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Welcome to the new German nationalism. It's so funny that a magazine like Der Spiegel that considers itself sophisticated (but in reality is a primitive rag that does not even deserve shelf space next to the likes of The Economist) finds itself an uncritical cheerleader for the mercantilistic longings of the German state.

Bravo Spiegel! (snort)

It's all about oil, eh?

frogistan and the Sudan, Germany and Russia.

Good points, Ray.

Realpolitik is to be admired, when it comes from anyone but the US. When it comes from the US, it is against international law. Friendship with totalitarians, dictators means having a healthy, responsible relationship. That is, when it comes from anyone but the US. When it comes from the US, it is imoral and abject. And criminal.

And the list could go on forever... Nothing new here, but it's good to have such overviews once in a while. Who knows, maybe a lost soul will find this blog and... and... start thinking ! Wow, what a daring concept ! They would be quite surprised to find out that there is a real world out there, beyond the limited horizon of the German media (and politicians).

Rußland-Kalküle

mwe. Eine innerrussische Angelegenheit sei der Fall Yukos, sagt der Bundeskanzler; er kann auch gut verstehen, daß ein Staat Steuern haben will. Selbst das Geld, das deutsche Banken bei der vom Kreml verfolgten Übernahme des größten russischen Ölexporteurs zu verlieren drohen, ist kein Thema für den Kanzler, handelt es sich doch um zweistellige Millionenbeträge, die man früher schon "peanuts" nannte. Natürlich darf man nicht annehmen, der Kanzler wisse nicht, wie es um Rußlands gelenkte Demokratie steht. Aber in Absprache mit den Spitzen der deutschen Wirtschaft lobt er lieber die "ungeheure Dynamik" der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen und die Reformfähigkeit des russischen Präsidenten.

Schröders Kalkül ist klar: Er will soviel wie möglich für deutsche Unternehmen herausschlagen, pflegt dafür die Freundschaft mit Putin; er ist sogar bereit, ein wenig auf der Anti-Oligarchen-Welle mitzureiten, wenn er dafür zu Hause als Garant für Ruhe in den Beziehungen zum großen Nachbarn im Osten gelten kann. Schröder könnte gar mit Bewunderung, ja Neid auf Putin schauen, der eine große Sozialreform während der Sommerpause durch das Parlament pauken kann.

Das jedoch geht freilich nur in einem Land, in dem es offene Diskussionen nicht mehr gibt und in dem die verfassungsmäßigen politischen Institutionen zu Befehlsempfängern des Kremls degradiert worden sind. Tatsächlich fügen sich viele Einzelaktionen zu einem Trend: Rußland steuert politisch einen autoritären Kurs. Hier ausschließlich legalistisch zu argumentieren, wie der Kanzler es tut, greift zu kurz. Es sollte ihm nicht unbekannt sein, wie schnell man auf solchem Wege einer Demokratie den Garaus machen kann. Doch auf dieses Feld wagt sich Schröder nicht vor, zumal er damit rechnen muß, daß am nächsten oder übernächsten Tag ein Berlusconi Freund Putin über den grünen Klee lobt. Was wiederum ins Bild der Europäischen Union insgesamt paßt: Die hat zur Demontage der Demokratie in Rußland keine Position gefunden; außer Routineformeln zu Tschetschenien ist da nichts. Schröder hält sich daher an die Politik der kurzfristigen Güterabwägung. Daß es ohne Demokratie und Rechtsstaat Stabilität in Rußland nicht geben wird, ist eine Wahrheit, für die er keine Worte findet. Der nächste "Einzelfall" nach dem Yukos-Muster ist programmiert.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2004, Nr. 157 / Seite 1

Gemeinsame Pipeline
Der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold, bezeichnete Yukos im Deutschlandradio als Einzelfall. Er erwarte nur dann Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft, wenn es tatsächlich zu einem Konkurs komme. Zu den Gläubigern des Ölkonzerns gehören in einem internationalen Konsortium auch die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Schröder und Putin begrüßten den Plan für ein Joint Venture der Energiekonzerne Eon und Gazprom. Die Unternehmen arbeiten an einer gemeinsamen Gasleitung in der Ostsee. In einer Erklärung wurde zudem der Ausbau einer Infrastruktur zur Vermarktung des russischen Erdgases in der Bundesrepublik und in Europa sowie die Kooperation bei Gaskraftwerken gewürdigt.

https://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/950/34916/


Komischerweise sehen ich nirgends einen Friedensengel. Hat man bei der Hanauer Atomfabrik nach China schließlich auch nicht gesehen, letzlich wurde die Aktion gecancelt. Aber wenn wieder mal Amerika mit im Spiel ist, herrscht permanenter Ausnahmezustand...

Also, hier muß ich unsere Medien tatsächlich einmal in Schutz nehmen - Spiegel Online allerdings ausgenommen. Ansonsten findet man doch von der taz bis zur FAZ die passenden Worte zu Schröders Verhalten. Und selbst Sonia Mikich hat gestern in den Tagesthemen einen ungewöhnlich scharfen Kommentar gesprochen.

Allerdings erstaunlich, daß bisher in den meisten Medien nicht mit einem Wort erwähnt worden ist, daß Frankreich Sanktionen gegen den Sudan blockiert. Und das stattfindender Genozid nicht einen Demonstranten auf die Straße lockt, während gegen den Sturz Saddams (und die USA) Hunderttausende zu mobilisieren waren.

Hi Thomas,

Good point. I am sure some in the German media also pointed out the irony of Schroeder's behavior. But you certainly won't see this criticism last for weeks at a time as it has with the US in Iraq and it will be limited. I also don't expect to see any shocking covers (ala SPIEGEL) making a big deal out of this. It will likely all blow over by the end of the day or at the latest, by the end of the week.

And you are right to point out the situation in Sudan. It seems that the German left is highly selective when it comes to its protestations. I guess if you can't see the suffering and genocide on television, its not worth demonstrating about. Another excellent example of the impact of asymmetric journalism on our society.

Thomas,
es geht doch auch um die Gewichtung. Jeder bringt den obligatorischen bissigen Kommentar, und dann geht es weiter mit Bush-Bashing. Alles dreht sich nur um Israel und die USA.

Hey, sehe ich ja genauso, aber ich fand es doch immerhin erfreulich, daß man überhaupt mal so klare Worte gehört und gelesen hat. ;-) Mit heutiger Wirkung gerät das Thema aber sowieso in Vergessenheit, denn man hat ja jetzt ein höchst unpolitisches Urteil des Internationalen Gerichtshofes gegen Israel, mit dem man sich wochenlang befassen kann. Von Spiegel charakteristischerweise bereits mit "Die Mauer muß weg!" betitelt.

Die "Zeit" ist derweil auch aus ihrem Tiefschlaf erwacht und zaubert einen kritischen Artikel daher, den ich im Prinzip recht gut finde:

Moskaubesuch von Gerhard Schröder

Der Kanzler verwirkte ohne große Not die Glaubwürdigkeit der deutschen Außenpolitik

Von Johannes Voswinkel für ZEIT.de


Der deutsche Bundeskanzler gibt sich in Moskau als bequemer Gast: Da mögen die neu verputzten Wände im Hause Putin Risse schlagen, der Kronleuchter schief von der Decke baumeln und das Stuckimitat abplatzen, Gerhard Schröder lobt begeistert die gelungene Inneneinrichtung. Yukos-Prozess, Bankenkrise, Tschetschenienkrieg, Mediengängelung – war da was? Nein, der Kanzler schaute am Donnerstag im Tunnelblick auf die Zukunft von Deutschlands Wirtschaft und Energieversorgung und verwirkte zugleich ohne große Not die Glaubwürdigkeit der deutschen Außenpolitik.

https://www.zeit.de/2004/29/moskaubesuch

And of course, now foreign journalists are being assassinated in Russia (head of Forbes office).

Where is the outcry Gerd, the indignation, the accusations of Hitler-like tactics?

The media has been intimidated by Gerd. Critics aren't invited to take a seat in the Chancellor's airplane when travelling abroad. (To neighboring European countries, that is.)

While we're at it, next time Gerd visits Chirac he should lecture him on the severe human rights abuses in ... Paris:

https://www.thecouriermail.news.com.au/common/story_page/0,5936,10105821%5E1702,00.html

"A young woman and her baby have been attacked in a suburban train near Paris by unidentified men who drew swastikas on the mother's stomach. (...) The six attackers who were armed with knives clipped the 23-year-old woman's hair, and cut her tee-shirt and trousers before drawing three swastikas on her body. The men of North African origin also overturned the pram holding her baby, aged 13 months. They then took the mother's backpack, which contained her identity papers, a bank card and cash. Police said the attackers erroneously assumed the woman was Jewish because she was living in Paris' posh 16th district."

(Oh, I know, those were not military personnell who received their orders from high above the chain so it's a totally different case yadda yadda ...)

Strangely enough I couldn't spot the term "Muslim" in the article. Must be those radical North African Coptists again.

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