« Dafür wäre sich sogar Karl-Eduard von Schnitzler zu schade gewesen: der STERN geht auf George Bush los | Main | Blair ohne Tadel »

TrackBack

TrackBack URL for this entry:
http://www.typepad.com/services/trackback/6a00d83451c42969e200d83456a55969e2

Listed below are links to weblogs that reference We will not forget!:

Comments

Als Deutscher, der zur Zeit der Anschlge in New York gelebt hat, und die Ereignisse am Morgen des 11. September mit eigenen unglubigen Augen mitverfolgen konnte, mchte ich hier noch einmal ein wenig meine persnlichen Ansichten loswerden. Vielleicht kann ich es ja hier tun, ohne als Moralist oder "Bush-ist" virtuell gesteinigt zu werden.

Nach meiner Rckkehr nach Deutschland im Dezember 2001 bin ich hierzulande mittlerweile in eine Art innere Immigration gezogen angesichts der massiven Ansammlung von Besserwissern, Gutmenschen und selbsternannten Experten, von denen die meisten weder ein persnliches Bild des Landes haben, da sie stndig und unentwegt fr alles verantwortlich machen (einschlielich der Anschlge selbst), noch irgendeine Konzeption davon was es heit sich aus heiterem Himmel persnlich bedroht zu fhlen.

Das hlt viele meiner Landsleute nicht davon ab in Oberlehrermanier sich die Dinge zurecht zu legen, in einer hchst komplexen Situation sofort Antworten zu liefern ("Es war die verdiente Rache der Armen") oder sich durch genau jene Oberflchlichkeit (in der Stereotypisierung) auszuzeichnen, die sie so gerne und kultiviert den "Amis" vorwerfen.

Es ist erstaunlich wieviel hartnckige Verbohrtheit,Dummheit und Arroganz hier herrscht, angefangen von Intellektuellen wie Grass und Sloterdijk bis (erschreckenderweise) hinunter zu einigen meiner engeren Bekannten (von Paranoikern wie Brckers und von Blow ganz zu schweigen).

Es ist nichts gegen ein gesundes Ma an Kritik gegenber der US-Regierung und auch vieler US-amerikanischer "Werte" einzuwenden, aber die Gte der Voreingenommenheit hierzulande ist gegenwrtig eher von solcher Art wie jene Reaktion, die ich auf Telepolis von einem Mitglied auf die Frage hin erhielt, ob er/sie jemals in die USA gereist sei um sich ein persnliches Bild des Landes zu verschaffen -- Antwort: "Nee, warum auch... gezuckertes Brausewasser und versalzene Fettstifte bekomme ich auch hier".

Das ist noch eine der niedlichsten Ansichten die ich in den vergangenen 1,5 Jahren hier zu hren bekam, aber sie ist auch Teil des allgemeinen Gesinnungs-Terrors der hier herrscht (und der am Vorabend des Krieges gegen den Irak dazu gefhrt hat, da man sich einfach nicht mehr trauen konnte eine differenziertere Meinung zu uern ohne in einer Mischung aus Unglubigkeit und unterdrckter, fast persnlicher Beleidigtheit angegangen zu werden.

Es ist bengstigend und beschmend, da solche und andere Meinungen in Deutschland mittlerweile salonfhig geworden sind und auf jeder Friedens-Demo und in ettlichen Feuilletons zum guten Ton gehren. Sollte sich allerdings ein Amerikaner mal herausnehmen einen hnlich drastischen Ton in umgekehrter Richtung anzuschlagen (was sehr selten vorkommt, da man in einer wirklich multi-kulturellen Gesellschaft wie den USA, anders als unsere hierzulande mit dem Alibi-Trken an der Ecke, stndig darauf achten mu, bestimmte Grenzen zu wahren), dann ist das Geschrei hier endlos: "Was erlauben Rumsfeld!".

Deutschland einig Schizo-Land..

Ich kann meinem Vorredner nur zu 100% zustimmen. Es ist einfach traurig was in unserem Land los ist. Wenn sich nicht bald etwas ändert, wird uns wieder der Teufel holen. Die Irrationalität des Anti-Amerikanismus, die Verbohrtheit, die Dummheit - das sind alles Dinge, die den Deutschen noch nie gut bekommen sind.

Ich sehe eigentlich nur 2 Szenarios für eine Änderung der Situation, die bereits so weit fortgeschritten ist:

1. Die Demokraten gewinnen die nächsten Wahlen in den USA (nicht, dass ich persönlich ein Problem mit den Republikanern hätte) + die Union in Deutschland.
Dann ziehen auch die Medien wieder irgendwann nach. Im Moment ist es ein gegenseitiges Stimulieren mit Rückkopplung: Politik - Bevölkerung - Medien - und wieder zurück.

2. Ein gewaltiger Terroranschlag in Deutschland (Kernkraftwerk z.B.) - das ist natürlich eher unwahrscheinlich. Aber nicht etwa im Sinne des Irrglaubens, dass Fundamentalisten mit Deutschland kein Problem hätten - sondern in dem Sinne, dass die USA das attraktivere Ziel sind. Wer jagt schon etwas in Deutschland in die Luft, wenn er in NY das WTC vernichten oder direkt im Irak US Truppen angreifen kann - Deutschland wird dann lieber als gemütlicher Vorbereitungsraum genutzt. Die Situation kann sich allerdings ändern und die Attraktivität anderer westlicher Staaten zunehmen, wenn es in den USA zu schwierig wird. Aber im Moment sind wir ohnehin eher ein nützliches anti-amerikanisches Werkzeug in der UN. Da sieht man schonmal über den deutschen Einsatz in Afghanistan hinweg. Wir Deutschen sind eben lieber erpressbar und sicher *auf Zeit*, als souverän, scheint mir.

Mein Schwager ist Pole, er ist dort bis zu seinem 17. Lebensjahr aufgewachsen, dann nach Deutschland gezogen. Er war einer der wenigen, mit dem ich mich vernünftig über den Irak-Krieg unterhalten konnte. Genau wie tn sagt - alle anderen stellten mich als "Schlächter", als "Kriegstreiber" hin - als ich aber deutlich machte, was Saddam und seine geisteskranken Söhne für Schlachtfeste feierten, war großes Schweigen. Ähnlich die Sache mit den WMDs - er hat doch keine ätsch! Fragt sich nur, womit dann die Kurden massenweise getötet wurden, nicht? Diese Appeasement-Einstellung ist so hirnlos und dabei so weit verbreitet (übrigens ähnlich wie latenter Antisemitismus bzw. "Scharon = Hitler", was für ein Nonsens!), dass es schmerzt; am schlimmsten finde ich jedoch, dass in Deutschland die Medien kollektiv anfangen, sich wie Al Jazeera aufzuführen; deshalb finde ich Davids weblog so gut (s. auch hier: http://www.henryk-broder.de/html/fr_stein.html).

Außerdem stimme ich Alex N. zu. Der Anschlag von Djerba reichte nicht aus, die Leute hier aus ihrem teuronischen schlaf zu reissen, da er in einem Urlaubsland stattfand, nicht im "homeland" (das war ja gerade der Schock von 9-11). Ich hoffe, dass Bush in der Regierung bleibt, es sei denn Lieberman wird Präsident, was unwahrscheinlich ist. Howard Dean hat ja schon einmal gezeigt, dass er auch in Richtung "Äquidistanz" zwischen Israel und den Palestinänsern strebt; eine einstellung, die weit verbreitet und doch völlig destruktiv ist.

Genau so sehe ich das auch. Ich bin sehr erleichtert, daß ich nicht der einzige bin. Die Massenhysterie der letzten eineinhalb Jahre - und ich nenne es ganz bewußt so - hat mein Verhältnis zu meinem Heimatland nachhaltig verändert.

Alex N.: ich glaube, kein anderer Präsident der USA könnte das Verhältnis zu Europa in Krisenzeiten besser managen - nicht Clinton, nicht Gore und auch nicht Dean - außer durch Kapitulation und Stillsitzen. Man sollte nicht vergessen, wieviel antiamerikanische Stimmung während des ersten Golfkrieges zu Tage trat (trotz breiter Unterstützung der "Weltgemeinschaft"), als z.B. das Pflegepersonal eines Krankenhauses erklärte, sie würden sich weigern verletzte Amerikaner zu behandeln, denn das sei Unterstützung eines Angriffskrieges. Ich weiß noch wie Ulrich Wickert spekulierte, der Einsatz in Somalia sei durch dortige Erdgasvorkommen motiviert. Und die Bombenangriffe auf Kosovo/Serbien - hinter denen u.a. die deutsche Regierung stand - wurden in weiten Kreisen als amerikanische Verbrechen gesehen. Das waren alles "multilaterale" Aktionen.

Eine andere deutsche Regierung könnte schon eher helfen. Wie viele bekannte deutsche Politiker haben in dieser Sache Rückgrat gezeigt? Mir fällt nur Angela Merkel ein.

Weil ich so sprachlos war über diese USA-Häme und -Hetze hier in Deutschland habe ich mich in einigen Zeitungenforen umgesehen, um vielleicht auf Gleichgesinnte zu stoßen. Die USA-Hasser rotteten sich regelrecht zusammen und bildeten eine Gruppe gegen uns Wenige, die die Politik der USA, den Kampf gegen den Terrorismus und den Irakkrieg verstanden und Argumente und Fakten austauschen wollten. Ich wurde dermaßen beschimpft, Worte, die ich nicht wiederholen möchte, daß ich fassungslos war. Ich habe dann aufgegeben, weil ich mit Faktenwissen nichts erreicht habe. Die Menge der Bush-Hasser wurde nur wütender. Es bestand gar kein Interesse zu überprüfen, ob man vielleicht falsche oder unvollständige Informationen hatte. Es war bereits Fakt, daß Bush und Blair gelogen hatten, daß der Irakkrieg völkerrechtswidrig war, Bush vor ein Strafgerichtshof gehörte und die UN eigentlich einen Heiligenschein tragen sollte. Aber das Schlimme ist, diese Meinungen teilen viele Wissenschaftler hier, werden in Stiftungen zur Außenpolitik öffentlich vertreten. Politiker der Regierungsparteien nehmen es hin, daß Bush hier als Terrorist und Kriegsverbrecher bezeichnet wird. Es wird öffentlich vertreten, daß die Kriegsgründe erlogen waren. Die ganze Medienkampagne über die angeblich erlogenen Kriegsgründe macht mir deutlich, daß hier gar nicht verstanden worden ist und niemand verstehen will, warum Bush verschiedene Kriegsgründe nennen mußte. Mit der Forderung nach Regimechange hätte er doch keine Resolution in der UN bekommen. Deshalb war er gezwungen, sich hier auf andere Gründe zu stützen. Daß es ein Motivbündel war, müßte doch auch jedem klar gewesen sein. Die Gefahr, Massenvernichtungswaffen zu haben und allein die Gefahr, sie sich wieder beschaffen zu können, falls keine mehr vorhanden sein sollten, rechtfertigen meiner Meinung nach den Irakkrieg. Wenn ich jetzt entdecke, daß selbst Professoren an unseren Universitäten den Unsinn über die erlogenen Kriegsgründe glauben und verbreiten, dann denke ich, daß in diesem Lande etwas nicht in Ordnung ist. Wenn Massenvernichtungswaffen in die Hände von Terroristen geraten sind, dann ist die Welt unendlichen Erpressungen und Ängsten ausgeliefert. Neue Attacken würden eine ganz andere Dimension haben. Das ist die Gefahr, die Bush und Blair ganz klar gesehen und definiert haben. Untätigkeit hilft nicht gegen Terroristen. Welche Antwort hatte Deutschland auf diese Gefahr? Das sei übertrieben. Und wenn nicht? Bis heute wird nur gegen Bush und Blair gehetzt, aber Antworten werden nicht gegeben. Daß dies keine Gefahr sei, ist mir zu wenig. Auch das Verlängern der UN-Inspektionen hätte nicht das Morden im Irak beendet und die Gefahr beseitigt, daß ein Massenmörder und seine Söhne irgendwann im Besitz von Massenvernichtungswaffen kommen.

Auch ich kann mich den vorhergehenden Postings nur anschliessen. Noch nie habe ich mich als Deutscher in Deutschland so fremd gefühlt, wie seit dem 11.9.2001. Dies geht schon soweit, dass auch ich mich nicht mehr öffentlich politisch äussern möchte, denn sowohl formell als auch inhaltlich ist die politische Debatte hinsichtlich Terrorismus und Aussenpolitik allgemein derart verroht, dass man tatsächlich Angst um seine körperliche Unversehrtheit hat, sobald man eine pro-Amerikanisch Haltung kund tut.

Ich möchte doch nur verstehen, warum die Deutschen so sind, wie sie sind. Ist es wirklich eine Art "Rache" der Bombardements des 2. Weltkriegs? Aber wieso findet man den absolut emotionalen, unreflektierten Amerikahass gerade bei jungen Leuten unter 20, die sich höchstwahrscheinlich nicht so viel mit dem 2. Weltkrieg beschäftigt haben?

Ich bin weder Jude noch Amerikaner, oder gar beides (!), sondern ein ganz normal erzogener, evangelischer Deutscher, aber mir war sofort klar, auf welcher Seite ich im "Krieg gegen den Terror" stehen würde. Abgesehen davon, dass Al Gore keine Alternative war, finde ich George W. Bush nicht sympatisch, aber er tut genau das Richtige, nämlich dem Terrorismus mit aller Härte entgegenzutreten.

Was ist bloss los mit den Deutschen - anstatt ihre Wirtschaft aufzubauen, lassen sie sich lieber von Verschwörungstheorien und RTL-Shows einlullen.

Ist das die schon die Dekadenz, die zum nächsten Dikator führt?

Let me add my voice to those who have said that the eloquent N. Klaric should get his own blog.

The comments to this entry are closed.

Our Mission

The Debate

Blog powered by Typepad

February 2014

Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat
            1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28