SPIEGEL, was geht? Hab ich da irgendwas nicht mitbekommen? Ich dachte im Irak wär landunter, während der Widerstand ungehindert alles in Schutt und Asche bombt, die politische Führung der USA in Panik, daß der Laden auseinanderfällt, das US-Militär verzweifelt ob der immer weiter um sich greifenden Rebellion, die Wehrpflicht kurz vor der Wiedereinführung, weil es nicht genügend Kanonenfutter für die Besatzung des Irak gibt, die irakischen Sicherheitskräfte auf Jahre hinaus unfähig, die Kontrolle im eigenen Land zu übernehmen, und nun das da!

Ohne jede weitere Vorwarnung teilt Ihr den geschockten Lesern plötzlich ganz nebenbei mit, daß die Alliierten bereits für das nächste Jahr erwägen, die eigenen Truppen um über die Hälfte zu reduzieren, statt sie wie bisher behauptet immer weiter aufzustocken. Nix mehr mit Vietnam jetzt, oder was? Wie soll denn das noch was mit dem Treibsand werden, in dem die Besatzer versinken, wenn der einzige Sand, den die GIs im nächsten Jahr unter den Füßen spüren werden, der beim Beachvolleyball an der kalifornischen Heimatfront ist? Wo soll sie dann bloß herkommen, die unvermeidliche Niederlage Amerikas?

Also kommt schon, irgendein As müßt ihr doch noch im Ärmel haben! Könntet Ihr es nicht wenigstens so darstellen, als ob sie das Land unter Feuer verlassen müssen? So ein bißchen was über den unaufhaltsamen Vormarsch der islamofaschistischen Befreier wird doch irgendein Redakteur noch zu Papier bringen können. Zur Not fragt mal Marc Pitzke, der macht das schon. Ansonsten könntet Ihr wenigstens mal einen US-Hubschrauber beim Start in Baghdad so fotografieren, daß das optisch rüberkommt wie damals die legendären Bilder bei der Flucht aus Saigon.

Gebt Euch also mal ein bißchen Mühe! Ihr habt schließlich einen Ruf zu verlieren.

09/07/2005

Stiff Upper Lip

(Von Greg B. Grabinski)

Der Massenmord in London zeigte uns eines: Es gibt Sachen, die werden sich einfach nie ändern. Niemand erwartet, dass die Terroristen plötzlich nicht mehr auf feigste Weise Zivilisten aller Couleur umbringen. Dies taten und tuen sie überall auf der Welt: Jerusalem, Tel Aviv, New York, Madrid, Baghdad, Istanbul, London, Bali, Islamabad sind leider nur einige Beispiele unter vielen. Erstaunlich - oder eben doch Buisness as usual - waren die bekannten Refelxe in unserer westlichen Welt.

Noch bevor vollends klar war, was geschehen war, wusste AP was los war. Beziehungsweise wusste, wer wusste, was los sein würde: Die Juden selbstverständlich. Diese wurden nämlich von Scotland Yard informiert. Das zumindest berichtete - wenn ihr sie jetzt noch nicht liebt, dann werdet ihr es jetzt tun - eine anonyme Quelle aus der israelischen Botschaft der Nachrichtenagentur (Korrektur eine knappe halbe Stunde später). Jedenfalls ist dies alles andere als verwunderlich, denn inzwischen haben wir es ja verstanden. Wenn die Juden es nicht sind, dann wissen sie wenigstens alles darüber und können ihre Leute aus der Gefahrenzone begeben.

Genauso zu erwarten, genauso traurig sind die Reaktionen in bestimmten Milieus für welche die Meinungsseiten des Guardian und der taz wohl als Sprachrohre gelten dürfen. Dort lautete der Konsensus »Sowas kommt von sowas«. Die beiden erwähnten Zeitungen präsentieren die Lösung, welche ihre Leserschaft und die Kreise, in welchen diese ihr Unwesen treibt, als die einzig Richtige ansehen: »Mehr Sicherheit brächte nur das Ende der Besetzung Iraks, Afghanistans und Palästinas«. Natürlich. Wir hatten wirklich nichts anderes erwartet.

Interssant ist es, dass hier einen Schritt weiter gegangen wird als in dem vermutlichem Bekennerschreiben, in welchem bloss der Abzug aus Afghanistan und dem Irak gefordert wird. Aber sehen wir doch einmal von diesem kleinem Detail ab, denn langsam wird es doch zu eintönig, dass immer und immer wieder dieselben den Konflikt im Heiligen Land erwähnen, wenn irgendetwas, sei die Londoner U-Bahn oder die Kaffeemaschine, aus der Bahn gerät.

Was würde denn passieren, wenn man den Wünschen der taz, des Guardians, Matthias Bröckers’ und der Terroristen nachgeben würde? Mehr Blutvergiessen.

Afghanistan ist ziemlich ruhig, dort hätte ein Abzug der Allierten wohl nicht so verheerende Auswirkung, aber er würde das Land zurück ins Choas stürzen, in welchem es Jahrzehnte lang gelebt hatte. Der Irak hingegen würde zu dem werden, was sich wohl viele insgeheim gewünscht haben und sich noch wünschen: Ein Desaster, ein islamischer Gottesstaat, welcher vielleicht Afghanistan mit hineinreissen würde. Wir bekämen die Taliban zurück, nur schlimmer, grösser und mächtiger. Zumindest zu diesem Zeitpunkt, in ein paar Jahren wird dies, dank der fortschreitenden Truppen- und Polizistenausbildung, wahrscheinlich anders aussehen. Ein Ende der Besatzung Palästinas, was wohl mit »Juden ins Meer« gleichzustellen ist, denn mit weniger werden sich die Terroristen kaum zufreiden geben, ist nun hoffentlich keine Option. In einem solchen Fall müsste man wohl auf eine von Michael Moore ausschliesslich in der englischsprachigen Ausgabe von Downsize This! propagierte Idee zurückgreifen: Den Juden Bayern geben.

Eine solche Reaktion ist - Blair sei dank! - nicht nur unwahrscheinlich, sondern wäre auch tödlich für uns. Es ist pure Naivität zu glauben, dass von der Region eine geringere Gefahr ausginge, überliesse man sie Leuten wie bin Ladan, Sarkawi, der Hamas oder Saddam Hussein. Glauben die Leute, die einen Abzug fordern, ernsthaft daran, dass diese Herren dann einfach bei sich zu Hause bleiben würden? Kann sich denn niemand mehr an die Demos der radikalen Muslime (welche wohl mindestens 13% der britischen Muslime ausmachen, denn so viele wünschen sich weitere Angriffe auf Amerika) in London erinnern, welche verkündeten, dass der Islam die Welt beherrschen werde? Gibt es auch nur einen einzigen Grund warum die Herrn in den dann nicht mehr besetzten Gebieten moderater sein sollten, nachdem wir ihnen gezeigt haben, dass wir erpressbar sind, dass unsere Werte verhandelbar sind?

Da hilft alles insistieren auf die Tatsache, dass London und Madrid Hauptstädte der »Kriegstreiber« sind nichts. Gerade Spanien ist das beste Beispiel, dass Appeasement nicht funktioniert, eben weil die Anschläge ziemlich wenig bis gar nichts mit der Militärpräsenz im Irak oder Afghanistan zu tun hatten. Mittlerweile ist ja bekannt, dass die Planung von 3/11 noch im Jahre 2000 begann. Auch wurden nach dem spanischem Truppenabzug Anschläge auf das Santiago Bernabeu sowie auf den Justizpalast verhindert, nicht etwa durch durch das Appeasement, sondern durch Geheimdienste. Die Anschläge in Istanbul passen auch ganz und gar nicht ins Bild, war die Türkei doch ein erklärter Gegner des Irak-Krieges. Schliesslich 9/11, da war noch niemand ausser Saddam in Zweistromland und in Afghanistan terrorisierten die Taliban die Bevölkerung und züchteten Scharen von Gotteskriegern.

Selbst die personifizierte Unschuld, Jaques Chriacs Frankreich, wurde nicht verschont. Sein Fehler hatte nichts mit dem Irak-Krieg zu tun, noch mit Palästina, noch mit Afghanistan zu tun. Das »Vergehen« war das Festhalten an unseren Werten. Für die Entlassung der zwei im Irak festgenommenen französischen Journalisten, forderten die Terroristen nichts weniger als die Aufhebung des Verbotes vom islamischem Kopftuch für die Mädchen in der Schule. Plötzlich halfen alle Beteuerungen, dass man gegen den Krieg gewesen sei nichts. Das Problem war, dass Frankreich nicht bereit war, das Symbol der Unterdrückung der Frau in den Schulen zu zulassen.

Hier liegt der Kern des Konfliktes: Unsere Werte. Es ist vielleicht ein wenig altmodisch oder gar pathetisch so davon zu sprechen, aber unsere Werte, im Grunde nichts anderes als unser Lebenstil, stehen auf dem Spiel. Dies wollen diese Terroristen uns nehmen. Sie glauben, dass Islam die Welt beherrschen soll. Sie glauben, dass Frauen in Burkas gehören, mir wird beim Gedanken an meine Freundin mit einem aufgezwängtem, islamischem Kopftuch übel. Sie glauben, dass Frauen ihren Männern gehören, ich wundere mich täglich über mein Glück, dass meine Angebetene mit mir sein will. Sie glauben an Geschlechtertrennung überall, ich will meine Freundin in die Arme nehmen. Sie glauben, Frauen seien Menschen zweiter Klasse, ich nicht. Sie verlangen Bärte von den Männern, ich aber will keinen, denn »er kratzt«, sagt sie. Sie glauben, jeder müsse sich kleiden wie sie, ich aber hänge an meinen Kuhshorts und der Diversität. Sie glauben, jeder müsse fünfmal in Richtung Mekka beten, ich glaube, dass dies soll, wer will. Sie wollen alle Juden ins Meer werfen, ich nicht. Sie glauben, wir sollen wie sie glauben, ich glaube, dies steht jedem frei. Dies sind nur einige der Sachen, welche nicht nur mich, sondern - das will ich hoffen - uns alle von ihnen unterscheiden.

Diese Sachen sind nicht verhandelbar. Ein Eingehen auf ihre Forderungen wäre aber der Beginn der Verhandlungen. Und der Beginn vom Ende.

07/07/2005

+++ Breaking News +++ Breaking News +++ Breakings-News +++

Terror-Anschlagserie in London

04/07/2005

Ausland: "Streicht diese Hilfe"

(Von Paul13)

SPIEGEL online

Es werden riesige Bürokratien finanziert, Korruption und Selbstgefälligkeit gefördert, Afrikaner zu Bettlern erzogen und zur Unselbständigkeit. Zudem schwächt die Entwicklungshilfe überall die lokalen Märkte und den Unternehmergeist, den wir so dringend brauchen. Sie ist einer der Gründe für Afrikas Probleme, so absurd das klingen mag. Wenn sie abgeschafft würde, bekäme das der kleine Mann gar nicht mit. Nur die Funktionäre wären schockiert. Darum behaupten sie, die Welt ginge unter ohne diese Entwicklungshilfe.

Ein sehr interessantes Interview mit dem kenianischen (!) Wirtschaftsexperten James Shikwati, das den Gutmenschen in diesem Lande sehr zu denken geben sollte. Schade, daß die Live 8-Heroen es nicht mehr rechtzeitig vor ihrem Auftritt lesen konnten (falls sie es überhaupt verstanden hätten). Denn dann hätten sie die beiden grundsätzlich sinnvollen Forderungen nach einem Schuldenerlaß für die ärmsten Länder und die Öffnung der Märkte für die III. Welt nicht durch die Forderung nach einer weiteren Aufstockung der Entwicklungshilfe entwertet.

Denn wie bemerkte im Zusammenhang mit der Forderung, die Agrarsubventionen der USA und der EU einzustellen, kürzlich ein kluger Kopf: "Wenn es uns gelingt, den Handel vollständig zu liberalisieren, und wenn die westlichen Märkte den afrikanischen Ländern offenstehen, würde diesen so weit geholfen, dass man ihnen keine Hilfsgelder mehr überweisen müsste." Da hat er zweifellos recht. Nur zu dumm, daß es sich hier nicht um Bob Geldof handelt oder die Tote Hose Campino. Sondern um George Bush. Da muß er wohl erst noch Gitarre spielen lernen.

01/07/2005

3. Juli: Zeigt Eure Unterstützung für das Checkpoint Charlie Museum und Monument!

Das aus 1000 Kreuzen bestehende Checkpoint Charlie Monument für die durch das ostdeutsche kommunistische System während des Kalten Krieges Ermordeteten soll am frühen Morgen des 5. Juli dem Erdboden gleich gemacht werden.

Um unsere Unterstützung für das Checkpoint Charlie Monument zu demonstrieren und gegen den geplanten Abriß zu protestieren, laden wir Euch ein, am Sonntag, 3. Juli, 15h zum Checkpoint Charlie zu kommen.

Die Teilnehmer können dabei auch eine spezielle Foto-Montage am Monument unterschreiben.

Essen und Getränke werden danach - zu moderaten Preisen - bei einem Barbeque gegen 17h verfübar sein.

Wer uns beim Verteilen der Flugblätter mit dem Aufruf zur Demonstration helfen will, möge bitte am Sonntag um 10 Uhr zum Checkpoint Charlie kommen, vor der Installation der Berliner Mauer auf der  Friedrichstraße. Bitte sich vorher bei den Organisatoren melden unter: info@gopgermany.com

Weitere Details hier. (englisch) 

30/06/2005

Wie charakterlos können wir Deutschen eigentlich noch sein?

(Von Politically Incorrect)

<p><p><p>Charakterlos und verlogen - Der Antiamerikanismus hierzulande treibt immer neue Blüten</p></p></p>

Die harschen Reaktionen in unseren Medien auf die Grundsatzrede des amerikanischen Präsidenten Bush in North Carolina zeugen leider immer noch von einer tiefen Abneigung gegen einen Mann, der es mit dem weltweiten Kampf gegen Terror und Unterdrückung und dem Einsatz für Freiheit und Demokratie ernst meint. Dabei haben gerade wir Deutschen gleich zweimal am eigenen Leibe erlebt, was es heißt, unter despotischen Diktaturen zu leben. Haben wir schon vergessen, dass ohne die militärische Hilfe der USA weder das Hitler- noch das Stasi-Regime besiegt worden wäre? Ist es nicht langsam an der Zeit, Schluss zu machen, gegen die Befreier von damals ständig zu attackieren, gegen sie zu polemisieren und zu intrigieren? Stattdessen lässt das Bundesfinanzministerium per Gerichtsbeschluß die Fototafeln zur Erinnerung an den 17. Juni 1953 abmontieren und auch das Mauer-Mahnmal am Berliner Checkpoint Charlie soll verschwinden. Wie charakterlos und verlogen können wir Deutschen eigentlich noch sein?

Die Würde des Rucksacks ist unantastbar

(Von Paul13)

David Harnasch

US-Geheimdienstsoldaten filmten sich bei einer privaten Party mit Gewaltspielen in einer Gefängniszelle des berüchtigten Abu Ghraib Gefängnisses in Bagdad. [...] Für den US-amerikanischen Psychologen und Direktor des Instituts für seelische Gesundheit in Mannheim, Professor Fritz A. Henn zeigen die Bilder eine “Kultur der Gewalt". Seiner Ansicht nach geht es in den Szenen um einen Wettbewerb der Gewalt: “das ist wirklich erschreckend, ein bisschen ohne Grenzen.” Die Geheimdienstsoldaten hätten einen Rucksack angesprochen, als wenn er “ein Gefangener wäre und die wollten ihn einfach kaputtmachen, total verprügeln.”

Also da hat David Harnasch mal wieder einen absoluten Kracher ausgegraben. Ich hab ja fast Tränen gelacht. Diese ganze antiamerikanische Propaganda ist inzwischen so grotesk durchgeknallt, daß sie oft nur noch lächerlich ist. Über diesen "Bericht" von REPORT MAINZ kann ich mich höchstens insoweit aufregen, daß ich dafür mit meinen kostbaren GEZ-Euronen auch noch gezahlt habe.

Aber die Sache selbst ist einfach nur unbeschreiblich komisch. So als ob jemand versucht, die ganze antiamerikanische Hysterie auf die Schippe zu nehmen. Handelt es sich hier vielleicht um eine Satire? Hat da am Ende Stefan Raab die Fäden gezogen? Oder ist das ganze gar von der CIA finanziert worden, um die grassierende Amerikakritik in den Dreck zu ziehen?

Da muß ich gerade irgendwie an einen Kollegen denken, der politisch eher links, ex-Wehrdienstverweigerer, bekennender Bush-Hasser und Irakkriegsgegner ist, und den ich, auch wenn er das vehement bestreitet, schon als ziemlich antiamerikanisch einstufen würde. Aber er ist gleichzeitig eben auch ein ausgesprochen sympathischer und lustiger Kumpel, mit dem ich mich außerhalb der Politik sehr gut verstehe.

Dieser Kollege hat mir mal "gestanden", daß er, nachdem er bei Counterstrike diverse Gegner erschossen hat, wiederholt um deren virtuelle Leichen herumgetanzt ist und aus purem Spaß noch den Rest des Magazins in die leblosen Pixelkörper gefeuert hat. Mal ganz davon abgesehen, daß eine derartige Munitionsverschwendung ziemlich unprofessionell ist, ist das jetzt wohl ein Fall für REPORT MAINZ.

Also, Jungs, macht schon mal den Ü-Wagen klar. Die nächste LAN-Party ist vermutlich ganz bei Euch in der Nähe. Und bringt ein netzwerkfähiges Notebook mit, wegen der Screenshots für die Beweisaufnahme. Derartige Verbrechen dürfen schließlich nicht ungesühnt bleiben. Denn "das ist wirklich erschreckend" und sicherlich soweit "ohne Grenzen", daß es für den ARD-Pranger reichen dürfte.