SPIEGEL trickst bei Bush-Umfrage / SPIEGEL Misrepresents Bush Poll
(English summary at end of post)
SPIEGEL ONLINE meldet:
Zustimmung für Bush sinktNur noch knapp die Hälfte der US-Bürger ist mit der Arbeit von George W. Bush zufrieden. Ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen liegen Demokraten und Republikaner nun gleichauf. ...
Der SPIEGEL bezieht sich auf eine gemeinsame Umfrage der Washington Post und ABC vom 26. - 29. Oktober 2003. Ein Blick auf die dort ausgewiesenen Ergebnisse und der Vergleich mit früheren Umfragen zeigt, daß von einem "Sinken der Zustimmung für Bush" keine Rede sein kann:
"Stimmen Sie der Amtsführung von George W. Bush als Präsident zu oder nicht?"
Umfrage-Datum 29.10.03
Zustimmung 56 %
Ablehnung 42 %
Umfrage-Datum 13.10.03
Zustimmung 53 %
Ablehnung 42 %
Umfrage-Datum 30.09.03
Zustimmung 54 %
Ablehnung 44 %
(In der Darstellung sind jeweils "starke" Zustimmung/Ablehnung und "ziemlich starke" Zustimmung/Ablehnung zusammengefaßt)
Die Studienergebnisse zeigen auch: Bush würde jeden einzelnen seiner demokratischen Mitbewerber bei einer Präsidentenwahl deutlich schlagen, wenn konkrete Namen demokratischer Kandidaten vorgegeben werden. Nur wenn allgemein nach den Chancen eines demokratischen Gegenkandidaten zu Bush gefragt wird, ergibt sich ein praktischer Gleichstand der Wahlchancen von Bush (48 %) und seinem - unbekannten - demokratischen Gegenkandidaten (47 %), wobei Bush sich gegenüber der letzten Umfrage vom 13. Oktober um zwei Prozentpunkte verbessert hat.
Und sogar um 4 % haben sich Bushs Wahlchancen bei registrierten Wählern verbessert, während sich bei dieser zentralen Bevölkerungsgruppe die Wahlchancen eines demokratischen Gegenkandidaten um 2 % verschlechterten.
Die Zustimmung zu Bushs Amtsführung und seine Wahlchancen nehmen also zu - es nimmt allerdings die Glaubwürdigkeit des SPIEGEL weiter ab.
Nachtrag 1: Auch n-tv meldet den Unsinn von den "sinkenden Bush-Werten". Man nimmt den einmaligen historischen Höchstwert von 90 %, den Bush nach 9/11 erhielt, und vergleicht ihn mit dem aktuellen Wert. Natürlich werden so bei jedem Vergleich Bushs Werte "gesunken" sein, denn auf 90 % Zustimmung wird er nie mehr kommen (und wohl auch kein Präsident nach ihm). n-tv, SPIEGEL und der Rest der deutschen Medien-Meute werden aber sofort wieder auf kurzfristige Vergleiche umsteigen, wenn Bushs Werte im 14-tägigen Vergleich tatsächlich einmal sinken sollten - und nicht (wie in diesem Monat) steigen.
Nachtrag 2: Bei Shark Blog findet sich ein Hinweis auf die tatsächliche Stellungnahme der Washington Post zu ihrer eigenen Umfrage (Shark Blog zitiert übrigens auch unser Posting):
"Bush beginnt sein Wahljahr mit einer Zustimmungsrate von 56 %, wie die neue Post-ABC News-Umfrage zeigt. Diese Zahl ist im historischen Vergleich gut und zeigt deutliche Differenzen zwischen Republikanern und Demokraten."sowie:
"Die Demokraten sind allerdings praktisch unsichtbar als effektive Opposition zu einem Präsidenten der im Zentrum der Aufmerksamkeit steht".
Nur noch mal zur Erinnerung - die Überschrift des SPIEGEL zur gleichen Umfrage lautet: "Zustimmung für Bush sinkt". Und n-tv meldet: "Bush-Werte sinken - Gleichauf mit Demokraten". Wir haben es hier wirklich mit der Elite des deutschen Kampagnenjournalismus zu tun...
English summary
SPIEGEL ONLINE (the online version of the left-wing German weekly SPIEGEL) reports on a poll by the Washington Post and ABC: "Bush's Approval In Decline". Closer examination of the actual results reveals that no such conclusion can be drawn: On the contrary, Bush's job approval rating for his handling of the Presidency shows improvement, from 53 % in mid-October to 56 % at the end of October. It's SPIEGEL's reputation that's in decline, not the President's.
Update: The Shark Blog posts the actual wording of the Washington Post's comment on the survey:
"Bush begins the campaign year with an overall approval rating of 56 percent, according to the new Post-ABC News poll. That number is good by historical standards and masks sharp differences between Republicans and Democrats." and also that "Democrats, however, are virtually invisible as an effective opposition to a president who commands center stage."






Hey, maybe Spiegel reporters can't read English or maybe they can't read numbers.
Or, maybe they don't understand polls. This is the question I've had about
the American media for years, are they stupid or malevolent? I've come to an answer: both.
Posted by: Jabba the Nutt | November 02, 2003 at 05:46 PM
Or maybe they got the story from a wire service... see today's
Shark Blog
Posted by: Scott | November 02, 2003 at 06:42 PM
I have come to recognize this sort of "wishful thinking" in most german media outlets. That and the way they seem to crow about any bad economic news from the US. (DOW SCHRUMPFT!) When they want to cluck about bad economies and the shrinking popularity of politicians they would do well to look a little closer to home.
Posted by: georg | November 02, 2003 at 08:05 PM
wie bei jeder statistik musst du dir die genauen merkmale anschauen. gerade bei der von dir beklagten trickserei ist der beobachtungszeitraum von bedeutung.
die marginalen veränderungen innerhalb eines monates 30.9.-29.10. gestatten überhaupt gar keine vergleichsaussage.
viel eher spricht der spiegel auch auf eine über mehrere monate hin deutlich wahrnehmbare abnahme der zustimmung für bush an. also doch keine trickserei.
Posted by: art | November 02, 2003 at 11:08 PM
art, Sie Geistesriese, natürlich hat der spiegel bereits die
Umfragewerte vom 30.9. (54 % Zustimmung, 44 % Ablehnung) bei ihrem
Erscheinen ausgiebig gefeiert.
Jetzt die Umfragewerte vom 29.10. (56 % Zustimmung, 42 % Ablehnung)
mit der Schlagzeile "Zustimmung für Bush sinkt" zu melden, ist
irreführend.
Wie waren noch einmal die letzten Umfragewerte für Schrödi und die
SPD?
Posted by: | November 03, 2003 at 12:26 AM
The report is highly deceptive...the true trend in the ABC/WP poll has been two months of relative stability. And do not forget to include the +/- 3% margin of error. These ranges are shown in parenthesis.
10/26-29/03--56% (53-59%)
10/9-13/03---53% (50-56%)
9/30/03------54% (51-57%)
9/10-13/03---58% (55-61%)
9/4-7/03-----56% (53-59%)
Posted by: A E Hansen | November 03, 2003 at 01:12 AM